Mentaler Reset für 2026: Was Martin aus seinem Verletzungsjahr gelernt hat
Nach einem von Verletzungen geprägten MotoGP-Jahr 2025 kämpft Jorge Martin um körperliche und mentale Klarheit - Aprilia setzt auf einen behutsamen Neuaufbau
(Motorsport-Total.com) - Die MotoGP-Saison 2025 war für Jorge Martin ein Jahr voller Rückschläge. Der Weltmeister von 2024 verpasste verletzungsbedingt große Teile des Jahres, kämpfte sich unter Schmerzen zurück und musste sich gleichzeitig mental neu sortieren.
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Jorge Martin will den Weg mit Aprilia Schritt für Schritt gehen Zoom
Nach dem Saisonfinale sprach der Spanier offen darüber, wie schwer die letzten Monate für ihn waren und welche Lehren er daraus zieht. So machte Martin keinen Hehl daraus, wie groß die körperliche Belastung auch weiterhin für ihn sei.
Martin: Noch prägen Schmerzen jeden Kilometer
"Ich bin gefahren, es ging irgendwie, aber ich fühle mich nicht zu 100 Prozent", erklärte er beim Saisonabschluss in Valencia, wo er das Rennen vorzeitig abbrach. Vor allem das ständige Abwägen, nicht zu stürzen, habe ihn blockiert: "Wenn du mit dem Gedanken fährst, um bloß nicht zu crashen, kannst du kein Vertrauen aufbauen."
Sein Körper sei noch weit entfernt von einer Rennform. "Ich habe beim Fahren Schmerzen am Rücken, an den Rippen, an der Hand, am Schlüsselbein, an den Schultern. Unter solchen Bedingungen zu fahren, ist wirklich schwierig."
Dass er dennoch konstant Zeiten im niedrigen 1:30er-Bereich fahren konnte, habe ihn selbst überrascht: "Es fehlen noch sechs bis fünf Zehntel zum Siegtempo." Doch erst, wenn der Körper komplett regeneriert sei, könne er wieder Risiken eingehen.
Der mentale Reset für 2026: Nichts überstürzen
Obwohl er die psychische Belastung eines verlorenen Jahres nicht kleinredet, bleibt Martin nüchtern. "Mental ist alles okay, ich muss mich einfach erholen", sagt der Spanier. Der Winter soll helfen, die Saison "zu reinigen, abzuschließen" und mit mentaler Klarheit ins neue Jahr zu gehen. Dann wolle er wieder "pushen" können.
Eine wichtige Lektion habe er bereits gelernt: "Nicht mehr zu machen, als nötig ist." 2025 sei er oft gestürzt, weil er die Grenzen einer für ihn neuen Maschine überschätzt habe.
Sein Comeback beim Saisonfinale in Valencia sei hingegen ein Schritt in die richtige Richtung gewesen. "Dieses Wochenende habe ich nicht gewonnen, ich habe es nicht unter die Top 10 geschafft, aber ich glaube, ich habe getan, was ich tun musste. Also denke ich, dass ich mich darauf konzentrieren sollte", so Martin.
Sterlacchini: "Müssen 2026 Schritt für Schritt aufbauen"
Aprilia-Technikchef Fabiano Sterlacchini betont, dass die vielen verletzungsbedingten Pausen das gemeinsame Lernen massiv erschwert hätten: "Wir hatten viele Stop-and-Go-Phasen. Wir müssen 2026 mit einem Aufbauansatz starten - Schritt für Schritt."
Die RS-GP habe sich über das Jahr deutlich weiterentwickelt und bewiesen, dass sie mit verschiedenen Fahrern konkurrenzfähig sein könne. Nun gehe es darum, die perfekte Verbindung zwischen Fahrer und Motorrad zu schaffen.
"Mit Jorge müssen wir die Alchemie herstellen. Sein Fahrstil muss sich anpassen, wie es Marco [Bezzecchi] und Raul [Fernandez] getan haben. Gleichzeitig müssen wir weiter am Motorrad arbeiten, um jene Probleme zu lösen, die er mit seinem Stil momentan nicht kompensieren kann", blickt Sterlacchini auf 2026 voraus.
Rivola: "Das Wichtigste ist, dass Jorge an sich glaubt"
Massimo Rivola, bei Aprilia Racing für die Gesamtstrategie verantwortlich, vertraut daran, dass beide Seiten im nächsten Jahr noch enger zusammenwachsen.
Er sieht in Martin keinen angeschlagenen Champion, sondern einen Ausnahmekönner, der einfach nur Zeit braucht. "Jorge weiß, dass sein Team und sein Bike Potenzial haben. Das Erste, woran er denken muss: an sich selbst zu glauben", betont der Aprilia-Boss.
Die Erwartungen an einen Weltmeister seien naturgemäß hoch, doch Rivola mahnt zur Geduld: "Er muss uns nicht beweisen, dass er schnell ist. Jeder weiß, dass er extrem schnell ist. Aber wenn man sich zu sehr hetzt, geht es manchmal nach hinten los." Das habe Martin 2025 schmerzhaft erfahren - und für 2026 daraus gelernt.

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