Heftiger Aprilia-Startunfall in Motegi: Jorge Martin bricht sich Schlüsselbein

Ein grober Bremsfehler von Jorge Martin zerstört das Aprilia-Rennen in Motegi - Während Marco Bezzecchi glimpflich davonkommt, muss Martin operiert werden

(Motorsport-Total.com) - Jorge Martin hat im Sprint beim Grand Prix von Japan in Motegi einen Startunfall ausgelöst, bei dem er mit seinem Aprilia-Teamkollegen Marco Bezzecchi kollidierte und auch den Italiener zu Sturz brachte. Martin zog sich dabei einen verschobenen Bruch des rechten Schlüsselbeins zu.

Titel-Bild zur News: Marco Bezzecchi

Marco Bezzecchi ist auf dem Foto zu sehen, Jorge Martin darunter nicht Zoom

Doch der Reihe nach. Bezzecchi startete vom neunten Startplatz auf der rechten Seite der dritten Reihe. Martin fuhr von Position 17 in der Mitte der sechsten Startreihe los. Der Spanier zog nach rechts, verschätzte sich aber beim Bremspunkt und kam zu schnell zur ersten Kurve.

Während vorne die Fahrer bereits in die Kurve einbogen - darunter auch Bezzecchi - krachte er in die Seite seines Teamkollegen. Beide purzelten spektakulär ins Kiesbett. Johann Zarco (LCR-Honda) und Alex Rins (Yamaha) mussten ausweichen und waren ebenfalls neben der Strecke.

"Ich hatte Glück", schildert Zarco, "dass ich nicht gestürzt bin, denn es war sehr beängstigend, als ich gesehen habe, wie Martin auf den Motorrädern lag und Bezzecchi getroffen wurde. Ich hatte auch Angst, über Jorges Körper zu fahren, aber zum Glück ist nichts passiert."

Im ersten Moment standen Martin und Bezzecchi im Kiesbett auf ihren Beinen und konnten die Unfallstelle verlassen. Auch die Sportwarte konnten die beschädigten Motorräder schnell entfernen und zu Beginn von Runde 2 gab es dort keine gelben Flaggen mehr.

Im Medical Center der Rennstrecke ergaben Röntgenaufnahmen bei Martins Schulter einen verschobenen Bruch des rechten Schlüsselbeins. Er wurde anschließend per Hubschrauber in das Dokkyo Medical University Hospital gebracht, um eine Computertomographie durchzuführen.

Bezzecchi war ebenfalls im Medical Center. Er hat eine Prellung am rechten Bein erlitten, jedoch ohne ernsthafte Folgen. "Marco Bezzecchi hat eine schwere Prellung des Adduktorenmuskels am rechten Bein", bestätigt MotoGP-Arzt Angel Charte bei DAZN Spanien.

"Aber es gibt keine andere Pathologie außer den Schmerzen, die er möglicherweise verspürt. Wir werden ihn mit Rehabilitation, Entzündungshemmern und wenig mehr behandeln." Es ist derzeit der Plan, dass Bezzecchi am Sonntag fahren wird.

"Jorge hat einen Bruch des rechten Schlüsselbeins, im mittleren Drittel, der vollständig verschoben ist", sagt Charte. "Ich habe ihn ins Krankenhaus verlegen lassen, um einen CT-Scan durchzuführen, damit sichergestellt ist, dass die Verschiebung nicht in der Nähe des Lungenbereichs reibt."

Sonntagmorgen wird Martin nach Spanien zurückfliegen, um sich am Montag in Barcelona in der Dexeus-Universitätsklinik einer Operation zu unterziehen. Doktor Xavier Mir und sein Team werden den Bruch des rechten Schlüsselbeins fixieren.

Martin hat sich bei Bezzecchi entschuldigt

Nach der Untersuchung im Krankenhaus kehrte Martin gegen 17:30 Uhr japanischer Ortszeit zurück zur Strecke. Gegen 18:00 Uhr wurde er wieder im Motegi-Paddock gesichtet, wie er vom Medical Center zur Aprilia-Box zurückging.

Er trug den rechten Arm in einer Schlinge und wurde von seiner Freundin Maria begleitet. Bei Überseerennen befinden sich die Büros hinter den Boxen nicht in den Team-Trucks, die in Europa bleiben, sondern in provisorischen Containern.

Dort traf sich Martin mit Aprilia-Motorsportchef Massimo Rivola. Kurz darauf kam auch Bezzecchi. Der Italiener klopfte, trat ein und lehnte sich an einen Beistelltisch, während ein Aprilia-Mitarbeiter ein Handy zückte, damit die beiden gemeinsam den Unfall betrachten konnten.

Jorge Martin, Marco Bezzecchi

Die beiden Aprilia-Teamkollegen unmittelbar nach dem schweren Unfall Zoom

Das Treffen dauerte kaum vier Minuten, bevor sich die Fahrer die Hand gaben und Bezzecchi wieder ging. Auch wenn es nur eine kurze Aussprache war, wurden die Wogen sofort geglättet. Weder Martin noch Bezzecchi gaben am Samstag Interviews.

"Jorge hat immer wieder gefragt, wie es Marco geht", berichtet Aprilia-Kommunikationschef Antonio Boselli Motorsport.com Spanien, einer Schwesterplattform von Motorsport-Total.com im Motorsport Network.

Boselli war bei dem Treffen selbst anwesend und hatte die ganze Szene zwischen den beiden Fahrern miterlebt. "Es war Jorge, der Marco gebeten hat, vorbeizukommen, damit er sich entschuldigen kann", fügt der Italiener hinzu.

Nach den Verletzungen zu Saisonbeginn sowie der schweren Verletzung in Katar und der anschließenden langen Pause ist die nächste Operation wieder ein Rückschlag für Martin. Wie lange er pausieren muss, ist derzeit noch nicht bekannt.

Was Massimo Rivola zu sagen hat

Die Rennkommissare rund um Simon Crafar leiteten eine Untersuchung des Startunfalls ein. Diese wird aber erst abgeschlossen, wenn man sich mit Martin unterhalten hat. Das war laut dem Samstagsbericht der Rennkommissare noch nicht der Fall, weil er im Krankenhaus war.

Aprilia verschickte am frühen Abend japanischer Zeit eine Stellungnahme von Rivola: "Jorge und vor allem Marco sind nicht von den Startpositionen ins Rennen gegangen, die sie sich verdient hatten. Ein grober Bremsfehler von Jorge hat leider zu einem schweren Sturz für beide geführt."

Massimo Rivola

Massimo Rivola musste erneut eine brenzlige Situation mitansehen Zoom

"Wenn man sich ansieht, was passiert ist, können wir froh sein, dass nur ein Fahrer verletzt wurde und dass Marco am Ende keine Frakturen erlitten hat. Wir bedauern es sehr zu hören, dass Jorge erneut operiert werden muss, nach einer Saison, die - gelinde gesagt - schwierig war."

"Die Arbeit von Aprilia geht dennoch mit vollem Tempo weiter: Wir wissen, dass Marco am Sonntag, auch wenn er nicht in Topform ist, immer noch ein großartiges Rennen abliefern kann, und wir werden alles tun, um ihm das bestmögliche Motorrad zur Verfügung zu stellen."