Funk-Frust in der MotoGP: Zarco schimpft, Quartararo sieht klare Grenzen

Johann Zarco zerreißt das MotoGP-Funksystem und hält es für komplett unbrauchbar - Fabio Quartararo sieht immerhin einen sicherheitsrelevanten Nutzen

(Motorsport-Total.com) - Beim MotoGP-Test in Valencia im November stand neben den Updates der Teams erneut auch das geplante Funkkommunikationssystem im Mittelpunkt, das 2026 eingeführt werden soll. Während Hersteller und Offizielle weiter vom Mehrwert überzeugt sind, wächst bei den Fahrern der Widerstand.

Titel-Bild zur News: Johann Zarco

Johann Zarco testete den Funk in Valencia und fällte ein vernichtendes Urteil Zoom

Besonders Johann Zarco fand einmal mehr klare Worte, und auch Fabio Quartararo findet, dass der Funk nur in ganz bestimmten Situationen überhaupt sinnvoll sein könnte.

"Am Ziel vorbei": Zarco fassungslos über die Qualität

Zarco hatte das System bereits im Juni in Aragon getestet, doch auch die neue Version in Valencia konnte den LCR-Honda-Piloten nicht überzeugen. Im Gegenteil: "Für mich ist es unsinnig, so sehr am Ziel vorbeizuschießen", erklärt er und betont, dass sich seine Einschätzung seit dem Sommer "vollkommen" bestätigt habe.

Der Franzose führt sein hartes Urteil vor allem auf massive Tonprobleme zurück: "Ich habe einen Test gemacht und es hat extrem stark gerauscht. Sobald er eine Nachricht durchgeben wollte, gab es nur Rauschen. Ich konnte die Botschaft nur erraten. 'White flag' versteht man, aber es hat eindeutig gerauscht."


Fotos: MotoGP-Wintertest 2025 in Valencia


Zarco wundert sich besonders, dass ein System mit derart schlechter Audioqualität überhaupt ernsthaft getestet wird. "Wenn man sieht, welche Technologie und Audioqualität man heute überall hat, ist es unverständlich, zu etwas zurückzukehren, bei dem es wirkt, als fände man nicht einmal die richtige Funkfrequenz."

Wind, Bewegung, Helm: System im Einsatz unbrauchbar

Neben dem Rauschen komme ein grundlegendes Problem hinzu: die Einsatzbedingungen. "Sie bedenken nicht, dass man im Helm dem Wind ausgesetzt ist, dass man gegen den Luftstrom kämpft, dass man sich ständig bewegt", so Zarco.

Weil der Helm sich leicht bewegt und der Knochenschall-Lautsprecher dadurch nicht immer korrekt aufliegt, werde das System schnell unzuverlässig: "Vielleicht lag der Lautsprecher nicht richtig auf dem Knochen, aber es ist unglaublich kompliziert."

Sobald der Fahrer beschleunigt, sei die Verständlichkeit komplett dahin, erklärt der Franzose weiter. "Wenn man beschleunigt, wird man garantiert keine einzige Nachricht verstehen. Das Einzige, was man mitbekommt, ist bei geschlossenem Gas in langsamen Kurven. Für mich hat das keinen einzigen Nutzen."

Gefährlich sei das System jedoch nicht, betont der LCR-Fahrer: "Ich denke nicht, dass es gefährlich ist, die Ablenkung ist gering." Antworten könne der Fahrer inzwischen ebenfalls, wenn auch nur sehr begrenzt. "Sie haben mir gesagt, dass ich sprechen kann ... Scheinbar haben sie mich gehört, als ich in der Box war."

Quartararo: "Für eine dringliche Warnung kann es nützlich sein"

Auch Fabio Quartararo äußerte sich in Valencia ausführlich zum Thema Kommunikation via Funk. Er ist weniger kritisch als Zarco, sieht den Nutzen aber klar eingegrenzt.

Auf die Frage, ob er das System grundsätzlich nutzen wollen würde, sagt der Yamaha-Fahrer: "Ich denke, es kann interessant sein, wenn man es intelligent einsetzt. Vor allem, wenn Öl auf der Strecke ist oder ein Motorrad oder ein Fahrer am Boden liegt. Für eine dringliche Warnung kann es wirklich nützlich sein."

Fabio Quartararo

Fabio Quartararo glaubt, dass der Funk bei Gefahrensituationen helfen kann Zoom

In puncto Renntaktik oder technische Kommunikation winkt Quartararo jedoch ab: "Wir haben keine Strategie, die man im Rennen wirklich ändern könnte. Alles passiert vorher, alles liegt in unseren Händen." Der Funk ändere daran rein gar nichts. "Aber ja, für Unfälle oder Öl auf der Strecke wäre es interessant."

Eine Gefahr sieht er - ähnlich wie Zarco - im Funk nicht. Auch die Möglichkeit, während einer schnellen Passage angesprochen zu werden, sorgt ihn nicht: "Ich habe es schon probiert, wir arbeiten seit fast einem Jahr daran, aber es stört nicht besonders."

Formel-1-Vergleich? Für MotoGP wertlos

Quartararo, selbst Formel-1-Fan, versteht, warum der Funk dort medial interessant ist. Aber im Motorradrennsport sieht er das nicht. "Ehrlich gesagt werden wir nicht viel reden, weil es nicht derselbe körperliche Aufwand ist. Wir bewegen uns enorm auf dem Motorrad. Es geht eher darum, die Ingenieure besser zu hören."

Für Mappings oder technische Anpassungen sei Funk schlicht irrelevant. "Wie gesagt, für Motor- oder Mapping-Themen ist es nicht interessant. Wir haben nur drei Knöpfe. Die Formel 1 hat extrem viele Möglichkeiten", bekräftigt der Franzose.

Auch Formel-1-typische Reifendaten spielten in der MotoGP keine Rolle. "Egal, wie die Reifen aussehen, wir müssen das Rennen zu Ende fahren. Wir halten ja nicht zum Reifenwechsel", zieht Quartararo den Vergleich. "In der Formel 1 dient das der strategischen Planung von Stopps. Das gibt es bei uns nicht."