"Ein Mysterium": Erste KTM-Saison von Enea Bastianini gibt Rätsel auf
Enea Bastianinis erstes Jahr mit Tech3-KTM verlief äußerst durchwachsen - Womit er am meisten kämpfte und was Teamchef Poncharal als "großes Mysterium" sieht
(Motorsport-Total.com) - Enea Bastianinis erstes Jahr mit Tech3-KTM verlief weit unter den Erwartungen. Der dritte Platz von Barcelona blieb der einzige Höhepunkt einer Saison, in der der Italiener vor allem darum kämpfte, sein neues Arbeitsgerät zu verstehen.
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Enea Bastianini konnte trotz solider Rennpace oft nicht vorne mitfahren Zoom
Beim Saisonabschluss in Valencia sprach der 27-Jährige ungewöhnlich offen über die Gründe für seine Probleme und über seine Hoffnungen für die Saison 2026.
Schon am Donnerstag analysierte Bastianini das immer gleiche Muster, das sich durch die Saison zog. Immer wieder habe sich derselbe Trend gezeigt: "Freitag kompliziert, Samstag ein bisschen weniger, und am Sonntag im Rennen sind wir konkurrenzfähig."
Poncharal rätselt über Bastianinis Freitagsprobleme
Für Tech3-Teamchef Herve Poncharal ist dieses Muster selbst nach einer ganzen Saison weiterhin rätselhaft. "Das ist das große Mysterium", sagt der Franzose. "Der Freitag ist ein entscheidender Tag, und er hat es nie geschafft, direkt in Q2 zu kommen."
Wenn ihm eine akzeptable Startposition gelang, wie etwa in Barcelona mit Platz neun, "stand er am Ende auf dem Podium". Und auch in Valencia habe Bastianini seine Rennstärke bewiesen. Zwar wurde er in die Startkollision mit Aleix Espargaro, Franco Morbidelli und Brad Binder verwickelt, die seine Verkleidung beschädigte.
"Aber als er zurück auf der Strecke war, hatte er die fünftschnellste Rennrunde. Das ist unmöglich zu erklären", so Poncharal. Niemand im Team verstehe, "warum er mit frischen Reifen über eine Runde keine Vorteile hat und am Sonntag so schnell ist".
Soft-Reifen als Achillesferse: Kein Vertrauen
Laut Bastianini liegt das vor allem daran, dass er mit dem Medium-Hinterreifen das Vertrauen finde, das ihm mit der weichen Mischung fehle: "Mit dem Soft am Hinterrad gibt mir das Motorrad das Gegenteil: kein Vertrauen, ich kann nicht pushen."
Der Reifen fühle sich so an, "als würde er mich in jeder Kurve rausschieben". Dadurch werde auch das Einlenken kompliziert. Mit dem Medium hingegen könne er "viel besser mit dem Hinterrad sliden" und Runde für Runde Vertrauen aufbauen.
Die Folge: Bastianini war auch im Sprint meist chancenlos, und genau das habe ihm seine Wochenenden erschwert. "Wenn wir im Sprint den Soft verwenden, bin ich immer hinten und versuche etwas anderes am Bike. In den Videos sehe ich, dass ich nicht relaxed bin. Es ist nicht mein Stil. Ich kann nicht erklären warum."
Umstieg von Ducati auf KTM schwieriger als gedacht
Der Sprint sei inzwischen "nur ein Versuchslauf für Sonntag", erklärt Poncharal. Das Team wisse, dass es am Renntag punkten könne, "aber wenn man die Pace sieht und dann die Position, ist das enttäuschend. Und wir sagen uns jedes Mal: Nächstes Mal lösen wir das Problem mit der fliegenden Runde - bisher ohne Erfolg."
Auf die Frage, ob das alte MotoGP-Wochenende ohne Sprint für ihn leichter gewesen wäre, meint Bastianini vorsichtig: "Manchmal hat mir der Sprint auch geholfen, am Sonntag schnell zu sein." Generell sei es ihm die Umstellung von der Ducati aus dem Vorjahr auf die KTM aber deutlich schwerer gefallen als angenommen.
"Die Anpassung an das Bike war sehr kompliziert", gesteht der Italiener. Der Umstieg sei zwar "kein Schock, aber sehr nah dran" gewesen. Er habe das ganze Jahr über jedes Wochenende etwas ändern müssen, ohne aber je eine echte Lösung zu finden. "Dieses Jahr war die Situation für mich nie ganz klar", so der Tech3-Pilot.
Winterarbeit: Bastianini sieht sich selbst in der Pflicht
Nach dem Sonntagsrennen, das er als Zehnter beendete, sprach Bastianini dann offen darüber, woran er persönlich noch arbeiten müsse. Vor allem seine Qualifying-Schwäche sei ein großes Hindernis gewesen: "Es wird sehr wichtig sein, diesen Bereich zu verbessern. Der Winter wird sehr hart, um ehrlich zu sein."
Die Saisonvorbereitung begann bereits am vergangenen Dienstag mit dem Wintertest in Valencia, der erste Eindrücke der 2026er-KTM brachte. Bastianini probierte ein neues Aeropaket samt kürzerer Hecksektion. "Es war eine große Veränderung zu dem, was wir das ganze Jahr benutzt haben", berichtete er.
Die neue Sitzbank habe "Potenzial", doch die Balance habe noch nicht gestimmt, weshalb er zur Standardversion zurückkehrte. Einfluss auf die Rundenzeit hatte das aber kaum. Den Test schloss er auf Platz 17 mit knapp einer Sekunde Rückstand ab.
Da er aufgrund der regenbedingt verkürzten Testzeit kaum am Set-up habe arbeiten können, hofft Bastianini nun, im neuen Jahr bei den Vorsaisontests im Februar echte Antworten auf seine Probleme zu finden. "Ich bin sehr neugierig, die neue Maschine zu verstehen und zu sehen, ob das Potenzial anders ist", sagte er in Valencia.
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