Der Wendepunkt bei Honda: Im Hintergrund hat sich viel verändert
Hondas Formanstieg hat tiefere Ursachen - Im Hintergrund wurden Prozesse neu geordnet - Die aktuellen Leistungen spiegeln diesen strukturellen Wandel wider
(Motorsport-Total.com) - Mit dem siebten Platz beim Saisonfinale in Valencia hat Luca Marini die entscheidenden WM-Punkte für Honda geholt, um von Concession-Gruppe D in C aufzusteigen. Der Jubel im japanischen Team war groß. Gleichzeitig bedeutet der Aufstieg, dass Honda im kommenden Jahr auf einige Entwicklungsvorteile verzichten muss.
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Honda hat in diesem Jahr deutliche Fortschritte geschafft Zoom
Künftig ist Honda mit KTM und Aprilia gleichgestellt. Der Aufstieg in die höhere Gruppe ist der Beweis für die Fortschritte, die in diesem Jahr erzielt wurden. War es zu Saisonbeginn noch schwierig, regelmäßig in die Top 10 zu fahren, gelang dies im Herbst zunehmend häufiger.
"Das Gute ist", sagt Testfahrer Aleix Espargaro, "dass wir zumindest jedes Wochenende ein Motorrad in der Spitze dabeihaben. Joan, Luca oder sogar Zarco manchmal, das bedeutet, dass das Motorrad gut funktioniert."
"Das Niveau ist wirklich, wirklich hoch und für alle sehr ausgeglichen. Manchmal ist es der eine, manchmal der andere und Joan hat auch in Portimao gezeigt, dass das Motorrad schnell ist. Natürlich befinden wir uns in einem Prozess."
"KTM macht ebenfalls Fortschritte. Aprilia fliegt. Das Gute ist, dass alle näher an Ducati herankommen." Johann Zarco gewann in Le Mans und wurde in Silverstone Zweiter, aber das regnerische Wetter in Frankreich und die kühlen Temperaturen in England spielten eine Rolle.
Joan Mir wurde in Motegi und in Sepang Dritter. Diese Ergebnisse hat der Ex-Weltmeister aus eigener Kraft herausgefahren. Sie sind deshalb aussagekräftiger. Honda ist aufgewacht. Noch 2023, in der letzten Saison von Marc Marquez, hieß es, dass Honda zu träge ist und nicht reagiert.
Mit dem Abschied des Superstars wurden im Hintergrund zahlreiche Veränderungen angestoßen, die zwei Jahre später erste Erfolge zeigen. Trotzdem ist Honda im Vergleich zu den drei europäischen Marken immer noch anders aufgestellt.
"Ja", sagt Espargaro und beschreibt: "Am Anfang war es für mich wirklich schwer zu verstehen, wie die Japaner arbeiten, denn bei Aprilia, mit dem europäischen System, gehst du bei einem Problem mit dem Chassis zu der Person, die für das Chassis verantwortlich ist."
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Das Testprogramm war in der vergangenen Saison sehr umfangreich Zoom
"Wenn du ein Problem mit der Elektronik oder dem Motor hast, gehst du zu der dafür zuständigen Person. Hier bei Honda ist es ein wenig komplizierter. Es gibt mehr Leute, und es ist schwierig, wirklich zu verstehen, welcher Ingenieur wofür zuständig ist."
"Mit der Zeit arbeite und spreche ich viel mit Romano [Albesiano]. Romano versteht ein bisschen mehr. Er hat viel Zeit in Japan verbracht, also kann ich mit Romano ein wenig mehr sprechen, ein wenig mehr verstehen."
"Jetzt sind wir etwas schneller, und wenn ich etwas brauche, kommen die Informationen direkter an. Ich denke, Honda bemüht sich ebenfalls sehr zu verstehen, dass es effizienter und besser ist, ein wenig mehr auf diese Weise zu arbeiten."
Arbeitsweise hat sich stark verändert
"Die Art, wie wir jetzt arbeiten, ist komplett anders als am Anfang", betont Espargaro. Den Eindruck des Testfahrers bestätigt auch Luca Marini. Als der Italiener 2024 zu Honda wechselte, sammelte er an den ersten zwölf Rennwochenenden nur einen WM-Punkt.
"Also ich bin ein Jahr länger hier, und seit Beginn hat sich so viel verändert", sagt Marini. "Dieses Jahr, denke ich, hat sich das Gesamtpaket verbessert, weil wir auch mehr Leute und mehr Ingenieure haben."
"Die Methode zur Analyse der Daten vor einem Rennen sowie nach einem Rennen ist jetzt auf einem sehr hohen Niveau. Also danke an all die Leute, die in diesem Projekt sehr viel Einsatz zeigen."
"Ich denke, dass wir in der nächsten Saison viel besser sein können, wenn wir so weiterarbeiten. Wie Aleix sagte, hat sich die Methode in dieser Saison weiter verbessert, aber ich denke, wir können noch einen Schritt machen."
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Romano Albesiano (links) hat neue Arbeitsmethoden eingeführt Zoom
Allerdings muss Honda wie eingangs erwähnt auf die Concession-Vorteile verzichten. Private Tests sind für die Stammfahrer künftig nicht mehr erlaubt, für private Testfahrten stehen den Testfahrern künftig auch etwas weniger Reifen zur Verfügung.
Die Motorspezifikation wird eingefroren und es darf während der Saison nur noch ein Aerodynamik-Update homologiert werden statt zwei. Ducati hat die meisten Einschränkungen und Espargaro glaubt, dass das die italienische Marke in den Entwicklungsmöglichkeiten einschränkt.
"Weil ich aus meiner Erfahrung weiß, wie viel Material ich getestet habe, wie viele Runden ich gefahren bin und wie stark wir das Motorrad in den vergangenen sechs Monaten verändert haben - das war beeindruckend", vergleicht Espargaro.
"Wenn ich mir die Situation ohne das Testteam vorstelle, es geht nicht um mich, aber darum, dass wir die Möglichkeit hatten, sehr, sehr viele Dinge zu testen. Wir bringen sehr viele Dinge zu Joan und Luca."
"Wir hatten zum Beispiel drei Motor-Updates während der Saison. Der Motor, den wir jetzt haben, ist sehr schnell. Ducati hat keine Möglichkeit, den Motor zu ändern. Wenn Joan und Luca heute noch mit dem Motor vom Saisonbeginn fahren würden, wären sie nicht einmal in den Top 10."

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