Dani Pedrosa warnt vor 2027: "Die Reifen können alles verändern"

KTM-Testfahrer Dani Pedrosa spricht über die gewaltigen technischen Umbrüche, die die MotoGP ab 2027 prägen werden, und verrät, wie weit KTM mit der Entwicklung ist

(Motorsport-Total.com) - KTM-Testfahrer Dani Pedrosa hat über den Entwicklungsstand des MotoGP-Projekts für 2027 gesprochen und dabei bemerkenswerte Einblicke in Motor, Reifen, Aerodynamik und die Herausforderungen des neuen Reglements gegeben.

Titel-Bild zur News: Dani Pedrosa

Hier teste Dani Pedrosa die 2026er-KTM, doch der Blick geht schon weiter nach vorn Zoom

"Bislang läuft alles nach dem Zeitplan, den KTM für das neue Motorrad aufgestellt hat", erklärt Pedrosa. KTM liege demnach voll im Soll. Besonders wichtig sei, dass der neue 2027er-Motor bereits auf dem Prüfstand lief, und das ohne Probleme.

Allerdings sei noch unklar, wann ein erster Streckentest stattfinden könne. Pedrosa macht deutlich, dass KTM diesen Schritt unbedingt mit den neuen 2027er-Pirelli-Reifen gehen möchte, "weil es einfach mehr Sinn ergibt". Doch aktuell gebe es noch keinen Testplan für die Reifen. Ein Faktor, der den Zeitplan beeinflusst.

Trotzdem betont der Spanier: "Wir sind nicht in Eile, aber wir wollen das Thema natürlich auch nicht verschlafen." Denn insbesondere die Anpassung an die Reifen sei essenziell.

Der Reifenwechsel: "Eine radikale Veränderung"

Pedrosa spricht aus Erfahrung, schließlich machte er selbst in seiner Karriere den Wechsel von Michelin- auf Bridgestone-Reifen (2008) und auch wieder zurück (2016) mit. "Es ist ziemlich bedeutend, um ehrlich zu sein. Es ist etwas sehr Radikales", blickt er zurück und macht die Bedeutung dieser Umstellung deutlich.

Wie groß die Herausforderung tatsächlich wird, hänge davon ab, wie unterschiedlich die neuen Reifen letztlich seien: "Es wird davon abhängen, ob der Unterschied groß oder klein ist." Je nach Charakteristik könne ein Reifenwechsel die gesamte Struktur eines Motorrads durcheinanderbringen, weiß der 40-Jährige.

Das betreffe "auch Dinge wie die Steifigkeit, den Fahrstil, die Art zu bremsen, wie man das Gas benutzt oder wie aggressiv man das Motorrad in die Kurven lenkt".


Fotostrecke: Die Karriere-Highlights von Dani Pedrosa

Pedrosa verweist auf Moto3 und Moto2 als Beispiel, wo der Wechsel auf Pirelli spürbare Effekte hatte: "Wir haben gesehen, wie sich die Rundenzeiten verbessern, und ich habe mit einigen Teams gesprochen. Sie mussten Änderungen am Fahrwerk und am Fahrstil vornehmen. Vor allem die Fahrer mussten sich anpassen."

Der Spanier fasst es als "Prozess" zusammen: Wer passt sich zuerst an, wer versteht zuerst, wer hat vielleicht von Beginn an die beste Basis? Manche Motorräder könnten mit den neuen Reifen auf Anhieb "fast perfekt funktionieren", während andere "komplett daneben liegen" und große Änderungen nötig würden.

"Es wird stark von diesen Details abhängen", ist er sich sicher. Pedrosa selbst hat die neuen Pirellis im Rahmen eines Reifentests in Misano bereits gefahren. "Ich darf aber leider nichts verraten. Das steht so im Vertrag", erklärt er sein Stillschweigen.

Regeln 2027: Weniger Aero, andere Startdynamik

Über die Regeländerungen für 2027, die insbesondere eine reduzierte Aerodynamik und das Verbot der Holehsot- sowie Ride-Height-Systeme betreffen, darf er hingegen offen sprechen. Auf die Frage, ob diese Richtung notwendig gewesen sei, antwortet Pedrosa vorsichtig, aber positiv: Ja, ich denke, dass es wichtig ist."

Die Änderungen gäben den Fahrern wieder mehr Eigenkontrolle, etwa um selbst Wheelies zu vermeiden oder Grip zu erzeugen. "Auch die Starts werden sich ändern. Heute sehen wir, dass die Starts ziemlich vorhersehbar sind", kritisiert Pedrosa.

Was er meint: "Wenn du einen guten Start hinlegst, bist im Grunde gut für die erste Kurve aufgestellt, vorausgesetzt du hast eine gute Ausgangsposition." Mit den neuen Regeln eröffne sich aber mehr Dynamik: "Ich denke, man wird mehr Plätze gutmachen können. Das öffnet den Kampf auf der Strecke wieder."