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Brivio erinnert sich: So lief der spektakuläre Yamaha-Wechsel von Rossi
Geheimtreffen, nächtliche Verhandlungen und ein erster Blick auf die Yamaha im Morgengrauen: Davide Brivio erinnert sich an Valentino Rossis legendären Wechsel
(Motorsport-Total.com) - Der Wechsel von Valentino Rossi von Honda zu Yamaha gilt bis heute als einer der spektakulärsten Transfers der Motorsportgeschichte. Davide Brivio, einer der zentralen Architekten dieses Deals, blickt mit Motorsport.com, einer Partnerseite von Motorsport-Total.com, auf die entscheidenden Momente zurück.
© Gold and Goose Photography / LAT Images / via Getty Images
Valentino Rossis Wechsel zu Yamaha zahlte sich aus: Er holte direkt den Titel Zoom
Dabei offenbart der heutige Trackhouse-Teamchef, wie viel Widerstand, Geheimhaltung und Mut nötig waren, um "Il Dottore" vor der Saison 2004 nach Iwata zu holen.
Brivio stieß 2002 nach einer langen Superbike-Karriere zur MotoGP. Yamaha verpflichtete ihn als Teammanager. Ein Jahr später begann gemeinsam mit Lin Jarvis, damals Yamahas oberster Mann im Paddock, eine der kühnsten Offensiven der Königsklasse.
Es gab Zweifel an Rossi, sogar bei Yamaha
Die Ausgangslage schien paradox: Rossi dominierte die MotoGP seit drei Jahren auf Honda. Yamaha hingegen hatte seit 1992 keinen Titel mehr gewonnen. Zwischen 1993 und 2003 gewann man lediglich 24 Grands Prix, Honda hingegen 117.
Diese Dominanz nährte den Glauben, dass nicht der Fahrer, sondern das Motorrad den Unterschied mache. Wer auf einer Honda NSR oder später der RC211V saß, könne automatisch gewinnen. Genau an diesem Punkt setzten Brivio und Jarvis an, um Rossi zu reizen. Doch intern stand keineswegs jeder hinter dem Projekt.
"Anfangs wollte Yamaha Rossi nicht verpflichten, weil es eine Strömung gab, die meinte: Wenn er gewinnt, wird jeder denken, es sei allein sein Verdienst. Und wenn er nicht gewinnt, würde die Schuld auf das Motorrad geschoben", erinnert sich Brivio.
Die Wende brachte Masao Furusawa, der im Juni 2003 die Leitung des MotoGP-Projekts übernahm. "Er war derjenige, der diese Denkweise geändert hat. Er überzeugte den Yamaha-Präsidenten, dass man Valentino verpflichten müsse. Gemeinsam überzeugten wir die Führungsebene, dass man zum Gewinnen unbedingt einen Topfahrer braucht. Honda gewann, ja - aber mit den Besten: Doohan, Rossi."
Treffen im Verborgenen aus Angst vor Honda
Der Deal mit Rossi wurde nicht über Nacht abgeschlossen. Fast ein Jahr dauerte es, bis alle Details geregelt waren. Die Brisanz war enorm, denn Honda legte Rossi mehrfach ein neues Vertragsangebot vor. Entsprechend mussten die Gespräche zwischen Yamaha und dem Superstar im Verborgenen stattfinden.
"Während der WM 2003 trafen wir Vale fast jedes Rennwochenende, um über viele Dinge zu sprechen: den Aufbau des Teams, welche Mechaniker er mitnehmen wollte, wie man die Tests angehen sollte und so weiter", blickt Brivio zurück.
"Das Problem war nur, wo wir uns treffen konnten, denn im Paddock ist man für alle sichtbar, und in den Hotels sind alle Teams durcheinander." Besonders eine Szene blieb ihm unauslöschlich im Gedächtnis. Sie ereignete sich im Clinica Mobile am Rande des Grands Prix von Tschechien 2003 in Brünn.
"Wir verabredeten uns dort nach zehn Uhr abends, als alle Physiotherapeuten und Ärzte bereits weg waren. Wir öffneten den Reißverschluss des Zelts, gingen hinein, setzten uns um einen Tisch und begannen das Treffen. Plötzlich hörten wir ein Motorrad, das sich näherte, und sowohl Lin als auch ich versteckten uns unter dem Tisch."
Mitten in der Nacht zur Yamaha-Box geschlichen
Als es schließlich um Zahlen ging, wurden die Gespräche zäh. Rossis damaliger Manager Gibo Badioli pokerte hoch, zumindest zunächst. "Finanziell waren Badiolis Forderungen anfangs völlig überzogen. Später konnten wir eine Einigung erzielen."
"Und ich glaube, mit dem, was Yamaha danach verkaufte, hat das Unternehmen diese Investition mehr als wieder hereingeholt", verweist Brivio auf Rossis Außenwirkung.
Der vielleicht symbolträchtigste Moment folgte nach der Einigung: Rossis erstes Treffen mit seiner zukünftigen Maschine. Auch das musste unter strengster Geheimhaltung stattfinden.
"Nachdem wir uns die Hand gegeben hatten, wollte Vale das Motorrad sehen. Das war auf der Rennstrecke von Donington Park. Wir warteten bis in die frühen Morgenstunden, weil wir wollten, dass niemand mehr im Paddock war. Und er kam mit Kapuze herein, damit ihn niemand erkannte", erinnert sich Brivio.
Ein nächtlicher Moment, der Motorsportgeschichte schrieb. Denn nur ein Jahr später, gleich in seiner ersten Saison mit Yamaha, gewann Rossi den Titel und bewies endgültig, dass nicht nur das Motorrad, sondern vor allem der Fahrer den Unterschied macht.
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