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Blockpass oder zu hart? Marc Marquez kritisiert: "Das ist die neue MotoGP"
Für Marc Marquez war das Manöver gegen Pedro Acosta ein perfekter Blockpass - Er kritisiert das Timing der Strafe - Unterschiedliche Meinungen zum Manöver
(Motorsport-Total.com) - Nach dem Sturz von Marco Bezzecchi (Aprilia) entwickelte sich im ersten Sprint der MotoGP-Saison 2026 in Buriram (Thailand) ein enges Duell zwischen Marc Marquez (Ducati) und Pedro Acosta (KTM). Die beiden Spanier zeigten den Fans zahlreiche Überholmanöver.
© Steve Wobser/Getty Images
Marc Marquez und Pedro Acosta lieferten sich ein enges Duell Zoom
Acosta probierte es mehrmals am harten Bremspunkt der Zielkurve, aber Marquez beschleunigte ihn jeweils auf der Geraden aus. In der vorletzten Runde attackierte Acosta im kurvigen Teil der Strecke in der Doppel-Linkskurve von Kurve 5 und 6.
Bis Kurve 8 machte er das Überholmanöver perfekt. Anschließend bremste sich Marquez in der Zielkurve innen vorbei. Acosta war auf der Außenseite, am Scheitelpunkt kam es zu einer leichten Berührung, wodurch Acosta einen weiten Bogen über die asphaltierte Auslaufzone fahren musste.
Zu Beginn der letzten Runde hatte Marquez dadurch einen Vorsprung von knapp vier Zehntelsekunden. Allerdings leiteten die Rennkommissare um Simon Crafar eine Untersuchung des Manövers ein. Sie fällten auch rasch ein Urteil.
Im Dokument der Rennkommissare heißt es: "Kontakt mit einem anderen Fahrer beim Überholen verursacht und dadurch einen unfairen Vorteil erlangt, der einen Positionswechsel zur Folge hatte." Marquez musste die Position an Acosta zurückgeben.
Der Ducati-Fahrer sah die Nachricht der Strafe auf seinem Dashboard und ließ Acosta in der letzten Kurve passieren. In der Auslaufrunde kam es zwischen den beiden Spaniern zu einem Handshake. Dadurch wurde klar, dass es zwischen ihnen keine Differenzen gab.
Unmittelbar nach Zieldurchfahrt war Ducati-Teammanager Davide Tardozzi mit der Strafe nicht einverstanden: "Ich finde, wir haben viele Überholmanöver von genau dieser Art gesehen. Marc hat Pedro nicht berührt, er ist nicht von der Strecke abgekommen - also finde ich, das ist nicht fair."
"Sowohl Marc als auch Pedro wissen ganz genau, wie so ein Ding läuft", so Tardozzi bei MotoGP.com. "Ich bin mir sicher: Wenn Pedro in der umgekehrten Situation gewesen wäre, hätte er dasselbe gemacht." Für den Italiener war es ein klassischer Blockpass.
Marquez spricht von perfektem Blockpass
Marquez selbst äußerte sich in einer ersten Reaktion zurückhaltender. Im ersten Interview nach dem Rennen sagte er, er respektiere die Entscheidung der Rennkommissare. Dieses Überholmanöver gegen Acosta hält er jedoch für sauber.
"Ja, die Strategie war perfekt. Der Blockpass war so gut, wie er nur sein kann. Er war so gut, weil ich schon vor dem Scheitelpunkt der Kurve vorne war. Ich war eine halbe Motorradlänge vor ihm. Für mich war das ein perfektes Manöver", findet der Weltmeister.
"Als er mich in dieser Kurve überholt hat, habe ich das Motorrad laufen lassen, dann habe ich verzögert und den Ausgang vorbereitet. Wenn ich in dem Moment reingezogen hätte und er überholt mich, dann wäre ich raus gewesen."
"Aber wir müssen uns an die neuen Regeln anpassen", sagt Marquez und kritisiert: "Diese Strafe - das ist die neue MotoGP. Wenn ihr bei den Regeln streng sein wollt, wenn ihr viele Strafen wollt, wenn ihr viele Nachrichten aufs Motorrad schicken wollt, dann macht es, aber macht es richtig."
"Warum braucht ihr eineinhalb Minuten, um mir die Nachricht mitzuteilen? Gebt sie mir am Ausgang von Kurve 3, wenn es klar ist, oder wartet und schaut euch den Zwischenfall mit den beiden Fahrern am Ende des Rennens noch einmal an."
"Ich habe die Nachricht erst am Ausgang von Kurve 11 bekommen, und ich respektiere das, ehrlich gesagt, weil die zweite Strafe greift, wenn du die erste nicht respektierst. Dann sind es, soweit ich das verstanden habe, drei Sekunden. Das ist nicht einfach nur eine Position abgeben."
Wird Marquez mit Crafar darüber sprechen? "Nein. Ich bin kein Steward, ich bin Fahrer. Ich weine nie und ich werde nie weinen. Ich passe meinen Fahrstil an das an, was das Motorrad und die Meisterschaft verlangen."
Acosta hatte keine Strafe erwartet
Wie bewertet Acosta das Überholmanöver und die Strafe gegen Marquez? "Am Ende ist es, wie es ist. Ob du es akzeptierst oder nicht: Es ist, wie es ist. Selbst wenn sie Marc nicht bestraft hätten, wäre ich mit dem Rennen, das ich gefahren bin, zufrieden."
Hatte er erwartet, dass Marquez eine Strafe erhalten würde? "Nein, nein", sagt Acosta, "Deswegen bin ich auch über die Ziellinie gefahren und dachte nur so: 'Was geht jetzt ab?'" Dennoch hält er fest, dass ihn Marquez bei dem entscheidenden Manöver berührt hat.
Auf die Frage, ob Acosta es genauso machen würde, antwortet er: "Klar. Ich meine, genau das macht die MotoGP so aufregend. Am Ende erinnerst du dich an genau solche Kämpfe und genau an solche Momente. Es war ein schönes Rennen für die Fans."
Acosta gewann erstmals einen Sprint, und erstmals führt ein KTM-Fahrer die Weltmeisterschaft an. Aber es war vor allem die Performance und das Duell, die ihn so glücklich stimmen: "Riesenspaß! Mein bester Kampf bisher in der Meisterschaft."
"Ich bin super happy, die Saison so zu starten, weil wir letztes Jahr so sehr dafür gekämpft haben. Wir müssen in diese Richtung weitermachen. Ich bin sehr zufrieden, weil ich hier letztes Jahr so gelitten habe und jetzt mit ihm kämpfen zu können, ist schon ziemlich schön."
Andere Fahrer sind zur Strafe geteilter Meinung
Als Dritter hatte Raul Fernandez (Trackhouse-Aprilia) unmittelbar dahinter die beste Sicht auf das Duell. "Die beiden sind mit viel Respekt gefahren", findet er. "Du hast bei diesen Motorrädern ein Problem: Wenn du gerade in so einem Wheelie-Moment bist, kannst du die Richtung nicht ändern."
"Wenn du dir die Szene zwischen Marc und Pedro genau anschaust: Als Marc Pedro berührt hat, lag das daran, dass er kurz in so einem Wheelie-Moment war und nicht die Richtung ändern konnte, da bin ich mir sicher."
"Aber mit diesen Strafen bin ich nicht einverstanden, weil genau das das Schöne am Motorsport ist. Ich finde: Wenn du die Show erhalten willst, wenn du zeigen willst, dass die MotoGP der beste Sport der Welt ist, dann musst du solche Dinge auch in diesem Rahmen zulassen."
Ähnlich bewertet die Situation Fabio Quartararo. "Ich kann die Strafe verstehen. Aber Marc war noch innerhalb der Strecke - es war grenzwertig", findet der Yamaha-Fahrer. "Ich denke, es war auf jeden Fall ein Blockpass."
"Für mich war er wirklich sauber. Es ist 50:50. Es hängt davon ab, von welcher Seite du es betrachtest. Es war ein sauberes Manöver, aber er war auch ein bisschen raus aus der Linie, trotzdem war er noch auf der Strecke."
Eine klare Meinung hat Jack Miller. Im vergangenen Herbst wurde er für ein Überholmanöver gegen Fermin Aldeguer bestraft. Damals ärgerte sich Miller, dass "der Stil der jungen Fahrer kein Racing" mehr ist. "Meine Haltung dazu ist nach Valencia ziemlich klar", so Miller.
"Aber wenn jemand einfach die Bremse löst und laufen lässt, statt das Logische zu machen, nämlich Platz zu geben und innen durchzukreuzen und dann trotzdem weiter versucht, außen zu sein, dann geht dir irgendwann einfach die Strecke aus."
Franco Morbidelli (VR46-Ducati), der im vergangenen Jahr oft nach strittigen Situationen zu den Rennkommissaren musste und viel mit Crafar gesprochen hat, findet die Strafe in Ordnung: "Ich kann dazu nur sagen, dass ich Simons Entscheidungen respektiere."
"Weil er bei solchen Situationen sehr konstant ist. Wir können zustimmen oder anderer Meinung sein, aber wir können nicht übersehen, wie konstant der Gedankengang und die Entscheidungsfindung dahinter sind."
Trotz der Diskussionen ist Marquez mit dem zweiten Platz letztlich doch zufrieden: "Ich bin sehr glücklich über Platz zwei, so in die Saison 2026 zu starten nach einer Vorsaison, die nicht die beste meines Lebens war."

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