Aprilia: Rivola würde mit Fahrerwahl für 2027 "gerne noch warten, aber ..."

Massimo Rivola würde sich mit Fahrerfrage für die MotoGP-Saison 2027 am liebsten Zeit lassen, weiß aber, dass andere "viel Geld" für Bezzecchi und Martin bieten

(Motorsport-Total.com) - Wird Aprilia gezwungen, sein Fahreraufgebot für die übernächste MotoGP-Saison (2027) deutlich früher festlegen zu müssen als man das eigentlich will? Glaubt man den Worten von Massimo Rivola anlässlich der Aprilia-Teampräsentation 2026 vor wenigen Tagen in Mailand, dann sieht es ganz danach aus.

Titel-Bild zur News: Marco Bezzecchi, Massimo Rivola, Jorge Martin

Fahren Marco Bezzecchi und Jorge Martin auch 2027 unter Massimo Rivola für Aprilia? Zoom

Bei dieser Gelegenheit nämlich verriet Rivola, dass die Konkurrenz "viel Geld" bietet, um Marco Bezzecchi (WM-Dritter 2025) und/oder Jorge Martin (Weltmeister 2024 auf Pramac-Ducati) mit Blick auf 2027 von Aprilia loszueisen. Dort läuft sowohl der Vertrag von Bezzecchi als auch der Vertrag von Martin am Jahresende 2026 aus (MotoGP 2026: Fahrer, Teams und Vertragslaufzeiten im Überblick).

"Ehrlich gesagt würde ich es vorziehen, noch ein wenig zu warten", so die Worte von Aprilia-Rennleiter Rivola, als er in Mailand zur Fahrerentscheidung für 2027 befragt wurde. "Es könnte aber sein, dass ich gezwungen werde, rasch eine Entscheidung zu treffen, denn andere bewegen sich zügig. Ich weiß, dass sie viel Geld für unsere Fahrer bieten."

Wird Jorge Martin (wieder) von Honda umworben?

Rivola nennt für "andere" keinen konkreten Namen. Aber insbesondere um Martin, der sich kürzlich erneut zweimal hat operieren lassen, gibt es schon seit Sommer 2025 Wechselgerüchte. Für die Zukunft könnte sich der MotoGP-Weltmeister von 2024 dem Honda-Lager anschließen.

Tatsächlich versuchte Martin schon inmitten seines verletzungsgeprägten ersten Aprilia-Jahres eine Ausstiegsklausel zu nutzen, um schon für 2026 wechseln zu können. Letzten Endes hat man sich doch zusammengerauft, weshalb Martin zumindest für die unmittelbar bevorstehende Saison noch bei Aprilia unter Vertrag steht.

Jorge Martin

Bei Aprilia hat Martin noch nicht viel zeigen können - gelingt es ihm 2026? Zoom

Als er beim Aprilia-Launch in Mailand selber zu diesem Thema befragt wurde, entgegnete Martin: "Ich glaube, dass Aprilia wie immer einen hervorragenden Job machen wird. Das meine ich sowohl auf die Gegenwart als auch auf die Zukunft bezogen. Jetzt ist es erst einmal wichtig, sich auf dieses Jahr zu freuen, also auf die Gegenwart. Was die Zukunft betrifft, wird es noch viel Zeit geben, um darüber zu sprechen."

Kann Aprilia Marco Bezzecchi für "italienisches Märchen" halten?

Auch Martins Teamkollege Bezzecchi wird laut Rivola von der Konkurrenz umworben. Das liegt nicht zuletzt daran, dass "Bez" in der zweiten Hälfte der MotoGP-Saison 2025 zum stärksten Konkurrenten von Marc Marquez auf der Werks-Ducati avancierte. Insbesondere auf dem Sachsenring, in Brünn und in Misano heizte der Aprilia-Pilot dem späteren Weltmeister ein.

Im Anschluss an das vorzeitige Saison-Aus für Marquez, an dem er selber durch die unglückliche Kollision in Mandalika nicht unbeteiligt war, drehte Bezzecchi erst so richtig auf. An den beiden letzten Saisonwochenenden - Portimao und Valencia - fuhr er jeweils von der Pole den Grand-Prix-Sieg ein. Zusammen mit seinem Silverstone-Sieg von Ende Mai kam Bezzecchi so auf drei Saisonsiege und letztlich den dritten WM-Platz.

Marco Bezzecchi

Marco Bezzecchi auf Aprilia gilt für 2026 als einer der WM-Favoriten Zoom

"Mit Marco sieht es ganz so aus, als würden wir gerade gemeinsam etwas ganz Besonderes aufbauen, gewissermaßen ein italienisches Märchen", sagt Rivola und nimmt noch einmal Bezug auf die Fahrerfrage für 2027: "Natürlich wäre es schön, wenn wir mit beiden weitermachen können. Im Moment aber hat das Motorrad für uns klar Priorität."

"Mit Marco ist es uns gelungen, ihm ein Paket zu geben, dass es mir erlaubt zu sehen, wer er wirklich ist. Mit Jorge ist uns das bislang noch nicht gelungen", so Rivola und weiter: "Ich würde ihn gerne bei 100 Prozent Fitness sehen. Im Moment ist er davon noch ein Stück entfernt. Aber er ist ein Weltmeister und abseits der Strecke ein Gentleman. Es wäre daher sehr schön, wenn wir mit ihm weitermachen könnten, aber wir müssen ihm Zeit geben."

Genau die, nämlich die Zeit, droht Rivola davonzulaufen, weil sich die Konkurrenz auf dem Fahrermarkt "zügig bewegt", wie er selber sagt. Es wäre daher alles andere als eine Überraschung, wenn die ersten Verträge für die MotoGP-Saison 2027 schon ganz früh in der Saison 2026 fixiert werden.