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Aprilia im Aufwind: Warum die MotoGP-Saison 2025 besser lief als geplant
Aprilia erlebte 2025 einen Leistungssprung: Technikchef Fabiano Sterlacchini erklärt, welche Änderungen im Hintergrund diesen Erfolg möglich machten
(Motorsport-Total.com) - Ende 2024 stieß Fabiano Sterlacchini als neuer technischer Leiter zu Aprilia. Nur eine Saison später zeigt sich der Einfluss des langjährigen Ducati- und KTM-Mannes bereits deutlich. Trotz der verletzungsbedingten Abwesenheit von Jorge Martin gelang der Marke 2025 ein spürbarer Leistungssprung.
© Getty Images Europe
Aprilia entwickelte sich 2025 mit Marco Bezzecchi zum ersten Ducati-Verfolger Zoom
Marco Bezzecchi feierte unter anderem späte Siege in Portimao und Valencia, die das Jahr für Aprilia krönten. Die WM schloss er als Gesamtdritter ab. Für Sterlacchini schnitt er damit besser ab als ursprünglich erwartet: "Ich rechnete realistisch damit, mit unseren Fahrern um einen Platz unter den Top 5 zu kämpfen."
Gepaart mit Rang zwei in der Herstellerwertung habe Aprilia sein Ziel übertroffen. "Es ist besser gelaufen als gedacht." Rückblickend erklärt Sterlacchini ausführlich, was hinter diesem Fortschritt steckt, und wohin der Weg 2026 und 2027 führen soll.
"Nur einer der Männer hinter dem Projekt"
Auf die Erfolge angesprochen, betont Sterlacchini zunächst mit Nachdruck, dass der Erfolg keineswegs seine alleinige Handschrift trage. "Ich bin einer der Männer hinter dem Projekt, nicht der Mann hinter dem Projekt", stellt er klar.
Dennoch dürfe man "sehr, wenn nicht sogar extrem stolz" auf das sein, was das Team an Wachstumsleistung gezeigt habe. Dabei gehe es nicht nur um das Motorrad selbst. Sterlacchini betont, man spreche beim Begriff "Projekt" auch über die Abläufe in der Box und über die Strukturen im Hintergrund.
Er erinnert daran, dass Aprilia oft schwach ins Wochenende gestartet sei, aber regelmäßig große Schritte nach vorn machen konnte. Das sei nur möglich, "weil wir ein System aufgebaut haben, das uns erlaubt, ein Wochenende zu retten". Entscheidenden Anteil daran habe das Team im Hintergrund, "die Leute, die man nicht sieht".
Remote-Garage in Noale als Ass im Ärmel
Besonders hebt Sterlacchini die Remote-Garage in Noale hervor, die eng mit dem Rennteam an der Strecke verbunden sei. "Wir haben eine enorme Verbindung zwischen dem, was hier passiert, und dem, was zu Hause passiert", sagt der Technikchef.
Man habe dieses Set-up ähnlich wie in der Formel 1 auch aus Budgetgründen geschaffen. Abseits des hektischen Boxengeschehens könne das Remote-Team "fokussierter und weniger abgelenkt" analysieren. Außerdem seien Logistikkosten nach der Corona-Zeit explodiert. Das Remote-Prinzip helfe daher doppelt.
Es spare Ressourcen und ermögliche gleichzeitig bessere Analysen. "Wenn du in der Logistik sparst und trotzdem das gleiche Ergebnis bekommst, kannst du dieses Geld darin investieren, bessere Aero-Simulationen zu machen", erklärt der Ingenieur.
Sterlacchini skizziert Fortschritte bei Aprilia
Darauf angesprochen, welche eigenen Änderungen er bei Aprilia eingebracht habe, sagt Sterlacchini, dass man "alle Aspekte verbessern" wollte. Aber vor allem die Instabilität des Motorrads zu Saisonbeginn sei ein offenes Geheimnis gewesen.
Daher habe man intensiv daran gearbeitet, "das beste Paket zu finden, das den Fahrern erlaubt, am Limit zu pushen". Genauso wichtig sei aber die Arbeitsweise an der Strecke gewesen: wie man die Zeit nutzt, Analysen teilt und Entscheidungen trifft.
Ausblick 2026: Aero, Power, Elektronik, Chassis
Auf 2026 schaut Sterlacchini mit einem ganzheitlichen Blick. Aprilia habe keine einzige Problemzone, vielmehr müsse man den eingeschlagenen Prozess konsequent fortsetzen. ""Wir müssen alle Aspekte weiterentwickeln", betont er.
Konkret nennt er Aerodynamik, Leistung, Entwicklung von Elektronik und Chassis, das voraussichtlich beim Sepang-Test erstmals auf die Strecke kommen werde.
Der schwierige Spagat zwischen 2026 und 2027
Parallel zur Vorbereitung auf 2026 gilt es aber auch schon an 2027 zu denken, wenn ein neues Reglement greift, das 850-ccm-Motoren und den Wegfall der Holeshot- sowie Ride-Height-Devices vorsieht. Außerdem wird auf Pirelli-Reifen gewechselt.
Darin sieht Sterlacchini die größte Management-Herausforderung sei. Besonders der Motor sei kritisch: Aufgrund langer Entwicklungs- und Beschaffungszeiten müsse man bereits jetzt aktiv sein. "Und wir haben limitierte Ressourcen", weiß er.
Trotzdem arbeite Aprilia natürlich schon an ersten Prototypen, die auf dem Prüfstand getestet werden, um Schalt- und Elektronikverhalten zu simulieren. Ziel sei es, im Zeitraum Februar bis April erstmals ein 850er-Bike für einen ersten Shakedown-Test bereitzuhaben, verrät der technische Leiter des Projekts.
"Engine Freeze" als strategischer Vorteil
Die Entwicklung der aktuellen Motoren bis einschließlich 2026 einzufrieren ("Engine Freeze") sei vor diesem Hintergrund eine wichtige und richtige Entscheidung gewesen. Man habe bewusst dafür gesorgt, weil sie allen Herstellern ermögliche, ab einem gewissen Punkt Ressourcen auf das neue Reglement zu bündeln.
Für Aprilia bedeutet das laut Sterlacchini: Man entwickelt das 2026er-Paket bis voraussichtlich März/April weiter. Ab April jedoch werde man die Entwicklung 2026 dann jedoch stoppen und sich vollständig auf den Prototypen für 2027 konzentrieren.

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