Aprilia auch im Test die Referenz, doch Aero-Offensive zündet noch nicht

Aprilia dominiert den Valencia-Test mit einer Doppelführung und vielversprechenden Entwicklungsstufen - Bei neuer Aero sind Bezzecchi und Martin jedoch noch unsicher

(Motorsport-Total.com) - Nur zwei Tage nach dem Saisonfinale hat Aprilia beim Dienstagstest in Valencia nahtlos an die starke Form vom Wochenende angeknüpft und dabei sogar die beiden Toppositionen belegt. Diesmal setzte sich Raul Fernandez an die Spitze der Zeitenliste, gefolgt von Sonntagssieger Marco Bezzecchi.

Titel-Bild zur News: Marco Bezzecchi

Marco Bezzecchi mit der in Tarnfarben gekleideten neuen Aprilia-Aero Zoom

Im Mittelpunkt des Testtages stand für das Werksteam ein umfangreiches Aero-Paket und erste Chassis-Vergleiche. Doch die Reaktionen der Fahrer fielen unterschiedlich aus.

Bezzecchi: Positives Gefühl, aber viele Fragezeichen

Vor allem das neue Aero-Design der Aprilia, mit dem Bezzecchi in Tarnfarben ausrückte, sorgte für Gesprächsstoff. Zu erkennen war dennoch eine völlig veränderte Front- sowie Heckpartie. "Ja, es ist anders", bestätigt Bezzecchi, betont jedoch gleichzeitig: "Es gibt nie genug Zeit, um wirklich alles zu verstehen."

Der Italiener kämpfte vor allem mit den wechselhaften Bedingungen. "Der Tag war ein bisschen speziell wegen des Wetters. Wir haben viel Streckenzeit verloren", erklärt er.

Deshalb seien seine Eindrücke der neuen Teile gemischt: "Wie immer beim Testen gab es ein paar positive Dinge, aber auch viele Zweifel und negative Punkte. Wir müssen jetzt alles sehr gut analysieren, bevor wir eine Entscheidung treffen."

Technikchef Sterlacchini erklärt Ziel der neuen Aero

Aprilia-Technikchef Fabio Sterlacchini ging detailliert auf die Ziele der neuen Aerodynamik ein. "Eine der Eigenschaften der Aero-Entwicklung ist das, was ich immer 'die Hülle strecken' nenne", sagt er. Man versuche, in allen Fahrzuständen den passenden aero­dynamischen Widerstands- und Auftriebswert zu haben.


MotoGP-Wintertest 2025 in Valencia

Der Fokus liege auf einem Balanceakt: mehr Topspeed bei gleichzeitig besserer Bremsstabilität und mehr Überholmöglichkeiten. "Es ist klar, dass man eine bessere Höchstgeschwindigkeit erreichen will. Das verbessert die Performance nicht unbedingt in puncto Rundenzeit, macht aber das Überholen und Rennmanagement leichter."

"Gleichzeitig erhöht sich jedoch der Luftwiderstand, was eigentlich das Gegenteil von dem ist, was man für den Topspeed braucht. Aber beim Bremsen bringt es Performance." Ziel sei ein Paket, das in allen Phasen des Fahrens optimal arbeitet.

Nach 40 oder 50 Runden noch nicht alles verstanden

Noch ist Bezzecchi unentschlossen, ob die neue Aero dahingehend einen Fortschritt darstellt. Auf die Frage, ob er seine beste Zeit mit oder ohne Update aufgestellt habe, räumt er ein: "Ich muss ehrlich sein, ich erinnere mich nicht genau. Die Zeiten waren sehr ähnlich. Vielleicht war das neue Bike ein paar Hundertstel schneller."

"Ich kenne die Saisonmaschine in- und auswendig. Ich bin dieses Jahr gefühlt 10.000 Kilometer damit gefahren. Mit neuen Teilen ist es unmöglich, nach nur 40 oder 50 Runden alles sofort zu verstehen", mahnt der Aprilia-Pilot zu Geduld.

Dass Fernandez im Test erneut sein Tempo erreichte, sieht er positiv. "Das bedeutet, dass wir zusammen mit dem Team und den Ingenieuren gut gearbeitet haben. Für die Ingenieure ist es wichtig zu sehen, dass auch er schnell ist", so Bezzecchi.

Fernandez: Bestzeit trotz Schulter und ohne neue Teile

Während er und Martin die neue Aero probierten, blieb Fernandez außen vor. "Wir hatten heute nichts Neues", stellt er klar. Er konzentrierte sich auf die Arbeit mit seiner bekannten Konfiguration: "Davide [Brivio] hat mir gesagt, dass wir das Beste aus unserem Paket machen müssen und genau das haben wir getan."

Raul Fernandez

Für Raul Fernandez gab es zwar keine neue Teilen, aber dafür die Testbestzeit Zoom

So fuhr Fernandez am Ende sogar die Bestzeit, und das mit Handicap, denn ihn plagt noch seine in Portugal verletzte Schulter. "Am Anfang des Tests habe ich keine Schmerzmittel genommen und am Ende kam der Schmerz in der Schulter zurück", gesteht er. "Ich muss mich jetzt gut ausruhen. Das ist wichtig für nächstes Jahr."

Enttäuscht wirkte er nicht darüber, dass er keine neuen Teile erhielt: "Es hängt nicht von mir ab. Ich glaube an Davide und an Aprilia. Er setzt sich immer für mich ein. Und ich gebe einfach mein Maximum mit dem, was ich am Motorrad habe."

Martin: Manchmal noch wie ein Rookie auf der Aprilia

Martin, der das Rennen am Sonntag nach seiner langen Verletzungspause noch vorzeitig beendet hatte, absolvierte ein umfangreiches Testprogramm. Er probierte neue Verkleidungen, verschiedene Ergonomie-Pakete und vor allem ein neues Chassis, mit dem Teamkollege Bezzecchi bereits seit mehreren Rennen antrat.

Mit spürbarer Wirkung: "Für mich war der größte Schritt das Chassis. Ich habe mich sofort wohler gefühlt, das Einlenken war natürlicher und passte besser zu meinem Stil."

Die Aero-Vergleiche hinterließen dagegen Unsicherheit. "Wenn wir etwas an der Verkleidung ändern, ist es für mich schwer zu verstehen. Wir müssen uns zusammensetzen, um zu klären, was wir für Malaysia auswählen. Die 2025er-Basis ist gut, wir haben die Saison mit einem guten Gefühl beendet. Das zu verbessern, ist schwer."

Auch bei der Ergonomie probierte der Weltmeister von 2024 viel: "Anderer Tank, andere Fußrasten ... da gab es einige positive Punkte, aber es wurde auch verwirrend für meinen Fahrstil. Am Ende sind wir zurück zu Standard gegangen."

Für den Sepang-Test hat Martin aber bereits eine Richtung im Kopf: "Ich werde die Fußrasten ändern, um meinen Stil besser auf die Aprilia anzupassen. Vor allem der Drive am Kurvenausgang ist für mich ein Problem. Normalerweise ist das meine Stärke, aber ich kann das volle Potenzial der Aprilia noch nicht nutzen."

Neueste Kommentare