Agiert Fabio Di Giannantonio zu vorsichtig? "Bin kein Kamikaze, aber ..."
Vier Podestplätze mit Werks-Ducati, aber Schwächen in der Startphase - Fabio Di Giannantonio erklärt, warum er bewusst kein Kamikaze-Fahrer sein will
(Motorsport-Total.com) - In seiner zweiten Saison mit dem VR46-Team und in seiner ersten als werksunterstützter Ducati-Fahrer gelangen Fabio Di Giannantonio vier Podestplätze in Grands Prix. Platz zwei in Australien war dabei sein bestes Ergebnis.
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Fabio Di Giannantonio sieht sich nicht als Kamikaze-Fahrer Zoom
Dreimal startete der Italiener aus der ersten Startreihe und dreimal aus der zweiten. Bei den restlichen 16 Qualifyings schaffte es Di Giannantonio nicht in die ersten beiden Reihen. Das führte dazu, dass er in der ersten Runde häufig ins Chaos der Startphase geriet.
Dabei war auffällig, dass der 27-Jährige nicht oft zu jenen Fahrern zählte, die in der Startphase regelmäßig Plätze gutmachen konnten. "Ehrlich gesagt habe ich nicht die Eier, um in der ersten Runde so ein Kamikaze zu sein", sagte Di Giannantonio nach dem Grand Prix von Portugal.
In Portimao kam er von Startplatz neun nur als 14. aus der ersten Runde zurück. "Natürlich versuche ich, mir die bestmögliche Position zu verschaffen, weiter vorne zu sein, aber stets an der Grenze des Überlebens."
"Am Ende fahren wir auf der Geraden mit 200 bis 300 km/h in eine Bremszone hinein, und vor dir hast du eine Gruppe aus mehreren rund 200 Kilogramm aus Motorrad und Mensch. Wenn du also mit einer Dive-Bomb jemanden triffst, tut das weh."
"Und ehrlich gesagt ziehe ich es immer vor, sauber zu agieren", sagt Di Giannantonio. Trotzdem will er seine Worte nicht missverstanden wissen: "Also ich habe nicht gesagt, dass ich nicht die Eier habe, aggressiv zu sein."
"Ich habe nur gesagt, dass ich nicht die Eier habe, ein Kamikaze zu sein. Das ist etwas anderes. Aggressivität ist auf jeden Fall Teil des Sports, und ich bin ein aggressiver Fahrer, wenn ich es sein muss."
"Zum Beispiel im Sprint am Samstag in Portugal: Da hatte ich einen super Start und war nach drei Kurven schon Sechster, glaube ich, oder ungefähr dort. Ich bin also aggressiv, wenn ich aggressiv sein muss, aber ich bin ganz sicher kein Kamikaze-Fahrer, der einfach hineinhält."
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In Valencia schloss "Diggia" die Saison 2025 mit zwei Podestplätzen ab Zoom
"Ich bin kein Champagner- oder Kiesbett-Fahrer", umschreibt es Di Giannantonio. Er will also ein kalkuliertes Risiko eingehen und es nicht auf etwas ankommen lassen, das schlecht ausgehen und zu Stürzen sowie Verletzungen führen könnte.
Das Qualifying, der Start und die ersten Kurven sind trotzdem entscheidend für das Endergebnis. Überholmanöver wurden von Jahr zu Jahr schwieriger. Auf manchen Strecken entwickeln sich nach der ersten Runde Prozessionen.
"Ich denke, was sich am meisten verändert hat, ist der Moment, als die Sprints eingeführt wurden", blickt "Diggia" an das Jahr 2023 zurück. "Am Anfang waren alle ziemlich optimistisch, weil jeder dachte, die Sprints seien sehr kurz."
"Jetzt, glaube ich, sind alle ruhiger und vernünftiger bei den Manövern. Das ist die größte Veränderung, die ich persönlich erlebt habe." In Sprints erzielte Di Giannantonio 2025 fünf Podestplätze, aber auch keinen Sieg.

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