Mick Schumacher: Was ihn an IndyCar bisher am meisten überrascht

Kurz vor dem Saisonauftakt spricht Rookie Mick Schumacher über seine bisherigen Erfahrungen im IndyCar-Umfeld und erklärt, worauf er sich am meisten freut

(Motorsport-Total.com) - Für Mick Schumacher wird das Abenteuer IndyCar langsam, aber sicher, ernst. In Vorbereitung auf seine erste volle Saison in der höchsten US-Formelrennserie hat der Rookie aus Deutschland mittlerweile zwei Rundstreckentests und einen Ovaltest absolviert. Beim zweitägigen Rundstreckentest in Sebring war Schumacher am Montag und Dienstag dieser Woche erstmals zeitgleich mit dem Großteil des Feldes testen.

Titel-Bild zur News: Mick Schumacher

Mick Schumacher fühlt sich in der IndyCar-Szene schon wie zu Hause Zoom

Seit Schumachers IndyCar-Testdebüt im Oktober des vergangenen Jahres auf dem Infield-Rundkurs des Indianapolis Motor Speedway sind mittlerweile vier Monate vergangen, seit er bei Rahal Letterman Lanigan (RLL) als einer der Stammpiloten für 2026 bestätigt wurde, sind es mittlerweile fast drei Monate. Was hat Schumacher am IndyCar-Umfeld bislang am meisten überrascht?

"Ich mag die Art und Weise, wie die Leute hier arbeiten. Es ist sehr authentisch", sagte Schumacher in dieser Woche am Rande des Sebring-Tests im Gespräch mit Motorsport-Total.com. "Wenn man so will, fühlt es ein bisschen altmodisch an, aber ich mag dieses Gefühl. Das Ganze hat einen wirklich tollen Charme. Ich genieße das wirklich sehr. Die Zusammenarbeit mit meiner Gruppe an Leuten und dem gesamten Team läuft wirklich gut."


Mick Schumacher über sein Oval-Debüt

Genau das, nämlich die gute Zusammenarbeit bei RLL, ist Schumacher schon aufgefallen, als er seinen Vertrag für 2026 noch gar nicht unterschrieben hatte. "Der Indianapolis-Rundkurs war richtig gut", denkt er an seinen ersten IndyCar-Test vom 13. Oktober 2025 zurück.

"Weil ich ja damals noch gar nicht beim Team unter Vertrag stand, hätten sie viel verschlossener sein können. Aber sie waren wirklich offen und das hat mir sehr gut gefallen. Es war der erste Tag, an dem ich das Gefühl hatte: Hey, wir gehen wirklich in ein tolles Jahr."

Boxentafel für Mick Schumacher

Mit der Startnummer 47 bestreitet Mick Schumacher die volle IndyCar-Saison 2026 Zoom

"Ich glaube", so Schumacher weiter, "dass es von hier an nur noch besser werden kann". Damit blickt er nicht zuletzt auf das Auftaktrennen der Saison 2026 voraus: den Grand Prix von St. Petersburg im US-Bundesstaat Florida am 1. März: "St. Pete ist ein großartiger Ort, um richtig loszulegen und die Saison auf dem richtigen Fuß zu beginnen."

Rundstrecken oder Ovale: Welche Präferenz hat Schumacher?

Nachgefragt, ob er sich mit Blick auf die IndyCar-Saison 2026 mehr auf die Rundstreckenrennen freut - eine Disziplin die er vom Grundsatz her aus diversen anderen Rennserien kennt, oder aber mehr auf die Ovalrennen - eine Disziplin, die komplettes Neuland für ihn ist, antwortet Schumacher zunächst mit einem Vergleich.

"Eine Sache, die ich hierzu anmerken muss: Ich bin sehr daran gewöhnt, dass eine Rennstrecke über die gesamte Länge einer Runde denselben Asphalt hat." Unter anderem, aber nicht nur, in der Formel 1, wo Schumacher in den Jahren 2021 und 2022 Stammpilot bei Haas war, ist das Thema Streckenbelag ein wichtiges. "Der Grip ist von Kurve zu Kurve sehr ähnlich, die einzige Veränderung ist vielleicht der Wind", so Schumacher.

Mick Schumacher im Haas VF-22 beim Frankreich-Grand-Prix 2022 in Le Castellet

In Formel 1 und WEC fand Schumacher überwiegend konstante Streckenbeläge vor Zoom

Was für die Formel 1 gilt, das gilt auch für die Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC). In dieser war Schumacher in den Jahren 2024 und 2025 Stammfahrer bei Alpine. Mit Ausnahme der 24 Stunden von Le Mans finden sämtliche Rennen im WEC-Kalender auf aktuellen oder ehemaligen Formel-1-Strecken statt.

Es sind Strecken, die über die höchste FIA-Einstufung (Grade 1) verfügen. Genau diese, höchstmögliche Einstufung des Automobil-Weltverbands ist Voraussetzung dafür, dass eine Rennstrecke ein Formel-1-Rennen ausrichten darf.

Der Sebring International Raceway im US-Bundesstaat Florida, wo die IndyCar-Teams am Montag und Dienstag dieser Woche testen waren, ist seitens der FIA als "Grade 2" eingestuft.

Das liegt zum einen am Sicherheitsstandard, wie etwa der Größe der Auslaufzonen. Aber auch der Streckenbelag ist in Sebring nicht gerade auf Weltniveau. "Hier ist jede Kurve anders, weil es einen Patch nach dem anderen gibt", spricht Schumacher auf den in die Jahre gekommenen, und hier und da erneuerten Sebring-Belag an.

"Ich muss mich noch daran gewöhnen, wie sich das Auto bei solchen Bedingungen verhält. Und ich glaube nicht, dass es auf anderen Rundstrecken, die wir befahren, wesentlich anders sein wird. Der Indianapolis-Rundkurs aber war in dieser Hinsicht etwas besser. Dort wirkte der Belag über die gesamte Runde hinweg konstanter", so Schumacher.

"Worauf ich am meisten freue?", nimmt Schumacher Bezug auf die Frage zu seiner Präferenz, ob Rundstreckenrennen oder Ovalrennen. "Ich habe keine besonderen Vorlieben. Ich finde alles ziemlich spannend und bin neugierig auf alle drei Arten von Rennstrecken, die wir befahren werden."

Mick Schumacher

Mick Schumacher im Oval: Einzeltest auf dem Homestead-Miami Speedway Zoom

Mit drei Arten meint der IndyCar-Rookie einerseits die permanenten Rundstrecken, andererseits die temporären Stadtkurse, und drittens nicht zuletzt die Ovale. Auf allen drei Streckentypen gibt es im IndyCar-Kalender 2026 jeweils sechs Rennen.

"Natürlich werden die Ovale für mich etwas ganz Neues sein. Ich hoffe, dass ich schnell dazulernen werde, weil ich dort einfach so viel Neues über das Rennfahren lernen muss. Es gibt auf Ovalen viele Überholmöglichkeiten, die sich ergeben können, die man aber eigentlich nicht nutzen sollte, wenn es nicht der richtige Moment dafür ist. Es gibt also jede Menge Dinge, die ich lernen muss", so Schumacher.

Jede Menge Unterstützung bei RLL

Um Schumacher speziell die Eingewöhnung an die Ovale so reibungslos wie möglich zu gestalten, hat RLL vor wenigen Wochen den achtmaligen IndyCar-Rennsieger Ryan Briscoe als Fahrer-Coach verpflichtet. Er steht zwar grundsätzlich allen drei Fahrern des Teams mit Tipps zur Seite, soll sich aber in erster Linie um den Rookie kümmern.

Mick Schumacher, Ryan Briscoe

Mick Schumacher mit "seinem" Fahrer-Coach Ryan Briscoe Zoom

Schumachers Teamkollegen Louis Foster und Graham Rahal verfügen über die Erfahrung aus einer vollen IndyCar-Saison (Foster) beziehungsweise aus sage und schreibe 19 IndyCar-Saisons (Rahal).

"Ich habe Graham, ich habe Louis, aber ich habe auch Ryan, die mir helfen werden", weiß Schumacher. "Und natürlich steht mir das gesamte Team zur Seite, das mich unterstützen wird. Alles in allem bin ich einfach sehr gespannt darauf, loszulegen und die Saison richtig zu beginnen."

Louis Foster, Graham Rahal

Mick Schumachers Teamkollegen: Louis Foster und Graham Rahal Zoom

Bevor es ins erste der 18 Saisonrennen geht, steht für Mick Schumacher genau in der Disziplin Ovale noch ein letzter wichtiger Vorsaisontest auf dem Programm. Am Dienstag und Mittwoch der kommenden Woche (17./18. Februar) testen die IndyCar-Teams auf dem Ein-Meilen-Oval in Phoenix im US-Bundesstaat Arizona.

Im Gegensatz zu seinem Homestead-Test vom 4. Februar, wo er allein auf der Strecke war, wird Schumacher beim Phoenix-Test zeitgleich mit der versammelten Konkurrenz testen und somit nicht zuletzt das Thema "Dirty Air" erstmals auch im Oval kennenlernen (FAQ: So funktioniert das Racing im Oval).