"Kannst aggressiv sein": Colton Herta mit IndyCar-Rat für Mick Schumacher

Colton Herta hat für IndyCar-Rookie Mick Schumacher einen Ratschlag, vor allem vor dem Hintergrund, dass der Deutsche direkt aus dem Langstreckensport kommt

(Motorsport-Total.com) - Im Starterfeld für die bevorstehende IndyCar-Saison 2026 ist Mick Schumacher einer von drei Rookies. Der 26-jährige Deutsche kommt nach zuletzt zwei Jahren in der Hypercar-Klasse der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) in die Top-Formelrennserie in Nordamerika.

Titel-Bild zur News: Mick Schumacher

Mick Schumacher im IndyCar-Cockpit von RLL, seinem Arbeitsplatz für 2026 Zoom

Einer, der - zumindest vorübergehend - den umgekehrten Weg geht, ist Colton Herta. Der 25-jährige US-Amerikaner hat sich aus der IndyCar-Serie nach sieben vollen Saisons vorerst verabschiedet. In Vorbereitung auf seinen Plan, künftig für das neue Formel-1-Team Cadillac zu fahren, fährt er die volle Formel-2-Saison 2026. An diesem Wochenende aber bestreitet Herta die 24 Stunden von Daytona in der Topklasse der IMSA SportsCar Championship.

Colton Herta

Colton Herta: Nach sieben Jahren IndyCar jetzt Formel 2, dazu einzelne IMSA-Rennen Zoom

In der IMSA-Topklasse (GTP) kommen LMDh-Boliden zum Einsatz, wie sie auch in der Hypercar-Klasse der WEC fahren. Colton Herta sitzt bei Wayne Taylor Racing (WTR) als zusätzlicher Fahrer im Cadillac V-Series.R der Stammpiloten Jordan Taylor und Louis Deletraz (Startnummer 40) (Übersicht: Alle Fahrer der 60 gemeldeten Autos für die 24h Daytona 2026).

Abgesehen von den 24h Daytona wird Herta die weiteren Langstreckenrennen im IMSA-Kalender 2026 bestreiten, die sich mit dem Formel-2-Kalender nicht überschneiden. Das gilt beispielsweise für die 12h Sebring am 21. März. Bereits vor zwei Jahren bestritt Herta für als zusätzlicher Fahrer bei WTR die IMSA-Langstreckenrennen, damals im Acura ARX-06, was ebenfalls ein LMDh-Bolide ist.

Jordan Taylor, Louis Deletraz, Colton Herta

Bei den 24h Daytona fährt Colton Herta diesen LMDh-Boliden von WTR Zoom

Auch der Alpine A424, den Mick Schumacher zuletzt in der WEC zusammen mit Jules Gounon und Frederic Makowiecki pilotierte, ist ein LMDh-Auto. Colton Herta kann somit den direkten Vergleich ziehen, vor allem was die Fahrstile im LMDh- und im IndyCar-Boliden betrifft.

IndyCar vs. Top-Sportwagen: Wo laut Herta die Unterschiede liegen

"Ich glaube nicht, dass er bei seinem Wechsel ein Problem haben wird", sagt Colton Herta am Rande der 24h Daytona im Gespräch mit Motorsport-Total.com über Mick Schumacher. Den Sohn von Michael Schumacher kennt der Sohn von Bryan Herta auch persönlich.

"Ich habe ihn vor ein paar Jahren in Schweden kennengelernt, als wir beide beim Race of Champions angetreten sind", denkt Colton Herta an das ROC 2022 in Pite Havsbad zurück und sagt über den jungen Schumacher: "Er ist ein guter Kerl. Ich schätze ihn als außergewöhnlich schnell ein. Ich denke nicht, dass ihm der Umstieg [aus dem LMDh ins IndyCar] Schwierigkeiten bereiten wird."

Mick Schumacher

13. Oktober 2025: Mick Schumacher bei seinem ersten IndyCar-Test in Indianapolis Zoom

"Aber", so der junge Herta weiter, "ein IndyCar muss anders gefahren werden. Du musst dich darauf einstellen, dass das Auto viel mehr rutscht als viele der Formelautos in Europa, und auch viel mehr als die Prototypen. Das ist meiner Meinung nach der größte Faktor".

IndyCar "muss nicht sonderlich filigran gefahren werden"

Konkret auf die Unterschiede in der Fahrweise angesprochen, beschreibt Herta: "Im IndyCar spürst du viel mehr, dass du es bist, der das Auto fährt. Du kannst das Auto richtig hart anpacken. Die kannst extrem aggressiv einlenken, wenn es sein muss, auch mehrmals in einer Kurve. Du musst nicht sonderlich filigran fahren. Du kannst richtig aggressiv sein am Lenkrad und auch am Gaspedal."

Colton Herta

Colton Herta im Andretti-Honda auf dem Stadtkurs in Detroit (Foto: 2025) Zoom

Nachgefragt, wie sich nun der Acura von Wayne Taylor Racing für ihn anfühlt antwortet der langjährige Vollzeit-IndyCar-Pilot aus Kalifornien: "Der größte Unterschied ist natürlich erst einmal, dass du dir das Auto mit anderen teilst. Das bedeutet zwangsläufig, dass du nicht ganz so komfortabel sitzt. Das Auto ist einfach nicht maßgeschneidert für dich."

"Ganz besonders als einer, der nur ausgewählte Rennen fährt, willst du natürlich die Grundabstimmung den Stammpiloten überlassen. Sie müssen die Richtung vorgeben. Denn sie sind es, die sich in erster Linie wohlfühlen müssen", so Herta mit Verweis auf seine Teamkollegen Jordan Taylor (USA) und Louis Deletraz (Schweiz).

Herta traut Schumacher 2026 ein IndyCar-Podium zu

Abschließend wäre da an Colton Herta noch die Frage, was er Mick Schumacher in dessen erster IndyCar-Saison zutraut. Seine Antwort: "Ich schätze, das wird die Zeit zeigen. Wie schon gesagt, ich schätze ihn als einen außergewöhnlich schnellen Fahrer ein."

"Wenn er es in seinem Rookie-Jahr auf das Podium schaffen sollte, wäre das natürlich sehr gut. Wenn man ihn selber fragt, wird er wahrscheinlich sogar Siege anpeilen. Das sollte er auch, aber wir müssen da wirklich abwarten", so Herta über Schumacher.

Mick Schumacher

Mick Schumacher fährt die volle IndyCar-Saison 2026 für das Rahal-Team Zoom

Bei Rahal Letterman Lanigan Racing (RLL) hat Mick Schumacher genau wie Colton Herta in den vergangenen Jahren bei Andretti Global (ursprünglich Andretti Autosport) das Honda-Triebwerk im Heck.

Im direkten Vergleich der beiden Teams hatte die Andretti-Truppe in den vergangenen Jahren klar die Oberhand gegenüber der Rahal-Truppe. Colton Hertas persönlich beste Platzierung in der Gesamtwertung war der Vizetitel 2024. In jener Saison holte er zwei seiner insgesamt neun IndyCar-Siege.

Wie sich Mick Schumacher in seiner ersten IndyCar-Saison schlagen wird, darauf werden die Rennwochenenden Antworten geben. Los geht es am 1. März auf dem Stadtkurs in St. Petersburg (Florida). Es ist das erste von 17 Rennen im IndyCar-Kalender 2026.

Genau wie die anderen zwei Rookies - Dennis Hauger bei Dale Coyne Racing und Caio Collet bei A.J. Foyt Racing - so bestreitet auch Schumacher die volle Saison inklusive der sechs Ovale (Mick Schumacher fährt volle IndyCar-Saison 2026: Wer und was ihn erwartet).

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