Lancia Aurelia: Dolce-Vita-Traumwagen der 50er-Jahre

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Lancia Aurelia: Dolce-Vita-Traumwagen der 50er-Jahre

Beitrag von Redaktion » Mo Mär 23, 2020 12:09 pm

Mit Transaxle-Layout und V6-Motor war der Aurelia Lancias Flaggschiff der 50er-Jahre: Ein Traumwagen aus der Zeit des Dolce Vita ist er noch heute

Wer mit älteren Italienern über ihr Leben in den 50er-Jahren spricht oder einen der bekannten Filme dieser Zeit sieht, stolpert vielleicht über den Lancia Aurelia. Das von 1950 bis 1958 gebaute Lancia-Flaggschiff ist noch heute ein Traumwagen der Dolce-Vita-Epoche.

Im Jahr 1950, also ziemlich genau vor siebzig Jahren, startete der Lancia Aurelia. Die Bezeichnung kam nicht von dem italienischer Frauenvornamen, sondern er erinnert an die Via Aurelia, die schon zu Cäsars Zeiten gebaute Landstraße, die noch heute als SS 1 Via Aurelia von Rom nach Norden führt.

Das Transaxle-Layout und der V6-Motor machten den Aurelia zu einem der begehrtesten Autos seiner Zeit, ein Auto, mit dem man sich auf der eleganten Via Veneto, dem römischen Epizentrum des Dolce Vita, ebenso wohl fühlen konnte wie auf den Haarnadelkurven des Col de Turini.

Die Anfänge des Aurelia lagen im Zweiten Weltkrieg. Zunächst wird ein Frontantrieb in Erwägung gezogen, aber schnell wieder verworfen. Für den Vortrieb sollte ursprünglich ein V8 sorgen, oder aber ein Vierzylinder. Man entschied sich dann für einen Mittelweg: einen Sechszylinder. 

Während der zuvor bei Alfa Romeo tätige Rennwagen-Konstrukteur Vittorio Jano sich um die Karosserie kümmerte, befasste sich Francesco de Virgilio mit dem Antrieb. Letzteres führte zum ersten Großserien-V6 der Welt, und zu dem Transaxle-Layout mit Getriebe im Heck.

Der Aurelia ist das erste Modell, das unter der Leitung von Gianni Lancia entstand, dem Sohn des 1937 verstorbenen Lancia-Gründers Vincenzo. Wie der Lancia Lambda von 1923 bekam er eine selbsttragende Karosserie.

1950 war der Lancia Aurelia eines der Highlights des Turiner Autosalons. In den folgenden acht Jahren wurden drei Versionen des V6 eingebaut: 1,8 Liter mit 56 PS, 2,0 Liter mit 90 PS und 2,3 Liter mit 87 PS. Auch die Optik wurde mehrmals leicht verändert, wobei aber die charakteristischen Selbstmördertüren hinten erhalten blieben.

Ein Jahr später präsentierten Lancia und Pininfarina den Aurelia B20 GT. Das Coupé wurde von Felice Mario Boano gestaltet, dem Besitzer der Carozzeria Ghia.

Das Werk des bekannten Karosseriebauers reichte nicht aus, um die vielen Bestellungen zu erfüllen, sodass ein Teil der Produktion zur Carozzeria Viotti ausgelagert wurde. Der Aurelia B20 wurde sofort zu einem Kultauto; er eignete sich genauso zum sportlichen Fahren wie für gemütliche Ausflüge. Unter der Motorhaube arbeitete der 2,0-Liter mit 75 PS, der später durch den 2,5er mit 118 PS ersetzt wird. Damit erreichte das Auto 180 km/h.

Im Jahr 1955 kam der Aurelia B24 Spider, wiederum mit einer Karosserie von Pininfarina. Er wurde in erster Linie für den Export nach Übersee konzipiert und von der 118-PS-Version des V6 angetrieben.

In den USA trat er gegen den Ford Thunderbird und die Chevrolet Corvette an und wurde zum Objekt der Begierde vieler Söhne der oberen Mittelklasse. Ihr Ruhm war so groß, dass sich Regisseur Dino Risi noch 1962 (nach Produktionsende des Aurelia also) entschied, das Cabrio in seinem Film Il Sorpasso (deutscher Titel: Verliebt in scharfe Kurven, mit Vittorio Gassman und Jean Louis Trintignant) zu verwenden.

Der Lancia Aurelia erwies sich auch als gutes Motorsport-Auto, und zwar sowohl als Limousine als auch als Coupé. Fahrer wie Alberto Ascari, Luigi Villoresi und Louis Chiron brachten viele Siege, und in der Folge mehr Markenprestige und bessere Verkaufszahlen.

So belegte der Aurelia den ersten Platz bei Rallyes wie Setriere 1951, Montecarlo 1954 und Akropolis 1958 und erzielte ausgezeichnete Platzierungen bei der Mille Miglia und den 24 Stunden von Le Mans. Historische Reenactments feiern diese große Renn-Historie des Aurelia noch heute.

Der Lancia Aurelia war mit seinen verschiedenen Chassis eine gute Grundlage für individuelle Versionen, die von verschiedenen Karossiers für wohlhabende Kunden geschaffen wurden. Viotti kreierte eine elegante Giardinetta, einen Kombi im Woodie-Stil (also mit Flanken, die aussahen wie aus Holz), während Bertone an einer Langversion der Limousine arbeitet.

Am meisten Freude an der Aurelia hatte jedoch Battista Pinin Farina. Er schuf neben dem B20 und dem B24 Spider auch atemberaubende Sonderanfertigungen, wie den PF 200 mit seiner Düsenjet-Optik, das Aurelia Cabriolet, das von der Limousine mit langem Radstand abgeleitet ist, und den Florida, der später den Aurelia-Nachfolger Lancia Flaminia inspirierte.

Zu Hause in Italien hatte der Aurelia viele Fans, aber im Ausland blieb er wegen der salzigen Preise selten. Die Limousine kostete 2,37 Millionen Lire, so viel wie der Alfa Romeo 1900 Super. Der B20 GT und der B24 Spider kosteten fast drei Millionen Lire, also etwa 200.000 Lire mehr als der Alfa 1900 Super Sprint.

Heute weckt der Lancia Aurelia Begehrlichkeiten bei vielen Sammlern an, die ihn bei Auktionen ersteigern, um bei historischen Autorennen mitzufahren. Die Preise reichen von rund 50.000 Euro für die 12.786 Mal gefertigte Limousine bis zu über 240.000 Euro für einen der 3.872 produzierten B20 GT.

Für einen der 761 gebauten Aurelia B24, einen der teuersten Lancia aller Zeiten, zahlt man sogar 435.000 bis 1.800.000 Euro. Ein Zeichen dafür, dass das Auto auch rund um seinen siebzigsten Geburtstag noch begeistert.



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