Safe Light Regional Vehicle (SLRV): Ein Kleinwagen mit Brennstoffzellen

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Safe Light Regional Vehicle (SLRV): Ein Kleinwagen mit Brennstoffzellen

Beitrag von Redaktion » Di Okt 06, 2020 8:58 am

Brennstoffzellen sind für Kleinwagen doch viel zu groß: Dachten wir - Doch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) zeigt, dass es geht

Bei Brennstoffzellen-Autos hatten wir eigentlich vor allem an Lkws und Busse gedacht, vielleicht auch noch an große Reiselimousinen. Aber Kleinwagen? Dafür ist die aufwendige Brennstoffzellen-Technik doch viel zu sperrig und schwer, dachten wir. Doch nun präsentiert das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) genau das: ein Kleinfahrzeug mit Brennstoffzellen-Antrieb.

Am gestrigen Donnerstag (1. Oktober 2020) hat das DLR-Institut für Fahrzeugkonzepte in Stuttgart einen ersten Prototyp des Safe Light Regional Vehicle (SLRV) präsentiert. Der zweisitzige Flitzer ist nur 3,8 Meter lang und als Pendlerfahrzeug gedacht. Mit der niedrigen, großzügig verglasten Karosserie sieht es sportlich und windschnittig aus. Aber vor allem soll es leicht und trotzdem sicher sein. Dafür sorgt die nur rund 90 Kilo schwere Karosserie in Sandwichbauweise.



Die meisten Leichtbau-Fahrzeuge der Klasse L7e sind nur leicht, aber nicht wirklich crashsicher. Anders soll das beim SLRV sein. Möglich macht das eine Sandwichbauweise: Der Wagen besteht aus einem Kunststoffschaum im Inneren, der von einer Lage Metall bedeckt wird.

Vorder- und Hinterwagen sind aus Sandwichplatten zusammengesetzt und dienen als Crashzonen. Dort ist auch die Fahrzeugtechnik untergebracht. Die Fahrgastzelle besteht aus einer Wanne mit einer aufgesetzten Ringstruktur. Diese nimmt die Kräfte auf, die während der Fahrt auf das Auto wirken und schützt die Insassen bei einem Crash.

Bisher werden solche Strukturen noch nicht bei Serienautos verwendet. Das DLR will im nächsten Schritt die dazugehörigen Fertigungstechnologien optimieren.



Der Hybridantrieb des SLRV basiert auf einer kleinen Brennstoffzelle mit 8,5 Kilowatt Dauerleistung, die den Strom für den Elektroantrieb liefert. Als Speicher dient eine Batterie, die beim Beschleunigen zusätzlich 25 Kilowatt Leistung abgibt.

Diese Kombination wiegt weniger als herkömmliche Batteriesysteme und ermöglicht eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h. Zwischen den beiden Sitzen ist ein 39-Liter-Drucktank eingebaut, der 1,6 Kilo Wasserstoff bei 700 bar speichert. Er sorgt für eine Reichweite von rund 400 Kilometern. Die Abwärme der Brennstoffzelle wird im Winter zum Heizen des Innenraums genutzt, was zusammen mit der guten Wärmeisolierung der Sandwich-Karosserie den Energieverbrauch senkt.



Mit seinem futuristischen, sportlichen Design ist der nur 450 Kilo schwere Zweisitzer ein vollwertiges Fahrzeug der L7e-Klasse. Das SLRV eignet sich zum Beispiel als Pendlerauto, als Zubringer im öffentlichen Nahverkehr oder als Car-Sharing-Fahrzeug - vor allem in urbanen Randgebieten oder im außerstädtischen Bereich. Es kann den öffentlichen Nahverkehr in den Vorstädten oder in ländlichen Umgebungen ergänzen und ist als Zweitauto prädestiniert. Durch die schnelle Wasserstoffbetankung ist es auch für Carsharing-Dienste geeignet.

Die Anschaffungskosten dürften bei etwa 15.000 Euro liegen, so das DLR-Entwicklungsteam. Bei einer Laufleistung von 300.000 Kilometern ergibt sich so bei einer Nutzungsdauer von zehn Jahren ein Preis von etwa 10 Cent pro Kilometer.



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Im Großprojekt Next Generation Car (NGC) entwickeln insgesamt 20 DLR-Institute gemeinsam Technologien für Straßenfahrzeuge der übernächsten Generation. Neben dem SLRV gibt es zwei weitere Fahrzeugkonzepte, die ebenfalls dem Megatrend der Urbanisierung Rechnung tragen: das Urban Modular Vehicle (UMV) als modular aufgebautes Stadtauto für private wie kommerzielle Anwender sowie das für weitere Strecken zwischen Ballungsräumen entworfene Inter Urban Vehicle (IUV).

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