"Populäre Entscheidungen": Palmer übt scharfe Kritik an Renn

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Redaktion
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"Populäre Entscheidungen": Palmer übt scharfe Kritik an Renn

Beitrag von Redaktion » Di Sep 10, 2019 11:53 am

Entscheiden die Rennkommissare in der Formel 1 häufig nicht im Sinne des Sports? Ex-Renault-Pilot Jolyon Palmer übt nach dem Rennen in Monza heftige Kritik

Haben sich die Rennkommissare in Monza nicht getraut, Charles Leclerc eine Strafe zu geben? Das deutet zumindest Ex-Formel-1-Pilot Jolyon Palmer in seiner aktuellen Kolumne für die 'BBC' an. "Charles Leclerc ist wunderbar gefahren", hält er zunächst fest. "Aber er hätte eine Strafe dafür bekommen sollen, dass er Lewis Hamilton in der zweiten Schikane von der Strecke gedrängt hat", stellt er klar.

"Zunächst einmal ist das kein faires Racing von Leclerc", erklärt er. Die Formel-1-Regeln besagen, dass man einem anderen Auto eigentlich eine Wagenbreite Platz lassen muss. Das hat Leclerc in der besagten Szene gegen Hamilton nicht getan. "Leclerc hat sich während des Bremsens nach rechts bewegt und Hamilton von der Strecke gedrängt. Hamilton konnte nichts dagegen tun", erinnert Palmer.

Hamilton habe die Wahl gehabt: crashen oder ausweichen. Er entschied sich für letzteres. Leclerc wurde dafür nur mit der schwarz-weißen Flagge verwarnt. "Rennleiter Michael Masi vergleicht es mit einer gelben Karte im Fußball. Aber effektiv ist das nichts anderes als ein Klaps auf die Finger", winkt Palmer ab und erklärt: "Der Fall war meiner Meinung nach klar."

"Ich wollte keine Strafe sehen, weil es das Rennen ruiniert hätte. Aber Regeln sind Regeln", erinnert Palmer, der vermutet, dass Leclerc hier die äußerem Umstände geholfen zu haben. Zum einen hätte eine Strafe - wie von ihm angesprochen - in den Kampf um den Sieg eingegriffen. Zum anderen fand das Rennen in Italien statt. Es handelte sich somit um das Heimrennen von Ferrari.



Palmer vergleicht die Situation mit einem Fußballspiel. Dort könne man einer Mannschaft auch keinen klaren Elfmeter und eine rote Karte verweigern. "Man kann sie nicht einfach nicht geben, nur weil alle ein ausgeglicheneres Spiel sehen wollen", erinnert er. In der Formel 1 sei es ähnlich. "Ich fand es extrem unangenehm, wie Masi nach dem Rennen versucht hat, die Situation zu erklären", so Palmer.

Masi erklärte unter anderem, dass man die schwarz-weiße Flagge in Zukunft häufiger einsetzen werde, um härteres Racing zu ermöglichen. "Aber welchen Präzedenzfall schafft das jetzt?", fragt er - und schickt die Antwort gleich hinterher: "Es bedeutet, dass die Fahrer sich ein Vergehen im Rennen leisten können und damit davonkommen. Welche Art des Racings entsteht dadurch? Und wie ist das ethisch oder fair?"

"[Max] Verstappen ist in Österreich mit einem fragwürdigen Manöver gegen Leclerc durchgekommen, das zum Rennsieg führte. Das hat einen Präzedenzfall dafür geschaffen, dass man andere Fahrer am Kurvenausgang rausdrängen kann. Aber Verstappens Fall war noch leichter zu verteidigen als Leclercs." Denn der Leclerc-Fall führe nun dazu, dass man einen Fahrer bereits vor einer Kurve abdrängen könne.

"Wenn das so ist, dann besteht das Risiko, dass man gar nicht mehr außen herum überholen kann, wenn ein Auto nicht bereits vor der Kurve fast schon komplett vorne ist", warnt er. Zudem ist er mit der Begründung, dass es keine härtere Strafe gegeben habe, weil es keinen Kontakt gab, nicht glücklich. "Auf den ersten Blick ergibt das Sinn", räumt der ehemalige Renault-Pilot ein.



"Aber die Wahrheit ist, dass es dieses Mal nur keinen Kontakt gab, weil Hamilton ausgewichen ist", erklärt er. 2018 gab es in Monza eine ähnliche Situation zwischen Max Verstappen und Valtteri Bottas. Damals gab es eine Berührung - und eine Strafe gegen den Niederländer. Palmer sieht darin ein weiteres Problem. Denn ab sofort werden die Piloten den Kontakt in solchen Fällen seiner Meinung nach suchen.

"Fahrer werden immer alles tun, um einen Vorteil zu haben", erinnert er und erklärt: "Wenn sie plötzlich damit durchkommen, einen anderen Fahrer einmal pro Rennen abzudrängen, dann werden sie es machen. Und wenn der andere Fahrer einen Vorteil daraus ziehen kann, dass es eine kleine Berührung gibt, dann wird er sie suchen." Denn so könne man eine Strafe für den Gegner forcieren.

Für Palmer ist das gerade in der aktuellen Situation extrem problematisch. Denn durch den Tod von Formel-2-Pilot Anthoine Hubert in Spa stehe die Sicherheit momentan besonders im Fokus. "Es wirkt idiotisch oder komplett unverantwortlich - oder sogar beides", findet er deutliche Worte. "Das Problem ist meiner Meinung nach, dass die Entscheidungen nicht konstant sind", ergänzt er.

Er habe das Gefühl, dass Entscheidungen häufig so getroffen werden, dass sie möglichst populär sind. Das sei aber nicht im Sinne des Sports. Er erinnert daran, dass Daniil Kwjat zu Saisonbeginn in China eine Durchfahrtsstrafe bekam, die von vielen als zu hart eingestuft wurde. "Hätte Leclerc die gleiche Strafe bekommen? Da habe ich meine Zweifel.", grübelt Palmer.



Der Unterschied: Kwjat habe aufgrund seiner Vorgeschichte einen eher schlechten Ruf, während Leclerc ein "sehr populärer Fahrer" sei. In Monza habe sich der 21-Jährige nach seinem Manöver gegen Hamilton sogar noch weitere Situationen geleistet, in den er "am Limit" des Erlaubten gewesen sei. In Kurve 1 kürzte er anschließend einmal ab, und in der Curva Grande vollzog er einen aggressiven Spurwechsel.

"Für sich genommen kann ich verstehen, dass man es durchgehen lässt", erklärt Palmer. Aber nachdem er für die Aktion gegen Hamilton bereits die "gelbe Karte" gesehen habe, seien diese Zwischenfälle ein "zweites Vergehen" gewesen, für das man im Fußball dann die gelb-rote Karte sehen würde. Auch in den beiden Situationen gab es aber keine Sanktion gegen Leclerc.

Für Palmer ist das "problematisch", weil Urteile der Rennkommissare so nicht absehbar seien. Ein Punkt, den nach dem Rennen auch Hamilton kritisierte. "Meiner Meinung nach braucht die Formel 1 bei den Regeln einen kompletten Neustart. Es ist eine kontroverse Idee, aber ich glaube, dass der Sport permanente Rennkommissare oder ein Team braucht, das die gleichen oder ähnliche Ansichten teilt", so Palmer.

Man müsse sicherstellen, dass die Regeln glasklar sind, und dass absolute Klarheit darüber herrsche, was im Zweikampf erlaubt ist. "Das wird kurzfristig natürlich zu einigen unbequemen und unpopulären Momenten führen. Aber sobald man eine Konstanz erreicht hat und die Fahrer ganz genau wissen, was erlaubt ist und was nicht, wird die Formel 1 fairer, sicherer und besser sein", glaubt Palmer.



Ex-Weltmeister Nico Rosberg sieht die Situation übrigens anders als Palmer. Im neuen Video auf seinem YouTube-Kanal erklärt er: "In den Regeln steht, dass man eine Autobreite Platz lassen muss. Das ist sehr klar. Laut den Regeln hätte es also zu 100 Prozent eine Strafe [gegen Leclerc] erfordert, weil die Wagenbreite nicht da war. Daran besteht kein Zweifel."

Gleichzeitig verweist er aber auf Masi und dessen Aussagen bezüglich der schwarz-weißen Flagge. "Das ist auch das, was wir alle nach Montreal wollten", erinnert Rosberg. Damals bekam Sebastian Vettel für eine ähnliche Aktion gegen Hamilton eine Fünf-Sekunden-Strafe, die von vielen kritisiert wurde. Nur wenige - darunter übrigens auch Palmer - hielten die Strafe für richtig.

Anschließend verständigte man sich darauf, den Fahrern in Zukunft wieder mehr Freiheiten im Zweikampf zu erlauben. "Solches Racing wollen wir sehen. Wir wollen hartes Racing am Limit", erinnert Rosberg und erklärt: "Natürlich ist es eine schmale Grenze, denn es darf nicht zu gefährlich werden - und Leclerc war defintiv an dieser Grenze. Ein bisschen mehr wäre definitiv zu viel gewesen."

Grundsätzlich sei es im Sinne der neuen Herangehensweise aber die "richtige Entscheidung" gewesen, Leclerc nicht zu bestrafen. Bei einer Sache stimmt Rosberg Palmer jedoch zu. Auch er ist der Meinung, dass es unbedingt Konstanz bei den Entscheidungen geben muss. "Es muss immer gleich sein", fordert der Ex-Champion. Ob man die aktuelle Linie beibehält, wird sich in den kommenden Wochen und Monaten zeigen.

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Tyrann
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Re: "Populäre Entscheidungen": Palmer übt scharfe Kritik an Renn

Beitrag von Tyrann » Di Sep 10, 2019 12:14 pm

Naja... einerseits möchte man so einen Zweikampf erleben (ich fand es sehr amüsant) andererseits kann das auch böse enden dort, da die beiden Fahrer über 300 Sachen in die Bremszone ran fahren.

Für mich eine Grauzone mit Tendenz eher Strafe. Allerdings hätte eine Strafe gegen Leclerc einen Beigeschmack. Denn Lewis wurde schon als dritter von den Tifosi's ausgebuht... will gar nicht ausmalen, wie es wäre, wenn er durch die Strafe von Leclerc gewonnen hätte . :emb: :D

Ich denke man hätte auch im nachhinein sagen können, Leclerc bekommt für das nächste Rennen +3 oder +5 Startplätze oder so. Leclerc in Monza zu bestrafen wäre wohl doch zu hart gewesen.

2CV
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Re: "Populäre Entscheidungen": Palmer übt scharfe Kritik an Renn

Beitrag von 2CV » Di Sep 10, 2019 5:24 pm

Palmer hat recht. Und es kann nicht sein, daß gefährliches Verhalten nur dann bestraft wird, wenn was passiert. Man kann ja auch nicht bei Rot über die Ampel fahren und dann argumentieren, es sei ja nichts passiert.

Was hier die causa Leclerc angeht kann man wenigstens sagen, es sei die ausgleichende Gerechtigkeit für Kanada, wo man Ferrari den Sieg vergleichsweise ungerechtfertigt wegnahm und ihn Ham geschenkt hat; ...allerdings muß Ferrari jetzt die Flagge in der Fabrik für damals wieder runterholen, weil einer der beiden Siege (respektive eine der beiden gehißten Flaggen) ist nun falsch.
Halo ist nicht Sicherheits- od.Schönheits-,sondern Prinzipfrage: F1 sind offene Monoposti, der einzigartige Mix v.Mopped&Auto: Ungefährlicher als Mopped, gefährlicher als Auto; wem's zu gefährlich ist, ab zu Sport-&Tourenwagen. Nein zu Halo i.d.F1

Apex
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Re: "Populäre Entscheidungen": Palmer übt scharfe Kritik an Renn

Beitrag von Apex » Di Sep 10, 2019 10:00 pm

Nur wenige fanden die Strafe gegen Vettel in Montreal richtig?

Wie bitte? :lol:
Der autor hat wohl die reaktionen der fans überbewertet. gerade bei ferrari ist der aufschrei immer sehr groß. ändert aber nichts daran, dass vettel zurecht bestraft wurde. und echte experten wie palmer sahen das genauso. deshalb sollte man nicht immer den medialen aufschrei auf twitter, facebook etc. überbewerten. meist sind das fans die schlechte verlierer sind und nach jeder strafe sofort meckern. es geht dabei garnicht darum ob die strafe gerecht ist oder nicht, die meisten regen sich einfach auf weil sie spaß dran haben und einen sündenbock suchen.

was leclerc in monza betrifft. es war grenzwertig, aber ich hätte auch auf eine strafe verzichtet. es war definitiv kein sauberes racing von ihm und das er nach rechts lenkt um den gegner abzudrängen(genau wie vettel in montreal) hatte auch nichts mit racing zu tun. andererseits sind die schikanen in monza immer speziell, hamilton war außen und er hatte noch etwas platz auf dem curb. es hätte eigentlich bestraft werden müssen, aber ich würde die gelbe karte für leclerc einfach für die nächsten rennen als warnhinweis betrachten. begeht er nochmal die gleiche situation würde ich ihn sofort bestrafen. wenn fahrer sowas öfter machen würde ich auf die gelbe karte verzichten und gleich bestrafen.
die social media fans werden am ende sowieso immer etwas zu meckern haben. wenns nach ihnen ginge dürfte ihr fahrer immer unfair fahren und nicht bestraft werden, alles andere ist ungerecht. solchen leuten kann mans nicht recht machen daher sollte man auch nicht auf sie hören.

Cave
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Re: "Populäre Entscheidungen": Palmer übt scharfe Kritik an Renn

Beitrag von Cave » Mi Sep 11, 2019 2:48 pm

Apex hat geschrieben:
Di Sep 10, 2019 10:00 pm
Nur wenige fanden die Strafe gegen Vettel in Montreal richtig?

Wie bitte? :lol:
Der autor hat wohl die reaktionen der fans überbewertet. gerade bei ferrari ist der aufschrei immer sehr groß. ändert aber nichts daran, dass vettel zurecht bestraft wurde. und echte experten wie palmer sahen das genauso. deshalb sollte man nicht immer den medialen aufschrei auf twitter, facebook etc. überbewerten. meist sind das fans die schlechte verlierer sind und nach jeder strafe sofort meckern. es geht dabei garnicht darum ob die strafe gerecht ist oder nicht, die meisten regen sich einfach auf weil sie spaß dran haben und einen sündenbock suchen.

was leclerc in monza betrifft. es war grenzwertig, aber ich hätte auch auf eine strafe verzichtet. es war definitiv kein sauberes racing von ihm und das er nach rechts lenkt um den gegner abzudrängen(genau wie vettel in montreal) hatte auch nichts mit racing zu tun. andererseits sind die schikanen in monza immer speziell, hamilton war außen und er hatte noch etwas platz auf dem curb. es hätte eigentlich bestraft werden müssen, aber ich würde die gelbe karte für leclerc einfach für die nächsten rennen als warnhinweis betrachten. begeht er nochmal die gleiche situation würde ich ihn sofort bestrafen. wenn fahrer sowas öfter machen würde ich auf die gelbe karte verzichten und gleich bestrafen.
die social media fans werden am ende sowieso immer etwas zu meckern haben. wenns nach ihnen ginge dürfte ihr fahrer immer unfair fahren und nicht bestraft werden, alles andere ist ungerecht. solchen leuten kann mans nicht recht machen daher sollte man auch nicht auf sie hören.
Na ja. Wenn sie das ganze wirklich als gelbe Karte bezeichnet wird. Wird das dann auch beim punke Führerschein berücksichtigt?

Was ich zu deinem Text zu sagen habe: was für den ersten Fall gilt gilt auch für den 2. Eine Strafe wäre seitens des Reglement absolut gedeckt. Also wäre in beiden Fällen eine Strafe auch "verdient". In beiden Fällen stellt sich allerdings die Frage ob sie auch gerechtfertigt ist. Und da ist das Problem der Stewards. Ich sehe es genau gegenteilig. Für mich hätte monza eher eine Strafe verdient als Kanada. Warum? In Kanada habe ich eher das Gefühl dass es passiert ist und keine Absicht. Was ich von monza nicht unbedingt sagen kann.

ulli142
Beiträge: 15
Registriert: Di Jun 18, 2019 5:26 pm

Re: "Populäre Entscheidungen": Palmer übt scharfe Kritik an Renn

Beitrag von ulli142 » Mi Sep 11, 2019 5:43 pm

"Welche Art des Racings entsteht dadurch? Und wie ist das ethisch oder fair?""

Ethisch? Ethisches Racing?
Sag mal .. geht es auch noch ne Nummer grösser?

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