Nach Ducati-Urteil: Domenicali teilt gegen MotoGP-Konkurrenz

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Redaktion
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Nach Ducati-Urteil: Domenicali teilt gegen MotoGP-Konkurrenz

Beitrag von Redaktion » Mi Mär 27, 2019 10:21 am

Ducati-CEO Claudio Domenicali richtet das Wort nach dem "Freispruch" für sein Team an die Gegner: "Hoffentlich werden sie jetzt schweigen"

Am späten Dienstagabend waren sich die Berufungsrichter des Motorrad-Weltverbands FIM einig: Ducatis Flügellösung vor dem Hinterreifen, mit der Andrea Dovizioso beim MotoGP-Saisonauftakt in Katar gewann, ist regelkonform und darf weiterhin verwendet werden (zur Story). Honda, Aprilia, Suzuki und KTM sind mit ihrem Protest gescheitert.

Nach dem Urteil feierte Ducati-CEO Claudio Domenicali die Entscheidung auf Twitter und machte zugleich seinem Ärger über die Vorwürfe der Gegner Luft. "Das FIM-Berufungsgericht hat gerade bestätigt, dass unsere Vorrichtung völlig legal ist. Die Punkte von Katar sind sicher und das System kann in den nächsten Rennen genutzt werden", schrieb er.

"Es ist jedoch eine Schande, dass wir, um dieses Ergebnis zu bekommen, unsere Zeit und unser Geld in Anwälte stecken und der Konkurrenz unser Verständnis über die Kühlung der Reifen offenbaren mussten", so Domenicali weiter. Ducati hatte erklärt, dass der an der Hinterradschwinge montierte Flügel dazu diene, den Hinterreifen zu kühlen.



Mit diesem Wissen war die Vorrichtung von Technikdirektor Danny Aldridge genehmigt worden. Als sie im Rennen von Katar an den Maschinen von Dovizioso sowie seinen Ducati-Kollegen Danilo Petrucci und Jack Miller zum Einsatz kam, legten vier andere MotoGP-Teams jedoch Beschwerde ein. Der Fall landete schließlich beim Berufungsgericht.

Honda, Aprilia, Suzuki und KTM sind davon überzeugt, dass der Hinterradflügel einen aerodynamischen Zweck erfüllt, indem er Abtrieb erzeugt. Laut Reglement ist das in diesem Bereich verboten, weshalb die Konkurrenz die Apparatur als illegal einstufte. Ducati, allen voran Gigi Dall'Igna, argumentierte dagegen - und bekam Recht.

Diesen Triumph kostet Domenicali auf Twitter aus und richtet das Wort an die Protestparteien: "Ducati ist stolz auf seine italienische Ingenieurskunst und seine Innovationsfähigkeit. Viele Leute haben in den letzten Wochen gesagt, dass wir betrügen... Hoffentlich werden sie jetzt schweigen und versuchen, uns auf der Rennstrecke zu schlagen."



Schon an diesem Wochenende gibt es in Argentinien, beim zweiten MotoGP-Event der Saison 2019, die Gelegenheit dazu. Ob Ducati den umstrittenen Flügel dann wieder verwenden wird, bleibt abzuwarten: "Wenn wir es für notwendig halten, werden wir ihn nutzen. Es ist keine Verpflichtung, aber eine Möglichkeit", sagt Paolo Ciabatti bei 'GPOne.com'.

Der Ducati-Sportdirektor zeigt sich von der Entscheidung des Gerichts ebenso erleichtert: "Wir waren davon überzeugt, dass wir im Recht sind, aber wenn man sich einem Urteil unterwerfen muss, schwingt immer ein Hauch Nervosität mit. Das ist ganz natürlich." Noch haben die Gegner allerdings die Chance, das Urteil erneut anzufechten.

Sie können innerhalb von fünf Tagen beim Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Berufung gehen. "Das würde heißen, Honda, Suzuki, KTM und Aprilia erkennen die Autorität der FIM in dieser Frage nicht an. Es ist ein bisschen wie ein Fall von Doping. Natürlich besteht die Möglichkeit zum CAS zu gehen, aber ich würde es seltsam finden", so Ciabatti.

Generell rät der Ducati-Sportdirektor der Konkurrenz zu etwas mehr Zurückhaltung, wenn er auf die vergangenen Wochen zurückblickt. "Es wäre eine gute Angewohnheit, keine Kommentare abzugeben, bevor eine Entscheidung gefallen ist. Aus meiner Sicht wäre das eleganter gewesen. Einige unserer Gegner hatten dieses gute Benehmen nicht."

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karlchen1111
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Re: Nach Ducati-Urteil: Domenicali teilt gegen MotoGP-Konkurrenz

Beitrag von karlchen1111 » Mi Mär 27, 2019 1:19 pm

Mir würde ein solcher Sieg keinen Spaß machen, es sollten schon alle nach den gleichen Regel fahren.

zie_tec
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Re: Nach Ducati-Urteil: Domenicali teilt gegen MotoGP-Konkurrenz

Beitrag von zie_tec » Mi Mär 27, 2019 2:56 pm

karlchen1111 hat geschrieben:
Mi Mär 27, 2019 1:19 pm
Mir würde ein solcher Sieg keinen Spaß machen, es sollten schon alle nach den gleichen Regel fahren.
Ah, Sie haben den Flügel der anderen 4 Teams gesehen?

Doitright
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Re: Nach Ducati-Urteil: Domenicali teilt gegen MotoGP-Konkurrenz

Beitrag von Doitright » Mi Mär 27, 2019 6:58 pm

Kennen die ihre eigenen Regeln nicht? Es hieß, dass keines dieser Teile aerodynische Auswirkungen haben darf. Also kann jetzt jeder alles anbauen, mit der Begründung, dass der Hauptnutzen nicht die Aerodynamik ist. So ein Schwachsinn. So kann man auch den Motorsport kaputt machen.

Maik Aefer
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Re: Nach Ducati-Urteil: Domenicali teilt gegen MotoGP-Konkurrenz

Beitrag von Maik Aefer » Do Mär 28, 2019 10:29 pm

Also für mich eine ganz klare Fehlentscheidung seitens der FIM. Jeder braucht nur mal während er mit einem Fahrzeug unterwegs ist seine Hand in den Luftstrom halten und dann nach oben oder unten anwinkeln und es ist klar das dieser Anbau an der Ducati garantiert einen gewissen Abtrieb entwickelt und das ist ja laut Regularien nicht erlaubt (erst recht nicht wenn sich der Anbau auch noch bewegt was ja an der Schwinge montiert zusätzlich der Fall ist). Leider scheint es zu reichen das man bei Ducati eine Aussage macht es würde nur der Reifenkühlung dienen.

Ich möchte gar nicht bestreiten das der Anbau hauptsächlich eine kühlende Wirkung auf den Reifen hat denn wie jeder weiß sind die Reifen oft der Schlüssel zum Erfolg was Entwicklungen in dem Bereich logisch machen. Trotzdem gibt es halt logischer Weise den sicherlich geringeren aber bestehenden aerodynamischen Effekt und jetzt wird es dann zweifelhaft.

Aprilia sagte zum Beispiel das ihnen ein ähnliches Teil verboten wurde was aber wohl als aerodynamisches Bauteil gewertet wurde. Wenn die jetzt das gleiche Teil wieder vorführen und sagen das es ebenfalls einen kühlenden Effekt hat oder irgendeinen anderen nicht aerodynamischen Grund nennen wäre die FIM in einer ziemlichen Zwickmühle.

Am Ende habe ich aber genau diesen Freifahrtsschein erwartet und die Sache beginnt für mich schon weit früher. Die FIM und Dorna merken schon länger das die spanische Meisterschaft maximal von einem in die Jahre kommenden Italiener angegriffen werden kann und die damaligen 2 Top-Werke recht mager waren. Daher erlaubte man einem Werk wie Ducati den Weg in die eigentlich für die kleineren Kundenteams gedachte Open Class mit sehr vielen Vorteilen vor allem für ein echtes Werksteam mit reichlich Geld aus der VAG-Kasse. Desweiteren wurden die Regeln auch nicht angepaßt obwohl klar sein mußte das Ducati im Open Format deutlich größere Fortschritte erzielen konnte also hätte man zumindest ab einem gewissen Erfolgsmaß alle Vorteile streichen müssen und nicht nur in kleinerem Maß einschränken.

Zusätzlich hatte Ducati im Open Format auch noch den Vorteil bei der Elektronik vom Magneti Marelli mit der sie eh schon arbeiteten nur mit eigener Software. Ducati konnte die Openzeit also nutzen um mit Magneti Marelli die ECU direkt weiter zu entwickeln und sich damit einen Vorteil gegenüber den anderen Teams erarbeiten die ja später auch mit der dann vorgeschriebenen Einheits ECU arbeiten mußten die halt auf den Grundlagen basierte die Ducati schon länger im Einsatz hatte.

Später dann durfte Ducati mit vollkommen hässlichen Flügeln fahren obwohl sie wie von mehreren Profis beschrieben das Windschatten fahren erschweren. Hier fand ich es schon witzig das gerade die Dorna immer davon geredet hat das man daran interessiert ist den Wettbewerb und die Kämpfe zu stärken und die Fahrer wieder in den Vordergrund zu bringen man aber im Gegenzug ein Bauteil zuließ welches neben der Elektronik den Beschleunigungsprozess deutlich erleichterte. Anhand der jetzigen Leistungsdichte sieht man ja gut das die vermeintlichen Raketen trotzdem so gut fahrbar geworden sind das Rookies heute recht zügig ihre Bikes schnell bewegen. Hier scheint es für die Dorna und die FIM am wichtigsten zu sein die Leistungsdichte zu erhöhen auch wenn der Ursprung dafür nicht mehr so stark der Fahrer ist.

Tja und jetzt mit dem erlaubten Anbau am Hinterrad zieht man einfach die bisher gefahrene rote Sonderlinie für Ducati weiter. Versteht mich nicht falsch. Ich bin über jede Marke froh welche die Rennen mitbestimmen kann. Das man Ducati aber mit immer wieder fragwürdigen Regelauslegungen bevorteilt zeigt deutlich das die Dorna und die FIM hier versuchen eine weitere Marke neben Honda und Yamaha für den Wettbewerb erschaffen bzw aufrecht halten wollen.

Mir ist sicherlich klar das die Entwicklung immer weiter gehen wird aber als FIM/Dorna könnte man gewisse Rahmenbedingungen abstecken welche solche sinnfreien Auswüchse wie dieser ganze Flügelsalat egal an welcher Stelle nicht erlaubt ist. So wie es jetzt behandelt wird öffnet es nur Tür und Tor für weitere Grauzonenentwicklungen und Wortklaubereien. Es wird von den Werken doch auch immer mit dem Bezug zu den frei verkäuflichen Motorrädern für Ottonormalverbraucher geworben aber selbst wenn ich es mir leisten könnte würde ich mir eben wegen der Flügel keine V4 R Panigale kaufen (obwohl ich schon immer von einer sportlichen Ducati träume) und bisher konnte ich auch noch mit keinem reden der sich ein Motorrad mit solchen Flügeln kaufen würde.

Fazit nach dem langen Text: Die Entscheidung für Ducati ist für mich nicht verständlich aber aus Sicht der FIM und der Dorna nachvollziehbar um den dauerhaften Alleingang von MM auch in Bezug auf die seit längerem etwas schwächelnde Yamaha einzuschränken. Das man dafür Grauzonenentwicklungen durchwinkt kann ihnen aber irgendwann auf die Füße fallen. Man kann auf alle Fälle davon ausgehen das wir in dieser Saison mindestens zu Testzwecken bei allen Werken solche "Hinterradkühllösungen" sehen werden.

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