Dein Weg ins Sim-Racing (4/5): Welches Rennspiel soll ich mir holen?

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Redaktion
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Dein Weg ins Sim-Racing (4/5): Welches Rennspiel soll ich mir holen?

Beitrag von Redaktion » Fr Jun 19, 2020 4:02 pm

Sim-Racing ist 2020 der Trend der Stunde im Motorsport - Doch was ist das eigentlich und wie fängt man damit an? - Heute: Das Thema Simulations-Software

PC oder Konsole sind konfiguriert, das Lenkrad gekauft. Doch noch immer dreht sich kein Rad. Denn ohne die entsprechende Software lässt sich kein Rennen fahren. Es gibt eine Fülle von Rennspielen, in die wir an dieser Stelle etwas Ordnung bringen wollen.

Teil 1: Wille und MotivationTeil 2: PC, Playstation oder Xbox?Teil 3: Das richtige Force-Feedback-Lenkrad

Grundsätzlich wird im Rennspiel-Genre zwischen den beiden Polen Arcade und Simulation unterschieden. Arcade-Spiele wie Need for Speed werden nicht dem Sim-Racing zugerechnet, sondern dem klassischen Gaming.

Wo Simulation anfängt und Arcade aufhört, ist meist Interpretationssache. Da es ein fließender Übergang ist, lässt sich so manches Spiel nicht eindeutig zuordnen.

Der Preis für neuwertige Spiele und Simulationen liegt in der Regel bei 45 bis 60 Euro. Im Laufe der Zeit fallen die Preise, wenn der Titel nicht mehr ganz taufrisch ist. Dafür schieben die meisten Entwickler heutzutage Download Content (DLC) nach. Das sind Updates nach dem release des Spiels, mit denen zusätzliche Fahrzeuge und/oder Strecken dem ursprünglichen Titel kostenpflichtig hinzugefügt werden.



Aus Sicht der Hardcore-Sim-Racer mögen es "nur" Spiele sein, doch für den Anfänger mag es gar nicht so falsche sein, sich erst einmal ein einsteigerfreundliches Spiel zuzulegen. Denn zuallererst wird man erst einmal lernen müssen, mit dem Lenkrad geradeaus zu fahren.

Auf der Playstation 4 führt natürlich kein Weg an Gran Turismo vorbei. So mancher mag geschockt reagieren, zu hören, dass die GT-Reihe keine vollwertige Simulation ist. Tatsächlich ist sie aber auch auf Gamepads ausgelegt, was immer Kompromisse erfordert. Ähnliches gilt für die "Forza"-Reihe (Motorsport/Horizon) auf der Xbox One oder dem PC.

Für den PC bietet sich Project Cars 2 an. Ein Spiel, das eine geringe Einstiegshürde bietet, aber gleichzeitig auch einen gewissen Simulationsanspruch verfolgt. Hier lassen sich auch erste Experimente beim Set-up vornehmen - etwa, was es bedeutet, den vorderen Querstabilisator härter zu stellen.

Auch die offiziellen Formel-1-Spiele von Codemasters (F1 2019 etc.) sind in diesem Bereich anzusiedeln. Aus diesem Grund stehen die offiziellen Sim-Races der Formel 1 im Jahre 2020 bei Sim-Racern in der Kritik. Denn F1 2019 lässt noch zu viele Arcade-Fahrmanöver zu, ohne dass sie angemessen bestraft werden.



Auch bei den Hardcore-Simulationen gibt es Abstufungen. Als Einstieg in die Welt des "echten" Sim-Racings wird in der Regel RaceRoom Racing Experience (R3E) betrachtet. "Easy to play, hard to master", lautet das Motto der Entwickler. Die Sim ist bereits seit 2013 am Markt.

Der Vorteil des Titels ist, dass er "Free to Play" ist. Eine kleine Auswahl an Fahrzeugen und Strecken steht für den Einstieg zur Verfügung, ohne dass etwas bezahlt werden muss.

Weitere Autos und Strecken lassen sich dann einzeln erwerben. Das ist Fluch und Segen zugleich: Segen, weil man nur den Content erwirbt, den man wirklich braucht. Fluch, weil man sich die Arbeit einzeln machen muss. Und letztlich kann es sehr teuer werden, wenn man wirklich alles kaufen möchte, was R3E zu bieten hat.



Die momentan populärsten Titel, die einen Anspruch als Hardcore-Simulation anmeldet, sind Assetto Corsa (AC) und der indirekte Nachfolger Assetto Corsa Competizione (ACC). AC kam bereits im Dezember 2014 auf den Markt, erfreut sich aber nach wie vor großer Beliebtheit. Deshalb ist es relativ günstig; das Paket inklusive aller offiziellen Add-ons kostet derzeit 40 Euro.

Die Simulation bietet an sich schon einen großen Umfang. Hinzu kommt reichlich Community-Content (sogenannte Mods), der auf einschlägigen Seiten (zum Beispiel Racedepartment) zusätzlich heruntergeladen werden kann. In der Regel ist das kostenlos. Manche, meist höherwertige Mods sind auch kostenpflichtig (ca. 10 Euro).

Für den Rundstrecken-Racer ist AC damit ein echtes Allround-Produkt, das alle Disziplinen auf Asphalt abbildet. Es ist davon auszugehen, dass AC auch auf Jahre hinweg noch die Mainstream-Simulation Nummer 1 bleiben wird. Einziges Manko: Es gibt keine Regenrennen. Und bei großen Starterfeldern entwickelt AC einen Heißhunger auf CPU-Power.

ACC ist kein direkter Nachfolger in dieser Hinsicht. Assetto Corsa Competizione bildet die GT World Challenge ab und lässt keinerlei Mods zu. Dafür besticht ACC durch modernere Technik und eine sehr gute Grafik. Außerdem ist dynamisches Wetter implementiert. Man ist allerdings auf den GT-Sport beschränkt.

ACC kostet derzeit seinerseits 40 Euro bei Steam, für weitere 15 Euro gibt es die Erweiterung der Interkontinentalen GT Challenge (IGTC).



Das, was letztlich am Markt AC geworden ist, wollte eigentlich rFactor 2 (rF2) werden. Die Physik dürfte das Realistischste sein, was am Markt erhältlich ist. Für manche ist es schon zu realistisch, weil im Sim-Racing das Popometer fehlt und das Fahrzeugverhalten über das Lenkrad dem User glaubhaft gemacht werden muss. Die haargenaue 1:1-Nachbildung der Physik macht das Fahren am Limit äußerst anspruchsvoll.

rF2 wurde vor allem für Community-Content (also Mods) entwickelt, bringt aber auch einen eigenen Fuhr- und Streckenpark mit sich. Als Highlight gibt es wie bei AC eine lasergescannte Version der Nürburgring-Nordschleife. Sogar Karts werden simuliert und es gibt dynamisches Wetter.

rFactor 2 wurde in seiner Anfangszeit von einigen Bugs heimgesucht, weshalb sich viele Sim-Racer zu Assetto Corsa hingewendet haben. Mittlerweile bietet rF2 eine gute Plattform, hat aber noch immer einen relativ großen Hardware-Hunger. Ein Manko, das mit fortschreitender Hardware-Technologie immer weiter in den Hintergrund rückt.

Die rFactor-2-Entwickler stellen darüber hinaus mit rFactor Pro realen Rennteams Simulationssoftware zur Verfügung.



Einen besonderen Rang nimmt im Sim-Racing iRacing ein. Es ist mehr als eine Rennsimulation, sondern bringt quasi sein eigenes Ligensystem mit. Jeder Fahrer hat eine Lizenz und kann diese aufwerten: Man startet mit der Rookie-Lizenz und kann sich über die Levels D, C, B und A sogar für eine Weltmeisterschaft qualifizieren.

Das Modell funktioniert anders: Man kauft iRacing nicht, sondern abonniert die Simulation. Das kostet im Jahr bereits 110 Euro, allerdings gibt es für Neueinsteiger 50 Prozent Rabatt und bei einer gewissen Anzahl von Rennen bekommt man einen Teil zurückerstattet.

Langfristig gesehen ist iRacing wesentlich teurer als AC oder rF2. Das liegt auch daran, dass gewisse Autos und Strecken ähnlich wie bei R3E einzeln dazugekauft werden müssen. Man beginnt mit 18 Fahrzeugen und 18 Strecken.

Es gibt einzelne Lizenzen in den Kategorien Formelsport, Prototypen, Sportwagen, NASCAR, Dirt Oval und Rallycross. Wer im Formelsport eine A-Lizenz hat, ist im Rallycross trotzdem noch Novize, wenn er dort noch nicht gefahren ist. Man steigt in der Lizenzstufe über sauberes Fahren ohne Ausrutscher und gute Ergebnisse auf.

iRacing versteht sich als Rundum-Sorglos-Paket für Sim-Racer unserer Kategorien 4 und 5 aus dem Einstiegsartikel. In den ganz großen Ligen werden sogar Preisgelder verteilt. Ähnlich wie bei AC gibt es das Manko, dass keine Regenrennen möglich sind. iRacing ist bereits seit 2008 am Markt, wird aber stetig weiterentwickelt.



Es gibt auch weniger populäre Alternativen auf dem Sim-Racing-Markt. Natürlich kann es für Einsteiger verlockend sein, sich für billiges Geld eine alte Simulation anzuschaffen - vor allem, wenn die Hardware nicht ganz so potent ist. Allerdings sind Online-Events in diesen Simulationen entweder nur noch extrem selten oder gar nicht mehr spielbar, weil die Server-Lobby abgeschaltet ist.

So gibt es mit Live for Speed eine Simulation, die schon seit 2003 existiert. Sie wurde von lediglich drei Entwicklern hochgezogen und hat ihre besten Zeiten lange sich. Dennoch zählen Fahrphysik und vor allem das Reifenmodell nach wie vor zum Besten, was der Markt zu bieten hat. Wer über die nicht mehr zeitgemäße Grafik hinwegsehen kann, wird hier lange Spaß haben.

Basierend auf dem ersten rFactor-Teil erschienen die legendären Titel GTR (2004) und GTR2 (2006) von Simbin, sowie die historische Simulation GT Legends (2005). Im "Simcarde"-Bereich locken ältere Gran-Turismo-Teile auf der Playstation und ältere Forza-Motorsport-Titel auf der Xbox mit niedrigen Preisen.

Ein Geheimtipp ist die brasilianische Simulation Automobilista aus dem Jahr 2016. Allerdings befindet sich hier bereits der Nachfolger Automobilista 2 im Early Access, der deutlich mehr in Richtung "Simcarde" geht und auf der Engine von Project Cars 2 aufbaut.



Fans des Rallyesports werden mit Hardcore-Simulationen nicht verwöhnt, denn sämtliche Titel in diesem Genre sind eher Arcade-lasting. Sie sind gezwungen, auf Altmaterial zurückzugreifen.

Richard Burns Rally (RBR) kam 2004 auf den Markt und gilt bis heute als Benchmark in Sachen WRC-Fahrphysik. Der namensgebende Rallyefahrer starb unglücklicherweise Ende 2005 an Krebs. RBR wird bis heute on einer enthusiastischen Community mit Mod-Content gepflegt.

Im letzten Teil blicken wir auf die Ligalandschaft in Deutschland und Europa.

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