Technik: So unterscheiden sich die Bremsen in der Formel E u

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Technik: So unterscheiden sich die Bremsen in der Formel E u

Beitrag von Redaktion » Mi Jun 05, 2019 4:26 pm

Die Bremsen sind im Motorsport ein Schlüssel zum Erfolg - So unterscheiden sich die Bremssysteme in der Formel 1 und Formel E

Jede Motorsportserie hat andere Anforderungen an die Bremse und deshalb müssen die Ingenieure passende Lösungen finden. Während in der Formel 1 Höchstgeschwindigkeiten von über 300 Kilometern pro Stunde gefahren werden, werden in der Formel E oft enge, langsame Kurven genommen. Die beiden Serien nutzen außerdem verschiedene Antriebe: Hybrid- versus Elektrofahrzeug.

In der Formel E werden Einheitsbremsen von Brembo eingesetzt. Da in der Elektroserie alle Teams und Fahrer mit dem System klarkommen müssen, hat der Hersteller mit vielen verschiedenen Herausforderungen zu kämpfen. Das Unternehmen beliefert außerdem in der Formel 1 verschiedene Teams mit den nötigen teilen.



Brembo-Ingenieur Giovanni Clemente sagt gegenüber 'Motorsport-Total.com': "In der Formel E brauchen wir ein System, das flexibel ist und unter jeden Bedingungen gut funktioniert. Außerdem sollen die Bremsen länger als zwei bis drei Rennen halten, weshalb sie sehr haltbar sein müssen. Wir achten darauf, dass sie nicht zu schnell verschleißen."

Für die Fahrer sei das Vertrauen in das Auto am wichtigsten, erklärt Clemente. "Die große Herausforderung ist, ein Produkt herzustellen, das für alle dasselbe ist. In der Formel 1 können wir hingegen individuelle Lösungen erarbeiten. In der Formel E müssen wir den besten Kompromiss finden. Alle Voraussetzungen zu erfüllen, war gar nicht so einfach."

Auch in Sachen Energierückgewinnung gibt es Unterschiede: "In der Formel 1 läuft es etwas anders", so Clemente weiter. "In der Formel E muss viel mehr Energie durch die Bremsen zurückgewonnen werden. Auch das ist keine einfache Aufgabe."



Schon optisch macht Clemente einen Unterschied zwischen der Formel 1 und Formel E fest: "In der Formel E können die Bremsen wirklich gesehen werden, da sie nicht durch eine Trommel verdeckt sind. Sie werden ganz offen gekühlt. In der Formel 1 sind sie hingegen verdeckt, um die Kühlung zu optimieren."

Bei den technischen Maßen gibt es sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede. Erst einmal haben die Front-Bremsscheiben in beiden Serien einen Radius von 278 Millimetern. Die Formel-1-Frontscheiben (32 Millimeter) sind acht Millimeter dicker als die in der Formel E. Beide Scheiben bestehen aus Carbon. Während es in der Formel 1 bis zu 1.400 Kühllöcher pro Scheibe gibt, sind es in der Formel E nur 70.

Die Bremsscheiben am Hinterrad sehen nur etwas anders aus. In der Formel E sind die Carbonscheiben 20 Millimeter dick und haben einen Radius von 263 Millimetern. Im Vergleich: Die Formel-1-Scheiben sind 28 bis 32 Millimeter dick bei einem Radius von 266 Millimetern. Die Formel-E-Scheiben haben 90 Kühllöcher und die Formel-1-Bremsen hingegen 1.400.

"Es ist so, dass die Formel-E-Bremsscheiben mit denen aus der Formel 1 vor 15 Jahren vergleichbar sind", erklärt Clemente. "Die Anzahl der Löcher, die wir heute in der Formel E nutzen, gleicht der in der Formel 1 vor 15 Jahren. Hier wird weniger Energie generiert als in der Formel 1 und deshalb dürfen die Bremsen nicht zu sehr abkühlen."



Bei den Bremssättel gibt es klare Unterschiede: In der Formel E kommen vier Kolben zum Einsatz - in der Formel 1 sind es sechs. Außerdem sind die Formel-1-Sättel größer und ein Kilogramm schwerer als die Formel-E-Sättel, die rund ein Kilogramm wiegen.

Die Bremsbelege an der Front sind in der Formel E aus Carbon und 18 Millimeter dick. In der Formel 1 kommen 22 Millimeter dicke Carbon-Klötze zum Einsatz. Die Bremsbelege am Heck sind in der Formel E 16 Millimeter dick. In der Formel 1 ist bei 17 Millimetern Schluss ist.

Während die Belege in der Formel E zwischen 400 und 800 Grad heiß werden, entstehen in der Königsklasse Temperaturen von über 1.200 Grad Celsius. Das Material ist also völlig unterschiedlichen Einflüssen ausgesetzt.



Clemente sieht trotz der Unterschiede eine enge Verbindung zwischen dem Formel-E- und Formel-1-Projekt. "Wir bauen natürlich auf die Erfahrungen auf, die wir in vielen Jahren in der Formel 1 gesammelt haben", sagt er. "Wir haben es geschafft, einen Wissenstransfer von der Formel 1 in die Formel E zu generieren."

Der Ingenieur spricht von einer "starken Basis" für das Engagement in der elektrischen Formelserie, die geholfen hat, gleich von Beginn an ein solides Produkt für die Teams und Fahrer zu liefern. In der Formel-E-Saison 2018/19 halten die Bremsen drei bis vier Rennen. Jedoch würden Teams, die "bereit sind, mehr Geld zu investieren", die Bremsen öfters wechseln, um "das Maximum" aus dem System herauszuholen.

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