Rene Binder: "Es war richtig, in den USA ein zweites Standbe

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Redaktion
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Rene Binder: "Es war richtig, in den USA ein zweites Standbe

Beitrag von Redaktion » Do Nov 08, 2018 3:01 pm

Für Rene Binder hat sich der mutige Schritt in Richtung USA gelohnt: Im Interview zieht der Österreicher erste IndyCar-Bilanz und verrät seine Zukunftspläne

Der Schritt über den "Großen Teich" in die IndyCar-Serie fällt vielen Europäern nicht leicht. Der Österreicher Rene Binder hat diesen Schritt 2018 trotzdem gewagt und durfte für das Juncos-Team fünf Wochenenden in der Meisterschaft bestreiten - als erster Vertreter seines Landes. Wie sich das motorsportliche Weltbild des 26-Jährigen seit seinem Einstieg in den amerikanischen Rennsport verändert hat und warum er auch in Hinblick auf 2019 wieder an einem transatlantischen Programm arbeitet, erzählt er im Interview.

Frage: "Blicken wir konkret zurück auf dein Motorsport-Jahr 2018. Was war der Höhepunkt deiner IndyCar-Saison?"Rene Binder: "Der Höhepunkt war definitiv das Rennwochenende in Toronto. Dort wäre ich fast in die Top 6 meiner Qualifying-Gruppe gerutscht und auch Platz 17 im Rennen war absolut okay. Mein Speed war phasenweise richtig gut, und ohne einen kleinen Ausrutscher wäre ich womöglich schon in den Top 10 gelandet. Ich glaube, dieser Stadtkurs liegt mir einfach."

Frage: "Und was war dein absoluter Indycar-Tiefpunkt?"Binder: "Das war ganz klar das Wochenende in Detroit. Insbesondere am Freitag bin ich auf dieser Beton-Buckelpiste überhaupt nicht zurechtgekommen. Ich habe dann im Rennen noch irgendwie die Zähne zusammengebissen und sogar eine persönliche Rundenbestzeit gefahren, die nur 0,7 Sekunden hinter dem schnellen Chevy von Will Power lag. Das war aber schon das einzig Positive an diesem Wochenende, und mir ist dort auch klar geworden, dass mir vor allem eines fehlt: Erfahrung."

Frage: "Wie bewertest du dein Teamduell gegen Kyle Kaiser, der ja immerhin als IndyLights-Champion in die IndyCar-Serie aufgestiegen ist und zu den heißesten Nachwuchstalenten in Nordamerika gehört?"Binder: "Ich glaube, das war ziemlich ausgeglichen. Gleich beim ersten Test in Sebring war ich einen Tick schneller als er, aber bei den Grands Prix sind wir ja nur abwechselnd zum Einsatz gekommen. Er kannte natürlich alle Strecken und hat daher auch mehr riskiert. In der Meisterschaft bin ich immerhin vor Conor Daly und ihm auf Platz 28 gelandet, wobei ich ein Wochenende mehr gefahren bin als die beiden."

"Zwei andere Rookies, Pietro Fittipaldi und Santino Ferrucci, waren übrigens unmittelbar vor mir platziert, allerdings mit dem Riesenvorteil, dass sie bei Dale Coyne auch einen Sebastien Bourdais als Lehrmeister hatten ..."



Frage: "Apropos Bourdais, du hast über die Saison sicher auch etliche Stars der Szene kennengelernt?"Binder: "Ja, einige und das sind alles 'bärige' Typen, wie wir in Tirol sagen würden. Will Power habe ich in Sebring getroffen und dann sind wir beim Eröffnungsbankett in St. Petersburg mit Scott Dixon und Sebastian Bourdais an einem Tisch gesessen. Ich war da anfangs ein bisschen schüchtern, aber der Bourdais hat gleich die Initiative ergriffen und mit uns dann über dies und das geplaudert, als würden wir uns schon ewig kennen."

"Auch Scott, Helio Castroneves oder Tony Kanaan sind ganz locker drauf. Die verhalten sich einem jungen Fahrer gegenüber absolut kollegial und haben keinerlei Starallüren. Trotzdem würde ich die Besten von ihnen auch zu den besten Fahrern der Welt zählen."

Frage: "Du hast irgendwann im Sommer einmal angedeutet, dass du dir eine komplette Saison in den USA nur schwer vorstellen kannst. Was bedeutet das für deine IndyCar-Pläne?"Binder: "Fakt ist, dass ich in unserem Familienunternehmen (Binderholz; Anm. d. Red.) immer stärker eingebunden werde und nicht einfach von Februar bis September in den USA bleiben kann. Worüber ich aktuell nachdenke, ist die European Le-Mans-Serie in Kombination mit den 24 Stunden von Le Mans und den vier großen Langstreckenrennen in den USA - also Daytona, Sebring, Watkins Glen und das Petit Le Mans. Das wäre mein Wunschprogramm, und den einen oder anderen IndyCar-Grand-Prix kann ich dann noch immer mitnehmen, wenn wir einen entsprechenden Sponsor finden."

Frage: "Du hast im August ein Rennen in der Langstrecken-WM bestritten. Wäre das nicht der nächste logische Schritt?"Binder: "Mittelfristig schon, wobei mich an der Langstrecken-WM im Moment zwei Dinge stören: Der Kalender und noch mehr, dass man in der LMP1 von vornherein chancenlos ist, wenn man nicht in einem Werks-Toyota sitzt. Es ist alles nur auf ein Herstellerteam ausgerichtet. So etwas würde es in den USA nie geben, aber warten wir einmal ab, wie sich das neue LMP1-Reglement ab 2020 auswirken wird."



Frage: "Was machen die Amerikaner aktuell besser?"Binder: "Ich war neulich beim IMSA-Saisonfinale, dem 'Petit Le Mans'. Dort hat man bis ein paar Minuten vor Schluss nicht gewusst, wer das Rennen gewinnen wird. Nur wenn es einen echten Wettbewerb gibt und einen nicht von vornherein absehbaren Rennausgang kann man die Leute begeistern. In dieser Hinsicht können wir Europäer einiges von den Amerikanern lernen. In den USA ist der Motorsport technisch zwar etwas konservativer ausgerichtet, aber auch spannender. Diese tollen Naturrennstrecken tragen sicher noch das Ihre dazu bei. Man muss das einfach einmal live miterlebt haben."

Frage: "Kann es sein, dass sich dein motorsportliches Weltbild durch dein IndyCar-Programm ein Stück weit über den Atlantik verschoben hat?"Binder: "Ich bin und bleibe natürlich auch Formel-1-Fan, wobei ich in den USA gesehen habe, dass man den Fans mit deutlich weniger Geld den letztlich besseren Sport bieten kann. In der IndyCar-Serie haben in dieser Saison acht verschiedene Fahrer gewonnen, und niemand würde behaupten, dass mit dem Auto von Scott Dixon noch zehn andere Fahrer den Titel geholt hätten. Das Material ist dort extrem ausgeglichen und die großen Teams erdrücken die kleinen nicht einfach mit völlig irren Budgets."

Frage: "...sagt ein sparsamer Zillertaler?"Binder: "Am Ende muss doch jeder auf die Kosten schauen. Dieses System ist hier schon derart aus dem Ruder gelaufen, dass in der Formel 1 selbst ein Esteban Ocon, der noch dazu vom Weltmeisterteam Mercedes unterstützt wird, nach einer starken Saison auf die Ersatzbank muss, weil sich die Privatteams einfach keine Talente mehr ohne Millionenbudgets leisten können. Das muss den Leuten doch langsam zu denken geben."



Frage: "Mal ganz ehrlich: Denkst du noch manchmal darüber nach, wie man es bis ganz nach oben schaffen könnte?"Binder: "Die Formel 1 ist für mich momentan ziemlich weit weg, obwohl ich bei meinem Test vor einem Jahr eigentlich das Gefühl hatte, dass ich zumindest als Test- und Entwicklungsfahrer einen guten Job machen könnte. Ich habe das aber vorerst nicht mehr verfolgt und mich stattdessen in den USA engagiert."

Frage: "Du hattest schon immer den Ruf, besonders gut im Reifenschonen zu sein, besonders konstante Rundenzeiten zu fahren. Ist es da naheliegend, für 2019 in Richtung Langstrecke zu gehen, einfach weil das deinem fahrerischen Profil wahrscheinlich am besten entspricht?"Binder: "Ja, aus diesen Überlegungen heraus ergibt es natürlich Sinn. Außerdem lassen sich die Prototypen auch ziemlich ähnlich fahren, wie moderne Formelfahrzeuge. Es sind dort ja schon viele alte Fahrerkollegen aus der World-Serie (Formel V8 3.5; Anm. d. Red.) und aus der GP2 erfolgreich im Einsatz."

Frage: "Was sind die nächsten Schritte und bis wann können wir mit einer Entscheidung rechnen?"Binder: "Die Gespräche laufen. Sie laufen auf Hochtouren in den USA, wo es um eine Riesenchance in einem werksunterstützten IMSA-Team geht, und sie beginnen jetzt auch in Europa, wo wir in der European Le-Mans-Serie noch ausloten müssen, in welchem Team und in welcher Fahrerkonstellation ich die besten Chancen haben könnte. Sobald wir etwas Offizielles vermelden können, werden wir es euch wissen lassen."

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