Sebastian Bühler: Ein künftiger Dakar-Topfahrer aus Deutschland?

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Sebastian Bühler: Ein künftiger Dakar-Topfahrer aus Deutschland?

Beitrag von Redaktion » Mo Jan 13, 2020 10:30 am

Die deutsche Fahne hält Sebastian Bühler bei der Rallye Dakar hoch - Bis zu einem Motorschaden war der Hero-Fahrer in den Top 20 - Ist er ein künftiger Sieganwärter?

Sebastian Bühler ist bei der Rallye Dakar 2020 der einzige deutsche Teilnehmer in der Motorradkategorie. "Ich bin in Duisburg geboren und bin 25", stellt sich Bühler vor. "Ich wohne mein ganzes Leben schon in Portugal." Und in Portugal hat er seine Leidenschaft für den Offroad-Sport entdeckt. Seit Kindheitstagen sitzt er auf dem Motorrad und hat schon viele Bajas bestritten.

2019 nahm Bühler zum ersten Mal die Rallye Dakar in Angriff und schaffte auf Anhieb einen Achtungserfolg. In Peru kam er mit einer Kundenmaschine von KTM als 20. ins Ziel. Er war der drittbeste Rookie. 2020 war ein Start in Saudi-Arabien fest eingeplant. Bis in den Herbst sah es danach aus, dass Bühler wieder als Privatfahrer antreten würde.

"Ich wäre dabei gewesen", sagt der 25-Jährige gegenüber 'Motorsport-Total.com'. "Ich hatte schon alles in den Bus eingeladen, um nach Frankreich [von wo aus die Fahrzeuge nach Saudi-Arabien verschifft wurden; Anm. d. Red.] zu fahren. Dann hat mich Wolfgang am Abend angerufen." Denn Speedbrain-Chef Wolfgang Fischer, der Teamchef des Hero-Teams, musste kurzfristig einen neuen Fahrer suchen.



Oriol Mena hatte sich bei Testfahrten vor der Marokko-Rallye verletzt und wurde nicht rechtzeitig für die Rallye Dakar fit. Fischer klingelte bei Bühler durch, denn die beiden hatten sich schon in Peru mehrmals unterhalten und kannten sich. "Nach der Dakar habe ich auch ein paar Mal mit Hero trainiert", schmunzelt Bühler.

Was hat für Fischer den Ausschlag gegeben, dass er den Deutschen in sein Team holen wollte? "Es gibt wenige junge Fahrer, die Offroad-Erfahrung haben und für die Rallye tauglich sind", meint Fischer im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. "Aus dem Motocross sind die Fahrer oft zu schnell und sind nur eine vorbereitete Strecke gewöhnt. Den Sebastian zeichnet aus, dass er in Portugal die Bajas kennt."

Neben drei Österreichern ist Bühler der vierte deutschsprachige Motorradfahrer in Saudi-Arabien, auch wenn er in Portugal lebt. "Dass er noch dazu Deutsch spricht und einen deutschen Pass hat, ist natürlich auch super", freut sich Fischer über einen Landsmann. "Es gibt momentan nicht viele Fahrer aus Deutschland in diesem Sport."

Hinter den erfahrenen Spitzenpiloten zeigte Bühler eine solide Leistung in der ersten Dakar-Woche und war regelmäßig rund um Platz 20 zu finden. "Er war auf Kurs, würde ich sagen", bewertet Fischer die Leistung. Ihm imponiert vor allem, dass Bühler mit Köpfchen fährt und lernen will. Nach der fünften Etappe war er auf Platz 18 im Gesamtklassement.



Auf dem Weg von Ha'il nach Riad im Laufe der sechsten Etappe gab es bei Kilometer 265 einen Motorschaden. "Das sind Sachen, die in diesem Sport passieren können", kommentiert Bühler den Ausfall. Aber er hatte Glück, denn das Motorrad wurde ins Biwak nach Riad gebracht und nicht nach Wadi Al-Dawasir ins Biwak der siebten Etappe.

Somit konnten die Mechaniker das Motorrad am Ruhetag wieder fahrbereit machen, denn Bühler darf mit einem (einmaligen) Joker weiterfahren. Wenn man nicht Elitefahrer ist, darf man außerhalb des Gesamtklassements die Rallye fortsetzen. Allerdings muss Bühler immer sehr weit hinten im Feld starten. "Er kann jetzt schauen, wo er noch etwas lernen und zulegen kann", sagt Fischer.

Was wäre möglich gewesen, wenn Bühler nicht den technischen Defekt gehabt hätte? "Top 10 wäre möglich gewesen, sicher", vermutet der erfahrene Dakar-Teamchef. Denn Fischer erkennt in Bühler großes Talent: "Ich sehe in ihm einen zukünftigen Topfahrer. Er hat alle Anlagen dafür." Zudem passt er als Persönlichkeit gut ins Team und kann bei Testfahrten in Portugal während des Jahres an Details arbeiten.

Denn Bühler ist immer noch ein Dakar-Neuling. Was ist im Vergleich zum Enduro am schwierigsten? "Die Konzentration, weil man schnell fahren muss und dabei noch das Roadbook lesen muss", sagt der Duisburger. "Wenn es eine Etappe mit viel Navigation ist, fahre ich etwas langsamer. Bei einer schnellen Etappe mit nicht so schwerer Navigation fahre ich schon schneller."

Seit 2016 arbeitet die deutsche Firma Speedbrain mit der indischen Marke Hero zusammen. 2017 war die erste gemeinsame Dakar. Davor arbeitet Speedbrain unter anderem mit BMW, Husqvarna und Honda zusammen und verfügt über viel Erfahrung. "Zur nächsten Dakar wird es ein neues Motorrad geben", kündigt Fischer an. Dann will man auch im Gesamtklassement KTM und Honda angreifen.

Anmerkung der Redaktion: Das Gespräch mit Sebastian Bühler und Wolfgang Fischer wurde am Ruhetag in Riad geführt, einen Tag bevor Bühlers Teamkollege Paulo Goncalves tödlich verunglückt ist.

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