"Zu einem Sprint-Enduro geworden": KTM kritisiert Entwicklun

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"Zu einem Sprint-Enduro geworden": KTM kritisiert Entwicklun

Beitrag von Redaktion » Di Jun 25, 2019 9:32 am

KTM-Motorsportchef Pit Beirer kritisiert die Entwicklung hin zum Sprintrennen bei der Rallye Dakar - Trotzdem steht KTM voll hinter dem Wechsel nach Saudi-Arabien

Seit dem Jahr 2001 ist KTM bei der Rallye Dakar ungeschlagen. Bis 2007 gastierte dieser Marathonklassiker in Afrika. Dann übersiedelte die Rallye nach Südamerika. "Südamerika war extrem populär. Es gab viel mehr Live-Zuschauer und eine größere Fernsehpräsenz. Das war eine gute Entwicklung", lobt KTM-Motorsportchef Pit Beirer im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'.

Im Rückblick auf die vergangenen Jahre in Südamerika gibt es für Beirer aber auch ein kritisches Element: "Das Rennen hat sich leider in eine falsche Richtung entwickelt. Es ist immer mehr zu einem Sprint-Enduro geworden, wo es um Sekunden geht. Wenn ich 700 Kilometer am Tag durch die Wüste fahre und es geht am Ende um Sekunden, dann ist das eigentlich die falsche Sportart."

"Ich will um Zehntel kämpfen beim Supercross, beim Motocross oder in der MotoGP. Aber nicht in der Rallye, wo man dann blind über eine Düne springen muss und man nicht weiß, ob dahinter ein LKW steht oder ein Tier vorbeiläuft. Also die Rallye hat sich von der Streckenführung und vom Speed ein wenig in die falsche Richtung entwickelt."



Ab 2020 wird ein neues Kapitel der Rallye aufgeschlagen. Es wurde ein Fünfjahresvertrag mit Saudi-Arabien unterzeichnet. KTM steht hinter diesem Wechsel. Man hofft, dass wieder der ursprüngliche Charakter der Rallye in den Vordergrund rückt. "Ich bin total happy über die Landschaft, die wir jetzt besuchen werden, denn es wird wieder die Art von Rallye werden, die wir gewohnt sind", blickt Beirer auf kommenden Januar.

Wüste wird Saudi-Arabien prägen. "Lange Sand- und Dünenfahrten und nicht harter Untergrund auf Schotter, wo man anfängt, aus dem Rallye-Motorrad ein Motocross-Motorrad zu bauen, um mehr Handling zu haben. Die Jungs haben mittlerweile gefordert, dass sie Motocross-Reifen haben wollen, weil sie mehr Grip wollen. Für die kurzen Distanzen reicht das aus, um noch ein paar Sekunden herauszuquetschen."

"Bei uns ist eigentlich der Wunsch bei der Rallye, dass es das letzte große Abenteuer auf dem Motorrad sein soll. Wir wollen dort beweisen, dass man von hier nach Afrika fahren kann. 10.000 Kilometer ohne Motorwechsel. Dass das Material einfach extrem stark ist und dass der Fahrer brutal gut bei der Navigation ist. Dann trennt sich die Spreu vom Weizen. Wenn einer richtig schnell fährt und gut navigiert, dann hat man hat man den besten Rallye-Fahrer."



"Wir wollen aber nicht, dass sie auf Sicht Sprint-Motocross-Rennen fahren. Deswegen sind wir grundsätzlich glücklich, dass wir wieder in Dünenlandschaften zurückkehren, wo man wieder ein vernünftiges Rallye-Motorrad bauen muss und kein abgekupfertes Motocross-Motorrad. Alles andere wird spannend, weil alles ein Fragezeichen ist. Wir sind dort noch nie Rennen gefahren."

Ein Ausstieg aus der Rallye Dakar ist für KTM derzeit kein Thema. "Das steht nicht zur Diskussion", bestätigt Beirer. "Rallye ist und war eines der großen Standbeine für unsere Firma. Auch was wir dort über das Material gelernt haben, hat die ganze Firma befruchtet. Somit ist Rallye unser Thema. Da wollen wir dabei sein und unsere Haut sehr teuer verkaufen an die Konkurrenz."



Vor allem Honda und Yamaha haben in den vergangenen Jahren die Anstrengungen verstärkt, aber es gelang nicht, KTM vom Thron zu stoßen. Mit Matthias Walkner (Österreich), Sam Sunderland (Großbritannien) und Toby Price (Australien) stellt das österreichische Team die Sieger seit 2016. Das Trio wird auch beim Wechsel nach Saudi-Arabien dabei bleiben. Die Verträge mit den drei Fahrern wurden bis 2021 verlängert, um Kontinuität zu gewährleisten.

"Wir haben über zehn Jahre fünfmal mit Marc Coma und fünfmal mit Cyril Despres abwechselnd diese Rallye gewonnen. Es war ganz klar, wer die absoluten Heros sind. Der eine ist dann zu Yamaha gegangen und der andere hat aufgehört. Wir mussten also mit der nächsten Generation anfangen. Sam, Matthias und Toby waren gleich alt und alle haben mittlerweile gewonnen. Also haben wir alles richtig gemacht, was im Rückblick natürlich einfach zu sagen ist", so Beirer.

"Sie sind alle drei noch im besten Rallye-Alter, also halten wir an ihnen fest. Nicht zu vergessen das Husqvarna-Team, wo Pablo Quintanilla einen super Job macht. Also haben wir vier potenzielle Sieganwärter und mit denen werden wir weitermachen. Wir haben das vertraglich alles stabilisiert bis Ende 2021. Die Rallye wechselt jetzt auf einen anderen Kontinent. Dafür ist es schon gut, wenn man im Team und bei den Fahrern eine gewisse Stabilität hat."



Price, der 2016 und 2019 die Dakar gewonnen hat, ist mittlerweile auch oft auf vier Rädern unterwegs. Jüngst nahm er mit einem Trophy-Truck bei einem Wüstenrennen in Australien teil. Außerdem bestreitet er in seiner Heimat auch Rennen der SuperUtes-Serie, wo mit Pick-Ups im Rahmen der Supercars gefahren wird. In Winton feierte Price dort vor einigen Wochen seinen ersten Sieg auf einer normalen Rundstrecke.

"Price ist ein Phänomen", wundert sich Beirer. "Während die anderen testen, fährt er Autorennen und ist gar nicht so unerfolgreich. Er hat dann vielleicht drei Wochen Trainingsrückstand, setzt sich aufs Motorrad und fährt trotzdem wieder so schnell wie alle anderen. Er ist eine rohe Naturgewalt, wie ich sie selten auf dem Motorrad erlebt habe."

"Ich war am Anfang extrem skeptisch bezüglich der Autogeschichte, weil ich dachte, dass ihm das für die Vorbereitung auf die Rallye schaden würde. Er hat mir mehrfach das Gegenteil bewiesen und freue mich für ihn, dass er im Auto Spaß hat. Wir können uns voll auf ihn verlassen, dass wenn er zurückkommt, er auf dem Motorrad voll da ist. Er hat mittlerweile auch mein Wohlwollen für seine Autogeschichten, was nicht immer so war."

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