Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Scott Redding

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Redaktion
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Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Scott Redding

Beitrag von Redaktion » Mo Sep 21, 2020 8:33 am

WM-Herausforderer Scott Redding verliert in Barcelona weitere Punkte auf Jonathan Rea und realisiert, dass der Traum, Superbike-Weltmeister zu werden, geplatzt ist



tja, das war es dann wohl. 51 Punkte liegen nach sechs von acht WSBK-Wochenenden zwischen Weltmeister Jonathan Rea und Herausforderer Scott Redding. Somit befindet sich der Rekord-Weltmeister voll auf Kurs, den sechsten WM-Titel in Folge einzufahren. Für den hoch gehandelten Gegenspieler brach gestern in Barcelona eine Welt zusammen, was ihn für diese Kolumne nominiert.

Man spürte zu Saisonbeginn, wie sehr Scott Redding diesen Titel wollte. Um das zu veranschaulichen, muss ich ein bisschen ausholen.



In der MotoGP schlug sich das britische Ausnahmetalent von 2014 bis 2018 deutlich unter Wert. Wesentlichen Anteil daran hatte das Material. Kunden-Hondas, Vorjahres-Ducatis und zum Abschluss die unterlegene Aprilia - Redding verlor immer mehr die Lust und spielte sogar mit dem Gedanken, mit dem Rennsport zu brechen. Unvergessen sind seine Aussagen zur 2018er-Aprilia, die er als "einen Haufen Scheiße" bezeichnete.

Nach dem Aus in der MotoGP folgte der überraschende Wechsel in die Britische Superbike-Meisterschaft. Redding konnte sich eigentlich nur blamieren, zu hoch waren die Erwartungen an den langjährigen Grand-Prix-Star. In der MotoGP gewöhnte sich der Brite an präzise abgestimmte Prototypen und fuhr auf extrem sicheren Rennstrecken.

In der BSB wurde er mit dem rauen, rohen und ursprünglichen Motorsport in Verbindung gebracht. Keine Elektronikhilfen und knifflige und gefährliche Rennstrecken. Hinzu kam eine Verletzung bei den Saisonvorbereitungen. Einige Insider vermuteten, dass Redding das finale Kapitel seiner Karriere eingeläutet hatte.



Doch der Mann aus Gloucester lieferte ab. Und wie! BSB-Champion in der Debütsaison. Ich kann mir nicht vorstellen, wie stark die Genugtuung gewesen sein muss. Mit nur 25 Jahren wurde Redding in der MotoGP ausrangiert. Durch den Titel in der BSB war er plötzlich wieder jemand.

Diesen Schwung nahm Redding mit in die Superbike-WM. Bereits bei den ersten Tests im Winter machte er deutlich, welche Ambitionen er in seiner WSBK-Debütsaison hat. Jonathan Reas Titelserie sollte zu Ende gehen. Was Vorgänger Alvaro Bautista bei Ducati nicht zu Ende bringen konnte, wollte Scott Redding nachholen.

Nach einem gelungenen Saisonauftakt folgte die Coronavirus-Zwangspause. Und Redding behielt den Fokus. Er quälte sich stundenlang auf seinem Rennrad, trainierte wie ein Besessener und hatte nur ein Ziel: Weltmeister werden.



Beim WSBK-Neustart übernahm er die WM-Führung. Man spürte bei Jonathan Rea eine ähnliche Stimmung wie zu Beginn der Saison 2019, als er gegen Sensations-Rookie Alvaro Bautista und Ducati chancenlos war. Der Kawasaki-Pilot reagierte genervt.

Vor dem Event in Portimao platzte Rea der Kragen. Er schimpfte, warum er ständig auf diesen Scott Redding angesprochen wird. Es schien so, als hätte der Herausforderer beim Titelverteidiger einen wunden Punkt getroffen.

Doch dann verlor Redding die Leichtigkeit. Ab Portimao lief es in der Box der Nummer 45 nicht mehr rund. Redding beklagte öffentlich das Fahrverhalten seiner Ducati Panigale V4R und verlor Wochenende für Wochenende Punkte. Der größte Rückschlag war der Sturz beim zweiten Aragon-Wochenende.



Barcelona war Reddings letzte Chance, die WM zu drehen. Und der Weltmeister war verwundbar. Doch Redding konnte die Chance nicht nutzen, weil am Sonntagnachmittag die Technik nicht tadellos funktionierte. Nach Lauf zwei, bei dem er als Sechster weitere Punkte auf Rea verlor, berichtete Redding von Bremsproblemen und nachlassenden Reifen (mehr Infos).

Wenn man in den vergangenen Wochen mit Redding sprach, spürte man, dass er nicht mehr die Lockerheit der ersten Wochenenden hatte. Der Flow war verschwunden. Redding sagte sich, dass er in Barcelona alle drei Rennen gewinnen muss. Dieser Druck sollte keine Hilfe sein.

Auf Phillip Island und in Jerez sah man, dass Redding Spaß hat. Dadurch fiel es ihm leicht, gute Ergebnisse zu erzielen. Vermutlich hat er sich zwischen den Rennen zu viele Gedanken gemacht und dadurch diese Leichtigkeit verloren. Dass die Ducati-Markenkollegen Chaz Davies und Michael Ruben Rinaldi zuletzt oft vor Redding landeten, wird zusätzlich zum Frust beigetragen haben.



Und wie geht es nun weiter? WM-Feierlichkeiten in Magny-Cours haben bei Jonathan Rea mittlerweile Tradition. An das große Wunder glaube ich nicht mehr. Dafür ist Rea zu clever. Weder Regen noch spontan wechselnde Bedingungen bringen den Rekord-Champion aus der Ruhe.

Ich wünsche mir, dass Scott Redding bei den beiden ausstehenden Events in Frankreich und Portugal die WM komplett ausblendet und dadurch seine Gelassenheit zurückfindet. Denn nur so kann er in der Saison 2021 eine Rolle im Titelkampf spielen.

Sportliche Grüße,



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karlchen1111
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Re: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Scott Redding

Beitrag von karlchen1111 » Mo Sep 21, 2020 11:12 am

Es hatte wohl seinen Grund warum es in der Moto GP nichts geworden ist. Eine große Klappe allein reicht halt nicht.

Uccios nightmare
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Re: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Scott Redding

Beitrag von Uccios nightmare » Mo Sep 21, 2020 2:31 pm

Es hat auch einen grund warum Rea nicht auf einer MotoGP Maschine sitzt und mit Sicherheit ist es nicht der Grund das alle Teamchefs der MotoGP keine Ahnung haben.

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SpartaChris
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Re: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Scott Redding

Beitrag von SpartaChris » Mo Sep 21, 2020 6:45 pm

Rea hat zu lange auf das Pferdchen namens Honda gesetzt. Die hatten andere Prioritäten.
Sein wahres Potenzial konnte er eben erst mit einem Siegermotorrad zeigen.
MotoGP <3

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