Sepang: Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat

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Redaktion
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Sepang: Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat

Beitrag von Redaktion » Mo Nov 04, 2019 7:10 am

In der Montagskolumne dreht sich alles um einen Fahrer, der beim Malaysia-Grand-Prix eine tadellose Bewerbung für die MotoGP-Saison 2020 abgegeben hat



ich freue mich, verkünden zu können, dass Johann Zarco zurück ist. Beim Malaysia-Grand-Prix in Sepang zeigte der Franzose mit der LCR-Honda eine blitzsaubere Vorstellung. Lediglich der Übereifer von Suzuki-Rookie Joan Mir verhinderte, dass Zarco für seine Anstrengungen mit einem Top-8-Ergebnis belohnt wird. Dennoch gehe ich davon aus, dass der zweimalige Moto2-Weltmeister äußerst gut geschlafen hat. Er empfiehlt sich somit für unsere traditionelle Montagskolumne.

Bereits beim ersten Einsatz für Lucio Cecchinellos LCR-Team in Australien gefiel mir, was Zarco mit der Honda RC213V anstellte. Ohne Training und Vorbereitung tastete sich der ehemalige KTM-Pilot ans Limit seines neuen Arbeitsgeräts und entschied zumindest das Duell mit Jorge Lorenzo deutlich. Er steigerte sich von Session zu Session und nahm Lorenzo im Rennen 40 Sekunden ab.

Zarco und Lorenzo, das sind in meinen Augen zwei Fahrer mit einem ähnlichen Stil. Man möchte meinen, beide sind auf Reihenvierzylinder-Bikes - wie der Yamaha oder der Suzuki - deutlich besser aufgehoben als auf einer giftigen V4-Rakete. Die beiden Ausnahmekönner fahren runde Linien und sind meist unspektakulär unterwegs. Wie effektiv das in Kombination mit der Yamaha R1 funktioniert, belegen die Ergebnislisten vergangener Jahre.



Doch nun ist es so, dass Zarco und Lorenzo auf Grund riskanter Karriereentscheidungen dort sind, wo sie sind. Für Zarco waren die LCR-Starts ein großes Risiko, denn dadurch platzte der Yamaha-Testfahrer-Deal. LCR ist für den Franzosen vermutlich die letzte Chance, um sich in der MotoGP zu empfehlen.

Mit seiner famosen Vorstellung in Sepang hat er sich in meinen Augen im Hause Honda für mehr qualifiziert. Ich kann mir absolut nicht vorstellen, dass Lorenzo, der sich momentan mit Fahrern wie Karel Abraham und Hafizh Syahrin duelliert, ein weiteres Jahr in Repsol-Farben absolviert.



Phillip Island war keine aussagekräftige Strecke. Der Kurs hat schon für einige Überraschungen gesorgt. Ein gutes Beispiel dafür ist Andrea Iannones starke Einlage in der ersten Rennhälfte. Ich hätte ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, in dieser Saison eine Aprilia in Führung zu sehen. Aber was das wert war, konnte man bereits ein Rennen später in Sepang sehen.

"Willkommen in der Realität", heißt es auf dem Sepang International Circuit. Der Kurs hat alles: Langsame Kurven, schnelle Kurven, harte Bremszonen, lange Geraden - kein Wunder, warum die MotoGP seit etlichen Jahren hier ihre Wintertests absolviert. Und deshalb sind die Ergebnisse auf der 5,543 Kilometer langen Piste auch aussagekräftiger als die von Phillip Island.



Umso erfreulicher war es, dass Zarco einen weiteren Sprung machen konnte. Nach dem Scheitern bei KTM waren sich die meisten Experten einig, dass Zarco mit der Honda ähnliche Probleme haben wird. Klar, der Charakter der RC16 dürfte dem der RC213V relativ ähnlich sein. Doch scheinbar kommt Zarco mit der Honda deutlich besser zurecht als mit der KTM.

Zarco behauptete sich vor dem unverschuldeten Sturz souverän vor Ex-Teamkollege Pol Espargaro, der ihm zu KTM-Zeiten regelmäßig um die Ohren fuhr. Und er fuhr vor LCR-Teamkollege Cal Crutchlow, der in der Vergangenheit einige abfällige Kommentare in Richtung Zarco abfeuerte. Crutchlow verabschiedete sich mit einem Sturz aus dem Rennen. Nach Monaten der Demütigung dürfte Zarco so etwas wie Genugtuung verspürt haben.



Und das sei ihm absolut gegönnt. Bei seinem MotoGP-Debüt mit Yamaha deutete Zarco sein Talent an - Führungsrunden im ersten Rennen und konstante Spitzenergebnisse danach. Mit seinen Leistungen empfahl sich der Franzose für einen Platz im Yamaha-Werksteam, doch Valentino Rossi und Maverick Vinales waren für Jahre gesetzt. Als Zarco zu KTM wechselte, hatten die Franzosen mit Fabio Quartararo einen neuen Liebling.

Noch hat Zarco keinen festen Platz für die MotoGP-Saison 2020. Die Entscheidung, KTM vorzeitig zu verlassen, war sehr mutig. Doch dieser Mut könnte sich auszahlen, wenn im Honda-Werksteam endlich jemand den ersten Schritt macht.

Es hat sich eine Art Poker entwickelt: Jorge Lorenzo vs. HRC. Seit seinem Comeback fährt der Ex-Champion hinterher. Honda setzt damit den Gewinn der Teamwertung aufs Spiel, denn Marc Marquez ist im Kampf gegen das Ducati-Werksduo ein Einzelkämpfer. In Sepang sammelte Lorenzo nach vier Rennen ohne Top-15-Ergebnis mal wieder zwei Zähler. Die hatte er aber den Ausfällen und den Verletzten zu verdanken.

Lorenzo möchte nicht auf seine Gage verzichten. Und Honda möchte diese nicht zahlen, hat mit Zarco aber einen Fahrer in der Hinterhand, der einen größeren Beitrag leisten könnte. Ich bin gespannt, wie dieser Vertragspoker ausgeht. Vielleicht wird es ja schon beim Saisonfinale in Valencia eine Wendung geben. Ich würde mich freuen, dann noch einmal verkünden zu können, dass Zarco zurück ist.

Ihr,



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weissnicht
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Re: Sepang: Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat

Beitrag von weissnicht » Mo Nov 04, 2019 8:05 am

Wie hiess es doch früher am Ende der Fortsetzungsromane:

"Hoffen wir das Beste, lieber Leser.
Forsetzung folgt!"

Hoffentlich.

Doitright
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Re: Sepang: Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat

Beitrag von Doitright » Mo Nov 04, 2019 9:19 am

Fährt Zarco nicht die 2018er Version mit der auch Lorenzo in den Tests blendend zurecht kam? Daher hinkt der Vergleich etwas. Zudem hat Lorenzo ein großes Problem mit dem Vertrauen zum Vorderrad. Vielleicht in etwas wie es bei Zarco ins KTM-Bike war. Daher sind diese Eindrücke vielleicht
etwas vorsichtiger zu genießen

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Maglion
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Re: Sepang: Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat

Beitrag von Maglion » Mo Nov 04, 2019 12:10 pm

Doitright hat geschrieben:
Mo Nov 04, 2019 9:19 am
Fährt Zarco nicht die 2018er Version mit der auch Lorenzo in den Tests blendend zurecht kam? Daher hinkt der Vergleich etwas. Zudem hat Lorenzo ein großes Problem mit dem Vertrauen zum Vorderrad. Vielleicht in etwas wie es bei Zarco ins KTM-Bike war. Daher sind diese Eindrücke vielleicht
etwas vorsichtiger zu genießen
diese Frage kann Honda ja innnerhalb weniger Tage klären, indem sie Zarco auf das Bike von Lorenzo setzen.
Ich denke, dass Lorenzo viele Ausreden erfindet, um seine schlechte Leistungen zu begründen. Schon bei Ducati hat er ewig rum gemacht und zig Änderungen verlangt, was am Ende nur für wenige Lichtblicke sorgte.
Ich denke eher dass Lorenzo ein psychisches Problem hat, was sicher mit seinen schwern Stürzen und Verletzungen zu tun hat. Wenn man es plakativ formulieren möchte, könnte man sagen, dass Lorenzo seine Eier verloren hat - er hat nicht das Vertrauen ins Bike, sondern in sich verloren und da kann man ihm jedes noch so tolles Bike hinstellen, es wird nichts bringen.
Lorenzo ist ausgebrannt und wird nie wieder etwas in der MotoGP reißen und da ist er ja nicht der Erste, dem das passiert.

Ich fine es aber problematisch, wenn ein Fahrer der es nicht mehr bringt, dann aber auf die Bezahlung wie für einen Champion besteht und nur noch ans Abzocken denkt. Nachem er bei Ducati gnadenlos versagt hat, war es eh viel Glück, dass er beim WM-Team neben Marquez einen sehr hoch dotierten Vertrag bekommen hat und Lorenzo hat sicher deutlich mehr versprochen, als er halten konnte und wenn man selbst nicht abliefert, sollte man auch so fair sein und die Trennung fair und korrekt über die Bühne bringen.

Wenn Lorenzo noch etwas WÜrde hat, sorgt er für einen Abgang mit Klasse, aber diese Art von Klasse war noch nie sein Ding.
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h00bi
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Re: Sepang: Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat

Beitrag von h00bi » Mo Nov 04, 2019 12:28 pm

Auch Crutchlow sagt dass die 2018er einfacher zu fahren ist.

Ich sehe aber bei Honda kein Platz für Zarco.
Nakagami hat den Japan-Bonus. Ich verstehe zwar nicht wie in den heutigen, political correctness von Fahrer anhand ihrer Nationalität ausgewählt werden können ohne dass es einen Aufschrei gibt, aber so isses ja auch mit den Italienern bei Ducati.

Crutchlow liefert ganz okay ab und sorgt hin und wieder für eine Sensation, außerdem ist er nicht bei LCR unter Vertrag sondern bei Honda.

HRC sucht keinen Beifahrer neben Marquez sondern einer der ähnlich abliefern kann wenn MM mal ausfallen sollte oder irgendwann wechselt. Ich halte da die Fernandez Gerüchte für wesentlich gehaltvoller, aber erst für 2021.

Ich glaube aber auch nicht dass Lorenzo geht. Der Kerl braucht einfach mal eine solide Saisonvorbereitung auf einem Bike, das dann auch so gefahren wird. dann sollten die Ergebnisse schon kommen. War ja bei Ducati auch nicht anders, erster Sieg Mitte zweite Saison. Da von gnadenlosem Versagen zu sprechen ist absurd.... und ich mag LJ nichtmal, ganz im Gegenteil.

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Maglion
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Re: Sepang: Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat

Beitrag von Maglion » Mo Nov 04, 2019 12:41 pm

h00bi hat geschrieben:
Mo Nov 04, 2019 12:28 pm
War ja bei Ducati auch nicht anders, erster Sieg Mitte zweite Saison. Da von gnadenlosem Versagen zu sprechen ist absurd.... und ich mag LJ nichtmal, ganz im Gegenteil.
Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und nach dem kurzen Hoch gings ja auch wieder bergab.
Lorenzo hat die Ducati Mannschaft mit seinen Sonderwünschen und den ständigen Umbauten mächtig genervt und viele dieser Umbauten waren technisch nicht fundiert, sondern hatten eher eine Placebo-Effekt, weshalb viele ja auch davon aus gehen, dass die Probleme mehr in seinem Kopf zu finden sind, als am Bike - das hat ja auch das Debakel bei Honda bestätigt.

Man darf ja auch nicht vergessen, dass ein Bradel auf anhieb besser auf Lorenzos Bike war, als Lorenzo und das obwohl Bradel ins kalte Wasser geworfen wurde. Bradel ist zwar Testfahrer, aber für ihn wirft sich Honda sicher nicht so ins Zeug, wie sie es für Lorenzo gemacht haben und noch machen. Und ich behaupte mal, das Bradel nicht zu den Top Fahrern gehört und er kommt trotzdem mit dem bike besser klar wie Lorenzo und kostet in der Saison wahrschenlich so viel, wie Lorenzo an EINEM Wochennende.
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Smokey
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Re: Sepang: Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat

Beitrag von Smokey » Mo Nov 04, 2019 2:01 pm

Ich wage es kaum auszusprechen, aber... sollte Lorenzo am Saisonende wirklich kurzfristig zurücktreten würde es meiner Meinung nach mehr Sinn machen Bradl statt Zarco den Platz zu geben!

Mal im Ernst, Zarco kann einem schon leid tun, auf der anderen Seite hat er sich mit seinem Wechsel zu KTM einfach verpokert. Hätte er weiter Yamaha fahren wollen, hätte man ihm sicher einen Platz bei Petronas gegeben (als Teamkollege von Morbidelli) und er hätte Quartararos Kronprinzen-Status einnehmen können. Aber bei KTM hats wahrscheinlich das bessere Gehalt gegeben...

weissnicht
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Re: Sepang: Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat

Beitrag von weissnicht » Mo Nov 04, 2019 3:18 pm

In irgendeinem Beitrag wurde berichtet, dass ohne JZs Wissen sein (Ex-?)Manager ihm den Deal eingebrockt hätte.

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Re: Sepang: Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat

Beitrag von Doitright » Mo Nov 04, 2019 5:18 pm

Sowas meine ich auch gelesen zu haben.

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Maglion
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Re: Sepang: Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat

Beitrag von Maglion » Mo Nov 04, 2019 6:23 pm

weissnicht hat geschrieben:
Mo Nov 04, 2019 3:18 pm
In irgendeinem Beitrag wurde berichtet, dass ohne JZs Wissen sein (Ex-?)Manager ihm den Deal eingebrockt hätte.
....am Ende hat Lorenzo entschieden und unterschrieben - kein Manager kann seinen Schützling zu einem Vertrag zwingen. ;)
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Re: Sepang: Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat

Beitrag von Doitright » Di Nov 05, 2019 5:53 pm

JZ = Johann Zarco.

Es kommt darauf an, welche Vollmachten der Manager hat.

Turrican4D
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Re: Sepang: Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat

Beitrag von Turrican4D » Do Nov 07, 2019 12:49 am

Maglion hat geschrieben:
Mo Nov 04, 2019 12:41 pm
Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und nach dem kurzen Hoch gings ja auch wieder bergab.
:confused: Häh? Es war ja nicht nur ein einziger Sieg und dann kam auch schon der dicke durch Marquez verursachte Sturz. Lorenzo weiterhin auf der Ducati und die Saison 2019 wäre nicht zu so einer Pleite für den Zuschauer geworden.

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