Lucy Glöckner exklusiv: Verbot am Pikes Peak sorgt für "get

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Lucy Glöckner exklusiv: Verbot am Pikes Peak sorgt für "get

Beitrag von Redaktion » Mi Jul 31, 2019 10:14 am

Carlin Dunnes Tod überschattete Lucy Glöckners Klassensieg beim Pikes Peak 2019: Wir haben uns exklusiv mit der 28-Jährigen über das Traditionsrennen unterhalten

Lucy Glöckner startete in diesem Jahr zum zweiten Mal beim Bergrennen am Pikes Peak. Mit einer von Wunderlich-BMW aufgebauten S1000R fuhr die 28-jährige Zschopauerin zu Platz zwei in der Gesamtwertung und sicherte sich in ihrer Klasse den Sieg. "Vergangenes Jahr war mein Rookie-Jahr und in diesem Jahr ging es auf Angriff", kommentiert Glöckner den Triumph in Colorado.

Mit 9:58.878 Minuten blieb sie unter der magischen 10-Minuten-Marke. Doch eine Wiederholung des Erfolgs im kommenden Jahr wird es nicht geben. Die Verantwortlichen haben entschieden, 2020 keine Motorräder mehr starten zu lassen, nachdem Ducati-Testpilot Carlin Dunne beim diesjährigen Rennen tödlich verunglückte (zur Story).

"Ich habe eine geteilte Meinung darüber", bemerkt Glöckner, als wir sie im Rahmen eines Instruktoren-Jobs bei Hafeneger-Renntrainings in Brünn auf das Verbot ansprechen. "Ich habe es jetzt zwei Jahre erlebt und will eigentlich noch einmal teilnehmen, um alles zu zeigen."

"In diesem Jahr hatte ich zu Beginn des Rennens starke Probleme mit dem Motorrad, was später besser wurde. Natürlich denkt man in so einem Fall ein Jahr weiter. Jetzt kam die offizielle Bestätigung, dass es keine Motorräder geben wird. Zuerst reagiert man enttäuscht, doch wenn man sich die Bedingungen vor Augen führt, bei denen wir in diesem Jahr gefahren sind, dann realisiert man, wie gefährlich es geworden ist", berichtet die Deutsche.

"Vor allem im oberen Abschnitt gibt es viele Bodenwellen und es wird nicht besser von Jahr zu Jahr. Für die Autos ist es natürlich auch eine gefährliche Geschichte, nur dass sie vier anstatt zwei Räder haben. Es kann auch bei den Autos zu einem schlimmen Unfall kommen. Entweder es passiert etwas oder es passiert nichts", so Glöckner. "Das Risiko besteht immer."



Carlin Dunne ging in diesem Jahr als großer Favorit ins Rennen und befand sich bis kurz vor der Zieldurchfahrt auf Rekordkurs. Wenige Meter vor der Ziellinie stürzte der US-Amerikaner und erlag seinen Verletzungen. "An der Stelle gibt es sehr viele Bodenwellen. Klar, wenn man riskiert, dann kann so etwas passieren. Es ist wie auf einer normalen Rennstrecke. Wenn man viel riskiert, dann stürzt man schneller", kommentiert Glöckner.

"Er wollte den Rekord und war voll auf Kurs, ihn zu brechen. An diese Zeit wäre lange Zeit niemand herangekommen", prophezeit die BMW-Pilotin. "Das sind die Schattenseiten unseres Sports. Als Fahrer weiß man aber, dass so etwas immer passieren kann."

Glöckner lernte Dunne im Vorjahr kennen und unterhielt sich immer wieder mit dem Pikes-Peak-Spezialisten. "In diesem Jahr hat er sich ziemlich stark zurückgezogen. Im vergangenen Jahr war er offener, würde ich behaupten. Er hat sich sehr stark auf diesen einen Lauf konzentriert. Aber klar, man begegnete sich und unterhielt sich kurz", berichtet die 28-Jährige.

Dunne startete in diesem Jahr mit einem Prototyp von Ducati. Geriet er deshalb zu stark unter Druck? "Er hat sich selbst ziemlich stark unter Druck gesetzt. Das kam aber nicht von Ducati. Warum auch? Das Motorrad war absolut der Hammer. Genau wie mein Motorrad. Das war auch mega geil aufgebaut", so Glöckner. "Wir wussten alle, dass er der King of the Mountain war."



Im vergangenen Jahr startete Glöckner erstmals beim Pikes-Peak-Bergrennen und wurde auf Position sechs gewertet. 10:21.932 Minuten benötigte sie beim Debüt. "Beim ersten Einsatz lernt man nicht alle Details. Deswegen war es mir wichtig, noch einmal zurückzukehren und ein zweites Mal dort zu fahren", bemerkt sie. Beim zweiten Anlauf hatte die BMW-Pilotin eine deutlich bessere Vorstellung vom 156 Kurven langen Kurs.

"Als ich im Vorjahr dort war, dachte ich mir einfach nur: 'Wow!' Ich muss so etwas immer live erleben. Natürlich schaute ich mir die Strecke vorher bei YouTube ein paar Mal an, doch ich konnte das nie so wirklich leben. Dann habe ich es live erlebt und wusste, dass es eine Herausforderung wird. Ich spielte ganz viel PlayStation und trainierte mit einem Spiel, bei dem die Strecke enthalten ist. So habe ich auch meine Woche aufgebaut."

"In der Trainingswoche fährt man die verschiedenen Sektoren einzeln und so habe ich auch mit der PlayStation trainiert. Bei der Vorbereitung in diesem Jahr konnte ich mir zudem noch meine eigenen Videos anschauen. Das hat mir extrem viel geholfen, um in diesem Jahr so erfolgreich zu sein", erklärt sie.



Die Vorbereitung auf das Rennen ist alles andere als einfach, weil der Kurs eine öffentliche Straße ist. "In der Trainingswoche beginnen die Sessions etwa um 6:00 Uhr, wenn es halbhell ist. Es geht bis maximal 8:30 Uhr, je nachdem welcher Sektor befahren wird. Danach wird der Kurs wieder für den normalen Verkehr freigegeben. Der finale Turn um 8:00 Uhr oder 8:15 Uhr ist immer entscheidend, weil dann die Bedingungen ähnlich sind wie am Renntag", erläutert Glöckner.

"Zum Renntag geht es normalerweise um 8:00 Uhr los. Ich wäre etwa 8:45 Uhr dran gewesen. Doch die Startzeiten wurden zwischen den Fahrern etwas gestreckt. Zudem gab es einige Abbrüche und schlussendlich startete ich erst 11:00 Uhr. Diese Bedingungen hatte ich in der Trainingswoche überhaupt nicht", berichtet die BMW-Pilotin. "Es war sehr sonnig und die Temperaturen im Tal waren extrem hoch. Es war auf jeden Fall anders als im Training."



Das Einsatzgerät der Firma Wunderlich-BMW sah nur auf den ersten Blick aus wie eine normale BMW S1000R. Genau genommen handelte es sich um eine BMW HP4 Race mit einem hohen Lenker, der vom Reglement vorgeschrieben wird.

"Eigentlich sollte Michael Dunlop fahren. Doch er musste wegen dem Rallye-Unfall kurzfristig absagen. Das war für mich ein bisschen schade. Klar, man hat sich schon einmal gesehen, aber ich hätte von ihm sicher noch etwas lernen können, wenn wir zusammen gefahren wären. Das Team hatte für ihn ein spezielles Motorrad aufgebaut. Die Maschine hatte den Carbon-Rahmen, die Carbon-Räder und entsprach einer HP4 Race mit hohem Lenker", erklärt Glöckner.

"Da Michael Dunlop nicht fahren konnte, erhielt ich die Maschine. Zu Beginn war ich ziemlich überrascht, habe mich dann aber sehr gefreut, weil ich die HP4 Race sehr gut kenne. Es ist ein mega geiles Motorrad", schwärmt sie.

Superbikes mit Stummellenkern sind am Pikes Peak nicht erlaubt. Deshalb setzen die Fahrer auf die unverkleideten Naked Bikes. "Früher durften noch die Superbikes und Supersportler teilnehmen, doch das wurde später verboten. In meinen Augen ist es ohnehin sinnvoller, da man sonst gar nicht richtig um die engen Ecken kommt. Mit dem hohen Lenker ist es viel einfacher", schildert Glöckner.



Nach den Starts am Pikes Peak stellt sich die Frage, wie groß der Reiz ist, die Isle of Man oder andere Roadracing-Events ins Visier zu nehmen. "Für jemanden ohne Erfahrung ist es unglaublich schwierig, die Strecke zu lernen. Ich könnte mir vorstellen, das anzugehen, aber ich glaube, meine Familie hat etwas dagegen (lacht; Anm. d. Red.)", kommentiert Glöckner eine mögliche Teilnahme bei der TT.

"Ich bin ja früher schon zu 125er-Zeiten und zu R6-Zeiten auf dem Frohburger Dreieck gefahren. Schleiz ist genau genommen ja auch Roadracing. Das hat mich schon immer ein bisschen gereizt, wenn man etwas mehr Adrenalin spürt. Das fetzt mir unheimlich. An die Isle of Man denke ich noch nicht, doch ich finde es mega geil, was die für eine Show abliefern", so die Zschopauerin.

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