Philipp Öttl exklusiv: "Es schaut schlechter aus, als es ist

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Philipp Öttl exklusiv: "Es schaut schlechter aus, als es ist

Beitrag von Redaktion » Do Jun 13, 2019 1:27 pm

Moto2-Rookie Philipp Öttl wartet nach wie vor auf die ersten Punkte der Saison: Im Exklusiv-Interview spricht der Deutsche über sein Training, die KTM und seine Person

Nach sechs Jahren in der Moto3 wechselte Philipp Öttl im vergangenen Winter in die Moto2. Im Tech-3-Team von Herve Poncharal fährt Öttl eine KTM. Bei den ersten sechs Rennen der Saison gelang Öttl noch kein Top-15-Finish. Bereits bei den Wintertests kündigte sich an, dass die Saison 2019 ein Lernjahr wird. Im Exklusivinterview spricht Öttl über die Hürden und erklärt, dass er sich nie entschuldigen würde, weil er zu nett ist.

Im Mai 2018 gewann Öttl in Jerez das Moto3-Rennen. Es folgte eine schwierige Phase in der Moto3. Der Moto2-Aufstieg war bereits besiegelt. "Spontan würde ich meinen, dass es die schwierigste Zeit in meinem Leben war, aber das wäre vielleicht ein bisschen zu extrem formuliert. Es war auf jeden Fall eine schwierige Zeit. Nach dem Sieg in Jerez war es in der Moto3 schwierig", erinnert sich der 23-Jährige.

In der Moto3 fuhr Philipp Öttl für das Team von Vater Peter Öttl. Bei Tech 3 musste sich der junge Deutsche an neue Gesichter gewöhnen. "Es ist kein großer Unterschied. Mein Papa war die beiden letzten Jahre der Teammanager. Ich habe nicht direkt mit ihm gearbeitet. Er war nicht mein Crewchief, der mir gesagt hat, wie ich fahren soll", vergleicht er.

"Die Stimmung im Team ist gut. Das Arbeiten macht Spaß. Die Aufgabe ist nicht einfach, aber es motiviert mich sehr. Es macht Spaß. Der Lernprozess ist aber schwierig", gesteht Öttl und fügt hinzu: "Mir taugt es."



Die Umstellung von der leichten Moto3-KTM zur deutlich leistungsstärkeren und schwereren Moto2-KTM fiel Öttl aber nicht leicht. "Der Schritt von der Moto3 in die Moto2 ist größer als der von der Moto2 in die MotoGP. Das ist auf die Unterschiede beim Gewicht, der Leistung und den Reifen zurückzuführen. Das sind die drei wichtigsten Punkte", analysiert er.

"Von der Linie her muss man das Motorrad eher wie ein MotoGP-Bike fahren. Das muss man verstehen. Wir gehen Schritt für Schritt vor und kommen der Sache näher. Man fällt aber hin und wieder in alte Verhaltensmuster zurück", bemerkt Öttl und nennt ein Beispiel: "Ich bremste immer vorne und hinten gleichzeitig. In der Moto2 sollte man zuerst vorne und dann hinten bremsen."

"Ich versuche, nach jedem Grand Prix ein Mal Motorradfahren zu können. Am Anfang des Jahres und im Winter fahre ich viel Supermoto. Zudem fahre ich im Winter nebenbei ein bisschen mit einer Supersportmaschine", schildert der Moto2-WM-Pilot.

Die Moto2-Saison 2019 ist für die Fahrer und Teams der mittleren Kategorie ein Neustart. Die neuen Triumph-Motoren und die Elektronik brachten frischen Wind in die Serie. "Der Dreizylindermotor hat untenrum schon ganz schön viel Druck. Beim ersten Test mit der Triumph in Jerez konnte ich danach ein paar Runden mit dem Honda-Motor fahren. Im direkten Vergleich war das eine Luftpumpe bei niedrigen Drehzahlen. Man muss seinen Stil umstellen", erklärt Öttl.

Beim Training variiert Öttl gern. Zuletzt war er mit einem KTM-Superbike unterwegs. Mit der RC8 wollte sich der WM-Pilot an das Drehmoment des Triumph-Motors gewöhnen: "Es ist ein Zweizylinder mit etwa 150 PS. Ich bin die Maschine mit Moto2-Reifen gefahren. Es war die Maschine von meinem Onkel. Bei niedrigen Drehzahlen drückt der Motor ganz schön an, doch dann hört es halt auf. Zum Üben von Abläufen ist es extrem wichtig."

"Früher bin ich zwischen den Rennen immer Supermoto gefahren. Das hat mit meinen Rennmotorrädern gar nix zu tun, aber zum Üben von Abläufen, wie dem Bremsverhalten, eignet es sich sehr gut", kommentiert Öttl, der regelmäßig in Italien und Spanien mit anderen Grand-Prix-Piloten trainiert.



Teamchef Herve Poncharal äußerte sich zuletzt kritisch zu seinen Fahrern und ärgerte sich, nach wie vor ohne Punkte dazustehen. Poncharal ließ durchblicken, dass Öttl ein bisschen zu nett sei. "Das ist eine Eigenschaft, für die ich mich nie entschuldigen würde", kontert der junge Deutsche.

Öttl erklärt: "Als Rennfahrer muss man egoistischer sein. Es gibt so viele Variablen beim Überholen. Entweder man macht es oder man macht es nicht. Es ist nicht einfach, sich jedes Mal zu überwinden. Wenn ich wirklich gut drauf bin, dann habe ich das im Griff. Wenn man nicht ganz so gut drauf ist, dann hat man auch andere Sachen nicht so gut im Griff. Ich nehme es zur Kenntnis, wenn man sagt, dass ich zu nett bin. Es ist nicht meine Intention, auf der Rennstrecke zu freundlich zu sein."



Die Moto2 ist auch nach dem Neustart mit den Triumph-Motoren extrem hart umkämpft. "Es ist keine einfache Klasse. Alles liegt eng beieinander. Es ist nicht wie in der Moto3. Mit neuen Reifen kann man was gutmachen, aber es ist nicht weltbewegend. Die Reifen halten lange. Es ist eine Klasse, in der man einen schnellen Rhythmus fahren muss", schildert Öttl.

Nach wie vor ohne Punkte dazustehen, bewertet der Grand-Prix-Laufsieger nicht über: "Es schaut schlechter aus, als es ist. Ich versuche, meine positive Einstellung beizubehalten. Was anderes bleibt mir ohnehin nicht übrig. Wir fokussieren uns weniger auf die Platzierung. Mit einer Sekunde Rückstand kann man auch nur 25. sein in dieser Klasse. Ich will das gute Gefühl dauerhaft haben, das ich manchmal habe."

"Jeder, der hier mitfährt, stand schon mal auf dem Podest oder hat einen Grand Prix gewonnen und war hier und da schon gut dabei. Das muss man erst einmal zusammenbringen. Marcel (Schrötter) fährt seit 2012 in der Moto2 mit. Es ist einfach eine harte Klasse", stellt Öttl fest.



Als KTM-Pilot hat der Rookie auf dem Papier einen kleinen Nachteil, denn momentan dominiert Kalex die Moto2. "Ich glaube, dass die KTM schwieriger zu fahren ist. Doch wenn man es einmal drauf hat, dann ist die KTM besser, würde ich sagen", grübelt er.

"Kalex hat brutal viel Erfahrung in der Moto2. Sie wissen, was man braucht. Sie haben viel mehr Fahrer und bekommen mehr Input. KTM hat drei Rookies. Ich will nicht sagen, dass das ein Handicap ist, aber die Feedbacks der Rookies sind vermutlich noch nicht so geschliffen wie die vom Binder oder Lecuona", erklärt er.

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