MotoGP-Stars loben Moto3-Sensation Öncü: "10 von 10 Punkten!

Hier diskutieren Fans über News und aktuelle Themen rund um den Motorrad-Sport wie MotoGP, Moto2, Moto3 und die Superbike-WM
Antworten
Redaktion
Beiträge: 12190
Registriert: Do Nov 08, 2001 1:01 am

MotoGP-Stars loben Moto3-Sensation Öncü: "10 von 10 Punkten!

Beitrag von Redaktion » Di Nov 20, 2018 4:29 pm

Can Öncü hat die MotoGP-Stars mit seinem Moto3-Sieg in Valencia entzückt - Andrea Dovizioso, Alex Rins, Scott Redding und Co. verneigen sich vor der Meisterleistung

Can Öncü schrieb in Valencia Geschichte. Der KTM-Wildcard-Starter schaffte die Sensation in seinem allerersten Moto3-Rennen: er gewann. In einer erbitterten Regenschlacht rettete sich der türkische Nachwuchsstar nach 23 Runden mit vier Sekunden Vorsprung vor Moto3-Weltmeister Jorge Martin ins Ziel. Im Alter von gerade einmal 15 Jahren und 115 Tagen krönte er sich zum jüngsten Sieger in der Weltmeisterschaft. Scott Redding hatte diesen Rekord zehn Jahre lang inne - er ist nicht verbittert. Ganz im Gegenteil streuen ihm die MotoGP-Stars Rosen.

"Ich freue mich für ihn. Aber andererseits tut es weh, dass er das ausgerechnet in meinem letzten Rennen macht", gesteht Redding mit einem Augenzwinkern gegenüber 'MotoGP.com'. "Es ist aber großartig zu sehen, dass junges Talent nachkommt. Das kann ich nicht verleugnen. Das war eine fantastische Vorstellung von ihm. Er war stark, schnell und konstant."

Auch Valencia-Sieger Andrea Dovizioso ist beeindruckt vom KTM-Junior. "Das ist total surreal! Er ist jetzt der jüngste Sieger. Er hat ein schwieriges Rennen allein gemeistert - das ist für mich unglaublich. Wir haben sehr viel Erfahrung, wenn wir in so eine Situation kommen. Und dann denken wir über sehr vieles nach, was nicht gut ist. Ich weiß nicht, was er sich dachte. Er war von Beginn an schnell mit dabei. Er hat alles sehr intelligent gelöst", lobt er Öncü.



Der Türke war bereits in den Freien Trainings in den Top 10 zu finden, das Qualifying meisterte er auf trockener Strecke mit Bravour. Von Startplatz vier aus konnte er sich bereits zu Rennbeginn in der Spitzengruppe halten. Die regnerischen Bedingungen seien auch laut Alex Rins "sehr schwierig" gewesen. "Für Can ist das unglaublich. Er ist ein tolles Rennen gefahren. Das ist verrückt. Ich weiß gar nicht, ob er überhaupt schon einmal in solchen Bedingungen gefahren ist. Da gibt es nichts mehr zu sagen: Zehn von zehn Punkten."

Öncü blieb im Gegensatz zu seinen Konkurrenten ruhig. Denn nachdem zunächst WM-Dritter Marco Bezzecchi in Runde vier gestürzt war, ging in Runde zwölf auch der bis dahin Führende, Tony Arbolino, zu Boden. Plötzlich fand sich Öncü an der Spitze wieder - mit einem großen Vorsprung gegenüber der Verfolgergruppe rund um Fabio Di Giannantonio, Jorge Martin und John McPhee.

"Das war ein schwieriges Rennen, aber am Start hatte ich einen kleinen Vorteil, weil ich Arbolino und Bezzecchi gefolgt bin", schildert der strahlende Sieger. "Wir hatten einen kleinen Vorsprung gegenüber Martin und McPhee. Nachdem sie gestürzt sind, habe ich die Führung übernommen und wollte den Vorsprung halten. Als sie gekämpft haben, habe ich davon profitiert und konnte die Lücke vergrößern. Ich hatte Glück."



Öncü, der in diesem Jahr den Rookies-Cup gewinnen konnte, berichtet von einem "unglaublichen Gefühl". "Ich habe gleich beim ersten Wildcard-Einsatz ein Rennen gewonnen - was gibt es Schöneres. Als ich am Montagmorgen aufgestanden bin, habe ich mir das Rennen noch einmal angesehen, ich war sehr glücklich."

Allerdings wäre die Sensation in der letzten Runde in Kurve 6 fast noch zum Desaster geworden. Denn der Türke wurde in einem heiklen Moment aus seinem Sitz gehoben. Er fing das Bike jedoch wieder ein und fuhr mit vier Sekunden Vorsprung ins Ziel. "In diesem Moment wollte ich das Rennen nur noch beenden. Ich habe an die nächsten Kurven gedacht. Ich weiß nicht genau, wie ich den Sturz noch vermeiden konnte."

Von Zwillingsbruder Deniz Öncü, Supersport-Legende Kenan Sofuoglu und auch von Toprak Razgatlioglu hat der Moto3-Sieger vor dem Rennen noch Tipps erhalten. Während der 23 Rennrunden zitterte auch KTM-Teamchef Aki Ajo ungewöhnlich aufgeregt an der Boxenmauer mit. Er signalisierte seinem Nachwuchsfahrer mehrmals per Handzeichen, dass dieser langsamer fahren solle.



"Sie haben mir immer gesagt, dass ich langsamer machen soll, aber ... Ich habe sie immer gesehen, auch weil am Ausgang von Kurve 1 eine große Leinwand ist. Ich habe den Kampf zwischen Martin und McPhee gesehen und sie sind in der letzten Runde wie verrückt näher gekommen. Aber es ist sich perfekt ausgegangen", kann er lachen.

"Das ist ein sehr schönes Gefühl, Geschichte zu schreiben als jüngster Sieger aller Zeiten. Das macht mich sehr glücklich. Außerdem stand ich auf dem Podium, das macht mich gleich doppelt glücklich." Vieles von seiner Rennstärke konnte er in der Nachwuchsserie erlernen: "Im Rookies-Cup habe ich gelernt, wie man kämpft, wie ich eine KTM fahren muss und wie ich Rennen manage - und nicht stürze."

Öncü kann es kaum glauben, dass er sich gegen den Weltmeister Martin und weitere Piloten durchsetzen konnte. "Es war unglaublich, gegen die Toppiloten zu fahren. Martin war in diesem Jahr mein Favorit. Ich freue mich, dass er im kommenden Jahr auch für mein Team fahren wird." Denn Jorge Martin wird in das KTM-Team in die Moto2 aufsteigen. Der Spanier zollt seinem jungen Konkurrenten ebenso Respekt. "Er hat sicherlich sehr großes Potenzial. Glückwunsch zum Sieg! Er hat eine großartige Leistung abgerufen."



Das weiß auch ein anderer Spitzenfahrer aus dem KTM-Kader. Pol Espargaro hatte sich durch die Siege von Öncü in der Moto3 und Miguel Oliveira in der Moto2 schon unter Druck gesetzt gefühlt - und konnte schließlich mit seinem ersten MotoGP-Podium den KTM-Jubel perfekt machen. In seiner Euphorie vergaß er aber nicht auf den jungen Türken. "Dieser Kerl ist wirklich eine Bestie. Ich bin sehr glücklich, dass er in unserer KTM-Struktur ist. Er wird wachsen und sein Talent zeigen. Vielleicht landet er irgendwann in der MotoGP mit KTM. Ich bin sehr stolz auf ihn."

Öncü selbst wird 2019 in die Moto3-Weltmeisterschaft einsteigen, mit dem Ajo-Team wird er nach der Winterpause zu testen beginnen. Dass er aber nicht nur schnell fahren kann, sondern auch Humor hat, bewies er in der Pressekonferenz nach seinem Triumph. Auf die Frage, wie er die Konzentration über das gesamte Rennen halten konnte, antwortete er gelassen: "Ich weiß nicht. Vor dem Rennen habe ich noch einen Kaffee getrunken. Vielleicht hat mir das geholfen." Sein Ziel in der kommenden Saison? "Ich werde versuchen, jedes Rennen um das Podium zu kämpfen."

Original-News aufrufen

Antworten