Kolumne: Der Verbrenner-Motorsport muss sich neu aufstellen

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Redaktion
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Kolumne: Der Verbrenner-Motorsport muss sich neu aufstellen

Beitrag von Redaktion » So Nov 24, 2019 7:52 pm

Der Ausstieg von Volkswagen-Motorsport aus allen Verbrenner-Serien zeigt: Die Werke verschwinden schneller als gedacht - Rückbesinnung muss her

Liebe Freunde des guten Sounds,

es hat mich nicht mehr wirklich überrascht: Volkswagen beendet alle Verbrenner-Projekte im Motorsport. Mich überrascht auch nicht, dass es wieder einmal eine Adhoc-Entscheidung gewesen sein muss.

Noch im August war Volkswagen Motorsport customer racing sehr entspannt, als ich dieses Szenario dort schon einmal ins Spiel gebracht habe: Wird eine Marke, die sich der Elektromobilität verschrieben hat, noch Motorsport mit Verbrennungsmotor betreiben? "Die meisten Autos, die wir derzeit verkaufen, haben einen Verbrennungsmotor", hieß es entspannt.

Nun ist es also raus: Selbst der Kundensport, obwohl eigentlich profitabel, ist vor der Verbrenner-Keule der Konzerne nicht mehr sicher. Lieber auf ein bisschen Profit verzichten, als weiter mit einer schmutzigen Technologie in Verbindung gebracht zu werden.

Und das ist das Problem, das auf den (konventionellen) Motorsport in den 2020er-Jahren schneller zurollt als mancher es glauben will: Wie lange wollen Konzerne noch Motorsport mit Sound (der eindeutig zum Spektakel dazugehört) mitmachen?



Es ist nicht so, dass nur Verbrenner-Hasser in den Vorstandsboards sitzen. Viel mehr haben sie keine Wahl: Die Politik hat die Batterie-Elektromobilität ziemlich irrational bereits zum Sieger erklärt und passt alle Gesetze in diese Richtung an.

Den Autokonzernen bleibt angesichts von Flottenverbräuchen gar nichts anderes übrig, selbst wenn sie diesen Weg gar nicht gehen wollten. Sie müssen Autos bauen, die Stand jetzt kaum jemand kaufen möchte. Wie viel die Politik nachhelfen wird, um das zu ändern, steht derzeit in den Sternen.

Realistisch betrachtet sehe ich persönlich einen Marktanteil von 25 bis 30 Prozent Elektroautos in den 2030er-Jahren. Die Politik will dann aber am liebsten schon 80 bis 100 Prozent sehen. Aber schweifen wir nicht weiter ab.

Was bedeutet das nun für den konventionellen Motorsport? Auf Hersteller wird über kurz oder lang kein Verlass mehr sein. Schon jetzt muss jede Rennserie nahezu um jeden Hersteller betteln. Lange vorbei sind die Zeiten, als schonmal Werke ohne Konsequenz für zwei Jahre gesperrt werden konnten, weil sie gegen das Reglement verstoßen haben (Toyota WRC 1995). Oder als die Hersteller jeden Diktaturschritt der FIA mitgegangen sind (F1-Ära Mosley).



Kurz: Mittelfristig wird sich der Motorsport mit Sound lösen müssen von den Werken. Er muss sich zurückbesinnen auf reine Motorsportkonzerne wie Oreca, Ilmor oder Cosworth. Eine eigene Industrie müsste hochgezogen werden. Das gilt insbesondere für Deutschland, wo eine solche derzeit fehlt - aufgrund der Dominanz der Werke, die immer mehr Richtung Elektro drängen werden.

Dass sauberer Motorsport auch mit Verbrennungsmotoren möglich ist, zeigen die Supercars Australia oder IndyCar mit der Verwendung von Bioethanol. Ein Schritt, der im europäischen Motorsport leider völlig verschlafen wurde und sich im kommenden Jahrzehnt rächen könnte. Die Formel 1 versucht es jetzt immerhin mit E-Fuels. Vielleicht gerade noch rechtzeitig, vielleicht schon zu spät.

Das Problem bleibt jedoch: Welcher Hersteller will langfristig noch mit dem lauten Motorengeräusch eines Verbrennungsmotors assoziiert werden, das außerhalb des Motorsports als rückständiges Überbleibsel einer vergangenen Ära angesehen wird? Selbst wenn die CO2-Bilanz astrein ist, weil der Kraftstoff der Atmosphäre bei der Produktion so viel CO2 entzogen hat, wie er bei der Verbrennung freisetzt?

Konventioneller Motorsport muss überleben. Ein Großteil der Fans liebt den lauten Sound, weil er dazugehört wie die Stadiongesänge zum Fußball. Elektrischer Motorsport spricht eine andere Zielgruppe an. Beides hat seine Berechtigung. Aber der Zeitgeist wird die Hersteller langfristig vertreiben - selbst wenn Peugeot gerade nochmal immerhin ein Hybridengagement in Angriff nimmt.

Es wird für den Fan ein bitterer Einschnitt vor allem im Tourenwagensport sein, sich von leichten Identifikationsbildern wie großen Marken distanzieren zu müssen. Die Alternative wird jedoch sein, künftig nur noch Motorsport ohne Sound zu erleben. Und diese Vorstellung wollen wir wohl alle nicht.

Euer#w57#

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AndreasW
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Re: Kolumne: Der Verbrenner-Motorsport muss sich neu aufstellen

Beitrag von AndreasW » Mo Nov 25, 2019 8:23 am

Danke, dass in einem solchen Artikel endlich auch mal E-Fuel erwähnt wird. Gegen Elektro-ANTRIEBE (dazu gehört auch die Brennstoffzelle) habe ich prinzipiell nichts einzuwenden, auch wenn mir für die Show die Verbrenner-Motoren eindeutig lieber sind.

Was mich wirklich stört ist diese überschnelle Entscheidung auf Batterie-betriebene Fahrzeuge zu setzen. Diese mögen im Gesamtwirkungsgrad etwas besser sein als Fahrzeuge mit E-Fuels, was aber keine Rechtfertigung dafür sein kann, die Umwelt durch Kobalt- und Lithium-Abbau massivst zu schädigen. Ganz nebenbei fluchen alle Feuerwehren und Abschleppunternehmen über Elektrofahrzeuge, weil sie eben so schwer zu löschen sind und auch Tage später wieder spontan anfangen können zu brennen. Auch das Recycling der Batterien ist nicht geklärt. Mit der jetzigen E-Mobilität tauscht man Pest gegen Cholera aus.

P2G (Power-to-gas, auch E-Fuels genannt) wären hier nach übereinstimmender Meinung der Wissenschaftler ein ausgezeichneter Weg. Wer das Verfahren nicht kennt: man nutzt überschüssige regenerative Energie (Wind-, Solarstrom, etc.) dazu, um Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufzuspalten. Diese Stoffe kann man direkt nutzen (z.B. in der Industrie oder Brennstoffzellenfahrzeugen) oder synthetisiert in einem zweiten Schritt mit CO2 aus der Luft (bzw. aus der Industrie, die es sonst in die Luft ausstoßen würden) Methan, das man direkt ins Erdgasnetz einspeisen kann. Über dieses Netz HABEN WIR SCHON JETZT gigantische Energiespeichermöglichkeiten (kann bei Bedarf über Gasturbine zurückverstromt werden) UND EIN VERTEILERNETZWERK, sodass man keine neuen Stromtrassen bauen müsste.

Für eine großflächigere Nutzung müsste man nur bestehende Tankstellen aufrüsten, sodass man hier auch ein CNG-Fahrzeug (früher Erdgas-Fahrzeug genannt, kommt aber nicht so gut an) betanken kann. CNG-Fahrzeuge kann man natürlich auch mit fossilem Methan betanken, aber z.B. Audi verfolgt genau, wie viel die verkauften g-tron-Fahrzeuge vom Gasnetz abzapfen und steuert über P2G-Anlagen (mindestens?) diese Menge wieder hinzu. Diese Fahrzeuge werden de facto CO2-neutral betrieben, haben keine langen Ladezeiten, haben einen recyclebaren Stahltank und einen Motor, der notfalls auch mit Benzin betrieben werden kann, falls doch keine Gastankstelle in Reichweite ist. Damit ist diese Technologie auch perfekt für den Übergang, bis das Gas-Tankstellennetz besser ausgebaut ist. Gleichermaßen kann man sich natürlich auch von VW ein TGI-Modell oder ein entsprechendes CNG-Fahrzeug von Seat besorgen. Ich habe nebenbei keine Verbindung zu CNG-Lobby-Gruppen... das ist meine feste Überzeugung als Ingenieur. Weitere Informationen findet Ihr z.B. hier: https://zukunft.erdgas.info/

Mit P2G kann man nicht nur Wasserstoff oder Methan herstellen, sondern auch LNG (Flüssiggas) für die Schiffindustrie oder meines Wissens auch synthetisches Kerosin für Flugzeuge. Schiffe und Flugzeuge lassen sich theoretisch natürlich elektrisch betreiben (siehe Modellbau), aber gerade für Langstreckenflüge ist die Batterie-Technologie (aktuell) zu schwer und für Schiffe haben wir ohnehin wieder die Materialproblematik. Ich hoffe, dass mit dem Nachhaltigkeitsbekenntnis der Formel 1 diese Technologie besser vorgestellt wird, sodass nicht nur blind der E-Mobilität hinterhergerannt wird. Vielleicht beziehen wir auch in Zukunft unseren Treibstoff aus Saudi-Arabien und Umgebung, dann aber nicht wegen dem Erdölvorkommen, sondern wegen der Sonne und Infrastruktur. Auch Nordafrika würden sich hier wirtschaftliche perspektiven als E-Fuel-Lieferant eröffnen, Australien hätte Platz für entsprechende Anlagen und die USA können weiter fröhlich ihre Trucks fahren, aber den Treibstoff in Nevada, Arizona, New Mexico etc. herstellen.

In einer Vorlesung für Verbrennunsmotoren wurde es vor ein paar Jahren mal schön gesagt... es gibt KEINE Energiekrise: was an Wind- und Sonnenenergie verfügbar ist, übersteigt den Bedarf um ein vielfaches, auch wenn sich die Menschheit nochmal verdoppelt würde (wird sie nicht). Die Herausforderung des 21. Jahrhunderts wird nicht "Energie", sondern "Energiespeicherung und -transport" => das eigentlich tolle bei einem konventionellen Fahrzeug ist nicht der Motor, sondern der Tank ;).

desl
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Re: Kolumne: Der Verbrenner-Motorsport muss sich neu aufstellen

Beitrag von desl » Mo Nov 25, 2019 9:35 am

"Den Autokonzernen bleibt angesichts von Flottenverbräuchen gar nichts anderes übrig, selbst wenn sie diesen Weg gar nicht gehen wollten. Sie müssen Autos bauen, die Stand jetzt kaum jemand kaufen möchte. Wie viel die Politik nachhelfen wird, um das zu ändern, steht derzeit in den Sternen."


Nunja ... wer freudig dicke SUVs in die vorderste Ladenzeile schiebt und bewirbt, der kriegt es bei den Flottenverbräuchen halt recht leicht hin mit E-Autos dem Sprit-Durst der SUVs entgegenzurechnen.

So sinnvoll E-Autos auch sein mögen ... die Flottenverbrauchs-Nummer mit E-Autos schönzurechnen ist schon Makulatur. Stammt die Energie - mit welcher das E-Auto geladen wurde - aus fossilen Energieträgern, dann ist seine CO2-Bilanz auch nicht gerade dolle ... zumal man hier den Wirkungsgrad von Generator und E-Maschine betrachten darf.

Hinzu kommt - wie hier schon erwähnt - der bei aktuellen Batterie-Technologien hohe Energieaufwand bei der Gewinnung der Rohstoffe (vor allem Lithium). Bei der Produktion der LiPo-Akkus wird so viel CO2 verbraucht, dass sich bei manch E-Auto erst bei einer 6-stelligen Laufleistung ein geringerer CO2-Verbrauch ergibt als bei einem vergleichbaren Verbrenner.

Gerade bei Kleinwagen die in der Stadt fahren ist es fraglich, wann sie auf diese Laufleistung kommen ... oder ob sie ab einem gewissen Alter womöglich einen neuen Akku brauchen.

Aufgrund der Ladedauer wird das E-Auto für Fahrer vieler und langer Strecken noch lange unattraktiver bleiben als z.B. ein verbrauchsarmer Diesel.


Wie dem auch sei. Der Verbrenner wird und sollte so schnell nicht "aussterben". Er hat seine Vor- und Nachteile ... so wie auch das E-Auto.
Die beiden ergänzen sich ... eine Technologie sollte die andere nicht vollends ersetzen bzw. verdrängen.

Auch andere Ansätze wie CNG, E-Fuels, Wasserstoff usw. sollten betrachtet werden, wenn es um die Klimafreundlichkeit der Antriebe geht.

Dass Volkswagen (exklusive manch Konzern-Marken wie Seat, Audi und Porsche) sich vom Verbrenner-Motorsport zurückzieht ... naja ... keine große Überraschung.
Is ja auch nichts, was von gestern auf heute plötzlich passiert.

Polo Cup und Scirocco Cup sind schon ne Weile Gesichte. Für die Formel 4 hat man (im Gegensatz zur Formel Masters) keinen Motor homologiert. Nach dem Ende des alten Formel 3 Chassis werden das aktuelle (im Prinzip Nachfolger der GP3) mit Einheitsmotoren von Mecachrome befeuert bzw. in anderen F3-Rennsieren (W Series, Formula Regional Championship) läuft der Tatuus mit Alfa-Romeo-Motoren.

Das Volkswagen-Engagement wurde schon länger immer geringer ... das Werksteam im Rallysport is ja auch schon ne Weile weg.

Für die Werke ist Motorsport eine Werbe-Plattform ... und Volkswagen macht nunmal eher Schlagzeilen mit Rekordfahrten mit dem ID.R als mit irgendeinem Verbrenner. Durch die ganze Diesel-Geschichte (die man sich selbst eingebrockt hat), tut sich Volkswagen ohnehin schwer eigene Verbrennungsmotoren zu bewerben.

Aber ehrlich ... der Verlust von Volkswagen im Verbrenner-Motorsport ist nun nicht plötzlich riesengroß.

Racer7
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Re: Kolumne: Der Verbrenner-Motorsport muss sich neu aufstellen

Beitrag von Racer7 » Mo Nov 25, 2019 10:00 am

Werter Schreiberling,
Sie sind leider genauso werksverunglimpft, wie die meisten Journos heute.

Wenn die Werke jetzt den Stecker ziehen, dann sollten alle Betroffenen endlich lauthals "Hurra" schreien.

"Dank" der Werke haben wir BoP und aufgeblasene Strukturen. Beträge, die vor nicht allzu langer Zeit einem F1-Team gut zu Gesicht gestanden hätten sind überall notwendig, um überhaupt mitmachen zu können.

Die jetzige Situation ist eine echte Chance. Denn ohne Werke kann man wieder echtes Racing gestalten. Und den DMSB gleich im Gleichschritt mit entsorgen wie die Werke auch.

Lasst die Werke alle in die FormelE, Desertblablabla und wie der Schwachsinn sonst noch tituliert wird, abwandern. Alleine das Reglement in der FE, mit Boost hier und da, ist so lächerlich wie dieser gesamte Zirkus an sich.
Mitsamt den "Rennstrecken".

Back to the Future. Ohne E.

Smokey
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Re: Kolumne: Der Verbrenner-Motorsport muss sich neu aufstellen

Beitrag von Smokey » Mo Nov 25, 2019 11:22 am

Speziell auf den VW-TCR-Ausstieg glaube ich eher nicht, dass wirklich ein Fokus auf alternative Antreibe der Grund ist. Vielmehr ist das ein hart umkämpfter Markt mit relativ wenig Gewinn pro verkauftem Auto (weil die Verkaufspreise stark gedeckelt sind) und zwei anderen VAG-Marken, die auch TCR-Autos anbieten, die auf der gleichen Plattform basieren. Ansonsten macht VW ja aktuell ohnehin nicht wirklich viel im Motorsport, da einen "Richtungswechsel" zu verkünden ist relativ einfach.

Ich persönlich glaube auch nicht, dass der Sound so schnell aus dem Motorsport verschwinden wird. Die Rennserien neben der Formel E, die unbedingt auf Elektro setzen wollen (WRC und World RX), müssen erstmal ihre Serie bis zum Jahr der Einführung am Leben erhalten. Speziell für die World RX glaube ich, dass der Zug schon abgefahren ist, weil die verbliebenen Privatteams keine Lust auf Elektro haben. Gegen Hybrid-Antriebe habe ich primär nichts, die LMP1-Hs in der WEC waren/sind echt geil und der Elektromotor auf der Vorderachse ein echter Zugewinn. Klar machen Hybride bei NASCAR-Autos weniger Sinn, wirklich schlechter machen sie die Serie wahrscheinlich aber auch nicht.

Und zuletzt: Werks-Motorsport ist letzten Endes auch nur Marketing. Es zählt die Message, nicht die tatsächliche UMweltverträglichkeit. Die Formel E z.B. produziert ihren Stom ja mit Generatoren und bietet Ländern wie Saudi Arabien eine Bühne, die absolut nichts für den Umweltschutz tun. Trotzdem gilt sie als zukunftsweisend und zieht eine Menge Unternehmen an. So etwas ähnliches müssen auch die anderen Serien erreichen, mit dem Ziel möglichst viel Motorsport-DNA bei gesellschaftlicher Akzeptanz zu erreichen. Und selbst wenn alle großen Werksprogramme enden, solange der Verkauf von GT3-Wagen an Kunden mehr Gewinn als allgemeinen "Image-Verlust" bringt (wobei Rennen mit diesen Autos meist nicht viel Aufmerksamkeit erregen), wird man diese Autos noch lange sehen.

Formel Heinz
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Re: Kolumne: Der Verbrenner-Motorsport muss sich neu aufstellen

Beitrag von Formel Heinz » Mo Nov 25, 2019 2:19 pm

AndreasW hat geschrieben:
Mo Nov 25, 2019 8:23 am
amit ist diese Technologie auch perfekt für den Übergang, bis das Gas-Tankstellennetz besser ausgebaut ist.
Das CNG-Tankstellennetz finde ich jetzt sogar schon nicht schlecht. Mit einer passenden App, auf der man entsprechende Tankstellen suchen kann, ist es sehr einfach, bei längeren Reisen schonmal im Voraus zu planen, wo man tankt. Blöd ist es eigentlich nur dann, wenn die Erdgastanksäule(n), die man eingeplant hat, defekt sind - dann hat man hoffentlich noch einen Notfallbenzintank mit im Auto drin.

CO2-Neutralen CNG-Betrieb gibt es inzwischen auch nicht nur von Audi glaube ich - zumindest wird auch bei manchen einzelnen Gaszapfsäulen damit geworben. Wobei ich mir hier nicht ganz sicher bin ob da dann, ähnlich wie bei Audi, eine entsprechende Menge synthethisches Erdgas eingespeist wird oder ob das nur mit irgendwelchen CO2-Zertifikaten abläuft.

Spritistnichtlecker
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Re: Kolumne: Der Verbrenner-Motorsport muss sich neu aufstellen

Beitrag von Spritistnichtlecker » Di Nov 26, 2019 10:37 pm

Redaktion hat geschrieben:
So Nov 24, 2019 7:52 pm
Liebe Freunde des guten Sounds,
[...]
Wie lange wollen Konzerne noch Motorsport mit Sound (der eindeutig zum Spektakel dazugehört) mitmachen?
[...]
Die Alternative wird jedoch sein, künftig nur noch Motorsport ohne Sound zu erleben. Und diese Vorstellung wollen wir wohl alle nicht.
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ArrowsA10B
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Re: Kolumne: Der Verbrenner-Motorsport muss sich neu aufstellen

Beitrag von ArrowsA10B » Di Nov 26, 2019 11:45 pm

AndreasW hat geschrieben:
Mo Nov 25, 2019 8:23 am
In einer Vorlesung für Verbrennunsmotoren wurde es vor ein paar Jahren mal schön gesagt... es gibt KEINE Energiekrise: was an Wind- und Sonnenenergie verfügbar ist, übersteigt den Bedarf um ein vielfaches, auch wenn sich die Menschheit nochmal verdoppelt würde (wird sie nicht). Die Herausforderung des 21. Jahrhunderts wird nicht "Energie", sondern "Energiespeicherung und -transport" => das eigentlich tolle bei einem konventionellen Fahrzeug ist nicht der Motor, sondern der Tank ;).
Exakt. Alle Energie, die wir bisher gewonnen haben, stammt von der Sonne (in Kohle, Erdöl und Erdgas gespeichert). Und täglich können wir weitere Energie von der Sonne direkt (Solar) oder indirekt (Wind) "einfangen". Wir Menschen müssen uns lediglich darum kümmern, die Energie rund um die Uhr abrufbar zu machen. Aber nicht nur beim Speicherproblem scheiden sich die Geister, sondern erst recht beim "Einfangen". Da kommen dann wieder die ganzen Ästhetik-Querulanten aus ihren Löchern gekrochen (weil sie selbst wohl niemand schön findet) und protestieren gegen Windräder und Solarparks, es war ja auch zu schön, als der Strom noch aus der Steckdose kam. Wie haben es eigentlich die Holländer damals geschafft, ihre Windmühlen so zahlreich aufzustellen, ohne dass gegen diese "Verschandelung der Landschaften" protestiert wurde? Ach ja richtig, damals hatte der Mensch noch Hunger. Heute ist eher das Aufmerksamkeitsdefizit sein großes Problem.
Was mich wirklich stört ist diese überschnelle Entscheidung auf Batterie-betriebene Fahrzeuge zu setzen. Diese mögen im Gesamtwirkungsgrad etwas besser sein als Fahrzeuge mit E-Fuels...
Pah, da werden Dir aber Neu-BWLer und Öko-Hipster was anderes erzählen. Der BWLer wird jammern, dass bei geringerem Gewinn weniger Besuche bei den Stammprostituierten möglich sind, und der Dope müsste dann wohl auch reduziert werden. Wer will da zur Rettung der Umwelt schon eine geringere Effizienz (selbst wenn es sich um Überproduktion handeln würde, die man sonst Nachbarstaaten in den Allerwertesten schieben würde).
Na ja, und der Öko-Hipster hat sich eben schon auf sein Akku-Mobil eingeschworen. Damit funktioniert ja auch das tolle Smartphone, welches er in der Hoffnung auf neue Kopulationsangebote mehrmals pro Minute betrachtet. Außerdem muss man ja auf der Welle der Selbstgerechtigkeits-Mainstreamer mitschwimmen, sonst droht soziale Ächtung - und damit - weniger bis gar keine Kopulationsmöglichkeiten.
...was aber keine Rechtfertigung dafür sein kann, die Umwelt durch Kobalt- und Lithium-Abbau massivst zu schädigen.
Wen jucken schon Umweltprobleme von Staaten, die keine Flüchtlinge rüberschicken.
Ganz nebenbei fluchen alle Feuerwehren und Abschleppunternehmen über Elektrofahrzeuge, weil sie eben so schwer zu löschen sind und auch Tage später wieder spontan anfangen können zu brennen.
Ach, ganz sicher Fake-News.
Auch das Recycling der Batterien ist nicht geklärt.
Da fällt uns ganz sicher (irgendwann) noch was ein. Wir schaffen das (Raute)
desl hat geschrieben:
Mo Nov 25, 2019 9:35 am
Bei der Produktion der LiPo-Akkus wird so viel CO2 verbraucht, dass sich bei manch E-Auto erst bei einer 6-stelligen Laufleistung ein geringerer CO2-Verbrauch ergibt als bei einem vergleichbaren Verbrenner.
Ach, wer erzählt denn so was. Wieder Fake-News. Alles üble Nachrede.
Die beiden ergänzen sich ... eine Technologie sollte die andere nicht vollends ersetzen bzw. verdrängen.
Schon seltsam. Würde man von Gesellschaft statt von Technologie sprechen, ...ach ich lass das Thema lieber...
Nunja ... wer freudig dicke SUVs in die vorderste Ladenzeile schiebt und bewirbt, der kriegt es bei den Flottenverbräuchen halt recht leicht hin mit E-Autos dem Sprit-Durst der SUVs entgegenzurechnen.
Das Ganze ist ja auch ein reines Verkaufsankurbelungsprogramm. Wenn jeder ein e-Auto hat, wird man die nächste Sau durchs Dorf treiben und etwas anderes propagieren und alle Hipster machen wieder fein mit. Insofern kann man auch jeden e-Auto-mit-Akku-Gegner beruhigen, diese Zeit wird vorübergehen (es sei denn, es wird doch der Stein der Weisen in Sachen Akkutechnologie gefunden und zur Marktreife gebracht, was per se ja nicht schlecht wäre).
Racer7 hat geschrieben:
Mo Nov 25, 2019 10:00 am
Werter Schreiberling,
Sie sind leider genauso werksverunglimpft, wie die meisten Journos heute.
...
Die jetzige Situation ist eine echte Chance. Denn ohne Werke kann man wieder echtes Racing gestalten.
Man, hast Du den Artikel gelesen?
Hast Du die Überschrift gelesen?
Der Verbrenner-Motorsport muss sich neu aufstellen
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Redaktion hat geschrieben:
So Nov 24, 2019 7:52 pm
Rückbesinnung muss her
Es ist nicht so, dass nur Verbrenner-Hasser in den Vorstandsboards sitzen. Viel mehr haben sie keine Wahl: Die Politik hat die Batterie-Elektromobilität ziemlich irrational bereits zum Sieger erklärt und passt alle Gesetze in diese Richtung an.
Kurz: Mittelfristig wird sich der Motorsport mit Sound lösen müssen von den Werken. Er muss sich zurückbesinnen auf reine Motorsportkonzerne wie Oreca, Ilmor oder Cosworth. Eine eigene Industrie müsste hochgezogen werden. Das gilt insbesondere für Deutschland, wo eine solche derzeit fehlt - aufgrund der Dominanz der Werke, die immer mehr Richtung Elektro drängen werden.
Es wird für den Fan ein bitterer Einschnitt vor allem im Tourenwagensport sein, sich von leichten Identifikationsbildern wie großen Marken distanzieren zu müssen. Die Alternative wird jedoch sein, künftig nur noch Motorsport ohne Sound zu erleben. Und diese Vorstellung wollen wir wohl alle nicht.
Wie zum Geier kann da herauslesen, dass die Redaktion/Herr Stritzke ein Schreiberling der Werke sei? :eh:
Das Gegenteil ist doch eher der Fall. Also lesen! Bitte!

Im Übrigen denke ich, um auf den Inhalt der Zitate einzugehen, dass es den Deutschen schwer fallen wird, sich von den großen Marken zu trennen. Wie sollen denn all die präpubertären Vorstadtproleten ohne Audi-/BMW-/Mercedes-ist-besser-Kleinst-Geist-Diskussionen überleben?
Ich mag schon jetzt Oreca, Ilmor und Cosworth lieber. Aber, na ja, was soll ich sagen, ich bin auch ein Racing-Fan :emb:

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