Toyota in Bahrain allein: Wird der Erfolgsballast gekippt?

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Redaktion
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Toyota in Bahrain allein: Wird der Erfolgsballast gekippt?

Beitrag von Redaktion » Do Okt 22, 2020 4:30 pm

Die beiden Toyota TS050 Hybrid kämpfen in Bahrain um den WM-Titel - Sonst fährt kein LMP1 mit - Sollte der Erfolgsballast deshalb abgeschafft werden?

Die Lage ist einfach: Wer auch immer die 8 Stunden von Bahrain gewinnt, ist Weltmeister. Sollte man da für gleiche Verhältnisse sorgen und den Erfolgsballast abschaffen? Erstaunlicherweise sagen Toyota-Fahrer auch aus dem Lager, das profitieren würde, gegenüber 'Motorsport-Total.com': Nein.

Die beiden Toyota-Paarungen Sebastien Buemi/Kazuki Nakajima/Brendon Hartley (#8) und Mike Conway/Kamui Kobayashi/Jose-Maria Lopez (#7) machen den Titel beim Finale in Sachir unter sich aus. Dabei gibt es keine weitere LMP1-Konkurrenz, weil Rebellion Racing sein Motorsport-Engagement nach den 24 Stunden von Le Mans beendet hat.

Somit wäre es theoretisch möglich, im Sinne der WM-Entscheidung in Bahrain auf den Erfolgsballast zu verzichten und ein "echtes" Rennen zu kreieren. Denn mit Ballast wäre die #8 vom reinen Speed her chancenlos, nachdem sie in Le Mans die WM-Führung übernommen hat. Das würde viel Spannung aus dem Titelkampf nehmen.

In einer Zeit vor Corona war einmal geplant, dass das Saisonfinale in Le Mans ohne Erfolgsballast ausgetragen wird. Daran wurde auch festgehalten, nur war Le Mans aufgrund der COVID-19-Pandemie nicht mehr das Saisonfinale 2019/20. Dieses wurde aufgrund der Sebring-Absage nach Bahrain verlegt.



Doch bei Toyota ist man eher pro Erfolgsballast. Ein Sprecher erklärt, dass man davon ausgehe, dass das System in Bahrain zur Anwendung kommen werde. Das würde bedeuten, dass die #8 einen Nachteil von 0,47 Sekunden pro Runde hätte - aus eigener Kraft wäre das kaum aufzuholen. Die Spannung bestünde dann darin, ob die #7 ohne Probleme durchkommt.

Selbst Kamui Kobayashi, lange Zeit ein harter Gegner des Systems, wünscht sich, dass es in Bahrain zum Einsatz kommt. Schließlich wäre er Profiteur: "Noch haben sie es nicht entschieden. Ich hoffe, dass sie am Handicap festhalten."

"Jetzt im letzten Rennen auf eine normale EoT zurückzugehen, nur weil Rebellion fehlt, würde keinen Sinn machen. Schließlich haben sie uns das ganze Jahr über eingebremst. Regeln sind Regeln und sollten nicht mitten in der Saison geändert werden."

Und auch Kazuki Nakajima aus der #8 fände es nicht richtig, den Ballast jetzt abzuschaffen, obwohl er selbst davon profitieren würde: "Natürlich wäre es [ohne Handicaps] spannender, aber es wäre auch unfair, weil die Regeln bereits seit Beginn der Saison gelten."

"Natürlich würde es mich für uns freuen [wenn der Ballast abgeschafft wird], aber wenn ich im anderen Auto sitzen würde, fände ich es unfair. Ich kann mit allem leben, was sie entscheiden." Nakajima ist amtierender Meister der Saison 2018/19 und erster offizieller FIA-Weltmeister Japans.



Er weiß aber, dass es mit Ballast schwer werden würde: "So, wie das Handicapsystem funktioniert, ist es sehr schwer, es auszuhebeln. Uns würde es einfach an Leistung fehlen. Wir haben uns immer schwergetan, wenn wir mehr Handicap hatten. Ich wäre nicht enttäuscht, wenn wir hinter der #7 landen würden."

Der Toyota #7 war eigentlich drauf und dran, bei den 24 Stunden von Le Mans eine Vorentscheidung in der WM-Wertung herbeizuführen. Doch das Problem mit dem Auspuff kostete nicht nur den Le-Mans-Sieg, sondern auch die Tabellenführung. Aktuell liegt das Trio sieben Punkte zurück.

Da die 8 Stunden von Bahrain über eine längere Distanz gehen als die standardmäßigen 6-Stunden-Rennen, werden beim Finale 1,5-fache Punkte vergeben. Dadurch bekommt der Sieger elf Punkte mehr als der Zweitplatzierte.

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Tracklimits
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Re: Toyota in Bahrain allein: Wird der Erfolgsballast gekippt?

Beitrag von Tracklimits » Do Okt 22, 2020 5:20 pm

Wahrscheinlich weiß Toyota einfach, dass die 7 wieder nicht ohne Probleme durchkommt und will es so spannend halten?
Jetzt Mal ehrlich, wenn überhaupt Mal Luft drin war diese Saison, ist sie schon lange raus... Dieses gekünstelte Spannend machen funktioniert vllt im GT Sport ganz gut aber bei Privaten gegen Werke mit Grundverschiedenen Konzepten? Jeder Sieg der Privaten war doch einfach nur geschenkt. Klar sie fahren bessere Zeiten als alle anderen hybridfreien LMP die es je gab, aber trotzdem ist es doch nicht wirklich ein Sieg.
Finde es schade wie die LMP1 zu Grabe getragen wurden. Für mich die faszinierendesten Rennfahrzeuge die es je gab. Und auch schade für Toyota, dass ihre Leistungen in einem so schlechten Licht stehen. Bin mir sicher sie hätten auch Audi und Porsche bügeln können.

Maik Aefer
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Re: Toyota in Bahrain allein: Wird der Erfolgsballast gekippt?

Beitrag von Maik Aefer » Sa Okt 24, 2020 11:01 am

Tracklimits hat geschrieben:
Do Okt 22, 2020 5:20 pm
Wahrscheinlich weiß Toyota einfach, dass die 7 wieder nicht ohne Probleme durchkommt und will es so spannend halten?
Jetzt Mal ehrlich, wenn überhaupt Mal Luft drin war diese Saison, ist sie schon lange raus... Dieses gekünstelte Spannend machen funktioniert vllt im GT Sport ganz gut aber bei Privaten gegen Werke mit Grundverschiedenen Konzepten? Jeder Sieg der Privaten war doch einfach nur geschenkt. Klar sie fahren bessere Zeiten als alle anderen hybridfreien LMP die es je gab, aber trotzdem ist es doch nicht wirklich ein Sieg.
Finde es schade wie die LMP1 zu Grabe getragen wurden. Für mich die faszinierendesten Rennfahrzeuge die es je gab. Und auch schade für Toyota, dass ihre Leistungen in einem so schlechten Licht stehen. Bin mir sicher sie hätten auch Audi und Porsche bügeln können.

Das kann man so oder so sehen. Toyota hat es selbst so gewollt. Klar waren zum Beispiel ihre LeMans Probleme im Duell mt Audi und Porsche tragisch daher hat ihnen wohl jeder den LeMans Sieg gegönnt auch wenn er ohne echte Konkurrenz zu Stande kam also auch irgendwie geschenkt war. Es hatte aber damals schon ein Geschmäckle wie der Alonso Sieg zu Stande kam.

Die WEC ist aber eine Serie die eine EoT zum Angleichen der Konkurrenten nutzt. Mir ist zwar dein Argument mit dem Technikunterschied klar aber da könnte man auch argumentiern das sich die Werke ihren Vorsprung einfach mit Geld erkaufen welchen sich die Privatteams von vornherein nicht leisten können also benachteiligt sind. Toyota hatte ja die Wahl ob sie weiter dabei bleiben. Ihnen waren aber die geschenkten LeMans Siege wichtiger wenn auch weniger wert. Das zeigt deutlich das man in dieser Saison einer EoT in der Serie zugestimmt hat die zu einem wirklichen Konkurrenzkampf mit den Privatteams führen konnte aber für LeMans eine Einstufung bekam mit der man nur gewinnen konnte.

Mit dieser ganzen Entwicklung hat Toyota viele Sympathien verloren vor allem weil sie immer so auf den Kampf gegen Konkurrenz wert gelegt haben. Wenn sie aber die Privatteams nicht als Konkurrenz ansehen dann sollten sie auch so konsequent sein und mangels neuer Werke aussteigen oder von vornherein das EoT zwischen Hybrid und nicht Hybrid ablehnen und dann mit den Konsequenzen leben.

Sicherlich ist das alles nicht von Toyota ausgelöst worden aber die Entwicklung wurde von ihnen über die Jahre vor allem in LeMans gnadenlos ausgenutzt. Damit ist Toyota in jedem Fall auch ein Verlierer. Mit dem Aus von Porsche und dem Verbleibt von Toyota war klar das Toyota die WEC in der Form zu Grabe tragen wird. Ob das wie jetzt passiert oder durch einen Ausstieg nach dem unbedingt gewollten LeMans Sieg geschehen wäre spielt da keine Rolle mehr. Toyota hat etwas von seinem Image eingebüßt was nur mit dem gleichzeitigen Rücktritt mit Porsche auf die hätte abgewiegelt werden können. Da hat man sich aber lieber ein paar LeMans Siege schenken lassen und muss dann damit leben das man Toyota mitlerweile nicht unbedingt als Marke ansieht die sich dem Wettkampf egal mit welchem Gegner stellt.

PS: Ein direkter Ausstieg mit Porsche oder wenigstens nach ihrem LeMans Sieg hätten wohl dafür gesorgt das notwendige Umstrukturierungen der Serie bis heute umgesetzt worden wären. Indirekt hat Toyota das unvermeidbare Sterben also nur verzögert und ohne sie hätte man vielleicht jetzt schon guten Motorsport in einer neu aufgestellten Top Klasse eleben können.

Tracklimits
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Re: Toyota in Bahrain allein: Wird der Erfolgsballast gekippt?

Beitrag von Tracklimits » Do Okt 29, 2020 6:09 pm

Naja dass sie sich keinem Gegner stellen würde ich jetzt absolut nicht bestätigen. Sie haben doch absolut alles abgenickt beim neuen LMH Reglement, dafür mehrmals hin und her entwickelt nur damit potentielle Neueinsteiger kommen. Dass die dann teils doch nicht kommen ist halt dann bitter.
Und zum fehlenden Erfolgsballast in Le Mans: der ROI ist halt King, ohne den läuft bei den Werken halt nix.

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