VLN BoP 2019: Das stand in der FIA-Mail an den DMSB

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Redaktion
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VLN BoP 2019: Das stand in der FIA-Mail an den DMSB

Beitrag von Redaktion » Fr Mär 15, 2019 1:40 pm

Aufforderung oder Vorschlag? Der Inhalt der Mail der FIA and dem DMSB sorgt für Diskussionen - Wie ein jeder versucht, sich aus der Verantwortung zu stehlen

Spätestens mit dem angedrohten Ausstieg der Teams von Frikadelli Racing und Wochenspiegel herrscht an der Nürburgring-Nordschleife große Aufregung: Hat der Automobil-Weltverband FIA oder der Deutsche Motor Sport Bund (DMSB) die neuen Regularien verbrochen? Oder gar der ADAC Nordrhein als Veranstalter des 24-Stunden-Rennens oder die VLN-Führung? Die Balance of Performance (BoP) 2019 sorgt weiter für erhitzte Gemüter, einige Halbwahrheiten und viel Arbeit hinter den Kulissen.

So kursieren derzeit auch einige gefährliche Gerüchte, denen 'Motorsport-Total.com' nachgegangen ist. Im Zuge der Recherchen ist es gelungen, den Inhalt der berüchtigten E-Mail von FIA-Sicherheitschef Stuart Robertson an den DMSB-Sicherheitsvorsitzenden Michael Günther vom 26. Februar 2019 einzusehen.

In dieser Mail bezieht sich Robertson auf Vorschläge hinsichtlich der Reduktion der Reifentypen von sechs auf drei und die Vorschläge zur weiteren Abrüstung der Aerodynamik im Jahre 2020, die von der FIA allesamt begrüßt werden würden.

Und dann der entscheidende Satz: "Nachdem wir die derzeitige Situation kritisch untersucht haben, glauben wir, dass weitere Schritte für die Saison 2019 nötig sind und schlagen vor, dass die Performance der GT3-Fahrzeuge durch eine Reduzierung von fünf Prozent Motorleistung begrenzt werden sollte." Und dass der DMSB eine neue BoP-Tabelle der betroffenen Fahrzeuge (SP9, SPX, SP-Pro) mit fünf Prozent weniger Motorleistung bis zum 4. März - also binnen sechs Tagen - einzureichen habe.

(Englische Originalfassung: "However after evaluation of the current situation we believe further steps are necessary for the 2019 season and suggest that the performance of the GT3 cars should be restricted by a 5% reduction in engine power.")



Dieser Satz fasst alles perfekt zusammen, was im Moment hinter den Kulissen vor sich geht: Die Verantwortung wird zwischen allen Beteiligten hin und her geschoben. Profi-Politiker auf allen Seiten achten penibel auf die Formulierung jedes einzelnen Satzes.

Die FIA kann sich jedenfalls herausreden, dass sie lediglich einen Vorschlag gemacht hätte. DMSB-Sicherheitschef Michael Günther - nicht weniger Politik-Profi wie sein Pendant bei der FIA - kann sich darauf beziehen, dass die FIA weitere Schritte für "nötig" erachtet habe. Und eine BoP-Tabelle würde man bei der FIA nicht zum Spaß einreichen müssen.

Hat Michael Günther, den so mancher hinter den Kulissen als "Schoßhund der FIA" bezeichnet, vielleicht zu sehr gekuscht? Widerstand wäre an seiner Stelle wohl zwecklos gewesen. "Die FIA sitzt da am längeren Hebel", heißt es aus DMSB-Kreisen. "Die hätten der Nordschleife über die Zertifizierung jederzeit den Hahn zudrehen können. Und die interessiert es herzlich wenig, ob hier im Juni ein 24-Stunden-Rennen steigt oder nicht."

Die Neu-Zertifizierung der Nürburgring-Nordschleife für drei weitere Jahre erfolgte im selben Zeitraum wie die Restriktor-Forderung. Mehrere Anfragen an die FIA seitens 'Motorsport-Total.com', ob die Streckenabnahme mit der Forderung nach einer Rücknahme der Leistung der Topklassen am Nürburgring in Verbindung stand, blieben unbeantwortet.



Günther reichte die Forderung an den ADAC Nordrhein weiter, der die Reglementshoheit über die SP-Klassen auf der Nürburgring-Nordschleife besitzt. Und auch der ADAC machte es sich einfach: Die neue Forderung wurde im Stillen ausgearbeitet, ohne dass Informationen nach außen gelangen sollten. Der Schwarze Peter sollte an die VLN weitergegeben werden, die die BoP als Erste hätte veröffentlichen müssen, da der erste Lauf bereits am 23. März stattfindet (das 24h-Qualifikationsrennen, das erste Rennen unter Obhut des ADAC Nordrhein, erst zwei Monate später).

Genau dieses Verhalten stößt nun den Teams, die am Nürburgring mit Rückzug drohen, sauer auf. "Die machen mit uns 'Friss oder stirb'", sagt ein Teammitglied gegenüber 'Motorsport-Total.com'. "Das wollen wir uns nicht mehr bieten lassen." Wären die Teams früher unterrichtet worden, hätte womöglich noch ausreichend Zeit bestanden, ein Alternativprogramm auszuarbeiten.

Am allerwenigsten kann die VLN für die gesamte Situation. Weder verfügt sie über Reglementshoheit bei den GT3-Fahrzeugen, noch kann sie selbst gegen Maßnahmen von FIA und DMSB vorgehen. Trotzdem wird sie der Teilnehmerschwund am härtesten treffen, denn es geht um Tausende Euro Nenngeld.

Kritisiert wurden Ralph-Gerald Schlüter und Michael Bork dafür, dass sie sich in der Situation weggeduckt hätten. "Die hätten ja etwas sagen können, aber es hätte absolut nichts bewirkt", sagt ein VLN-Insider gegenüber 'Motorsport-Total.com'. Über einen Protest aus der VLN hätte man sowohl in Frankfurt als auch in Paris wohl nur müde gelacht.

Dass die Forderung der bisher zwei Rebellen-Teams nach einer Rücknahme der BoP-Restriktionen berücksichtigt wird, ist übrigens so gut wie ausgeschlossen. Die FIA, bei der "Safety First" nach wie vor oberstes Gebot ist und selbst glimpflich verlaufende spektakuläre Unfälle eine mittlere Katastrophe darstellen, würde einen solchen Schritt kaum gutheißen und möglicherweise die GT3-Klasse gänzlich von der Nordschleife fegen.

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Steckemetz
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Re: VLN BoP 2019: Das stand in der FIA-Mail an den DMSB

Beitrag von Steckemetz » Fr Mär 15, 2019 2:36 pm

Man sollte vielleicht mal die Kirche im Dorf lassen.

Ich finde es bedenklich, dass - mal wieder durch Frikadelli - über radikale und öffentlichkeitswirksame Ausstiegsdrohungen versucht wird, eine flächendeckende Empörungslawine loszutreten und dadurch Änderungen zu erzwingen. Wenn man von der Gegenseite konstruktive Zusammenarbeit fordert, dann aber selbst einfach blindwütig die Axt schwingt, führt das nicht zu einem Dialog, sondern nur zu einem Scherbenhaufen. Die Verantwortung dafür kann man dann nicht einfach von sich weisen.

Mir ist auch nicht klar, wieso so ein Thema überhaupt solche Wellen schlagen muss. Ja, die Fahrzeuge werden minimal langsamer werden. Die Chancengleichheit innerhalb der Klasse wird aber dieselbe bleiben, der Abstand zu den übrigen Klassen bleibt, die Kosten werden sich nicht oder wenn überhaupt, dann bestenfalls nach unten ändern. Dass man mit ~25 PS weniger nun wahrscheinlich 5km/h langsamer die Döttinger Höhe runterfliegt, kann doch kein Auslöser für so eine Aufregung sein?!

Ich bezweifle, dass diese Änderung in irgend einer Form wirtschaftliche Konsequenzen hat. Das wäre aus meiner Sicht das einzige Argument, was einen so heftigen Protest tatsächlich rechtfertigen würde.

SejerlaennerJong
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Re: VLN BoP 2019: Das stand in der FIA-Mail an den DMSB

Beitrag von SejerlaennerJong » Fr Mär 15, 2019 3:15 pm

Steckemetz hat geschrieben:
Fr Mär 15, 2019 2:36 pm
Man sollte vielleicht mal die Kirche im Dorf lassen.

Ich finde es bedenklich, dass - mal wieder durch Frikadelli - über radikale und öffentlichkeitswirksame Ausstiegsdrohungen versucht wird, eine flächendeckende Empörungslawine loszutreten und dadurch Änderungen zu erzwingen. Wenn man von der Gegenseite konstruktive Zusammenarbeit fordert, dann aber selbst einfach blindwütig die Axt schwingt, führt das nicht zu einem Dialog, sondern nur zu einem Scherbenhaufen. Die Verantwortung dafür kann man dann nicht einfach von sich weisen.

Mir ist auch nicht klar, wieso so ein Thema überhaupt solche Wellen schlagen muss. Ja, die Fahrzeuge werden minimal langsamer werden. Die Chancengleichheit innerhalb der Klasse wird aber dieselbe bleiben, der Abstand zu den übrigen Klassen bleibt, die Kosten werden sich nicht oder wenn überhaupt, dann bestenfalls nach unten ändern. Dass man mit ~25 PS weniger nun wahrscheinlich 5km/h langsamer die Döttinger Höhe runterfliegt, kann doch kein Auslöser für so eine Aufregung sein?!

Ich bezweifle, dass diese Änderung in irgend einer Form wirtschaftliche Konsequenzen hat. Das wäre aus meiner Sicht das einzige Argument, was einen so heftigen Protest tatsächlich rechtfertigen würde.
Setzen. Sechs. Das hätte schon wirtschaftliche Konsequenzen. Man investiert sehr viel dafür, das Fahrzeug optimal auf Geschwindigkeit zu bekommen. Und jetzt stell dir mal folgendes vor: Porsche kriegt regelmäßig danke der BoP Gewicht draufgedrückt. Dann überleg mal, dass aus 25-30 PS, dann auch schnell gefühlt 50-60 PS werden können und zack fliegt der erste CUP und GT4 an dir vorbei. ;-) Fairer wäre es tatsächlich dann auch die CUP-Klassen und der GT4, 5% Leistung zu reduzieren. Ich denke darum geht es auch hauptsächlich, dass NUR die GT3 eingebremst wird und nicht noch zusätzlich die CUP-Klassen und die GT4-Klasse. Die GT4 fahren übrigens mittlerweile regelmäßig tiefe 8:10er Zeiten ;-) also... wäre das schon fair.

Schnikkers
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Re: VLN BoP 2019: Das stand in der FIA-Mail an den DMSB

Beitrag von Schnikkers » Fr Mär 15, 2019 7:23 pm

Das Problem ist doch das mit der Leistungsreduktion die zu hohen Kurvengeschwindigkeiten der Gt3 ja nicht sinken. Das sollte man eher angehen. Vielleicht einfach langsame Einheitsreifen für alle Klassen und durch die Bank ist alles eingebremst.

Racer989
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Re: VLN BoP 2019: Das stand in der FIA-Mail an den DMSB

Beitrag von Racer989 » Fr Mär 15, 2019 9:47 pm

Interessant zu beachten wäre auch, dass sich abwandernde Teams wahrscheinlich bei FIA-Serien melden. Wirtschaftliche Interessen?

Yoda1285
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Re: VLN BoP 2019: Das stand in der FIA-Mail an den DMSB

Beitrag von Yoda1285 » Fr Mär 15, 2019 10:49 pm

Auf der Nordschleife finden doch keine FIA Veranstaltungen statt, oder bin ich da falsch informiert? Was hat die FIA eigentlich mit der Nordschleife zutun? Sollte es nicht die Verantwortung des DSMB sein mit den Teilnehmern der VLN die Rahmenbedingungen für die Rennen auf der Nordschleife zu besprechen und festzulegen.

Ich gucke gerade die WEC in Sebring und gestern ist da ein Ferrari direkt vor dem Stand der Streckenposten abgeflogen. Da gab es keinen Fangzaun wie an der Nordschleife und gar nichts. Die Streckenposten hatten einfach Glück, dass die kleine Betonwand gereicht hat.

Ich weiß nicht was da vor sich geht. Ist die VLN der FIA ein Dorn im Auge? Will man die VLN uninteressant machen, damit 2020 die neuen Hypercars der WEC besser ankommen?

Ich wüsste nicht wie die FIA irgendwem verbieten möchte ein Autorennen auf der Nordschleife zu veranstalten. Unterhält die FIA eine eigene Militäreinheit die die Nordschleife mit Panzern überwacht, wenn man nicht macht was die wollen?

Ich finde da wird einer Organisation eine gewisse Macht oder sonstiges zugestanden die eigentlich gar nicht existiert.

Maik Aefer
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Re: VLN BoP 2019: Das stand in der FIA-Mail an den DMSB

Beitrag von Maik Aefer » Sa Mär 16, 2019 6:34 pm

@Steckemetz

Na dann stell dir mal vor du würdest die mit Abstand teuerste erlaubte Autokategorie kaufen um am Nürburgring um den Sieg zu fahren und dann wird dir der Speed genommen um den deutlich günstigeren Klassen davon zu fahren. Ist jetzt sicherlich stark vereinfacht ausgedrückt aber ich gehe davon aus das auch du nicht begeistert wärst. Man muss ja auch bedenken das auf dem Großteil der Nordschleife überholen extrem schwer ist. Wenn man also auf der Geraden im schlimmsten Fall Plätze gegen eigentlich unterklassige Fahrzeuge verliert (letztes Jahr war es ja schon grenzwertig) dann ist das schwerer diese Plätze woanders wieder zu erkämpfen denn so lange es um direkte Platzkämpfe geht muss der auf dem Großteil der Strecke eigentlich langsamere auch nicht einfach so Platz machen.

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