IT-Chef plant komplette VLN-Saison 2019 mit BMW M3 E30

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IT-Chef plant komplette VLN-Saison 2019 mit BMW M3 E30

Beitrag von Redaktion » Di Dez 25, 2018 10:19 am

Der BMW M3 E30, der in den vergangenen Jahren sporadisch auf der Nürburgring-Nordschleife eingesetzt wurde, soll 2019 bei allen Rennen antreten

Es gibt sie noch, die klassischen "Schrauber"-Teams in der VLN. Eines davon ist das Gespann Konstantin Wolf und Christian Hirsch. Beide teilen sich auf der Nürburgring-Nordschleife einen Klassiker des Automobilbaus: Einen BMW M3 E30. Die Automobil-Ikone aus München begeistert die Fans immer wieder dank des spektakulären Ansauggeräuschs - ein Sound, der im Motorsport akut vom Aussterben bedroht ist.

Eigentlich hatte Konstantin Wolf, Inhaber einer IT-Firma im Großraum München, mit dem E30 schon seit längerer Zeit vor, eine ganze VLN-Saison zu bestreiten. Doch bislang kamen einige technische Gebrechen am Fahrzeug dazwischen. "Geplant war ursprünglich, schon 2017 die ganze Saison zu fahren, aber es wurde dann leider nur das letzte Rennen", sagt er im Interview mit 'Motorsport-Total.com'. "2018 hatten wir nach den ersten zwei Läufen ein paar Problemchen und bis zum achten Lauf gebraucht, um das Ding wieder startklar zu bekommen. Jetzt schaut es ganz gut aus."

Das Auto ist keines der in Mitteleuropa bekannten 2,3- beziehungsweise 2,5-Liter-Modelle, sondern der italienische M3 mit dem Motor aus dem 320is. Mit dem auf zwei Liter Hubraum modifizierten Aggregat umging BMW die in Portugal und Italien in den 80er-Jahren erhobene Luxussteuer auf Autos mit mehr als zwei Litern Hubraum. Diesen "Italo-M3" nutzte BMW dann auch zum Einstieg in die 2-Liter-Kategorie, aus der später die Super-Touring-Klasse der 1990er-Jahre entstand. Somit tritt Wolfs E30 in der Klasse H2 an und trifft dort unter anderem auf frühere Renault-Clio-Cup-Modelle.



Viel ist vom ursprünglichen M3 E30 nicht mehr übrig. "Wir haben einige frühere DTM-Komponenten am Auto, sofern sie bezahlbar waren", erklärt Wolf. "Und in Sachen Elektronik sind wir komplett modern ausgerüstet. Wir haben Komponenten von Motec, ein Renn-ABS von BMW und ein sequenzielles Getriebe verbaut. Vom Serienstand ist wirklich nicht mehr viel übrig geblieben."

Zu seinem Auto gekommen ist er Mitte der 2000er-Jahre: "Ich hatte eine Bekannte, die um 2005, 2006 herum regelmäßig im Touristenverkehr mit einem E30 unterwegs war, während ich mit einem viel zu großen und schweren M5 Touring gefahren bin. Ich habe irgendwann festgestellt, dass der E30 genauso schnell war, aber deutlich weniger Kosten verursachte." Zu jener Zeit waren BMW-E30-Modelle preislich noch erschwinglich.

Doch für den Touristenverkehr erwies sich der M3 als zu sportlich. "Der war da etwas deplatziert. Mir war klar, dass wir etwas Richtiges daraus machen müssen", erinnert sich der 43-Jährige. Von da an ging es los: Einige Jahre RCN, dann ein erster Umbau. Ursprünglich war einmal das Ziel, 2014 VLN zu fahren. "Das hat sich aber immer weiter verschoben, weil ich immer mehr Ideen hatte. Anfangs wollte ich mit einer Verbreiterung nur Platz für größere Räder schaffen. Dann kam noch eine größere Bremse dazu, zufällig schaute das sequenzielle Getriebe um die Ecke und dann moderne Elektronik. Da hat eines zum anderen geführt. Erst 2017 war das Fahrzeug bereit."

Und da gab es zunächst einmal Probleme mit der Standfestigkeit. Zuletzt hat eine neue Kupplung bei VLN8 das Ausrücklager abgeschliffen. Doch Wolf ist zuversichtlich, dass das Fahrzeug technisch langsam aussortiert ist. Christian Hirsch, seines Zeichens gelernter KFZ-Mechaniker, hilft ihm bei der Vorbereitung für die Rennen.



Nicht nur der eigene Anspruch, sondern auch die Unterstützung der Zuschauer treibt ihn an, mit dem weißen Boliden künftig häufiger an der Nordschleife aufzuschlagen: "Die Zahl der Besucher an unserer Box spricht für sich. Alle sind unheimlich begeistert, weil sich das Fahrzeug so gut anhört. Und im aktuellen Feld ist es echt ein Hingucker. Der letzte E30 in der VLN ist schon relativ lange her. Ansonsten gibt es noch den Manta und die Calibras, die jetzt regelmäßig dabei sind. Aber ansonsten ist nicht mehr viel Außergewöhnliches für die Zuschauer dabei.

Zwar hat das Auto viele Umbauten erfahren, bei einer Sache wird es aber bleiben: "Wir bleiben beim Italo-Motor. Ansonsten müssten wir in die Klasse H4 gehen, was für uns keinen Sinn ergibt. Gegen die Porsche könnten wir keinen Stich setzen; wir würden praktisch alleine in der H4 unter ferner liefen rumfahren. Da bleiben wir lieber bei zwei Litern, weil wir mit den Clios gute Gegner haben. theoretisch sollte das Auto mit denen mithalten können."

Nur in der Praxis scheitert es derzeit, denn die vielen Verzögerungen haben einiges an Fahrpraxis gekostet. "Wir müssen erstmal wieder lernen, anständig Auto zu fahren", lacht Konstantin Wolf. "Das Auto kann deutlich mehr als wir bisher gesehen haben. Da haben uns die anderen noch etwas voraus. Kilometer sammeln ist der Plan für nächstes Jahr. So viel fahren wie möglich und Spaß haben. Der Rest kommt von alleine. Bevor wir fahrerisch nicht wieder da sind, wo wir vor 15 Jahren schon einmal waren, brauchen wir nicht groß an der Technik suchen. Zumindest, wenn uns nicht wieder etwas dazwischen grätscht."

Übrigens: Mit den derzeitigen Diskussionen zwischen ILN und VLN wollen weder Wolf noch Hirsch etwas zu tun haben: "Im ganzen Umfeld der Nordschleife gibt es meines Erachtens nicht spannenderes als die VLN. Ich mag sie von der Organisation sehr gerne, da passt alles zusammen. Die Organisation ist entspannt und jeder weiß, was er tun muss. Es passt gut zusammen."

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