Josef Leberer: Rene Binder "ideal" für Langstrecke geeignet

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Josef Leberer: Rene Binder "ideal" für Langstrecke geeignet

Beitrag von Redaktion » So Dez 23, 2018 6:04 pm

Senna-Physio Josef Leberer erklärt, warum Rene Binder auf der Langstrecke aufblühen könnte und wie er ihn mit Karate-Training körperlich fit macht

Der Österreicher Rene Binder setzt nach seinen Auftritten in der IndyCar-Saison 2018 im Jahr 2019 auf ein neu ausgerichtetes Rennprogramm. Schwerpunkt ist nicht mehr der Formelsport, sondern die Langstrecke - mit Klassikern wie den 24 Stunden von Le Mans als Höhepunkt.

Binder bleibt dafür seinem bisherigen IndyCar-Team Juncos treu und geht fortan in der IMSA-Serie an den Start, mit einem werksunterstützten Cadillac DPi-V.R, der 600 PS Spitze leistet. Für Juncos wird er die US-Langstrecken-Klassiker in Daytona (26. Januar), Sebring (16. März), Watkins Glen (30. Juni) und das berühmte Petit Le Mans (12. Oktober) bestreiten.

Dazu kommen weitere sechs Termine in der ELMS, in der Binder für das Panis-Barthez-Team (eine Kooperation des ehemaligen Formel-1-Piloten Olivier Panis mit Fußball-Weltmeister Fabien Barthez) fahren wird. Panis-Barthez setzt 2019 zwei LMP2-Ligier (mit Gibson-Motor) ein; auch bei den 24 Stunden von Le Mans. Binder teilt sich das Auto mit dem ehemaligen Grand-Prix-Piloten Will Stevens. Wer sein zweiter Teamkollege wird, steht noch nicht fest.

Was weniger bekannt ist: Hinter den Kulissen trainiert der 26-Jährige weiterhin mit Josef Leberer, vielen Formel-1-Fans ein Begriff als ehemaliger Physiotherapeut von Ayrton Senna und derzeit beim Sauber-Team für die körperliche Fitness zuständig. In dieser Funktion hat Leberer 2018 unter anderem mit Charles Leclerc zusammengearbeitet, der 2019 bei Ferrari Sebastian Vettel das Leben schwermachen könnte.



Leberer ist davon überzeugt, dass Binders Schritt vom Formel- in den Langstreckensport richtig ist: "Als Rennfahrertyp ist er dafür ideal. Erstens konnte Rene schon immer gut mit den Reifen umgehen. Das wird ihm entgegenkommen. Zweitens hat er sich im Bereich der Ausdauer in den vergangenen Jahren extrem verbessert."

"Er ist extrem ruhig vom Mentalen und von der Herzfrequenz her. Da bringt man ihn fast nicht aus der Ruhe. Er lässt sich nicht provozieren. Das ist für die Kurzstrecke im Qualifying manchmal vielleicht ein kleiner Nachteil. Aber für die Langstrecke ist es ideal", glaubt der erfahrene Rennfahrer-Coach.

Dazu kommt: Auf der Langstrecke ist ein Fahrer nicht nur für sich selbst verantwortlich, sondern auch für seine beiden Teamkollegen. Das dafür notwendige Verantwortungsbewusstsein bringt Binder insofern mit, als er nicht nur Autorennen fährt, sondern auch im Familienkonzern binderholz im Vertrieb in leitender Funktion mitarbeitet. Der Konzern beschäftigt fast 3.000 Mitarbeiter und erwirtschaftet nahezu eine Milliarde Euro Jahresumsatz. Irgendwann wird er in die Geschäftsführung aufsteigen.



"Man darf nicht vergessen, dass Rene keiner von den Fahrern ist, die nichts anderes als Rennsport machen, die von allen Seiten hofiert werden und sich nichts mehr selbst organisieren", sagt Leberer. "Rene arbeitet in der Firma binderholz mit und ist montags um 7:00 Uhr wieder im Büro. Dazu macht er Rennsport auf sehr hohem Niveau."

Mit 26 sei Binder "noch relativ jung" für die Langstrecke. Gleichzeitig habe er aus fünf Saisons in der GP2, zwei in der Formel V8 3.5 und einer in der IndyCar-Serie, der Königsklasse des nordamerikanischen Motorsports, schon "viel Erfahrung", hält Leberer fest und erklärt: "Das passt für seinen Charakter und seinen Typ sehr gut. Ich glaube, dass er sich da durchsetzen und längerfristig ein Topfahrer werden wird."



"Vor ein paar Jahren", räumt der Formel-1-Physio ein, "war Rene noch nicht auf dem Niveau, auf dem er sein sollte. Aber da hat er einen riesigen Sprung gemacht. Weil er auch versteht, wie wichtig die körperliche Komponente ist." Binder selbst sagt: "Vor fünf Jahren hatte ich noch nicht das Gespür dafür, was ich trainieren muss, was ich brauche. Da hat mir Josef sehr geholfen."

"Jetzt habe ich mehr Erfahrung und ein besseres Gefühl, welches Training mir hilft, damit ich meine Leistung im Auto umsetzen kann", ergänzt er. Besonders hart trainiert wird im Winter, wenn die Doppelbelastung aus Rennfahrerei und Bürojob entschärft ist. Beim Laufen, Radfahren oder Bergwandern tankt Binder die Kraft, die er 2019 braucht. Am liebsten zu Hause im wunderschönen Zillertal.

Dazu kommen Trainingssessions bei Leberer in Seefeld, wo modernste Trainings-Infrastruktur zur Verfügung steht. Leberer hat dort schon Formel-1-Legenden wie Michael Schumacher und Kimi Räikkönen körperlich in Schuss gebracht - mit teilweise unkonventionellen Methoden. Da geht's schon mal nachts den Berg hoch oder bei Minusgraden barfuß in fließendes Wasser.



Binder schickte Leberer zum Beispiel gegen einen Karate-Profi in den Ring. "Der hat mich total fertig gemacht", lacht Binder. Leberer ergänzt: "So, dass es weh tut!" Was dahinter steckt, ist klar: "Da will ich herausfinden: Was ist das für ein Charakter? Hält er den Druck und die Schmerzen aus? Oder gibt er bei gewissen Belastungen auf?" Einmal, gibt Leberer zu, hatte er sogar Angst, dass sich Binder beim Kampftraining einen Arm gebrochen haben könnte ...

Das Verschieben der Schmerzgrenze ist ein Bereich, in dem sich der junge Österreicher extrem weiterentwickelt hat. Seinem neuen Teamchef Olivier Panis fällt auf: "Du bist fitter als 2016, als du gegen meinen Sohn in der Formel V8 3.5 gefahren bist, oder?" Binder entgegnet: "Ja, deutlich! Die IndyCar-Serie ist viel härter als die Formel V8 3.5. Keine Servolenkung, 700 PS, wellige Strecken - da schüttelt das Lenkrad. Das ist schon unglaublich hart!"

Eine Umstellung, die gerade auch dem ehemaligen Formel-1-Fahrer Marcus Ericsson einiges abverlangt ...

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