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Nach DTM-Ausstieg: Was wird 2021 aus den Audi-Werksfahrern?

Verfasst: Do Okt 15, 2020 1:19 pm
von Redaktion
Nach dem Ende des DTM-Werksprogramms will Audi für 2021 den Kader reduzieren: Wer über einen gültigen Vertrag verfügt und welcher Titelkandidat zittern muss

Für die Audi-Werksfahrer wird die Luft nächstes Jahr dünn: Denn durch den Werksausstieg aus der DTM werden auch die Plätze im Kader der Ingolstädter reduziert. "Mit Sicherheit werden wir nicht der Lage sein, alle Fahrer an Bord zu halten", bestätigt Audi-Sportchef Dieter Gass, der aber damit rechnet, dass "ein paar der aktuellen DTM-Fahrer" auch in Gerhard Bergers neuer GT3-Meisterschaft am Start sein werden.

Doch wer aus dem aktuellen DTM-Sextett wird seinen Job als Werksfahrer verlieren? Und wer darf sich Hoffnungen machen, weiterhin an Bord zu bleiben? 'Motorsport-Total.com' hat sich schlau gemacht.

Fakt ist: Rene Rast und Nico Müller müssen sich keine Sorgen machen, denn die beiden derzeit stärksten Piloten aus Audis DTM-Werkskader rechtfertigen ihren Verbleib nicht nur mit ihren Leistungen, sondern verfügen laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' auch über gültige Werksverträge für das Jahr 2021.



Vor allem bei Rast gilt es als offenes Geheimnis, dass er nach seinem gelungenen Einsatz beim Formel-E-Sixpack in Berlin auch in der kommenden Saison das Werkscockpit an der Seite von Lucas di Grassi erhalten soll.

"Wir schauen uns natürlich an, welche Optionen es für nächstes Jahr gibt. Ich bin dieses Jahr in der Formel E gefahren, ich fahre DTM, ich war bei einigen GT3-Rennen am Start. Ich schließe keine dieser Möglichkeiten aus, aber es gibt weder von Audi noch von mir eine Bestätigung", lässt sich Rast nicht in die Karten blicken. "Es wird noch etwas dauern."

Die genaue Entscheidung wird auch davon abhängen, ob es Überschneidungen zwischen DTM, Formel E und Langstrecken-Klassikern wie den 24-Stunden-Rennen auf der Nordschleife und in Spa geben wird. Müller, der in der Elektrorennserie beim Hinterbänkler-Team Dragon am Start ist, stellt währenddessen klar, dass er die DTM nicht verlassen möchte: "Es war immer mein Traum, hier zu fahren und um den Titel zu kämpfen. Ich würde die Geschichte gerne weiterschreiben."



Aber wie geht es bei Müllers Abt-Audi-Teamkollegen Robin Frijns weiter? Der Niederländer hat für die kommende Saison zwar einen Vertrag mit Audis Formel-E-Kundenteam Virgin, der Werksvertrag mit den Ingolstädtern läuft allerdings aus.

Mit seinen Leistungen hat sich der 29-Jährige, der nach wie vor Titelchancen hat, dieses Jahr in eine gute Position gebracht, für 2021 mangelt es bei Audi allerdings an Plätzen. Und mit dem Blackout in Zolder, als er beim Boxenausgang in die Leitplanken donnerte und damit Abt-Audi möglicherweise den Fahrertitel kostete, hat er sich gerade jetzt keinen großen Gefallen getan. Er muss um seine Audi-Zukunft zittern.



Dafür dürfte Phoenix-Audi-Pilot Mike Rockenfeller, der in Zolder seinen zweiten Podestplatz des Jahres einfuhr, ein Audi-Fixstarter bleiben. "Ich weiß nicht, ob ich es verraten darf, aber ich gehe davon aus, dass ich kommendes Jahr wieder mit Audi in Verbindung stehen werde", spielt er darauf an, dass er einen gültigen Werksvertrag hat.

Einen Start in der neuen DTM könnte er sich vorstellen, obwohl ihm bewusst sei, dass andere Piloten mit den GT3-Boliden mehr Erfahrung haben. "Sollte ich kommendes Jahr Teil der Serie sein, muss ich mich erst mal daran gewöhnen", stellt Rockenfeller klar. "Es gibt Fahrer da draußen, die einen Großteil ihrer Karriere in diesen Autos verbracht haben. Ich freue mich aber über Herausforderungen und denke, dass ich immer noch gut genug bin, wenn ich ein gutes Paket habe."



Langfristig reize ihn aber vor allem die neue Langstrecken-Königsklasse LMDh/LMH. "Ich mache kein Geheimnis daraus, dass ich gerne wieder nach Le Mans zurückkehren würde. Ich hatte das Glück, das Rennen einmal zu gewinnen. Ich bin 36 Jahre alt und denke, dass ich nicht zu alt dafür bin. Meine Zukunft liegt kommendes Jahr eher bei Audi. Das große Ziel ist aber, nach Le Mans zurückzukehren und um den Sieg zu kämpfen."

Dennoch habe er derzeit kein Angebot aus dem LMP-Bereich. "Für jeden im Motorsport ist das aktuell eine schwierige Zeit. Fahrer haben Probleme, aber auch Teams, Mechaniker, die Medien, alle werden von dieser Situation beeinflusst. Wenn du dann nicht die beste Saison deines Lebens fährst, hilft das natürlich nicht", sagt er.



Einer, der Angebote aus dem Prototypen-Bereich hat, ist Rockenfellers Phoenix-Audi-Teamkollege Loic Duval: Der Franzose, der aus seiner Abneigung gegen die GT3-Boliden kein Geheimnis macht, wurde für das kommende Wochenende vom JDC-Miller-Team für den Langstrecken-Klassiker gebucht, bei dem er einen Cadillac-Prototypen steuern wird, statt in Zolder im DTM-Audi zu sitzen.

"Ich fahre auch wegen meiner Zukunft in den USA", stellt der 38-Jährige klar, der 2021 komplett in den Prototypen-Sport wechseln möchte. "Leider wird es die DTM, so wie wir sie kennen, nächstes Jahr nicht mehr geben. Als Sportler und als Mensch muss ich mir das anschauen, weil es eine gute Möglichkeit für mich sein könnte, in Zukunft in den USA zu fahren."

Wer dann noch übrig bleibt? Audis Routinier Jamie Green. Auf die Frage, ob er einen gültigen Audi-Vertrag für 2021 habe, reagiert er überrascht. "Wollt ihr auch wissen, was ich verdiene? Welche Unterwäsche ich trage? Ich kann derzeit nichts über meine Zukunft sagen", so der 38-Jährige, der diese Saison - auch wegen technischer Probleme - nicht in Schuss kommt.



"Er hat eine unglückliche Saison, und wir werden noch mit Jamie sprechen", sagt Gass. Der als sehr loyal geltende Audi-Sportchef weiß, dass Green zuletzt auf eigene Faust Bemühungen anstellte, um sich im GT-Bereich zu etablieren. " Er interessiert sich für GT-Rennen. Er hat den Nordschleifen-Permit gemacht, hat die Teilnahme an den notwendigen Rennen selbst bezahlt", verrät er.

Doch dann wurde ausgerechnet wenige Tage vor dem 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring Greens Phoenix-Audi zurückgezogen, weil sich Teampartner Vincent Kolb am Handgelenk verletzt hatte. "Das war extremes Pech - und passt ins Bild seiner Saison", sagt Gass.

Ob Green - möglicherweise nicht als Werksfahrer, sondern als Audi-Sport-Fahrer - eine Zukunft bei den Ingolstädter habe, liege nur bedingt in Gass' Hand. "Da wir hier über die Kundensport-Aktivitäten sprechen, ist das vielmehr eine Frage, die die Teams betrifft", sagt er. "Denn sie fragen an, ob ein Fahrer für sie fahren könnte. Es geht weniger darum, ob wir wollen, dass er bleibt."

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