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Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Ferdinand Habsburg

Verfasst: Mo Sep 14, 2020 9:51 am
von Redaktion
Vor der Saison sprach Testsieger Ferdinand Habsburg von Siegen und vom DTM-Titel: Bei der Nürburgring-Rückkehr hat den WRT-Audi-Piloten die bittere Realität eingeholt



erinnern Sie sich noch an Ferdinand Habsburg Ansage vor drei Monaten? "Ich peile definitiv Rennsiege an, denn ich sitze im konkurrenzfähigsten Auto im Starterfeld", fackelte der frischgebackene WRT-Audi-Pilot damals beim ITR-Test auf dem Nürburgring nicht lange herum. "Natürlich muss ich mir daher große Ziele setzen und werde versuchen, den Titel zu holen. Das ist das Ziel. Wenn man sich große Ziele setzt, dann kann man auch viel erreichen."

Genau drei Monate später sieht die Halbzeit-Bilanz des Salzburgers in der Meisterschaft ernüchternd aus: Platz 13 mit 19 Punkten - bei 16 DTM-Piloten. Und ausgerechnet auf dem Nürburgring, wo er im Juni drei von vier Testtagen dominierte, erlebte der Urenkel des letzten österreichischen Kaisers ein Wochenende, das er wohl selbst so schnell wie möglich vergessen möchte.



Vor allem am Sonntag war Habsburg ein Schatten des Piloten, der damals Test-Bestzeit fuhr: Letzter Startplatz mit 1,9 Sekunden Rückstand. Das ist eine Sekunde hinter den Top 10! Und fast eine halbe Sekunde hinter seinem WRT-Audi-Teamkollegen Fabio Scherer.

Auch im Rennen konnte er bereits in der Anfangsphase das Tempo nicht halten und fuhr dem Feld teilweise mit 14 Sekunden Rückstand hinterher - und wurde Vorletzter, über 20 Sekunden hinter seinem WRT-Audi-Teamkollegen Harrison Newey. Und der ist ein Rookie, während Habsburg bereits seine zweite DTM-Saison fährt.

Wie ist das möglich? "Das Auto ist herumgehüpft wie ein Häschen", führt Habsburg das schlechte Tempo auf das "Bouncing" des Boliden zurück - ein Problem, das zum ersten Mal aufgetreten sei. Der 23-Jährige glaubt an einen technischen Defekt: "Wir müssen analysieren, was kaputtgegangen ist, denn nach der gestrigen Qualifying-Performance und vom Tempo her war eigentlich alles da."



Doch auch am Samstag war Habsburg als Elfter nicht in die Punkte gekommen. Ursache dafür war eine Rückversetzung des Sechstplatzierten um fünf Ränge in der Startaufstellung, die Habsburg wegen einer kuriosen Qualifying-Kollision mit seinem Audi-Markenkollegen Loic Duval aufgebrummt worden war.

Der Österreicher war dem Franzosen, der auf einer schnellen Runde war, einfach ins Auto gefahren. Die Erklärung ist unglaublich, aber wahr: Die Rückfahrkamera in seinem Audi, die dem Piloten per Display den Blick nach hinten bietet, zeigte ein seitenverkehrtes Bild an! Kein Wunder also, dass Habsburg genau dorthin ausweichen wollte, wo Duval war.

Habsburg ging diesbezüglich aber erst im Rennen ein Licht auf, als er erneut einem Konkurrenten ins Auto fuhr - und den Anzeigefehler erkannte.



All das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Habsburg nach dem eigenen Anspruch viel zu selten im Vorderfeld ins Ziel kommt. Bislang gelangen dem ehemaligen Aston-Martin-Piloten in dieser Saison ein sechster Platz auf dem Lausitzring und zweimal Platz sieben in Assen, während sich Jonathan Aberdein im Vorjahr bei WRT-Audi mit zwei vierten Rängen und drei Top-3-Startplätzen als Rookie einen BMW-Werksvertrag sicherte.

Das hat auch damit zu tun, dass die WRT-Truppe dieses Jahr weniger gut aussortiert wirkt als noch im Debütjahr - und man bei den Boxenstopps immer wieder gepatzt hat. Dass Habsburg schnell sein kann, bewies er mit zwei vierten Startplätzen. Und an Mut mangelt es auch nicht, wie er mit spektakulären Überholmanövern bereits mehrmals zeigte. Zudem hat er seine Rookie-Teamkollegen normalerweise im Griff.

Dennoch hat man den Eindruck, dass er immer wieder mal über das Ziel hinausschießt - und seine Energien nicht effizient genug einsetzt. Wieso legt er sich auf dem Lausitzring im ersten Freien Training im Kampf um eine freie Bahn mit Markenkollege Jamie Green an, als ginge es um den Rennsieg? Und auch die Titel-Aussage vor dem ersten Rennen passt in dieses Schema: Anstatt seine Energien für die harte Saison zu sparen und sich mit Ruhe in seinem neuen Team einzufinden, steigert er so nur den mentalen Druck.



Klar, es gibt unterschiedliche Typen, die unterschiedlich ticken - Formel-1-Superstar Lewis Hamilton ist mit seinen Ausflügen auf den roten Teppich und seine Marathonreisen zwischen den Rennen, auf die dann Siege am laufenden Band folgen, der beste Beweis.

Und auch Habsburg ist in der DTM für einen Journalisten mit seinen überraschenden, lebendigen Aussagen eine wahre Wohltat. Und er ist der einzige DTM-Pilot, der in Zeitschriften wie der Gala funktioniert, mit Fürst Albert von Monaco locker plaudert und als cooler Surfer am Strand auch die junge Generation anspricht.

Aber das Problem ist: Während Hamilton von Sieg zu Sieg fährt, kämpft Habsburg um seine Karriere.



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Re: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Ferdinand Habsburg

Verfasst: Mo Sep 14, 2020 10:42 am
von Smokey
Letzten Endes ist Habsburg doch genau da, wo er hingehört. Er ist klar besser als seine Teamkollegen und Kubica und kann in den Punkten noch Aberdein und ggf. andere BMW-Fahrer überholen, das ist doch an sich keine schlechte Leistung. Klar hat er vor der Saison herumschwadroniert (angeblich ist er ja auch besser als Rast), aber muss man das wirklich ernst nehmen? Der Vergleich mit Hamilton ist nicht schlecht, nur hat Hamilton wirklich großes Talent und sich sein Auftreten zumindest teilweise wirklich verdient. Währenddessen ist Habsburg in erster Linie ein verzogener Yuppie, der das Vermögen seiner Familie verfährt und ansonsten als Rennfahrer "ok" ist.