V8-Supercars als Vorbild: So würde Timo Glock die DTM ändern

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Redaktion
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V8-Supercars als Vorbild: So würde Timo Glock die DTM ändern

Beitrag von Redaktion » So Jun 28, 2020 12:44 pm

Wieso die australischen V8-Supercars laut Timo Glock ein gutes Vorbild für die DTM-Zukunft wären und wie ein globales Tourenwagen-Konzept aussehen könnte

BMW-Pilot Timo Glock bangt derzeit wie viele andere Akteure und Fans um die Zukunft der DTM. "Es ist schon spät im Jahr und wird daher schwierig", lautet seine Einschätzung, was eine Fortsetzung der Traditionsserie im Jahr 2021 nach dem Audi-Ausstieg angeht. "Ich gebe aber die Hoffnung nicht auf, denn es gibt immer noch die Möglichkeit, auf GT3-Basis was zu machen."

Doch welchen Weg würde der Ex-Formel-1-Pilot selbst bevorzugen, um die DTM zukunftsfit zu machen? "Ich würde die Autos - und das sage ich schon seit Jahren - mehr in Richtung V8-Supercars vereinfachen", verweist Glock im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' auf die australische Traditionsserie, die sich seit vielen Jahren enormer Beliebtheit erfreut.

"Dort gibt es wenig Aeroteile, wodurch die Basis des Autos deutlich günstiger wäre. Das könnte ein Weg sein." Die populäre Rennserie setzt auf viertürige Limousinen, die sich - ähnlich wie in der DTM - optisch an Serienfahrzeugen orientieren.



Als V8-Supercars-Basis dient ein Einheitschassis, das durch einige wenige Bauteile von den Serienautos und eine Silhouette des Herstellers ergänzt wird. Der großvolumige Fünf-Liter-V8-Motor sorgt nicht nur für ordentlich Lärm, was beim Publikum gut ankommt, sondern hat auch über 600 PS Leistung.

"Die Autos haben glaube ich 300 Kilo Abtrieb", verrät Glock. "Das ist eigentlich nichts. Und du hast mehr oder weniger ein Straßenfahrzeug, was die Optik angeht. Da sind wenige Flügel dran."

Ganz auf aerodynamische Spielereien verzichtet man allerdings seit 2019 auch "Down Under" nicht mehr: Nachdem Ford als Falcon-Nachfolger den mit einem wuchtigen Heckflügel versehenen Mustang einführte und damit überlegen den Titel holte, wurde dieses Jahr auch der Holden Commodore mit einem riesigen Heckflügel ausgestattet.



Und in welchem Bereich liegen die Einsatzkosten? Pro Jahr bewegen sich die derzeit für ein Auto zwischen 1,2 Millionen (umgerechnet 700.000 Euro) und drei Millionen australischen Dollar (umgerechnet 1,8 Millionen Euro).

Zum Vergleich: Bei einem aktuellen DTM-Auto nach dem Class-1-Reglement sind es rund zwei Millionen Euro pro Saison. In Zukunft will man in Australien aber über die Motoren einen enormen Kostenfaktor in den Griff kriegen, indem das Triebwerk die gesamte Saison halten soll.



Bei seiner V8-Supercar-Idee geht es dem Odenwälder aber nicht darum, die australischen Rennwägen in der DTM einzusetzen, sondern um die grundsätzliche Philosophie. "Man könnte auch auf ein Underbody-Konzept setzen, das rein theoretisch überall fahren kann. Du machst als Marke einfach deine Verkleidung - und los geht's!"

Die Vorteile? "Dann musst du auch nicht jedes Mal die Autos verschiffen, sondern du hast drei, vier Autos in Amerika und drei, vier Autos in Japan stehen. Du musst einfach nur die Autos einsetzen, wenn du überall ein einheitliches Konzept hast. Das wäre in meinen Augen für die Zukunft der richtige Weg", meint Glock.

Doch wie könnte man Glocks Idee in der DTM umsetzen? "Indem sich alle Parteien an den Tisch setzen und miteinander versuchen, eine Basis für den Motorsport zu generieren", antwortet er. "Und wenn nicht jeder auf sich selbst schaut, sondern es einheitlich nach vorne geht. Das ist die beste Variante."



Ob das aktuell passiert, kann Glock laut eigenen Angaben "nicht beurteilen. Ich bin da außen vor, denn ich weiß nicht, was in diversen Meetings besprochen wird, wer welche Ziele verfolgt und wie die anderen die DTM und den Tourenwagensport in Zukunft sehen." Fakt sei, dass DTM-Boss Berger nun "vor einer Mammutaufgabe steht, den besten Weg zu finden".

An den Fahrern liege es jedenfalls nicht, dass die DTM keinen günstigeren Weg eingeschlagen habe. "Wir haben es oft genug geäußert", sagt Glock. "Und auch Timo Scheider ist eine lange Zeit in diese Richtung unterwegs gewesen, dass wir die Autos vereinfachen und auf weniger Abtrieb setzen, aber am Ende ist es mein Job, einfach Auto zu fahren."

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aschenner
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Re: V8-Supercars als Vorbild: So würde Timo Glock die DTM ändern

Beitrag von aschenner » So Jun 28, 2020 5:04 pm

Auf die Gefahr hin mich zu wiederholen, solange Motorsport nicht wieder einen technologischen Entwicklungs-Sinn ergibt ist es reines Business. Wenn die Techniker und Teammitglieder nur einen technisch, meist veralteten, Einheitsbrei für die Fahrer verwalten sollen, solange werden Werke kein Interesse haben sich zu engagieren.
-Andreas Schenner

321gone
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Re: V8-Supercars als Vorbild: So würde Timo Glock die DTM ändern

Beitrag von 321gone » So Jun 28, 2020 7:59 pm

Ich denke, was Timo Glock da vorschlägt gab es schon mal in Deutschland. Damals hieß das V8-Star, sehr spektakulär und mit Sicherheit viel günstiger als die damals parallel laufende DTM. Trotzdem wurde die Serie eingestampft.

Super GT
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Re: V8-Supercars als Vorbild: So würde Timo Glock die DTM ändern

Beitrag von Super GT » So Jun 28, 2020 8:48 pm

Ich sehe hier nicht wo das Konzept grossartig billiger sein sollte.
Die V8 Supercars sind im Prinzip Fahrzeuge mit Gitterrohrrahmen wie sie in der DTM bis 2011 eingesetzt wurden.
Das solch ein Fahrzeug auch von der Sicherheit nicht mit einem Carbon Chassis vergleichbar ist sollte auch jedem klar sein.

Sonic84
Beiträge: 593
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Re: V8-Supercars als Vorbild: So würde Timo Glock die DTM ändern

Beitrag von Sonic84 » Mo Jun 29, 2020 12:26 am

Rennwagen wie jene der V8-Supercars würden hierzulande nicht so funktionieren wie Down-Under. Uns fehlen einfach die engen, buckligen Rennstrecken dafür. Ein DTM-Rennwagen der 90er wirkte auf der Nordschleife, Avus, Wunsdorf, Singen und Norisring doch ganz anders als heute auf dem neuen Hockenheimring, Lausitzring und Adria. Weiß jemand was ich meine?

ArrowsA10B
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Re: V8-Supercars als Vorbild: So würde Timo Glock die DTM ändern

Beitrag von ArrowsA10B » Mo Jun 29, 2020 1:12 pm

So wie es der Artikel beschreibt, sind die Kosten pro Fahrzeug pro Saison gar nicht so groß unterschiedlich.

Das Problem an Class1 war immer, dass die Fahrzeuge keiner BoP unterlagen, und die kleinen Entwicklungsfreiräume Unsummen verschlangen.
Mit BoP hätte Aston Martin auf Anhieb mithalten können und hätte für Jahr 2 keine Legitimationsprobleme gehabt. Ebenso hätten es die Japaner viel einfacher gehabt, einzusteigen. Honda hätte sein Mittelmotorkonzept beibehalten können.

Das Problem sind nicht die Class1-Fahrzeuge an sich, sondern das Regelwerk ohne Balancing. Ohne Balancing muss man im Prinzip auf pures Spec setzen, um die Kosten in Zaum zu halten. Dadurch geht stets Markenidentität verloren.

Eine "bittere Pille" muss der Fan eben schlucken.

7Racing
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Registriert: Mi Jun 19, 2019 10:06 pm

Re: V8-Supercars als Vorbild: So würde Timo Glock die DTM ändern

Beitrag von 7Racing » Di Jun 30, 2020 3:34 pm

Ich finde den Vorschlag von Timo Glock super. Genau in diese Richtung muss es gehen. :top:

Meiner Meinung nach ist die Entwicklung eines DTM-Autos nach Class 1-Reglement zu aufwändig und zu komplex, weshalb die Hersteller lieber einen Bogen um die DTM machen. Das kann man auch daran sehen, dass Aston Martin und R-Motorsport nur mit Unterstützung von HWA in der Lage waren in die DTM einzusteigen.

Bei den australischen Supercars sollte der Aufbau eines Fahrzeugs wesentlich einfacher und kostengünstiger sein (seriennähere Fahrzeuge, weniger Aerodynamik). Außerdem sollten mit diesen auch wieder spannende Rennen ohne künstliche Hilfen wie DRS und P2P möglich sein.

In dem Bericht steht, dass die Einsatzkosten eines solchen Fahrzeugs jedoch auch z.B. bei nur 1 Mio. Euro pro Saison liegen können, was wiederum nur der Hälfte eines Class 1-Autos entsprechen würde. Wovon die genaue Höhe der Einsatzkosten abhängt, geht aus dem Bericht leider nicht hervor.

Mit einem solchen Reglement könnten dann Fahrzeuge wie BMW 3er, Mercedes C-Klasse, Audi A4, VW Passat, Opel Insignia, Ford Mondeo, Alfa Romeo Giulia usw. zum Einsatz kommen, die jeder auch zu Hause in der Garage stehen haben könnte. Damit würden sich die Leute wieder mehr identifizieren können und das Interesse an der DTM steigern.

Andere Serien, an denen sich die DTM orientieren könnte, sind die ehemalige italienische Superstars Serie und die argentinische Super TC 2000.

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