LMDh-DTM ein Widerspruch? "DTM-Autos sind doch längst Prototypen"

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Redaktion
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LMDh-DTM ein Widerspruch? "DTM-Autos sind doch längst Prototypen"

Beitrag von Redaktion » Do Jun 18, 2020 1:06 pm

Bei der Suche nach einer DTM-Zukunftslösung sind auch die neuen LMDh-Boliden Thema: Wie die Idee ankommt und ob ein Wechsel ein Kulturschock wäre

LMDh-Prototypen als mögliches Rettungsszenario für die DTM? Dieser Weg ist laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' bei der DTM-Dachorganisation ITR für die Ära nach dem Audi-Ausstieg tatsächlich ein Thema, wenn auch eine GT3-Premiumserie als derzeit wahrscheinlichste Variante gilt.

Doch wie reagieren die DTM-Akteure auf die Idee, die neue IMSA- und WEC-Topklasse für Sprintrennen auf der ITR-Plattform zu nutzen und sich damit von der Optik eines Tourenwagens zu verabschieden?

"Das habe ich mich noch gar nicht gefragt, weil diese Autos eigentlich schon auf die Langstrecke und auf Fahrerwechsel ausgelegt sind", zeigt sich Audis Vizemeister Nico Müller im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' überrascht.



Der Schweizer hinterfragt, wie hart man mit diesen Prototypen wegen der sensiblen Aerodynamik gegeneinander fahren könnte. "Ich bin schon der Meinung, dass Sprintrennen mit Kontakt und Lackaustausch ein Kernelement der DTM sind. Und ob ein LMDh-Auto dazu passt, weiß ich nicht. Aber ausschließen würde ich es trotzdem nicht. Das werden mit Sicherheit sehr interessante und schöne Autos."

Zudem werden ja auch die aktuellen Class-1-Boliden in der DTM bei Sprintrennen eingesetzt, während die japanische Super-GT-Serie mit ihnen Langstreckenrennen bestreitet. Man müsse also "offen sein für alles".

Er glaube fest daran, dass es für die Zukunft der Traditionsserie nach den "Erdbeben, die es in den vergangenen zwei, drei Jahren für die DTM gab, eine größere Veränderung braucht, um weiter bestehen zu können." Bislang habe er aber nur die Gerüchte wahrgenommen, dass ein Einstieg japanischer Hersteller, eine GT3-Lösung oder privat eingesetzte Class-1-Boliden nach dem Audi-Ausstieg die Lösung sein könnten.



Wären die LMDh-Langstrecken-Prototypen eigentlich ein Widerspruch zum aktuellen DTM-Konzept? "Die DTM-Autos sind doch auch längst Prototypen", schüttelt Abt-Audi-Sportdirektor Thomas Biermaier im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' den Kopf. Damit verweist er auf die Tatsache, dass die Class-1-Boliden mit den Tourenwagen der alten DTM kaum noch etwas gemein haben.

Stattdessen handelt es sich um auf Gleichteilen basierende Prototypen, die mit einer Coupe-Silhouette versehen werden, um den Eindruck der Seriennähe zu vermitteln und damit die Marketinginteressen der Hersteller zu erfüllen.

"Ich glaube daher schon, dass LMDh ein interessantes Thema sein könnte, wenn wir über kostengünstigen Motorsport sprechen", hält Biermaier die Prototypen-Idee nicht für komplett abwegig, schließlich basiert das LMDh-Konzept darauf, dass die Hersteller abgesehen vom Motor alle Teile zukaufen und die Kosten so niedriger gehalten werden könnten als bei einem Class-1-Auto.



Ein Problem sieht er allerdings darin, dass die Autos frühestens ab 2022 verfügbar sein werden und ein Jahr Pause daher unausweichlich wäre. "Wir wissen noch nicht einmal, wie viele Hersteller insgesamt dabei sind. Jeder prüft, jeder schaut - und für 2021 ist das definitiv noch kein Thema", sagt er.

Wichtig sei nun vor allem ein "klares Konzept" von Seiten der DTM-Dachorganisation. Wenn die ITR für 2022 fest mit LMDh-Fahrzeugen planen würde, "dann wäre das eine Möglichkeit", meint Biermaier. "Wenn es aber heißt, jetzt machen wir auf unbestimmte Zeit Pause, dann wäre es glaube ich vorbei. Zu lange darf die Pause auf keinen Fall sein."



Das deckt sich auch mit den Aussagen von DTM-Boss Gerhard Berger, der eine Pause gerne vermeiden würde. Doch auf welches Fahrzeugkonzept würde Biermaier für die Zukunft der ITR-Plattform setzen? "Es muss auf jeden Fall ein tolles Auto sein", meint er. "Es muss Power da sein, man muss überholen können. Das sind die Grundfaktoren. Sonst ist es aber egal, welcher Typ das ist."

Wichtig sei, dass die Show, die den Zuschauern geboten wird, attraktiv ist: "Es muss was los sein, die Leute müssen gerne hingehen und sich das gerne anschauen. Das ist entscheidend. Und da hat die DTM schon einen Vorteil gegenüber anderen Plattformen."

Auch den Plan, bei einem Wechsel auf GT3-Autos weiterhin auf ein Premiumkonzept zu setzen, wodurch man sich vom GT-Masters abgrenzen könnte, kann Biermaier nachvollziehen. "Es ist was anderes, wenn 22 Profis im Auto sitzen als wenn auch ein paar Gentlemandriver und Semiprofis dabei sind", meint er.

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Steckemetz
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Re: LMDh-DTM ein Widerspruch? "DTM-Autos sind doch längst Prototypen"

Beitrag von Steckemetz » Do Jun 18, 2020 1:58 pm

Redaktion hat geschrieben:
Do Jun 18, 2020 1:06 pm
Doch auf welches Fahrzeugkonzept würde Biermaier für die Zukunft der ITR-Plattform setzen? "Es muss auf jeden Fall ein tolles Auto sein", meint er. "Es muss Power da sein, man muss überholen können. Das sind die Grundfaktoren. Sonst ist es aber egal, welcher Typ das ist."
Wieder nichts verstanden ... schade!

Seit den mittleren 90ern wird bei Visionen für die DTM immer nur von hochtechnisierten Carbonmonstern geschwärmt, obwohl es keine Zeit gab, in denen solche Autos jemals packenden Motorsport geboten hätten. Nicht einmal zu Zeiten der DTM/ITC um 1995/6 war der Sport gut. Im Gegenteil. Klar hat der Technik-Overkill dieser Zeit eine gewisse Faszination ausgeübt, aber auf der Strecke war meist Langeweile, wenn nicht irgendwo ein Auto in Flammen aufging. Packende Zweikämpfe gab es schon da nicht mehr.

Die Blütezeit der DTM war mit Gruppe-A-Autos. Stabiles Blechkleid, Käfig, kaum Gewicht, nach heutigen Standards lächerlich geringe Leistung. Rudimentärste Technik zwar ... trotzdem hüpft noch heute ein jedes Motorsportherz, wenn es Bewegtbilder aus der Zeit sieht. Dieses Konzept ging auf, obwohl diese Serie mit den simplen Tourenwagen der extrem spektakulär anmutenden DRM nachfolgte.

Die zuschauerstärksten Serien, Australian Supercars und BTCC, folgen diesem Rezept im großen und ganzen heute noch und ziehen - verglichen mit Deutschland - Massen an Zuschauern an die Strecke. Und warum? Weil da im Vergleich hemdsärmeliger, purer Sport betrieben wird.

Mir ist nicht klar, warum sich an dieses simple Rezept bei uns in Deutschland scheinbar niemand mehr zu erinnern scheint und sich keiner wagt, diese Schritte zurück zu gehen.

Petunia
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Re: LMDh-DTM ein Widerspruch? "DTM-Autos sind doch längst Prototypen"

Beitrag von Petunia » Do Jun 18, 2020 2:22 pm

Dass die DTM spätestens mit teuren Hocheffizienz-Turbomotoren an ihre wirtschaftlichen Grenzen stößt, war vielen bereits klar, zumal die DTM sich in letzter Zeit auch kein Stück in puncto Vermarktung verbessert hat. Die TV-Übertragung wirkt leihenhaft und wenig professionell; die Bildregie während der Rennen mittelmäßig. Man schafft es nicht mal in jedes Auto eine Onboard-Kamera zu packen - und das im Jahre 2020!!!

Und wenn man schon ein Prototypen-Reglement mit der Class One hat, dann soll man sie bitte besser vermarkten. Schließlich sind Prototypen mit ihrem ganzen Entwicklungsduell viel zu teuer für eine nationale Serie (Japan mal ausgenommen). Man hätte sich bei der ACO anbiedern können und z.B. versuchen, die Class One mit veränderter Prototypen-klassischer Silhouette in Le Mans einsetzen zu lassen oder sich anders reglementtechnisch mit anderen Serien abzustimmen.

Spritistnichtlecker
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Re: LMDh-DTM ein Widerspruch? "DTM-Autos sind doch längst Prototypen"

Beitrag von Spritistnichtlecker » Do Jun 18, 2020 2:45 pm

Ich dachte, jeder Zweikampf mit Kontakt macht ein Rennen gleich zu einer künstlichen Crash-Derby-Challenge. Oder dürfen das nur bestimmte Rennklassen?

alex_kre
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Re: LMDh-DTM ein Widerspruch? "DTM-Autos sind doch längst Prototypen"

Beitrag von alex_kre » Do Jun 18, 2020 6:32 pm

Die Blütezeit der DTM war mit Gruppe-A-Autos. Stabiles Blechkleid, Käfig, kaum Gewicht, nach heutigen Standards lächerlich geringe Leistung. Rudimentärste Technik zwar ... trotzdem hüpft noch heute ein jedes Motorsportherz, wenn es Bewegtbilder aus der Zeit sieht. Dieses Konzept ging auf, obwohl diese Serie mit den simplen Tourenwagen der extrem spektakulär anmutenden DRM nachfolgte.

Die zuschauerstärksten Serien, Australian Supercars und BTCC, folgen diesem Rezept im großen und ganzen heute noch und ziehen - verglichen mit Deutschland - Massen an Zuschauern an die Strecke. Und warum? Weil da im Vergleich hemdsärmeliger, purer Sport betrieben wird.
Ich bin zwar zu Jung um sagen zu können, dass ich diese zeit miterlebt habe, aber Videos aus der Zeit oder dieses kleine Battle zwischen Lewis Hamilton und Toto Wolff war schon ziemlich sehenswert.

Das Grundrezept klingt für mich zwar ziemlich sexy und ich würde mich darüber freuen wieder derartigen (unterschiedlichen) Sound auch in der DTM zu höhren, aber ich glaube, dass das so nict möglich ist bzw das Gegenargument immer die wtcr ist, was nicht heißt, dass die schlecht ist.
Außerdem zwingt uns die Gesellschaft, die Medien und schlussendlich dadurch auch die Hersteller auf, dass alles grün sein muss und deswegen sind höchstens nur hybride möglich, die wieder unfassbar teuer werden.

Maik Aefer
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Re: LMDh-DTM ein Widerspruch? "DTM-Autos sind doch längst Prototypen"

Beitrag von Maik Aefer » Fr Jun 19, 2020 11:24 am

alex_kre hat geschrieben:
Do Jun 18, 2020 6:32 pm
Außerdem zwingt uns die Gesellschaft, die Medien und schlussendlich dadurch auch die Hersteller auf, dass alles grün sein muss und deswegen sind höchstens nur hybride möglich, die wieder unfassbar teuer werden.
Aber genau da wäre doch der Vorteil von seriennahen Tourenwagen im Gegensatz zu weiterhin überteuerten Prototypenrennwagen. Die Hersteller wollen und sollen auf grün machen und sind damit gezwungen ihre Ökomodelle an den Mann zu bringen. Das aber scheitert derzeit an Dingen wie Anschaffungskosten, Reichweite, Ladegeschwindigkeit bzw -möglichkeit oder auch Alltagstauglichkeit (also auch ein geräumiges Familienfahrzeug statt Kleinwagen denn nicht alle leben in Großstätten). Wenn die DTM auf modifizierte Mittelklasse Hybridmodelle aus der Serie setzen würde hätte man eine super Werbeplattform für ihre Produkte und es wäre auch alles für Werks und Kundenteams realisierbar was ein gut gefülltes Starterfeld bedeuten könnte.

Es müssen nicht immer wenige super schnelle Megasportwagen sein die sich 99% nie leisten können und im Rennen trotzdem nur an der Perlenschnur hintereinander fahren weil die Aerodynamik kein Überholen ermöglicht oder beim kleinsten Kontakt aufgeben müssen weil die filigrane Abstimmung dann zerstört wurde. Dann doch lieber viele langsamere Fahrzeuge ohne Aeroschnickchnack die dann aber auch Zweikämpfe zeigen und bei Gegnerkontakt trotzdem noch weiter fahren können.

alex_kre
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Re: LMDh-DTM ein Widerspruch? "DTM-Autos sind doch längst Prototypen"

Beitrag von alex_kre » Mo Jun 22, 2020 10:41 am

Maik Aefer hat geschrieben:
Fr Jun 19, 2020 11:24 am
Aber genau da wäre doch der Vorteil von seriennahen Tourenwagen im Gegensatz zu weiterhin überteuerten Prototypenrennwagen. Die Hersteller wollen und sollen auf grün machen und sind damit gezwungen ihre Ökomodelle an den Mann zu bringen. Das aber scheitert derzeit an Dingen wie Anschaffungskosten, Reichweite, Ladegeschwindigkeit bzw -möglichkeit oder auch Alltagstauglichkeit (also auch ein geräumiges Familienfahrzeug statt Kleinwagen denn nicht alle leben in Großstätten). Wenn die DTM auf modifizierte Mittelklasse Hybridmodelle aus der Serie setzen würde hätte man eine super Werbeplattform für ihre Produkte und es wäre auch alles für Werks und Kundenteams realisierbar was ein gut gefülltes Starterfeld bedeuten könnte.

Es müssen nicht immer wenige super schnelle Megasportwagen sein die sich 99% nie leisten können und im Rennen trotzdem nur an der Perlenschnur hintereinander fahren weil die Aerodynamik kein Überholen ermöglicht oder beim kleinsten Kontakt aufgeben müssen weil die filigrane Abstimmung dann zerstört wurde. Dann doch lieber viele langsamere Fahrzeuge ohne Aeroschnickchnack die dann aber auch Zweikämpfe zeigen und bei Gegnerkontakt trotzdem noch weiter fahren können.
Ich würde dir zwar irgendwo recht geben, aber das passt nicht in die DTM. Allein deswegen nicht, weil die DTM über die Jahre immer schneller wurde und ein derartiger Rückschritt der Rundenzeiten ist nicht möglich bzw. um es drastisch zu sagen "der DTM nicht würdig".
Deine Idee ist eine neue Rennserie, aber nicht mehr in der DTM möglich.

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