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Trotz Notfallplan für 2019: Aston Martin doch Retter der DTM

Verfasst: So Sep 08, 2019 9:43 am
von Redaktion
Warum die DTM trotz Notfallplan nur ein Jahr ohne dritten Hersteller überstanden hätte und weshalb Aston Martin bereits 2019 statt 2020 eingestiegen ist

Laut Gerhard Berger hatte die DTM nach dem Mercedes-Ausstieg Ende 2018 einen Notfallplan in der Tasche, um die Saison 2019 nur mit den Herstellern Audi und BMW zu überstehen. Dafür gab es allerdings eine Bedingung, wie R-Motorsport-Teamchef Florian Kamelger nun verrät.

"Wir haben von DTM-Seite den Drang - und nicht den Druck - verspürt, dass es in naher Zukunft einen dritten Hersteller geben muss", erklärt der Südtiroler im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. "Da ging es nicht notwendigerweise um 2019, denn da gab es ja die Zusage der beiden, zu zweit zu fahren - mit der Prämisse, dass es für 2020 eine Lösung gibt."

Die DTM-Verantwortlichen hatten sich also für den Fall, dass 2019 kein neuer Hersteller am Start ist, auf eine Übergangssaison geeinigt, "damit man noch ein Jahr Zeit hat, um jemanden zu finden", Spätestens 2020 wäre aber ein dritter Hersteller fällig gewesen, erklärt Kamelger. "Es gab einen Handschlag - in dem Sinne: Es kann nicht ewig nur mit zwei Herstellern weitergehen."



Das bestätigt auch Audi-Sportchef Dieter Gass. Auf die Frage, ob die DTM in Gefahr gewesen wäre, wenn nach einem Übergangsjahr 2019 auch 2020 nur zwei Hersteller am Start gewesen wären, antwortet er: "Ja, ich denke schon. Die DTM wäre längerfristig mit zwei Herstellern nur sehr schwer vorstellbar gewesen. Es war also wichtig, dass ein dritter Hersteller zumindest da ist, selbst wenn er nicht sofort eingestiegen wäre."

Zwei Jahre mit nur zwei Herstellern "wären sehr schwierig gewesen. Das gleiche gilt für das Szenario, wenn jetzt einer aufhört", ergänzt Gass im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'.

Tatsächlich hatte R-Motorsport 2018 in Erwägung gezogen, erst 2020 in die DTM einzusteigen - und sogar die Idee, 2019 nur an gewissen Rennen teilzunehmen, war kurz Thema. "Das war im Rahmen von Brainstorming-Sitzungen alles auf dem Tisch, um abzuwägen, was wir machen können, um der DTM zu helfen, damit es 2019 einen dritten Hersteller gibt", offenbart Kamelger.



"Nur an einzelnen Rennen teilzunehmen, war eigentlich nie wirklich der Plan, aber man hat alles Mögliche in Betracht gezogen." Die Entscheidung, bereits diese Saison vollwertig in die DTM einzusteigen, sei dann Anfang November 2018 gefallen.

"Für uns stellte sich die Frage: Starten wir mit dem neuen Reglement, bei dem keiner wirklich einen großen Vorsprung hat, und gehen das Risiko ein, dass wir bis zum Homologationsdatum nur kurz entwickeln können, oder steigen wir 2020 ein, entwickeln davor ein Jahr durch und geben den Ingenieuren Geld und Möglichkeiten ohne Ende, um 300 Tage zu entwickeln?", beschreibt Kamelger die damalige Ausgangslage.

Was gegen einen Einstieg im Jahr 2020 sprach? "Das wäre nicht nur kostenintensiv gewesen, sondern auch deswegen problematisch, weil Audi und BMW ein Jahr maximale Erfahrung mit dem ganzen Set-up gehabt hätten", erklärt der R-Motorsport-Teamchef.



Den Vergleich mit dem Honda-Formel-1-Einstieg ein Jahr nach der Einführung der Hybrid-Antriebseinheiten, der die Japaner lange hemmte, hält Kamelger für zulässig: "Das ist relativ gut vergleichbar. Am Prüfstand kannst du viel testen, aber nicht den richtigen Renneinsatz. Das ist einfach so."

Apropos Honda: Bei den ersten Gesprächen über einen Aston-Martin-Einstieg in die DTM im Frühling 2018, bei denen Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko DTM-Boss Berger in Graz mit Kamelger zusammenbrachte, war sogar noch Red-Bull-Partner Honda als Motorenlieferant im Gespräch.

"Von unserer Seite war das aber nicht mehr als eine konkrete Idee", relativiert Kamelger. "Die kam von Helmut Marko beziehungsweise von Red Bull, wurde aber nicht weiter ausgearbeitet und ist relativ im Anfangsstadium geblieben."



Endgültig für HWA als DTM-Partner habe man sich erst Anfang November entschieden. "Die ersten Diskussionen gab es aber schon im Sommer. Da ging es darum, ein Joint-Venture zu gründen, mit dem man auch DTM machen kann", sagt Kamelger.

Das "auch" ist ihm in diesem Zusammenhang besonders wichtig, denn man wollte unter dem Namen Vynamic "Kleinserienproduktionen, Rennautobau und Rennsportaktivitäten unter einen Hut bringen - und das haben wir jetzt auch gemacht. Es ging damals nicht um die Gründung eines Joint-Ventures, das DTM macht."

Dennoch ist es Kamelger mit seinem Projekt auf gewisse Weise gelungen, die DTM zu retten. Ob er das auch so sieht? "Ich sehe mich nicht als Retter der DTM, aber ich sehe schon, dass wir sehr viel dazu beigetragen haben, dass die Serie nach dem Mercedes-Ausstieg eine Kehrtwende machen konnte", beschreibt er den Einfluss von R-Motorsport.

"Und dass es vielleicht eine nachhaltigere Kehrtwende ist, weil nach Alfa wieder eine internationale Marke in der DTM startet und weil wir dabei helfen, Kostensensitivität zu generieren", spielt er darauf an, dass der Kampf von R-Motorsport für eine Kostensenkung auch weiteren potenziellen Herstellern zugute kommen könnte.

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