Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat

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Redaktion
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Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat

Beitrag von Redaktion » Mo Aug 12, 2019 9:27 am

Bereits zu Saisonmitte lässt Audi die beiden Titelrivalen Rast und Müller nicht frei fahren: Wieso das abgeblasene Titelduell Gerhard Bergers DTM-Plan gefährdet



wer hat nach dem Großbritannien-Gastspiel der DTM in Brands Hatch am schlechtesten geschlafen? Vielleicht Audi-Sportchef Dieter Gass, nachdem nun alle über das von ihm offensichtlich verhinderte Duell zwischen den Titelrivalen Rene Rast und Nico Müller schimpfen, anstatt der beeindruckenden Audi-Dominanz am Sonntag zu huldigen?

Er hätte guten Grund dazu gehabt, doch vermutlich ist Gass davon überzeugt, die Interessen des Konzerns geschützt zu haben, indem er den Titel auf keinen Fall durch eine erneute Audi-Kollision wie auf dem Norisring aufs Spiel setzte.

Einer, der aber garantiert schlecht geschlafen hat, ist DTM-Boss Gerhard Berger. Denn der Österreicher hasst Stallorder. Und weiß genau, wie sehr sie der DTM schadet. Jetzt hat ihm Audi gute zwei Wochen vor seinem 60. Geburtstag - die Vorfreude hält sich ohnehin schon in Grenzen - ein besonders ungeliebtes Geschenk gemacht.



Denn seit er vor zwei Jahren die Leitung der DTM-Dachgesellschaft ITR übernommen hat, rackert sich Berger ab, um die einst aalglatte Herstellerserie in die letzte Bastion für echte Motorsportpuristen zu verwandeln.

Und er hat mit einer Serie von Änderungen vieles richtig gemacht: Das Funkverbot, die Abschaffung von Handbremse, Heizdecken und Performance-Gewichten, der spektakuläre Indy-Re-Start sowie der umfangreiche Einsatz von Einheitsbauteilen und stärkeren Motoren sorgen für mehr pures Spektakel und dafür, dass das Können der Fahrer im Vordergrund steht. Nicht alle Änderungen waren Bergers Ideen, aber er hat sie konsequent vorangetrieben.

Berger will die DTM auf die internationale Bühne bringen, nutzt sein riesiges Netzwerk, denkt laut über Rennen in Monaco oder auf der Nürburgring-Nordschleife nach. Und er versucht das scheinbar Unmögliche und bemüht sich um Superstars wie Valentino Rossi als Gaststarter.



"Ich glaube einfach, dass das Produkt DTM bei den Fahrzeugen mit vier Rädern das ist, was die MotoGP auf zwei Rädern ist", sagte mir Berger, der bei den Fans viel Rückhalt genießt, kürzlich. "Da geht es um Rad-an-Rad-Duelle, um Zweikämpfe."

Doch genau das hat Audi in Brands Hatch verhindert. Dabei ist ein Titelkampf, der bis zum letzten Rennen anhält, für die DTM gerade jetzt überlebenswichtig. Man muss R-Motorsport für den kurzfristigen Aston-Martin-Einstieg wirklich enorm respektieren, aber derzeit ist die DTM ein Duell zwischen nur zwei Herstellern - und selbst BMW hat im Titelkampf nur noch Außenseiterchancen.

Berger weiß: "Um den Titelkampf spannend zu halten, müssen die BMW-Fahrer Wittmann und Eng am Lausitzring reichlich Punkte einfahren." Die derzeit mangelnde Konstanz der Münchner deutet jedoch eher auf ein reines Audi-Stechen um den Titel hin.



Wenn die Ingolstädter aber schon beim sechsten von neun Wochenenden anfangen, keinen Zweikampf zwischen Rast und Müller zuzulassen, dann fragen sich die Fans, wieso sie eigentlich zuschauen, und werden sich bald abwenden. Und Rast wird bereits vor dem wichtigen Saisonfinale in Hockenheim als Champion feststehen. Und dann droht ein Finale vor leeren Rängen - kein gutes Bild, um die Saison 2020 zu vermarkten.

Liegt das Problem nicht auch in der DNA der DTM, in der Hersteller je sechs Autos stellen und mit ihnen Schach spielen, wie es in anderen Serien wie der Formel 1, wo ein Team nur aus zwei Autos besteht, gar nicht auf diese Weise möglich ist?

Das mag sein. Aber trotzdem muss man einen Weg finden, um diesen Zustand zu ändern, will die DTM in Zukunft attraktiv sein. Berger weiß, dass die Teams unabhängiger von den Konzernen werden müssen.



Sein Versuch, Kundenteams wie WRT-Audi wie einst in den goldenen Jahren der DTM zu etablieren, geht in diese Richtung. "Die Teams sind über die Jahre unter den Schirm der Marken gekommen, aber ich denke, wir müssen sie da rausholen", meint Berger.

Wenn man weiß, dass gewisse Strategieentscheidungen während des Rennens nicht von konkurrierenden Herstellerteams wie Rosberg oder Abt getroffen werden, sondern von oben kommen, dann erscheint mehr Autonomie für die Rennställe dringend notwendig.

Denn die Stallorder ist seit vielen Jahren eines der größten Übel der DTM. Jetzt braucht es vielleicht mal eine - und zwar von ganz oben. Die Order ist kurz und präzise: Freie Fahrt!



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alex_kre
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Re: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat

Beitrag von alex_kre » Mo Aug 12, 2019 10:32 am

Wäre es nicht relativ einfach zu lösen, in dem nur den Teams Stallorder erlaubt ist, sprich Audi hat da gar kein Wort mehr mitzureden und stellt nur das Auto bzw. unterstützt die Teams zwar Werkseitig, aber darf keinen Eingriff in den Rennverlauf nehmen.
Ganz anders ist es in der Formel 1 ja auch nicht, da stellen auch andere die Motoren. Hier wäre es nur ein ganzes Auto.

JR_123456
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Re: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat

Beitrag von JR_123456 » Mo Aug 12, 2019 12:25 pm

@alex_kre:
Theoretisch ja, das sollte die einfachste Lösung sein.
Praktisch aber leider nicht umsetzbar.

Wenn sich das kleinere Privatteam nicht an das hält was der Motorenlieferant will, dann gibt's halt Benachteiligungen oder ganz extrem keine Autos mehr in der kommenden Saison.
Daher müssen die Privatteams leider dennoch mitspielen was der Motorenlieferant will.


@topic:
Ist Schade zu sehen dass selbst Audi-intern schon festgelegt wird wer Meister wird. Wäre doch nun nicht der Beinbruch gewesen wenn Rast halt nur 2. oder 3. wird, so lange keine andere Marke vor ihm ins Ziel kommt. Aber nein, bei Audi geht sowas halt nicht.

Fmcguire
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Re: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat

Beitrag von Fmcguire » Mo Aug 12, 2019 1:29 pm

Mehr Marken, ganz einfach.
So haste ein Rennen wo alle Audis von da vorne starten und Spielchen spielen können, zumal die auch noch die meisten Autos stellen im Fahrerfeld.
Rast ist eh Meister, da wird jetzt Rennen für Rennen er vorbei gewunken wenn es nötig ist.
Naja gibt ja noch die Blancpain-Serien und ADAC-Gt Masters

JamesHunt
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Re: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat

Beitrag von JamesHunt » Mo Aug 12, 2019 2:49 pm

Ich finde das sehr unsportlich von Audi, aber was soll man machen....

Rast wird denke ich so oder so Meister, was hochverdient ist und keine solchen spielchen gebraucht hätte.

Maik Aefer
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Re: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat

Beitrag von Maik Aefer » Mo Aug 12, 2019 3:48 pm

Jetzt tun wieder alle ganz überascht und meckern über Audi obwohl diese Art seit zig Jahren standard ist. Ich erinner mich noch an ein Hockenheimrennen wo bei Mercedes am ersten Rennwochenende schon der vermeintlich stärkste Mercedesfahrer von den anderen vorbei gelassen wurde. Dann gabs noch das allseits bekannte "I NEED DRS" usw. Auch bei BMW gab und gibt es Stallorder und natürlich auch bei Audi. Ich seh da auch nichts verwerfliches wenn man direkt hintereinander fährt und damit einen möglichen Crash inklusive Punkteverlust vermeidet. Derjenige der nach den Boxenstopps vorn ist und keine Probleme hat bleibt auch vorn. Am Ende gab es im Motorsport Meisterschaften die mit wenigen Punkten gewonnen oder verloren wurden. Nachdem Wittmann und Eng doch imer wieder gute Punkte einfahren hat man sich mit der Stallorder die maximale Punktzahl für den Meisterschaftsführenden und die zweithöchsten Punkte für den Meisterschaftszweiten geholt. Das man bei Audi zuerst auf den erfahreneren und kompletteren Rennfahrer Rast setzt ist für mich nachvollziehbar und das wird auch Müller wissen. Es ist sicherlich nicht super schön aber so ist das immer bei Rennserien mit wenigen Marken. Am Ende der Saison zählt halt nur eins und das ist der Titel und wie der erungen wurde steht in keinem Geschichtsbuch.

Jimmie2448
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Re: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat

Beitrag von Jimmie2448 » Mo Aug 12, 2019 7:22 pm

Maik Aefer hat geschrieben:
Mo Aug 12, 2019 3:48 pm
Jetzt tun wieder alle ganz überascht und meckern über Audi obwohl diese Art seit zig Jahren standard ist. Ich erinner mich noch an ein Hockenheimrennen wo bei Mercedes am ersten Rennwochenende schon der vermeintlich stärkste Mercedesfahrer von den anderen vorbei gelassen wurde. Dann gabs noch das allseits bekannte "I NEED DRS" usw. Auch bei BMW gab und gibt es Stallorder und natürlich auch bei Audi. Ich seh da auch nichts verwerfliches wenn man direkt hintereinander fährt und damit einen möglichen Crash inklusive Punkteverlust vermeidet. Derjenige der nach den Boxenstopps vorn ist und keine Probleme hat bleibt auch vorn. Am Ende gab es im Motorsport Meisterschaften die mit wenigen Punkten gewonnen oder verloren wurden. Nachdem Wittmann und Eng doch imer wieder gute Punkte einfahren hat man sich mit der Stallorder die maximale Punktzahl für den Meisterschaftsführenden und die zweithöchsten Punkte für den Meisterschaftszweiten geholt. Das man bei Audi zuerst auf den erfahreneren und kompletteren Rennfahrer Rast setzt ist für mich nachvollziehbar und das wird auch Müller wissen. Es ist sicherlich nicht super schön aber so ist das immer bei Rennserien mit wenigen Marken. Am Ende der Saison zählt halt nur eins und das ist der Titel und wie der erungen wurde steht in keinem Geschichtsbuch.
Ich geb dir zu 100% Recht.Aber mit solchen Rennen holst du keine weiteren Hersteller in die DTM. Und sollten Audi oder BMW sowas auch bei den 2 Rennen abziehen wo die Japaner mitfahren war es das dann auch schon. Dann sind die nämlich wieder sehr schnell weg und das mühsam aufgebaute von Berger ist wieder zu nichte gemacht.In der SuperGT gibt es nämlich keine Stallregie. Da wird gefightet bis zur letzten Runde und zwar auch unter Markenkollegen. :top:
Zuletzt geändert von Jimmie2448 am Mo Aug 12, 2019 11:38 pm, insgesamt 2-mal geändert.

Hr. Gesheimer
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Re: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat

Beitrag von Hr. Gesheimer » Mo Aug 12, 2019 8:14 pm

Fmcguire hat geschrieben:
Mo Aug 12, 2019 1:29 pm
Mehr Marken, ganz einfach.
So haste ein Rennen wo alle Audis von da vorne starten und Spielchen spielen können, zumal die auch noch die meisten Autos stellen im Fahrerfeld.
Rast ist eh Meister, da wird jetzt Rennen für Rennen er vorbei gewunken wenn es nötig ist.
Naja gibt ja noch die Blancpain-Serien und ADAC-Gt Masters
Mehr Marken kommen nicht. Zumindest nicht, wenn sie sich an die Spielregeln halten sollen. Und wenn, dann nur, wenn die Regeln entsprechend geschrieben werden. Das hießt: kein freies Racing. Die von Ihnen genannten Alternativen sind auch nur vermeintlich welche: Warum sollte ich als Automobilhersteller dort "richtig" investieren, wenn ich per BoP ohnehin ausgebremst werde? Das ist letztlich bestenfalls Kundensport.

gmpearl
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Re: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat

Beitrag von gmpearl » Mi Aug 14, 2019 12:19 pm

Da die DTM eine Serie von Automobilhersteller für Automobilhersteller ist und von diesen auch hauptsächlich als teures Marketinginstrument verstanden wird, wäre es am einfachsten die Fahrerwertung abzuschaffen. Dann gibt es halt nur noch die Markenwertung. Punkt.

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