DTM Misano: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat

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DTM Misano: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat

Beitrag von Redaktion » Mo Jun 10, 2019 8:04 am

Ferdinand Habsburg zeigte in Misano das bisher beste Wochenende seiner jungen DTM-Karriere: Dennoch musste er erkennen, welche Chance er sich verbaut hat



es war nicht der selbst gemachte, der Legende nach einst für Ferdinand Habsburgs Ururgroßonkel Franz Josef erfundene Kaiserschmarrn, der dem Aston-Martin-Rookie nach dem Rennwochenende in Misano im Magen lag. Es war viel mehr der nüchterne Blick auf die Ergebnisliste, der ihm von Sonntag auf Montag den Schlaf geraubt hat.

Denn die zeigt, dass ein gewisser Jonathan Aberdein beim Italien-Gastspiel der DTM einen zweiten und einen dritten Startplatz herausholte. Jener Aberdein, der im Vorjahr im Formel-3-Endklassement als Zwölfter nur einen Platz vor Habsburg landete, sich in Misano mit den Topstars Marco Wittmann und Rene Rast anlegte und eigentlich dieses Jahr als Habsburgs Teamkollege vorgesehen war.



Doch der Österreicher gab WRT-Audi-Teamchef Vincent Vosse drei Tage vor dem ersten Test im Dezember 2018 wegen Aston-Martin-Lizenznehmer R-Motorsport einen Korb und sorgte für böses Blut, weil er sich mit dem Belgier bereits schriftlich für die Saison 2019 geeinigt hatte. Der Fall wurde den Anwälten übergeben, der Kaiserurenkel zog weiter.

"Ich habe meiner Intuition gefolgt, und sie war korrekt", sagte er mir noch im Fabruar bei der Aston-Martin-Teamvorstellung in St. Gallen mit voller Überzeugung. Ob er das immer noch so sieht?



Habsburg, der bisher an allen Freitagen mit technischen Problemen zu kämpfen hatte und nicht immer bei der Musik war, erlebte in Misano sein bisher stärkstes DTM-Wochenende. Im Rennen am Samstag lag er dank einer glücklichen Strategie kurz sogar auf Platz zwei und fuhr die schnellste Rundenzeit aller vier Aston-Martin-Piloten.

Dieses Kunststück gelang dem 21-Jährigen auch im Rennen am Sonntag. Zudem war er auch im Endergebnis bester Aston-Martin-Fahrer - und damit vor einem Paul di Resta, der im Vorjahr noch bis zum letzten Saisonrennen um den DTM-Titel kämpfte. Dennoch bleiben am Ende nur die Plätze 14 und zwölf.



Und Habsburgs persönliches Highlight, dass er "einmal einen Zweikampf mit MotoGP-Legende Andrea Dovizioso führen durfte". Der Italiener ist tatsächlich unglaublich talentiert, und seine Leistung als Gastfahrer verdient größten Respekt, doch der Zweirad-Akrobat gab zum ersten Mal überhaupt in einem Fahrzeug Gas, dessen Grip dermaßen von der Aerodynamik bestimmt wird.

Dass Dovizioso im WRT-Audi tadellos mithalten konnte, konfrontiert Habsburg einmal mehr damit, dass er im Dezember die falsche Entscheidung getroffen hat. Denn Audi hat derzeit in der DTM das beste Auto, was der Umstand beweist, dass in beiden Qualifyings ausschließlich Piloten im RS 5 die Top 4 belegten.

Ein Auto, in dem jetzt Habsburg sitzen könnte. In einem aufstrebenden Team, das sogar den Werksmannschaften von Abt, Rosberg und Phoenix Konkurrenz macht. Und damit abgesehen von der eigenen Klasse beweist, dass man vom Hersteller absolutes Topmaterial bekommt.



Aber womöglich dachte der Salzburger im Winter, dass er beim Herstellerteam von Aston Martin langfristig die bessere Perspektive hat als beim Privatteam WRT-Audi. Doch auch diesbezüglich sollte ihm das Misano-Wochenende zu denken geben.

Ausgerechnet der durch Habsburgs Absprung kurzfristig von WRT-Audi engagierte Pietro Fittipaldi durfte nach Jamie Greens Ausfall wegen einer Blinddarm-Operation beim Rosberg-Team einspringen - als Teamkollege von Audi-Ass und DTM-Leader Rast! Und kein Mattias Ekström, der nach dem Aus für sein Rallycross-Team gerne wieder DTM fahren würde. Das zeigt ganz klar, welchen Stellenwert WRT in der Audi-Familie hat.



"Die Fahrer, die im Kundenteam performen, sind die ersten Kandidaten auf ein potenziell freiwerdendes Werkscockpit", stellte Audi-Sportchef Dieter Gass in Hockenheim klar. "Und das ist einer der Gründe, warum ich mit Aberdein und Fittipaldi extrem happy bin, auch weil sie 21 und 22 Jahre alt sind." Wenn das keine Perspektive ist, was dann?

Am Ende bleibt der Eindruck, dass Habsburg nicht allzu gut beraten ist. Das zeigt auch die Posse um seinen Nachnamen. Habsburg tritt dieses Jahr in der DTM plötzlich als "von Habsburg" auf. Dabei würde er sich einen viel größeren Gefallen tun, wenn er vor allem durch sportliche Leistungen auffallen würde. Bei WRT-Audi könnte er das tun. Und langfristig auf eine Zukunft hoffen mit Titeln, die selbst erkämpft sind.



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