Gary Paffett: Emotionale Achterbahnfahrt auf Weg zum DTM-Tit

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Gary Paffett: Emotionale Achterbahnfahrt auf Weg zum DTM-Tit

Beitrag von Redaktion » Fr Dez 21, 2018 1:13 pm

Bevor Gary Paffett über seinen Titelgewinn in der DTM 2018 jubeln durfte, musste der Mercedes-Fahrer einige emotionale Höhen und Tiefen überwinden

Gary Paffett durchlebte 2018 ein Jahr voller Emotionen. Nicht nur, weil es seine letzte DTM-Saison mit Mercedes war, sondern weil er auf seinem Weg zum zweiten DTM-Titel einige Hürden überwinden musste bis er beim Finale in Hockenheim jubeln durfte.

Alles begann mit einem Sieg beim Saisonauftakt in Hockenheim und einem Duell mit BMW-Pilot Timo Glock, das in die Geschichtsbücher einging. Rundenlang kämpfte der Brite mit dem gelben BMW #16 um den Sieg und mehrmals wechselte die Führung zwischen den beiden. Kurz vor Schluss musste Paffett Mike Rockenfeller im Audi ziehen lassen und fiel auf Rang drei zurück. Für den Mercedes-Fahrer überwog die Freude über den packenden Zweikampf statt der Enttäuschung über den verpassten Sieg. "Das war unglaublich!", brach es nach dem Rennen aus Paffett heraus.

"Keiner von uns wollte aufgeben. Es war das beste Rennen, das ich je hatte! Manchmal hat man solche Rennen um Platz vier oder fünf, aber so etwas um Platz eins zu haben, ist einfach unglaublich", ergänzt er.



Paffett reiste als Gesamtzweiter der Fahrerwertung an den Lausitzring, wo er das Rennen am Samstag für sich entscheiden und seinen zweiten Saisonsieg einfahren konnte. Glock behielt die Nase vorne und konnte die Tabellenführung auch nach dem zweiten Rennwochenende der Saison behalten.

Am Hungaroring dann der erste Wechsel an der Spitze: Ein sechster Platz im ersten Rennen reichte dem DTM-Champion von 2005, um sich erstmals auf Rang eins zu schieben. Doch die Freude darüber war nur von kurzer Dauer, denn schon tags darauf eroberte Glock die Führung in der DTM-Fahrerwertung zurück.

Bis dahin ging es zwischen dem blauen Mercedes #3 und dem "gelben Biest", wie Glock seinen BMW liebevoll nennt, hart aber fair zur Sache. Bis zum Norisring. Auch auf dem Nürnberger Stadtkurs kamen sich die beiden Piloten auf der Strecke nahe - zu nahe. "Immer wenn ich versucht habe, ihn zu überholen, hat er versucht, mich in die Mauer zu drücken", schimpfte Paffett am Sonntag nach dem Rennen.

Von Harmonie wie noch am Hockenheim, wo sich Glock und Paffett in den Armen lagen, keine Spur mehr. Der Brite lehnte sogar ein klärendes Gespräch mit seinem Widersacher in BMW-Diensten ab. Der wiederum war sich zunächst keiner Schuld bewusst und wollte sich zuerst die Wiederholung der Szene anschauen. Nur einen Tag später gestand er seinen Fehler ein und entschuldigte sich per Telefon und Social Media bei Paffett.

Der Mercedes-Pilot reiste mit der Tabellenführung im Gepäck aus Nürnberg ab und behielt sie bis zum Event in Misano. Zuvor legte er einen Zwischenstopp in Zandvoort und in seiner englischen Heimat ein. Zweimal Pole-Position, ein Sieg und ein zweiter Platz an der niederländischen Nordseeküste ließen Paffett allen Ärger vergessen und der 37-Jährige hatte allen Grund zum Jubeln.

Einen Sieg beim Heimspiel in Brands Hatch konnte Paffett zwar nicht einfahren, aber immerhin stand er am Sonntag als Zweitplatzierter auf Podium und ließ sich von den englischen Fans feiern. Durch den Sieg von Paul di Resta hatten die gleich doppelten Grund zur Freude.



Zum Jubeln war Paffet in Italien nicht zumute: Mit null Punkten reiste er vom Nachtspektakel an der Adria nach Hause und musste die Tabellenführung an seinen Mercedes-Kollegen di Resta abgeben. Im ersten Nachtrennen machte Paffett sein Teamkollege Edoardo Mortara einen Strich durch die Rechnung und kegelte den Meisterschaftsanwärter raus. Am darauf folgenden Tag war es erst der Regengott und dann Mercedes-Mann Daniel Juncadella, die das Rennen des Briten auf den Kopf stellten.

Zwei Wochen später ging es an den Nürburgring, der in den vergangenen Jahren eigentlich ein Mercedes-Pflaster waren. Doch gegen Rene Rast und seine in der Eifel startende Erfolgsserie war kein Kraut gewachsen. Paffett machte auch ein verpatzter Boxenstopp zu schaffen, der in wichtige Punkte im Meisterschaftskampf kostete. Der Audi-Mann Rast hingegen sammelte am drittletzten Wochenende der Saison 2018 beeindruckende 56 von 56 Punkten. Das hatte es in der DTM vorher noch nicht gegeben.

Paffett konnte di Resta die Führung in der Fahrerwertung wieder abknöpfen, aber der heraneilende Rast verkürzte den Rückstand auf das Mercedes-Duo an der Spitze kontinuierlich. Als bei Paffett auch am Red-Bull-Ring ging der Reifenwechsel schief ging musste er erneut Federn lassen, während Rast durch zwei weitere Siege weiter aufholte. Zu allem Überfluss setzte sich di Resta erneut an die Spitze der Tabelle und kam mit nur vier Punkten Vorsprung vor Paffett zum Saisonfinale nach Hockenheim.

Doch nach der beeindruckenden Aufholjagd des DTM-Champions von 2017 waren die beiden Mercedes-Piloten gewarnt und wähnten den Titelgewinn noch nicht in trockenen Tüchern. Als sich di Resta nach dem Samstagsrennen als Titelkandidat praktisch verabschiedete, hatte Paffett nur noch Rast als Gegner um den DTM-Titel 2018.

Und das Bangen hielt bis zum Fallen der Zielflagge am Sonntag an. Denn Rast gewann auch die beiden Rennen in Hockenheim und holte sechs Siege in Folge. Damit trug sich der Audi-Fahrer erneut in die Geschichtsbücher ein. Doch für die Titelverteidigung reichte es nicht: Nur vier Zähler fehlten Rast am Ende auf Paffett.

Für den Mercedes-Mann war das letzte Rennen des Jahres aber kein Zuckerschlecken, denn er musste bis zum Schluss um den Titelgewinn bangen. Aufgrund eines losen Rads am Mercedes #3 mussten die Stuttgarter einen Not-Boxenstopp einlegen um sicherzugehen, dass Paffett überhaupt ins Ziel kommt!



"Gary sagte, er fühle seltsame Vibrationen im Auto. Er sagte, er sei der Meinung, ein Rad sei lose", schildert Mercedes-DTM-Teamchef Ulrich Fritz hinterher. "Wir konnten das Risiko nicht eingehen und mussten ihn reinholen, bevor ein Plattfuß entsteht oder ein Rad wegfliegt. Deshalb haben wir den frühen Boxenstopp gemacht. Das war so überhaupt nicht geplant."

Nach dem Rennen und dem zweiten Titelgewinn seiner DTM-Karriere brach es aus Paffett heraus und er konnte seine Emotionen nicht zurückhalten. "Ja, es ist der schönste Tag meines Lebens - abgesehen von meinem Hochzeitstag", sagt der DTM-Champion 2018. "Es ist einfach nur ein unglaubliches Gefühl."

Er ließ seinen Tränen freien Lauf und erklärte: "Man denkt, man sei ein Mann und würde nicht weinen. Aber die Saison ist so hart. Es sind zehn Wochenenden mit 20 Rennen und harten Fights. Und dann steht man auch noch unglaublich unter Druck, weil da einer sechs Rennen in Folge gewinnt. Den Titel dann schließlich doch noch zu holen, das stimmt dich einfach emotional."

Noch emotionaler wurde es bei der Meisterfeier: Mercedes holte neben dem Titel in der Fahrermeisterschaft auch den Titel der Hersteller und Teams - und das im (vorerst) letzten DTM-Jahr! Auch da flossen die einen oder anderen Tränen: Tränen der Freude über den Titel und Abschiedstränen. "Die DTM werde ich sicherlich vermissen. Definitiv", sagt Paffett, der mit HWA in die Formel E wechselte und dort am vergangenen Wochenende sein erstes Rennen absolvierte.

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