Steiner über Ferrari: "Kann nur noch vorwärts gehen"

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Steiner über Ferrari: "Kann nur noch vorwärts gehen"

Beitrag von Redaktion » So Sep 06, 2020 3:25 pm

Wie Formel-1-Teamchef Günther Steiner vom Kundenteam Haas die Ferrari-Situation betrachtet und warum er glaubt, dass die Trendwende kommt

"Es gibt nichts mehr, weswegen man noch eine Panik schieben müsste", sagt Haas-Teamchef Günther Steiner. Denn inzwischen sei klar: Ferrari habe ein massives Problem mit dem Formel-1-Antrieb. Damit müsse man sich abfinden. Viel wichtiger sei aus seiner Sicht jedoch: "Es gibt nur eine mögliche Richtung, und zwar vorwärts. Dafür braucht es aber harte Arbeit."

Als Teamchef des Ferrari-Kundenteams Haas werde er jedenfalls alles dafür tun, um Ferrari dabei zu helfen, technische Fortschritte zu machen. "Es liegt zwar nicht in meinen Händen, aber wir müssen gemeinsam daran arbeiten. Ferrari hat uns in den vergangenen Jahren sehr gut behandelt und wir hatten gute Erfolge als ein neues Team. Jetzt müssen wir sie unterstützen, so gut wir nur können", sagt Steiner.

Kritik am Zulieferer sei erlaubt und notwendig, noch wichtiger aber seien "Ideen", so erklärt er. Denn auch sein Rennstall habe ein Interesse daran, möglichst rasch wieder konkurrenzfähig zu werden.



"Natürlich macht es keinen Spaß, in Q1 rauszufliegen. Deshalb machen wir das alles nicht", meint Steiner. "Du musst dich also irgendwie motivieren." Die gemeinsame Arbeit am Antrieb sei eine solche Motivation.

Ansonsten seien Haas derzeit die Hände gebunden. "[Antriebs-] Upgrades wird es dieses Jahr bekanntlich nicht geben", erklärt Steiner. "Das würde uns derzeit wohl auch nicht viel helfen. Wir haben aber sicherlich schon Fortschritte bei der Entwicklung gemacht."

Damit meint Steiner vor allem das Feintuning an der Rennstrecke, das Optimieren des vorhandenen Pakets am Haas VF-20. Kurzum: "Holen wir das Beste heraus, passt die Balance, sind die Fahrer happy? Das bedeutet Fortschritt für uns."



Tatsächlich habe Haas so zumindest kleinere Verbesserungen erzielt. Es seien "keine riesigen Sprünge", sagt Steiner. "Immerhin aber haben das Problem vom vergangenen Jahr nicht mehr, oder nicht mehr in dem Ausmaß."

2019 war Haas fortwährend von Schwierigkeiten mit den Reifen geplagt worden. Weil der VF-19 die Pneus nur schwer auf Temperatur brachte und im optimalen Temperaturfenster halten konnte, fielen die Haas-Fahrer im Rennen trotz gelegentlich guter Startpositionen meist hoffnungslos zurück. Ergebnis: die schlechteste Saison seit dem Formel-1-Einstieg 2016.

Und 2020 geht es bisher so weiter, und noch schlimmer: Aus sieben Rennen brachte Haas nur einen WM-Punkt mit, liegt einzig vor Williams in der Konstrukteurswertung, weil Williams noch gar kein Top-10-Ergebnis erzielt hat.



Es liege auch am Antrieb, dass bei Haas in diesem Jahr nicht viel zusammenlaufe, sagt Steiner. Und er versucht zu erklären, worin genau das Dilemma bei einem schwächeren Motor liegt: "Es kommt ganz darauf an, wie viel Abtrieb man fährt, und auf welcher Strecke."

"Und dazu kommt: Sobald man Abtrieb vom Auto nimmt, um auf den Geraden schneller zu werden, dann nimmt das die Reifen härter ran, weil man mehr rutscht. Dann überhitzt die Oberfläche der Reifen."

"Mit etwas mehr Abtrieb wäre es besser und man würde auch in den Kurven schneller fahren. Es ist aber nicht so, dass es da glasklare Zahlen gibt, die besagen, was passiert, wenn du zehn PS weniger hast. Es ist nicht linear."



Was Steiner damit wohl ausdrücken will: Der Nachteil durch den schwachen Ferrari-Antrieb ist erheblich, aber schwer zu beziffern, weil sich die äußeren Faktoren von Strecke zu Strecke erheblich unterscheiden können.

Wie Ferrari in den nächsten Wochen und Monaten den Unterschied machen kann? Das weiß Steiner nicht zu sagen. Er glaubt aber: Die Trendwende wird Maranello gelingen.

"Ich denke so, weil Ferrari vorher einen guten Antrieb hatte. Und wenn man bedenkt, wo andere vor ein paar Jahren standen, dann sieht man, wie schnell diese Leute aufgeholt haben. Das ist schon ziemlich beeindruckend", meint Steiner.



Er verweist auf Renault, die jahrelang gekämpft hätten, und auf Honda. "Die haben sogar bei null angefangen", sagt Steiner. "Man ist auf einen fahrenden Zug aufgesprungen. Sie waren nicht von Anfang an dabei, also war es schwieriger. Das muss man respektieren."

All das bringe ihn zu der Schlussfolgerung: "Das kann auch Ferrari schaffen. Wie? Das weiß ich nicht, weil ich nicht dort arbeite. Ich kriege nur immer eine Kiste mit einem Motor drin. Es sollte aber möglich sein. Und ich glaube daran."

Ferrari selbst habe es in der jüngeren Vergangenheit bereits bewiesen, erklärt Steiner und sagt: "2014 bei der Einführung der Hybridmotoren war Ferrari auch nicht stark, aber sie haben rasch aufgeholt. Daraus entstand ein sehr guter Motor. Darauf basiere ich meine Zuversicht."

"Ich hoffe und bin zuversichtlich, dass wir 2021 einen Fortschritt machen werden. Man kann ja nur ein [Antriebs-] Upgrade pro Jahr vornehmen. Ob es reicht, um aufzuschließen? Vielleicht nicht. Aber es bleibt ja noch ein weiteres Jahr. Und wir müssen uns auf 2022 vorbereiten. Hoffentlich macht es Ferrari genauso mit dem Motor."

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