Emerson Fittipaldi erinnert sich an Jochen Rindt: "Er hat mir sehr geholfen"

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Emerson Fittipaldi erinnert sich an Jochen Rindt: "Er hat mir sehr geholfen"

Beitrag von Redaktion » Sa Sep 05, 2020 7:16 am

Die brasilianische Rennlegende Emerson Fittipaldi erinnert sich an seinen ehemaligen Lotus-Teamkollegen Jochen Rindt, dem er zum WM-Titel 1970 verhalf

Heute vor exakt 50 Jahren kam Jochen Rindt im Training zum Grand Prix von Italien in Monza zu Tode. Sein Wegbegleiter Emerson Fittipaldi erinnert sich an den bis heute einzig posthum geehrten Formel-1-Weltmeister. "Er war immer sehr nett zu mir und hat mir sehr geholfen."

Die erste Begegnung der beiden Rennlegenden fand bereits vor Fittipaldis Formel-1-Tagen statt, an einem aufregenden Tag für den Brasilianer in Silverstone. Es war sein erster Test im Lotus 49. "Bei meinem ersten Formel-1-Test in Silverstone hat Colin [Chapman; Lotus-Gründer] Jochen gefragt, ob er nicht ein paar Runden fahren könnte, bevor ich in den Wagen steige."

Nach wenigen Runden kam der österreichische Rennfahrer mit deutschen Wurzeln an die Box und meinte: "Alles okay, Emerson kann jetzt rausfahren." Doch schon nach zehn Runden kam dieser zurück an die Box und beklagte sich über starkes Untersteuern.

"Jochen hat sich mit Colin meine Kommentare im Cockpit angehört. Ich habe nach mehr Frontflügel gefragt, aber Jochen winkte ab und verneinte. Er verriet mir, ich solle einfach mehr aufs Gas steigen. Dann würde auch das Untersteuern vergehen. Ich solle mir keine Sorgen machen", erinnert sich der heute 73-Jährige.

Und zu seiner Überraschung fuhr er in der darauffolgenden Runde "sehr viel schneller", schmunzelt Fittipaldi. "Jochen war so glücklich, er hat mir sogar die Boxentafel geschenkt! Ich konnte ihn an der Boxenmauer lachen sehen, als ich vorbeifuhr. Unglaublich!"

Im Schicksalsjahr 1970 durfte Fittipaldi an der Seite von Rindt beim Grand Prix von Großbritannien im Lotus 49C sein Debüt feiern. Nach drei Rennen wurde ihm ausgerechnet in Monza zum ersten Mal ein Lotus 72 anvertraut. "Der Lotus 72 war in Bezug auf das ungefederte Gewicht sehr fortschrittlich", erinnert sich der zweifache Weltmeister.

"Colin entwarf die innenliegenden Vorderradbremsen und die verursachten ihre eigenen Probleme, wie zum Beispiel zu viel Hitze im Inneren des Autos. Die Antriebswellen [auch die für die vorderen Bremsen] waren aus unterschiedlichen Materialien und benötigten unterschiedliche Temperaturen."

Und genau dieses Problem trat in Monza auf - "in meinem vierten Grand Prix und es war das Auto, das ich fahren sollte". Fittipaldi ist mit Rindts neuem Auto am Freitag verunfallt, daher fuhr der WM-Führende am Samstag mit dem Wagen des Brasilianers. "Es war jenes Auto, dass defekt war."

Die genaue Unfallursache des fatalen Crashs konnte nie restlos aufgeklärt werden. "Wir vermuteten, dass die Bremswelle brach, als er auf die Parabolica anbremsen wollte. Er bremste daher nur mit drei Rädern." Rindt krachte deshalb seitlich in die Mauer und konnte nur noch tot aus dem Wrack geborgen werden.

Um auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke noch mehr Tempo auf den Geraden zu erzeugen, kam Rindt kurz vor seinem tragischen Tod eine Idee: Er ließ die Flügel an seinem Wagen abmontieren, obwohl Teamkollege Jon Miles jenes Set-up als "unfahrbar" titulierte.

"Wenn das Auto kaputt geht, dann wird es sowieso passieren", meinte Rindt kurz vor seinem Tod in unserem Schwestermagazin 'Autosport'. "Es hat sehr wenig damit zu tun, ob man schnell fährt oder nicht, wenn man sich also einmal entschieden hat, im Auto zu sitzen, kann man genauso gut schnell fahren. Ich meine, es wird weder früher noch später kaputtgehen, weil man schnell oder langsam fährt."

Er hatte bereits fünf der zehn Rennen in jenem Jahr gewonnen und lag 45 Punkte vorne in der Weltmeisterschaft. Mit seinem Debütsieg in Watkins Glen verhinderte Fittipaldi, der Rindts Nummer-1-Status im Team nach dessen Tod einnahm, dass der Weltmeister Jacky Ickx und nicht Rindt hieß.

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