Zu viel Downforce: Stärke des W11 wird zu seiner Achillesferse

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Redaktion
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Zu viel Downforce: Stärke des W11 wird zu seiner Achillesferse

Beitrag von Redaktion » Mo Aug 10, 2020 7:34 am

Mercedes nimmt die erste Niederlage der Formel-1-Saison 2020 in Silverstone unter die Lupe: "Wir machen den Reifen platt", analysiert Toto Wolff

Auch nach der ersten Niederlage der Saison 2020 besteht kein Zweifel daran, dass der Mercedes F1 W11 EQ Performance das schnellste Auto im Feld ist. Aber: Ähnlich wie einige seiner silbernen Vorgängermodelle scheint auch der "schwarze Pfeil" ein "Reifenfresser" zu sein. Sonst hätten Lewis Hamilton und Valtteri Bottas Silverstone 2 nie und nimmer gegen Max Verstappen und Red Bull verloren.

Wer in der Formel 1 nach einfachen Erklärungen sucht, liegt meistens falsch. Das Grundprinzip, das hinter der ersten Mercedes-Niederlage steckt, scheint aber tatsächlich simpel zu sein: "Wenn man viel Downforce hat", erklärt Teamchef Toto Wolff im Interview mit 'Sky', "dann schreit der Reifen natürlich."

"Downforce ist im Regen und im Kalten richtig gut. Der Reifen kommt ins Betriebsfenster. Wenn es heiß ist, geht er über das Betriebsfenster hinaus. Das ist also gleichzeitig Segen und Fluch, dass wir bei den meisten Rennen richtig schnell sind und außer Konkurrenz fahren. Aber bei anderen Rennen, wo der Reifen der limitierende Faktor ist, machen wir den Reifen halt platt", sagt er.

Das war am Sonntag schön zu beobachten. Bereits in der sechsten Runde musste der Mercedes-Kommandostand seine Fahrer darauf hinweisen, die Reifentemperaturen im Auge zu behalten. Und als Hamilton und Bottas längst auf den zweiten Satz gewechselt hatten und damit schon wieder Probleme meldeten, funkte Verstappen, immer noch auf dem ersten Satz: "Alles bestens."



"Ich habe mir Max' Reifen nach Rennende angeschaut. Die sahen noch wie neu aus", staunt Bottas nicht schlecht. "Die von Lewis und mir waren hingegen komplett mit Blasen überzogen. Da gibt es also offensichtlich einen Unterschied. Woran das liegt, wissen wir noch nicht genau."

Das wirkt sich nicht nur auf die Frage aus, wie weit die Mercedes mit einem Reifensatz kommen. Sondern wenn die Lauffläche der Reifen zu überhitzen droht und sich erste Bläschen im Gummi bilden, muss man dem frühzeitig entgegensteuern, um die Reifen nicht komplett zu verlieren. Das heißt konkret: weniger Gas vor allem in den schnellen Kurven. Ein Performance-Killer.

"Je mehr Downforce du hast, desto mehr nimmst du die Reifen ran", wiederholt sich Wolff. "Jetzt müssen wir schauen, wie wir das Auto feintunen können, um die Reifen ein bisschen zu entlasten. Ich bin wirklich gespannt, wie wir damit in Barcelona zurechtkommen. Wir haben ein paar Tage Zeit, um das alles zu verstehen. Und es gibt nichts Schöneres als eine solche Herausforderung!"

Viel tun können die Mercedes-Ingenieure nicht, erklärt Andrew Shovlin: "Wir fliegen am Dienstag raus, fahren wieder am Freitag. Die Wettervorhersage steht bei über 30 Grad. Die Strecke wird ganz ähnlich sein: ein Hochenergie-Layout, viele schnelle Kurven. Uns ist schon klar: Wenn wir das nicht schnell hinbiegen, werden wir auch nächsten Sonntag dumm aus der Wäsche gucken."

Immerhin: "Wir werden die Autos jetzt in den Simulator stecken", kündigt Wolff für die kurze Pause bis Barcelona an. "Es gibt erste Meinungen, warum das alles so gelaufen ist. Ich bin sehr gespannt und aufgeregt, wie wir das dann am Freitag hinkriegen. Ich bin überzeugt, dass wir besser sein werden als heute."

Hamilton verlässt sich jedenfalls nicht darauf, in der grauen (Qualifying-)Theorie das schnellste Auto zu haben: "Vielleicht hätten wir Hard-Medium-Hard fahren können. Aber ich glaube, sie hätten trotzdem gewonnen. Obwohl wir versucht haben, die Reifen zu schonen, sahen sie wirklich übel aus. Am Red Bull konntest du hingegen gar nichts erkennen."



Der WM-Leader (30 Punkte Vorsprung auf Verstappen) fordert jetzt entschlossenes Handeln von seinem Team: "Zurück ans Zeichenbrett", sagt er - im Wissen: Was hilft dir das theoretisch schnellste Auto auf eine Runde, wenn du es dann im Rennen wegen des Reifenverschleißes nicht in Siege umsetzen kannst?

Silverstone hat die Schwächen des Mercedes gnadenlos aufgezeigt. Kurven wie Copse, Becketts oder Stowe verlangen den Pirelli-Reifen alles ab. Dass schon am ersten Silverstone-Wochenende an beiden Mercedes die Reifen platzten, war kein Zufall. Durch die um einen Grad härter vorsortierten Gummimischungen war das Problem da aber noch nicht vollumfänglich klar.

Aber jener Soft, der in Silverstone 1 als zu weich empfunden wurde, war in Silverstone 2 der Medium, mit dem ein ordentlicher Rennstint möglich sein musste. Shovlin gibt zu, dass man das Ausmaß unterschätzt haben könnte: "Am ersten Wochenende hatten wir eine Safety-Car-Phase. Daher fuhren wir die meiste Zeit auf dem Hard." Der stand am zweiten Wochenende gar nicht mehr zur Auswahl.

"Wir haben immer gesagt, dass die Tage, an denen wir verlieren, die Tage sind, wo wir am meisten gewinnen - und die Tage, die unsere Gegner fürchten sollten", philosophiert Wolff. "Der heutige Tag hat gezeigt, dass man demütig sein muss. Die Leute haben gesagt, dass die WM durch ist und Mercedes jedes Rennen gewinnen wird. Aber das tun wir nicht."

"Wir hatten schon früher Anzeichen dafür, dass unser relativer Vorsprung nicht mehr so groß ist, je heißer es wird", erklärt er. "Zu sagen, das ist so, wenn es heißer wird, wäre ein bisschen vereinfacht. Wir müssen anerkennen, dass der Red Bull ein sehr schnelles Auto ist, wenn sich gewisse Parameter wie Temperaturen, Reifenmischungen, Reifendrücke ändern. Das haben wir jetzt gesehen."

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Joshzi
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Re: Zu viel Downforce: Stärke des W11 wird zu seiner Achillesferse

Beitrag von Joshzi » Mo Aug 10, 2020 9:16 am

Das jetzt alles auf die Reifen zu schieben, das wäre falsch. Nur schon was die Taktik anbelangt, hat Mercedes ziemlich geschlafen, damit würde ich Valteri Bottas zustimmen. Ist nicht auch Ferrari, die sich ebenfalls über Aeroprobleme, mangelnden Anpressdruck, beklagen, bei Leclerc mit 1 Boxenstopp durchgekommen? Ich frag deshalb, weil es ja auch bei RedBull derartige Probleme zu geben scheint?
Ich hab in einem früheren Kommentar - damals spasseshalber - etwas in der Art gesagt, dass jetzt nur noch der italienische Reifenhersteller dem Mercedes ein Bein stellen könnte. Vielleicht sollte ich mich als Hellseher betätigen?
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Leberkaesbaron
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Re: Zu viel Downforce: Stärke des W11 wird zu seiner Achillesferse

Beitrag von Leberkaesbaron » Mo Aug 10, 2020 9:26 am

Wenn es so einfach wäre, das Reifenproblem bei MB zu lösen ...
Abtrieb rauszunehmen ist ja wohl die leichteste Übung, in Monza macht man das regelmässig. Ich vermute eher Kinematik und Gewichtsverteilung als Grund. Aber dann wird halt bissl gecruist und das reicht dann immer noch, um vorne mitzufahren und die WM zu gewinnen.
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frankW
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Re: Zu viel Downforce: Stärke des W11 wird zu seiner Achillesferse

Beitrag von frankW » Mo Aug 10, 2020 10:14 am

Leberkaesbaron hat geschrieben:
Mo Aug 10, 2020 9:26 am
Abtrieb rauszunehmen ist ja wohl die leichteste Übung, in Monza macht man das regelmässig.
Klar macht man das in Monza, da geht es aber weitgehend nur geradeaus plus schnelle Kurven.

Micha_r1
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Re: Zu viel Downforce: Stärke des W11 wird zu seiner Achillesferse

Beitrag von Micha_r1 » Mo Aug 10, 2020 11:27 am

Vielleicht mal bei den Fahrern Anfangen die sind in erster Linie für das Reifenmanagement zuständig.
Ich mein wieso passiert dies, weil die Reifenoberfläche zu heiß wird. Das wiederum passiert wenn ich zu wenig Traktion habe und man viel rutscht und somit durchs rutschen die Reifentemperatur nicht mehr im Griff hat was ja im Fall Merc nicht sein kann. Man hat ja laut Wolff zu viel downforce. Müsste man hier dann nicht die Kurvengeschwindigkeit ein Stück reduzieren? Evt ist auch die Art und Weise wie man die Kurven fährt zu aggressiv? Aber hier jetzt ein Fass aufzumachen ist glaub ich lächerlich der Merc bleibt mit Abstand das schnellste Auto.

gth12
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Re: Zu viel Downforce: Stärke des W11 wird zu seiner Achillesferse

Beitrag von gth12 » Mo Aug 10, 2020 2:23 pm

Micha_r1 hat geschrieben:
Mo Aug 10, 2020 11:27 am
Aber hier jetzt ein Fass aufzumachen ist glaub ich lächerlich der Merc bleibt mit Abstand das schnellste Auto.
Also zunächst mal: Genau das ist der Punkt, den Hamilton anspricht: Ja, der Mercedes ist das schnellste Auto. Bringt dir aber nicht viel, wenn du zwar auf der Stecke super schnell bist, dafür 4x an die Box musst um Reifen zu wechseln.

Davon ganz abgesehen: Du bist hier offensichtlich an dem Punkt angelangt, für den man Mercedes den größten Respekt erweisen sollte: Dieses unermüdliche "den Dingen auf den Grund gehen", herausfinden warum man das Rennen nicht gewinnen konnte und sich kontinuierlich verbessern - nicht (wie hat das Vettel mal genannt ...) "die Eier in den Pool hängen" sondern immer weiter pushen. Genau DAS ist das Mindset, welches Mercedes so erfolgreich macht, das ist ihr Erfolgsgeheimnis.

Nutcase
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Re: Zu viel Downforce: Stärke des W11 wird zu seiner Achillesferse

Beitrag von Nutcase » Mo Aug 10, 2020 2:27 pm

Den Mercedes jetzt zum notorischen Reifenfresser zu erklären, halte ich für etwas übertrieben. Insbesondere Hamilton zeigt immer wieder, wie er am Ende eines Stints noch Fabelzeiten aus einem Uralt-Reifen kitzeln kann. Das wäre mit einem waschechten Reifenfresser nicht möglich. Der Mercedes ist eher das Gegenteil. Das Team hat die Reifen richtig gut im Griff. In Silverstone haben sie es halt ausnahmsweise mal verbockt.

Cave
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Re: Zu viel Downforce: Stärke des W11 wird zu seiner Achillesferse

Beitrag von Cave » Mo Aug 10, 2020 2:53 pm

Micha_r1 hat geschrieben:
Mo Aug 10, 2020 11:27 am
Vielleicht mal bei den Fahrern Anfangen die sind in erster Linie für das Reifenmanagement zuständig.
Ich mein wieso passiert dies, weil die Reifenoberfläche zu heiß wird. Das wiederum passiert wenn ich zu wenig Traktion habe und man viel rutscht und somit durchs rutschen die Reifentemperatur nicht mehr im Griff hat was ja im Fall Merc nicht sein kann. Man hat ja laut Wolff zu viel downforce. Müsste man hier dann nicht die Kurvengeschwindigkeit ein Stück reduzieren? Evt ist auch die Art und Weise wie man die Kurven fährt zu aggressiv? Aber hier jetzt ein Fass aufzumachen ist glaub ich lächerlich der Merc bleibt mit Abstand das schnellste Auto.
Augenscheinlich haben die mercedes ja in beiden silverstone rennen ca 1s/runde rausgenommen damit die reifen irgendwie am leben bleiben. Man hat ja schön gesehen dass bottas im 3. Stint nicht mal wirklich schneller konnte wie hamilton mit den um vieles älteren reifen. Irgendwie müssen sich da die reifen relativ zügig auf einem niedrigen niveau eingependelt haben.

Glaub 2011 oder 2012 hatten wir ja ein ähnliches phänomen als red bull zurück gebaut hat um die reifen nicht zu überfordern.

Cave
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Re: Zu viel Downforce: Stärke des W11 wird zu seiner Achillesferse

Beitrag von Cave » Mo Aug 10, 2020 2:55 pm

Nutcase hat geschrieben:
Mo Aug 10, 2020 2:27 pm
Den Mercedes jetzt zum notorischen Reifenfresser zu erklären, halte ich für etwas übertrieben. Insbesondere Hamilton zeigt immer wieder, wie er am Ende eines Stints noch Fabelzeiten aus einem Uralt-Reifen kitzeln kann. Das wäre mit einem waschechten Reifenfresser nicht möglich. Der Mercedes ist eher das Gegenteil. Das Team hat die Reifen richtig gut im Griff. In Silverstone haben sie es halt ausnahmsweise mal verbockt.
Na ja. Im gegensatz zu den meisten anderen autos konnte sich hamilton eigentlich immer ein ganzes rennen lang um die reifen kümmern und sich perfekt auf diese eine schnelle runde vorbereiten

Micha_r1
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Re: Zu viel Downforce: Stärke des W11 wird zu seiner Achillesferse

Beitrag von Micha_r1 » Mo Aug 10, 2020 3:06 pm

gth12 hat geschrieben:
Mo Aug 10, 2020 2:23 pm
Also zunächst mal: Genau das ist der Punkt, den Hamilton anspricht: Ja, der Mercedes ist das schnellste Auto. Bringt dir aber nicht viel, wenn du zwar auf der Stecke super schnell bist, dafür 4x an die Box musst um Reifen zu wechseln.

Davon ganz abgesehen: Du bist hier offensichtlich an dem Punkt angelangt, für den man Mercedes den größten Respekt erweisen sollte: Dieses unermüdliche "den Dingen auf den Grund gehen", herausfinden warum man das Rennen nicht gewinnen konnte und sich kontinuierlich verbessern - nicht (wie hat das Vettel mal genannt ...) "die Eier in den Pool hängen" sondern immer weiter pushen. Genau DAS ist das Mindset, welches Mercedes so erfolgreich macht, das ist ihr Erfolgsgeheimnis.
Also wenn du andere Beiträge von mir kennst weisst du das ich diesen Respekt schon öfters zum Ausdruck gebracht habe.

Zudem ist der Prozess des hinterfragen ein ganz normaler im Motorsport und das egal ob das Ergebnis positiv o negativ war.
Dieser Vorgang war zu meinen aktiven Zeiten ein ganz normaler. Dann kommt hinzu das man Daten von letzter Woche hatte. Mann kann Longruns in den FT simulieren. Man hätte versuchen können was passiert, wenn die Fahrer ihren Fahrstil ändern.
Zuletzt ist es auch immer ein Thema des Fahrers wie er mit seinen Reifen umgeht.

Aber wie auch immer Ver hat es sich verdient top Leistung sehr gutes Reifenmanagement und eine gute Strategie von RB.

Micha_r1
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Re: Zu viel Downforce: Stärke des W11 wird zu seiner Achillesferse

Beitrag von Micha_r1 » Mo Aug 10, 2020 3:25 pm

Cave hat geschrieben:
Mo Aug 10, 2020 2:53 pm
Augenscheinlich haben die mercedes ja in beiden silverstone rennen ca 1s/runde rausgenommen damit die reifen irgendwie am leben bleiben. Man hat ja schön gesehen dass bottas im 3. Stint nicht mal wirklich schneller konnte wie hamilton mit den um vieles älteren reifen. Irgendwie müssen sich da die reifen relativ zügig auf einem niedrigen niveau eingependelt haben.

Glaub 2011 oder 2012 hatten wir ja ein ähnliches phänomen als red bull zurück gebaut hat um die reifen nicht zu überfordern.

Ja im Enddefekt glaube ich, das, dass Reifenproblem in dieser Ausprägung nur ein Thema von Silverstone bleiben wird. Es gibt hier mit Sicherheit Lösungen die Merc auch schon wissen wird. Oder eben mit Pirelli zusammen lösen kann. Wie ich schon vorgehalten bekommen habe, weiß ich sehr wohl um die Stärke von Merc und auch das diese mit Sicherheit die Lösung für das "Problem" finden werden.

Nutcase
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Re: Zu viel Downforce: Stärke des W11 wird zu seiner Achillesferse

Beitrag von Nutcase » Di Aug 11, 2020 2:56 pm

Cave hat geschrieben:
Mo Aug 10, 2020 2:55 pm
Na ja. Im gegensatz zu den meisten anderen autos konnte sich hamilton eigentlich immer ein ganzes rennen lang um die reifen kümmern und sich perfekt auf diese eine schnelle runde vorbereiten
Ganz so simpel ist es auch nicht. Das komplette Feld tut doch den größten Teil des Rennens über nichts anderes, als die Reifen zu schonen. Selbst wenn sie im Zweikampf sind, kommt nur alle paar Runden ein ernstgemeinter Angriff, während man dann wieder ein paar Runden die Reifen beruhigt.
Die Belastung der Reifen kommt von der tatsächlichen Kurveneschwindigkeit/Power auf der Hinterachse. Das Mercedes noch viel schneller könnte, spielt dabei keine Rolle. Was hingegen eine Rolle spielt ist, dass Mercedes schneller als andere fahren und dabei noch die Reifen schonen kann.

Doofes Beispiel: Wenn Ferrari morgen mit einem 2000 PS-Motor und einem Aeropaket das dich mit 450 Sachen durch Eau Rouge fahren lässt daherkommt, dann werden sie nicht zum Reifenschoner, wenn sie bloß 1000 PS freigeben und sich in Eau Rouge mit 320 km/h begnügen. Das einzige was sie damit erreichen ist, dass bei ihnen vergleichbare Kräfte auf die Reifen wirken, wie auch bei anderen Teams.

Wir haben in den letzten Jahren desöfteren gesehen, dass Mercedes am Ende eines Stints das Tempo von Red Bull oder Ferrari auf frischen Reifen gehen konnte. Und Red Bull und Ferrari steckten da nicht in Zweikämpfen oder dem Verkehr, sondern fuhren ein ähnlich einsames Rennen wie Mercedes - nur eben auf den Plätzen 3 bis 6.
Mercedes liebt diese Reifen einfach. Aus irgendeinem Grund haben die ein besseres Verständnis für die aktuellen Pirellis und haben ihr Auto perfekt daran angepasst. Was ihr Auto mit den Gummis anstellt, wenn dieses Verständnis durch irgendetwas gestört wird (wie eben dem Reifendruck), haben wir nun in Silverstone gesehen.

Micha_r1
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Re: Zu viel Downforce: Stärke des W11 wird zu seiner Achillesferse

Beitrag von Micha_r1 » Di Aug 11, 2020 4:29 pm

Nutcase hat geschrieben:
Di Aug 11, 2020 2:56 pm
Ganz so simpel ist es auch nicht. Das komplette Feld tut doch den größten Teil des Rennens über nichts anderes, als die Reifen zu schonen. Selbst wenn sie im Zweikampf sind, kommt nur alle paar Runden ein ernstgemeinter Angriff, während man dann wieder ein paar Runden die Reifen beruhigt.
Die Belastung der Reifen kommt von der tatsächlichen Kurveneschwindigkeit/Power auf der Hinterachse. Das Mercedes noch viel schneller könnte, spielt dabei keine Rolle. Was hingegen eine Rolle spielt ist, dass Mercedes schneller als andere fahren und dabei noch die Reifen schonen kann.

Doofes Beispiel: Wenn Ferrari morgen mit einem 2000 PS-Motor und einem Aeropaket das dich mit 450 Sachen durch Eau Rouge fahren lässt daherkommt, dann werden sie nicht zum Reifenschoner, wenn sie bloß 1000 PS freigeben und sich in Eau Rouge mit 320 km/h begnügen. Das einzige was sie damit erreichen ist, dass bei ihnen vergleichbare Kräfte auf die Reifen wirken, wie auch bei anderen Teams.

Wir haben in den letzten Jahren desöfteren gesehen, dass Mercedes am Ende eines Stints das Tempo von Red Bull oder Ferrari auf frischen Reifen gehen konnte. Und Red Bull und Ferrari steckten da nicht in Zweikämpfen oder dem Verkehr, sondern fuhren ein ähnlich einsames Rennen wie Mercedes - nur eben auf den Plätzen 3 bis 6.
Mercedes liebt diese Reifen einfach. Aus irgendeinem Grund haben die ein besseres Verständnis für die aktuellen Pirellis und haben ihr Auto perfekt daran angepasst. Was ihr Auto mit den Gummis anstellt, wenn dieses Verständnis durch irgendetwas gestört wird (wie eben dem Reifendruck), haben wir nun in Silverstone gesehen.
Der Reifendruck wurde doch aber zum zweiten Rennen verändert, oder habe ich da was falsch verstanden ?
Und die Probleme waren bei beiden Rennen gegeben. Ich denke aber auch das, dass eine einmalige Angelegenheit.
Ansonsten muss man sich eben bei den Fahrern auf ein anderes Reifenmanagement verständigen.

Nutcase
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Re: Zu viel Downforce: Stärke des W11 wird zu seiner Achillesferse

Beitrag von Nutcase » Di Aug 11, 2020 6:35 pm

Micha_r1 hat geschrieben:
Di Aug 11, 2020 4:29 pm
Der Reifendruck wurde doch aber zum zweiten Rennen verändert, oder habe ich da was falsch verstanden ?
Und die Probleme waren bei beiden Rennen gegeben. Ich denke aber auch das, dass eine einmalige Angelegenheit.
Ansonsten muss man sich eben bei den Fahrern auf ein anderes Reifenmanagement verständigen.
Im ersten Rennen würde ich die Probleme allerdings nicht wirklich als Probleme bezeichnen. Da ist Mercedes noch immer (völlig kontrolliert!) schneller als alle anderen gefahren. Da hätten sie auch noch gut Speed rausnehmen können. Zudem hatten dort mehrere Teams das gleiche Problem, das lag also nicht an Mercedes. Hamilton hielt seine Reifen ja selbst dann noch für völlig in Ordnung, als ihm vorne links das Ding von der Felge flog.

Was wir an diesem Wochenende gesehen haben, war ein Reifen der sich nach wenigen Runden in seine Bestandteile auflöste. Völlig anderes Problem (vorne links war der Reifen, der am wenigsten gelitten hat :lol: ). Das war bei keinem anderen Team so extrem, sondern ein reines Mercedes-Problem. Und das lag nicht daran, dass Mercedes einfach mal Vollgas gegeben hat. Sie fuhren langsamer als Red Bull, um die Reifen irgendwie zu retten! Hinten links war der innere Teil des Reifens komplett abgefahren, während er außen noch wie nagelneu ausgesehen hat. Das war schon absurd. Da hat Mercedes irgendwas am Setup verbockt/am Reifen nicht mehr verstanden. Zu viel Schlupf oder so, keine Ahnnung... Irgendwas, dass die Hinterreifen an der Oberfläche massiv überhitzt. Die haben die Power nicht auf die Straße gebracht. Ist halt schon arg seltsam, wenn der härteste Reifen schon nach 10 Runden fertig aussieht.

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