Was der Wechsel von Sainz für die F1-Junioren von Ferrari bedeutet

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Redaktion
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Was der Wechsel von Sainz für die F1-Junioren von Ferrari bedeutet

Beitrag von Redaktion » So Jun 28, 2020 12:30 pm

Der Ferrari-Fahrerakademie mangelt es nicht an Talenten, wohl aber an Cockpits, wenn es darum geht, den Talenten den Aufstieg in die Formel 1 zu ermöglichen

Sebastian Vettels Weggang von Ferrari, die Verpflichtung von Carlos Sainz als Ersatz und der Wechsel von Daniel Ricciardo zu McLaren haben dafür gesorgt, dass die Startaufstellung zu Beginn der nächsten Formel-1-Saison deutlich anders aussehen wird.

Das hat nicht nur Auswirkungen auf eine Reihe von aktuellen Piloten, sondern auch auf den Nachwuchs, insbesondere den der Ferrari-Fahrerakademie. Fünf ihrer Mitglieder werden in diesem Jahr in der Formel 2 antreten und sie hoffen alle, dem Vorbild erfolgreicher Absolventen wie Charles Leclerc zu folgen.

Die Beziehung zwischen Ferrari und Alfa Romeo hat für die Junioren den Weg in die Formel 1 geebnet - etwas, das vor der Umbenennung des Sauber-Teams 2018 fehlte. Leclerc erhielt in jenem Jahr die Chance, sein Formel-1-Debüt zu geben. Antonio Giovinazzi - Ferrari-Junior, aber nicht Teil der Akademie - folgte 2019.



Vor zwei Jahren schien das Ziel der Akademie darin zu bestehen, einen langfristigen Ersatz für Kimi Räikkönen bei Ferrari zu finden. Dies wurde mit seinem Ausscheiden und der Ernennung von Leclerc erfüllt, der ihn im vergangenen Jahr beerbte.

Das bedeutete auch, dass sich die Aufmerksamkeit in Nachwuchsfragen auf Vettel verlagerte. Als Ferrari nach dem nächsten jungen Superstar suchte, dann gewiss als möglichen Ersatz für den Deutschen. Hätte er einen neuen Vertrag unterzeichnet, hätte Ferrari die Zeit gehabt, einen seiner Junioren auf den Aufstieg vorzubereiten.

Aber der Abgang von Vettel scheint das Bild für Ferraris Junioren komplizierter gemacht zu haben. Den freien Platz neben Leclerc wird mit Sainz ein erfahrener Formel-1-Pilot ausfüllen, dabei ist er tatsächlich ein Jahr jünger als etwa Giovinazzi.



Zusammen mit Leclerc bildet er in der kommenden Saison die jüngste Fahrerpaarung von Ferrari seit 50 Jahren. Wenn Sainz sich gut einlebt und sich eine Verlängerung über seinen ursprünglichen Zweijahresvertrag hinaus verdient, werden die Chancen für die Junioren begrenzt sein. Leclerc hat bis einschließlich 2024 unterschrieben.

Doch Ferrari hatte keine andere Wahl, als bei der Ablösung von Vettel über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. Der einzige Fahrer mit Formel-1-Rennerfahrung war Giovinazzi, der selbst zugab, dass es zu früh gewesen wäre, nach seinem ersten Jahr bei Alfa Romeo bereits den Sprung zu Ferrari zu wagen.

Die Scuderia hat in den vergangenen fünf Jahren mit Ausnahme von Leclerc einen Mangel an wirklich herausragenden Junioren erlebt. Dafür hat der Fokus auf Nachwuchskategorien nun zu einem plötzlichen Talentüberschuss in der Formel 2 geführt.



In der diesjährigen Saison wird es darum gehen, eine echte Hackordnung im Ferrari-Nachwuchssystem zu definieren. Jeder Titelgewinner wird Giovinazzi wegen des Ferrari-Sitzes bei Alfa Romeo sicherlich unter Druck setzen und könnte sogar Haas wegen seiner Verbindungen nach Maranello auf sich aufmerksam machen.

Der Druck liegt weitgehend auf Schumi-Sohn Mick Schumacher. Sein Name und seine Geschichte lassen ihn für ein Cockpit in der Formel 1 als geradezu prädestiniert erscheinen. Die ersten Schritte dorthin wurden im vergangenen Jahr mit Tests sowohl für Ferrari als auch für Alfa Romeo in Abu Dhabi (Bahrain) unternommen.

Seine erste Formel-2-Saison war allerdings wenig überzeugend. Schumacher wurde in der Meisterschaft von gleich drei Rookies geschlagen: Guanyu Zhou, dem verstorbenen Anthoine Hubert und seinem Ferrari-Nachwuchskollegen Callum Ilott.



Wie Schumacher und Ilott wird auch Ferrari-Junior Giuliano Alesi seine Erfahrung nutzen wollen, um in seiner zweiten Saison die Bedrohung durch die neuen Formel-2-Rookies abzuwehren. Robert Schwartzman und Marcus Armstrong schafften beide den Aufstieg, nachdem sie im vergangenen Jahr in der Formel 3 mitwirkten.

Schwartzman wird nicht nur Schumachers Teamkollege bei Prema Racing. Die beiden waren zuvor auch schon Teamkollegen in der europäischen Formel 3, wobei Schwartzman in der Gesamtwertung den dritten Platz belegte, als Schumacher den Titel gewann. Im vergangenen Jahr schlugen die Nachwuchspiloten verschiedene Wege ein.

Denn während Schumacher aufstieg, blieb Schwartzman auf Formel-3-Niveau und wechselte in die neue FIA-Serie, die die GP3 ersetzte, um dort den Titel zu holen. Wenn jemand aktuell so aussieht, als könnte er in Leclercs Fußstapfen treten, dann Schwartzman.



Ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Schumacher im selben Team ist für Ferrari eine ideale Möglichkeit, um zu sehen, wer aus dem Duo am besten geeignet sein könnte, in naher Zukunft in die Formel 1 zu wechseln. Ein Wörtchen mitreden will dabei aber auch Marcus Armstrong, der im vergangenen Formel-3-Vizemeister wurde.

Armstrong hat sich mit dem Team von ART Grand Prix, das Nyck de Vries zum Titel 2019 führte, einen Spitzenplatz in der Formel 2 erkämpft und wird auch in seinem Rookie-Jahr die Hoffnung auf eine Titelherausforderung hegen. Aber sollte einer von ihnen den Titel holen, wird das reichen, einen Formel-1-Sitz für 2021 zu ergattern?

Vieles davon wird von Giovinazzis Saison bei Alfa Romeo abhängen. Er hat gegen Ende des Jahres sicherlich einen Aufschwung erlebt und sich Teamkollege Räikkönen angenähert, muss dies aber in der bevorstehenden verkürzten Saison beibehalten.



Das letzte Ausnahmetalent von Ferrari vor Leclerc war Jules Bianchi. Er hatte nicht nur den Vorteil, in mehr hochkarätigen Nachwuchskategorien wie der GP2 und der Formel Renault 2.5 fahren zu können, sondern auch den Vorteil eines größeren Formel-1-Starterfeldes, was seinen Wechsel zu Marussia im Jahr 2013 ermöglichte.

Mit weniger Formel-1-Plätzen und weniger wirklich interessanten Serien bietet sich nun ein schwierigeres Bild. Ein Leclerc-ähnlicher Aufstieg für einen der Formel-2-Piloten scheint derzeit unwahrscheinlich. Es besteht nicht mehr die gleiche Dringlichkeit, einen Ersatz für ein alterndes Fahreraufgebot zu finden wie vor zwei Jahren.

Aber Ferrari könnte es als ein längerfristiges Projekt betrachten. Als Chance, einem seiner Junioren die Zeit zu geben, seine Erfahrung und sein Fahrkönnen auszubauen, falls er den Schritt in die Formel 1 wagt, und Alfa Romeo parallel weiter nach vorn zu bringen.

Die Ankunft von Sainz ist sicherlich ein Schlag für die Ferrari-Junioren, die Pläne hatten, Vettel zu ersetzen, aber sie haben noch Zeit. Die Herausforderung für sie wird darin bestehen, im richtigen Moment den Höhepunkt zu erreichen - so wie Sainz es tat, um sich seinen Traumwechsel nach Maranello zu sichern.

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Psypt_aSnat
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Re: Was der Wechsel von Sainz für die F1-Junioren von Ferrari bedeutet

Beitrag von Psypt_aSnat » Mi Jul 01, 2020 3:32 pm

Das bei Ferrari zumindest für erst mal zwei Saisons nach dieser, kein Platz für die Junioren ist, das ist erstmal klar.
Aber durch die Verbindung zu Alfa Romeo ist für die Junioren schon ein Platz oder gar zwei potentielle Plätze bei eben Alfa Romeo grundsätzlich möglich.
Denn: Wie lange macht denn bitte unser lieber Kimi noch???
Selbst der wird ja vermutlich nicht ewig fahren und irgendwann, ggf schon nach dieser Saison (dann läuft doch auch sein Vertrag aus, wenn ich mich nicht irre...???), den F1 Helm an den Nagel hängen.
Sollte Giovinazzi weiterhin nur so mittelmäßig oder gar schlechter fahren, könnte es also sein, dass für 2021 oder 2022 zwei Cockpits bei Alfa Romeo für die Ferrari Junioren greifbar wären.
Da müssen im Prinzip die Ferrari Junioren drauf warten, sich dann bei Alfa beweisen und auf schlechte Leistungen von Leclerc oder Sainz hoffen, um diese zu ersetzen.

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