Formel-1-Technik: Wozu ein "Gurney-Flap" am Frontflügel gut

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Redaktion
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Formel-1-Technik: Wozu ein "Gurney-Flap" am Frontflügel gut

Beitrag von Redaktion » Sa Apr 06, 2019 12:36 pm

Die FIA verbot ab dem Großen Preis von Bahrain 2019 das Abmontieren des "Gurney-Flaps" am Frontflügel, aber was bewirkt die Abrisskante eigentlich?

Clevere Formel-1-Teams sollen beim Großen Preis von Australien die aerodynamische Balance ihrer Fahrzeuge stark verändert haben, indem sie nach dem Qualifying unter Parc-Ferme-Bedingungen den sogenannten "Gurney-Flap" vom Frontflügel abmontiert und an einer anderen Stelle des Fahrzeugs wieder angebracht haben. Die FIA kann einen solchen Vorfall bislang nicht bestätigen, geht jetzt aber gegen solche Maßnahmen vor. Der Kniff ist ab sofort verboten.

Was aber würde ein solcher Schritt überhaupt bringen? Bekannt ist, dass ein "Gurney-Flap" am Heckflügel für zusätzlichen Anpressdruck sorgt. Der Flap ist nach dem US-amerikanischen Rennfahrer Dan Gurney benannt, der den Kniff am Heckflügel erstmals im Jahr 1971 bei IndyCar-Testfahrten ausprobiert hat. Seit Jahrzehnten ist die Abrisskante am Heckflügel ein probates Mittel im Motorsport, um Anpressdruck zu einem vergleichsweise geringen Preis beim Luftwiderstand zu erzeugen.

Natürlich sorgt ein "Gurney-Flap" auch am Frontflügel für mehr Anpressdruck. Seine Hauptaufgabe in der modernen Formel 1 ist die Beeinflussung des Luftstroms hin zu den Vorderreifen und dem aerodynamisch anspruchsvollen Barge-Board-Bereich. An seiner Kante bildet sich ein Wirbel heraus, der den Druckunterschied an den beiden Seiten des Hauptflügelblatts verstärkt. Das sorgt für mehr Anpressdruck.

Hinter dem Flügel bilden sich zwei Wirbel, die den vom Flügel geteilten Luftstrom zusammenführen und so geglättet zum Rest des Autos leiten. Bildlich gesprochen sorgt ein "Gurney-Flap" für denselben Effekt wie ein steiler angestellter Frontflügel, hat aber dabei einen geringeren Luftwiderstand.

Mittels der "Gurney-Flaps" kann ein Fahrer auf mehr Abtrieb auf einer "Alles-oder-nichts"-Runde im Qualifying zurückgreifen. Das Fahrzeug lenkt williger ein und reagiert generell knackiger auf Bewegungen am Lenkrad.

Die "Gurney-Flaps" nach dem Qualifying zu entfernen, kann eine aerodynamische Schieflage im Rennen ausgleichen. Ein wenig Abtrieb an der Vorderachse zu entfernen, kann dabei helfen, den Reifenverschleiß zu verringern, was im Rennen im Gegensatz zum Qualifying gewünscht ist.

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2CV
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Re: Formel-1-Technik: Wozu ein "Gurney-Flap" am Frontflügel gut

Beitrag von 2CV » Sa Apr 06, 2019 2:05 pm

Unbestätigten Berichten zufolge handelt es sich hierbei nicht um das Mercedesteam, denn bei Mercedes, um die Worte Tombazzis zur Felgenangelegenheit zu benutzen,
Redaktion hat geschrieben:
Di Mär 26, 2019 6:24 pm
wollte die FIA kein "Diktator" sein und die kontroversen Felgenlösungen von Mercedes nicht verbieten [welche Red Bull zuvor verboten worden war; Anmrk.2CV], wie der Technikverantwortliche Nikolas Tombazis gegenüber 'Motorsport-Total.com' nun zugibt. Original-News aufrufen
. Da hätte man, so unbestätigte Gerüchte aus Wien, selbstverständlich eine aufgeschlossenere Interpretation der Regularien gepflegt:
Redaktion hat geschrieben:
So Mär 31, 2019 2:17 pm
Unter den Parc-Ferme-Bedingungen zwischen Qualifying und Rennen erlauben die Regeln Veränderungen am Frontflügel. In Artikel 34.2 Absatz n) heißt es im Sportlichen Reglement der Formel 1: "Der aerodynamische Teil des Frontflügels darf verändert werden, solange die bestehenden Teile verwendet werden. Keinerlei Teile dürfen hinzugefügt, entfernt oder ersetzt werden." Einige Teams sind nun hingegangen und haben den Gurney Flap, der am obersten Element des Frontflügels angebracht ist, vom Frontflügel abgebaut und an einem völlig anderen Ort des Fahrzeugs wieder angeschraubt. Die bisherige Formulierung der Regeln hat einen solchen Schritt nicht ausdrücklich verboten. So konnten die Teams die aerodynamische Balance des Fahrzeugs zwischen Qualifying und Rennen stärker verändern als bei einer konservativen Auslegung der Regularien. Das kann insbesondere beim Reifenschonen im Rennen helfen, wenn man das Fahrzeug auf mehr Untersteuern trimmt und so die anfälligen Hinterreifen schont.

[...] In Bahrain wurden die Teams mittels einer Technischen Direktive darauf aufmerksam gemacht, dass ein Abbau der Teile am Flügel, um sie an einem anderen Teil des Fahrzeugs wieder anzubringen, als Bruch der Parc-Ferme-Regeln ausgelegt werde. Ab sofort wird dieser Schritt als eine Veränderung der Spezifikation des Frontflügels gewertet, was einen Start aus der Boxengasse zur Folge hätte.
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Gurney Flaps am Frontflügel wurden laut mst bisher bei Sauber-Alfa, Red Bull und Renault gesichtet; bei denen kann&will FIA diktatorisch sein.
Halo ist nicht Sicherheits- od.Schönheits-,sondern Prinzipfrage: F1 sind offene Monoposti, der einzigartige Mix v.Mopped&Auto: Ungefährlicher als Mopped, gefährlicher als Auto; wem's zu gefährlich ist, ab zu Sport-&Tourenwagen. Nein zu Halo i.d.F1

Marcha
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Re: Formel-1-Technik: Wozu ein "Gurney-Flap" am Frontflügel gut

Beitrag von Marcha » Sa Apr 06, 2019 5:23 pm

Naja ,so schwer wird das nicht sein einen Fluegel zu bauen in den man einen abgebauten Gurney reinstecken kann ohne dass er uebersteht... :schumi: dazu muss man nicht Adrian heissen... :mrgreen:
Wenn jemand bei Sauber eine Skizze benoetigt ,was ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen kann gerne melden 😉

Die Beschriebene Anwendung des Gurneys zielt darauf ab , ihn nach dem Training zu entfernen, um die Balance so hinzutrimmen wie man sie braucht .Es handelt sich hier aber um eine Vorgehensweise die dem sportlichen Regularien geschuldet ist ! Der Anstellwinkel darf naemlich nach dem Qualy nicht mehr geaendert werden!
Frueher wurden die Autos nach dem Qualy komplett umgebaut ....

Ein Gurney bietet sich normalerweise an wenn man den Fluegel steiler anstellen moechte ,weil man mehr downforce braucht ,aber bei dem gewuenschten Anstellwinkel bereits mit stroemungsabloesung an der fluegelunterseite kaempft ,der Gurney hilft dabei das zu verhindern , dh ein Gurney erweitert den Bereich an Anstellwinkeln in dem der Fluegel effizient arbeitet...

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