1976: Ein Japan-Grand-Prix für die Ewigkeit

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Redaktion
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1976: Ein Japan-Grand-Prix für die Ewigkeit

Beitrag von Redaktion » Di Okt 02, 2018 8:12 am

Die wahre Story über Fuji 1976: Warum James Hunt nur dank eines gebrochenen Pakts mit Niki Lauda die WM holte und wie man Ferrari mit Psychotricks entnervte

Niki Laudas mutige Entscheidung, 1976 in Fuji im strömenden Regen den WM-Titel aufzugeben und aus Sicherheitsgründen auszusteigen, brachte ihm enormen Respekt ein - und bewegte 2012 im Kinofilm "Rush" das weltweite Kinopublikum. Während Regisseur Ron Howard auf ein Hollywood-Drehbuch setzte, erzählen wir hier die wahren Hintergründe, wieso der Ferrari-Pilot nicht ganz drei Monate nach seinem Nürburgring-Feuerunfall seinem Rivalen James Hunt kampflos den Titel überließ.

Eigentlich wollte Niki Lauda dieses Szenario unbedingt vermeiden: Der Österreicher muss sich mit einem auf drei WM-Punkte geschrumpften Vorsprung beim ersten Japan-Grand-Prix der Geschichte im direkten Duell gegen McLaren-Herausforderer Hunt durchsetzen.

Während der britische "Playboy" nach zwei Siegen in Serie auf der Erfolgswelle schwimmt, ist von der früheren Ferrari-Überlegenheit bei den Überseerennen nichts mehr zu spüren. In Kanada schied Lauda mit einem Aufhängungsschaden aus, beim US-Grand-Prix in Watkins Glen zog er als Dritter gerade vier Punkte an Land. Zudem ist die Stimmung zwischen Boss Enzo Ferrari und Lauda äußerst angespannt.



Lauda fühlt sich hintergangen, weil Ferrari den WM-Leader nach dessen Feuerunfall bereits abgeschrieben hatte. "Als ich im Spital war, ist Daniele Audetto (der damalige Ferrari-Rennleiter; Anm. d. Red.) im Auftrag von Enzo Ferrari sofort zu Emerson Fittipaldi gegangen - Ferrari hat ihm gesagt, er muss einen Zweijahresvertrag machen", offenbart Lauda gegenüber 'Motorsport-Total.com'. Damit wäre klar gewesen, dass Lauda keine Zukunft bei Ferrari hat, denn für das andere Cockpit steht für die Saison 1977 bereits der Argentinier Carlos Reutemann unter Vertrag.

Als der nun zum eigenen Copersucar-Fittipaldi-Team gewechselte Brasilianer Lauda persönlich über den Schachzug Ferraris informiert, fällt der körperlich schwer angeschlagene Ferrari-Pilot aus allen Wolken. "Ich war fertig, als er mir das erzählte", erinnert sich Lauda. "Als ich ihn über die Vertragsdetails gefragt habe, sagte er: 'Zwei Jahre, für jedes Geld!' Da hat's mich natürlich schon gerissen. Wenn er Fittipaldi gefragt hätte, ob er bis Jahresende für uns fahren kann, hätte ich das noch verstanden, weil er nicht wusste, dass ich wieder hochkomme. Aber den gleich so verpflichten zu wollen, ohne zu wissen was mit mir ist, das war für mich schon ein Einschnitt."



Trotz der atmosphärischen Spannungen tut Lauda vor dem WM-Showdown alles, um sein nach den Niederlagen demoralisiertes Team noch einmal in Titelform zu bringen. "Wir hatten durch meinen Unfall einen argen Rückstand im Testen", meint der 27-Jährige, dessen Klasse wie später bei Michael Schumacher auch auf die enorme Disziplin bei den Versuchsfahrten zurückzuführen ist. Also testet Lauda ausgiebig auf der Ferrari-Teststrecke in Fiorano und bringt sogar eine neue Vorderradaufhängung im Handgepäck mit nach Fuji.

Als er in Japan eintrifft, droht erneut Ärger: Es heißt, Hunt habe bereits auf dem neuen Kurs getestet, was Ferrari ausdrücklich verboten worden war. "Es waren nur sieben Runden", spielt der Brite die Sache herunter. "Und außerdem auf feuchter Strecke." Lauda antwortet: "Das reicht, um die ideale Übersetzung zu finden."



Beim Trainingsauftakt am Freitag begrüßt der Kurs am Fuße des Fujiyama die Formel 1 mit sommerlichen Bedingungen: 25 Grad Lufttemperatur und herrlicher Sonnenschein. Doch Laudas Laune will nicht besser werden: McLaren kramt tief in der Psychotrickkiste und tut alles, um im ohnehin nervösen Ferrari-Lager für Unruhe zu sorgen.

"Wir haben Gerüchte gestreut, wonach die Strecke aufbricht, und alle Öffnungen am Auto zugeklebt", gibt McLaren-Teamchef Alastair Caldwell gegenüber 'Drivetribe' zu. "Niki ist die Boxengasse auf- und abgegangen, um uns auszuspionieren, und hat gesehen, was wir getan haben. Dann hat er bei Ferrari für Panik gesorgt. Sie klebten also auch alles zu, aber im Training war unser Auto wieder in Normalzustand. Das hat sie entnervt."

Lauda erlebt im Training eine Schrecksekunde und dreht sich - sein erster Abflug seit dem Nürburgring-Drama. Am Nachmittag fasst er im ersten Qualifying auch noch einen schadhaften Goodyear-Reifensatz aus und wird nur Fünfter, bleibt aber immerhin einen Platz vor Hunt, der mit der Abstimmung hadert.



"Mir passt gar nichts an meinem McLaren", klagt er. "Weder die Straßenlage noch die Bodenhaftung." Und dann raubt auch noch ein Radioreporter dem 29-Jährigen den Schlaf, weil er auf die Zeitdifferenz zwischen Großbritannien und Japan vergisst. "Um zwei Uhr früh hat das Telefon geklingelt", klagt er. "Ich war am nächsten Tag so schläfrig, dass ich gleich zwei Meilen rennen musste, um fürs Training aufzuwachen."

Am Samstag läuft es für die Titelrivalen besser: Lauda und Hunt matchen sich lange um die Pole-Position, ehe ihnen Lotus-Pilot Mario Andretti die Show stiehlt. Rettet der US-Amerikaner Lauda die WM? Wenn der Ferrari-Pilot auch im Rennen hinter Andretti und Hunt ins Ziel kommt, ist er um einen Punkt Weltmeister. Als Rennleiter Audetto diesen Gedanken laut ausspricht, antwortet Lauda: "Training und Rennen sind zweierlei. Wenn Andretti ausfällt, haben wir, was wir am wenigsten brauchen können: 1. Hunt, 2. Ich."

Daraufhin läuft Audetto auf Andretti zu und sucht die strategische Freundschaft des Ex-Ferrari-Piloten mit italienischen Wurzeln: "Mario, alles liegt in deiner Hand!" Doch dann - kurz vor Mitternacht - setzt plötzlich Regen in Fuji ein. Genau das, was Lauda nicht braucht, denn der Österreicher leidet nach wie vor unter den Folgen des Unfalls. "Nur die Kontrolle über das Auto in jeder Situation zu haben, gibt dir das Selbstvertrauen", erklärt er. Bei Regen ein Ding der Unmöglichkeit, wenn das Feuerdrama im Hinterkopf ist.



Als Lauda aufwacht, kommt noch ein weiterer Faktor dazu: Heftiger Nebel! Kein Wunder, dass das Aufwärmtraining zum Blindflug wird. Lauda und Hunt gehen kein Risiko ein und fahren nur je zwei Runden. Zu groß ist die Angst, das Auto zu beschädigen, außerdem stehen die Zeichen auf Absage. "Ich habe in meiner gesamten Rennkarriere noch nie so heftigen Regen erlebt", zeigt sich auch Fittipaldi schockiert. "Der Kurs war komplett überflutet, überall auf der breiten Strecke stand das Wasser, das waren richtige Seen. Es war unmöglich, Aquaplaning zu verhindern - komplett unfahrbar!"

Die Folge: Die Brabham-Piloten Carlos Pace und Larry Perkins, Shadow-Fahrer Jean-Pierre Jarier und March-Pilot Hans-Joachim Stuck zerstören ihre Boliden. Der Bayer rangiert dennoch ganz oben in der Zeitentabelle - vier Sekunden schneller als der Rest des Feldes und 15 Sekunden vor Lauda und Hunt. "Strietzel" Stuck spricht sich klar für einen Start des Rennens um 13:30 Uhr Ortszeit aus: "Wer nicht will, kann ja langsam um die Pfützen herumkurven." Eine Ansicht, die auch darauf zurückzuführen ist, dass der March als bestes Auto bei Regen gilt.

Im Fahrerlager entbrennt eine Debatte über die weitere Vorgehensweise: Diskutiert werden eine späteren Startzeit und eine verkürzte Distanz. "Wem nützt es, wenn wir den Start verschieben, die Distanz verkürzen und die Punkte halbieren, wenn es dann Tote gibt?", warnt Lauda. Und McLaren-Teamchef Teddy Meyer deutet an, dass auch Rivale Hunt gegen einen Start sei: "James sagt auch: Unmöglich zu fahren."



Brabham-Boss Bernie Ecclestone, der gleichzeitig Chef der Teamvereinigung ist und im Namen der Rennställe die Verträge mit den Rennstrecken aushandelt, trommelt daraufhin die Fahrer und Teamchefs in seinem Wohnwagen zusammen, während das Wetter draußen nicht besser wird. Neben Lauda ist es vor allem Tyrrell-Pilot Jody Scheckter, der für eine Absage wirbt: "Jetzt haben wir erstmals seit Jahren eine Saison ohne Toten in der Formel 1. Das sollten wir im letzten Rennen nicht riskieren."

Aber auch Hunt bezieht klar Stellung gegen ein Rennen unter derartigen Bedingungen. "Ich war mit Hunt und den Topleuten der Redelsführer", bestätigt Lauda gegenüber 'Motorsport-Total.com'." Wir haben gesagt, dass unter diesen Bedingungen keiner fahren kann, denn dann sind alle tot."

Doch March-Teamchef Max Mosley - später FIA-Boss und ein großer Kämpfer für die Sicherheit - zeigt heftigen Widerstand gegen die Fahrer: "Wenn ihr streikt, kommt die Sache vor die FIA. Das schwör ich euch! Und außerdem: Wozu gibt es denn Regenreifen?" Bei der entscheidenden Abstimmung verhindern die Teams March, Shadow und Wolf eine Absage.



Pläne, das Rennen am Montag durchzuführen oder überhaupt das erste Saisonrennen 1977 als Finale für 1976 zu nutzen, scheitern am japanischen Veranstalter und an der Rennleitung: Noch nie in der Geschichte der Formel 1 war ein Rennen so wie das WM-Finale in Fuji als globales TV-Live-Event vermarktet worden. Die Angst vor einem Millionenverlust und einem Imageschaden ist enorm.

Nachdem um 13:45 ein zweites Aufwärmtraining eingeschoben wird, das von den meisten Piloten ignoriert wird, setzt sich das Profitdenken gegen die Sicherheit durch. "Der Ecclestone sagt irgendwann, wir müssen jetzt anfangen fürs Fernsehen", erinnert sich Lauda. Daraufhin bestätigt der Veranstalter, dass das Rennen um 15 Uhr Ortszeit gestartet werden soll.

"Als die absurde Entscheidung eines unwissenden japanischen Vollidioten kam, habe ich mir gedacht, ich bin deppert", spielt Lauda auf Rennleiter Yamamoto an. "An den Bedingungen hat sich nichts verändert, es hat immer gleich geschifft. Und vier Stunden lang sind wir nicht gefahren. Und dann sagt der nur, es wird finster, es muss im Fernsehen übertragen werden, wir müssen jetzt fahren - da hätten wir vor drei Stunden auch fahren können."



Noch gibt es aber eine Chance für die Gegner. Ecclestone geht es vor allem darum, als Chef der Teamvereinigung seinen Deal mit dem Veranstalter einzuhalten und das versprochene komplette Starterfeld zu liefern. Er schlägt daher den Piloten vor, in der Runde nach dem Start an die Boxen zu fahren: "Wer fahren will, soll fahren. Gezwungen wird niemand!"

Und so bemüht sich Lauda um ein Gentleman's Agreement unter den Piloten, zumal der Regen vor dem Start sogar noch zunimmt. "Wir Topleute, die dauernd dafür gekämpft haben, dass man unter diesen Bedingungen nicht fahren kann, waren uns einig, sodass ich gesagt habe, ich fahren nur eine Runde und steige dann aus, statt denen, die sich umbringen", erinnert er sich. "Und Hunt hat auch eingewilligt."

Neben den beiden Titelrivalen stimmen auch Fittipaldi und die beiden Brabham-Piloten zu. "Ich war sehr verärgert über die Entscheidung, zu starten, und habe dem Team gesagt, dass ich nach ein paar Runden an die Box kommen würde, wenn die Bedingungen unsicher sind", bestätigt Fittipaldi. "Die Seen waren ja immer noch da, und man sah auf der Start-Ziel-Geraden gerade mal 200 Meter weit."



Pole-Setter Andretti erinnert sich, dass schon das Einsteigen eine Qual ist: "Ich habe mich darum bemüht, dass zumindest meine Schuhe trocken bleiben, damit ich auf den Pedalen nicht ausrutschte, aber nicht einmal das war möglich." In der Aufwärmrunde wird Lauda von Penske-Pilot John Watson, der bei Tempo 80 km/h mit Aquaplaning von der Strecke abkommt, beinahe abgeschossen. Lauda fühlt sich bestätigt: "Einer wird querstehen, ein anderer ihn torpedieren. Beide können sterben, ohne einander zu sehen."

Beim Start schießt Hunt an Pole-Setter Andretti vorbei, der "so viel Aquaplaning wie noch nie" hat: "Ich musste auf der Geraden lenken." Lauda biegt als Dritter in die erste Kurve ein und fällt in der ersten Runde auf Rang zehn zurück. "Der arme Niki hat furchtbar gelitten", meint Andretti.

"Abgesehen von der Gischt hat auch noch sein Visier beschlagen. Und er hatte ja die Verbrennungen rund um seine Augen, wodurch ihm die Tränen kamen." Die Operation, die ihm das Blinzeln wieder ermöglichen sollte, ist erst nach Saisonende geplant, wodurch auch in seinen Augen das Wasser steht. "Er hat wohl nur drei Prozent gesehen und tat mir schrecklich leid", zeigt der Lotus-Pilot Mitgefühl.



In der zweiten Runde kommt Lauda als 21. wie angekündigt an die Box und steigt aus, was die Zuschauer erstaunen lässt. Als ihn Technikchef Forghieri fragt, was los sei, antwortet er: "Ich bin kein Selbstmörder, egal was die ganze Welt jetzt von mir denkt." Der Italiener will eine Blamage abwenden und schlägt Lauda vor: "Wir geben an, du hast Motorschaden!" Aber der Österreicher bleibt kompromisslos: "Wenn ich nicht fahre, dann sage ich auch, dass ich nicht fahren will, ich brauche keine Ausrede."

Während Ehefrau Marlene Lauda den Ferrari-Piloten umarmt, ist auch Brabham-Pilot Perkins bereits ausgestiegen, Teamkollege Pace folgt fünf Runden nach Lauda. Weitere zwei Runden später macht auch Fittipaldi seine Ankündigung wahr und rollt an die Box. Der dreimalige Weltmeister gibt Lauda recht: "Die Entscheidung war absolut richtig, und ich respektiere Niki dafür sehr. Einige Fahrer wurden von ihren Teamchefs gezwungen, aber die Entscheidung der anderen, zu fahren, war absolut verantwortungslos."



Doch wo bleibt Hunt? Der Brite, der nun nur noch Dritter werden muss, um den WM-Titel sicherzustellen, führt die Regenschlacht an und fährt eine Runde nach der anderen. Warum er sich nicht an das Agreement hält? "Hunt hörte auf den McLaren-Boss, der ihm sagte: 'Scheiß auf Ferrari, fahr weiter!'", offenbart Audetto Jahre später, dass McLaren-Boss Mayer ein Machtwort gesprochen habe.

Und dann lässt der Regen tatsächlich nach. "Bist eing'fahren!", denkt Lauda, der an der Boxenmauer zuschaut, sich aber keine Vorwürfe macht: "Die Entscheidung war richtig." Hunt, der die Attacke des von der Strecke kreiselnden March-Piloten Vittorio Brambilla abwehrt, sieht wie der wahrscheinliche Sieger aus, als Lauda, seine Ehefrau und Forghieri gemeinsam im Pkw die Strecke verlassen, um den vorverlegten Rückflug nach Europa nicht zu verpassen.



Doch dann bricht elf Runden vor Schluss bei McLaren Panik aus: Hunt, der zum völligen Unverständnis des Teams die Boxenstopp-Signale ignoriert, kämpft auf nahezu trockener Piste mit bis auf die Karkasse abgefahrenen Regenreifen und wird von Tyrrell-Pilot Patrick Depailler und Andretti überholt. "Ich war so wütend!", ärgert sich McLaren-Teamchef Caldwell. "Was war an diesem Tag mit James' Kopf los? Vielleicht war er in einer Art Trance ..."

Hunt bleibt nichts anderes übrig, als doch noch auf Slicks zu wechseln. Der McLaren schleift wegen der platten Reifen auf der linken Seite am Asphalt, und die Crew hat Riesenprobleme, den Wagenheber unter das Auto zu schieben. Der Stopp geht völlig schief - Hunt fällt auf Platz fünf zurück. In den letzten Runden des Rennens riskiert er alles - die entscheidenden Schachzüge spielen sich aber einmal mehr auf dem politischen Parkett ab.



"Alan Jones war da vor Hunt, also ist Teddy Mayer zu Surtees gegangen und hat gesagt: 'Lass' ihn vorbei, und dann sind wir Briten Weltmeister", offenbart Lauda gegenüber 'Motorsport-Total.com'. "Die haben dann Platz getauscht. Das hat mich am meisten geärgert. Weil unter normalen Bedingungen wäre er gar nicht Weltmeister geworden, obwohl ich nicht gefahren bin."

Und so geht Hunt, der nach dem Stopp völlig ahnungslos ist, in welcher Position er sich befindet, auf den letzten Kilometern an Surtees-Pilot Jones und Laudas gekündigtem Ferrari-Teamkollegen Clay Regazzoni vorbei und ist hinter Andretti und Depailler Dritter. Als bei einsetzender Dämmerung die Zielflagge geschwenkt wird, herrscht absolutes Chaos: Nur wenige haben den Überblick bewahrt und wissen, dass Hunt Champion ist.



Er selbst am wenigsten: Als er an die Box rollt, wähnt er sich als Verlierer des Titelkampfs und beschimpft seine Crew wegen des ausgefallenen Funks als Versager. Dass sein Team jubelt, macht ihn noch wütender. Erst als McLaren-Boss Mayer brüllt: "It's you, James!", geht dem Briten ein Licht auf.

Auch Lauda, der am Autoradio hängt, kennt den Endstand noch nicht - er weiß nur, dass Hunt zurückgefallen ist. "Nach einer Viertelstunde meldet sich der Sprecher mit dem Endresultat, und exakt in diesem Moment taucht unser Wagen in die Unterführung vor dem Flughafen. Wir können nichts verstehen", offenbart Lauda in seiner Biographie "Niki Lauda protokoll". Erst am Flughafen steckt ihm der Ferrari-Importeur, dass Hunts Aufholjagd doch noch erfolgreich war und Lauda den Titel verloren habe. "Es ist mir in diesem Moment fast egal. Ich kann nicht zum heulen anfangen, weil der Regen aufgehört hat."



Noch am Flughafen meldet sich Lauda bei Boss Enzo Ferrari und erklärt ihm die Gründe für seine Resignation. "Er sagte nichts gegen mich oder gegen meine Entscheidung, aber er gab mir auch nicht die kleinste Hilfe oder den kleinsten Trost", erinnert sich Lauda. Während Ferrari seinen Starpiloten nach außen deckt, will man ihn intern als Fahrer abmontieren und zum Nachfolger des nach Fuji geschassten Rennleiters Audetto machen.

Doch der Österreicher antwortet knallhart: "Wenn ihr nicht wollt, dass ich für euch fahre, dann entlasst mich sofort aus dem Vertrag. Dann bin ich sofort weg." Ein Jahr später sollte er seine Drohung wahrmachen und zu Ecclestones Brabham-Team gehen - mit seinem zweiten WM-Titel im Gepäck.

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