Anders als Rosberg: Vettel hält nichts von Meditation

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Anders als Rosberg: Vettel hält nichts von Meditation

Beitrag von Redaktion » Do Aug 09, 2018 1:35 pm

Sebastian Vettel besitzt Routinen, begreift mentale Vorbereitung aber anders als Nico Rosberg - Er räumt aber ein, dass in der Formel 1 "vieles unterbewusst" stattfände

Sebastian Vettel hält nichts von Meditation als Vorbereitung auf Formel-1-Rennen. Die innovativen Lösungswege des zurückgetretenen Ex-Champions Nico Rosberg reizen den Ferrari-Piloten wenig. "Mediation oder Sachen, an die Leute bei mentaler Vorbereitung denken, praktiziere ich nicht", sagt er.

Dennoch besitzt Vettel seine Rituale, die der Konzentrationsphase im Cockpit vorausgehen: "Wenn ich mich auf das Qualifying oder das Rennen vorbereite, gibt es bestimmte Routinen, die ich immer durchlaufe. Ich versuche, die Strecke zu visualisieren und sie abzufahren." Mehr allerdings auch nicht.

Rosberg besuchte auf dem Weg zu seinem WM-Titel in Japan einen Zen-Meister und meditierte zu seiner aktiven Zeit jeden Morgen 20 Minuten. Hieß: Hinsetzen und intensiv über sein Leben nachdenken. Dazu schulte er Körper und Geist, indem er abwechselnd Liegestützen machte und Memory spielte.

Vettel lässt das kalt. Er räumt aber ein, dass es in der Formel 1 Faktoren ankäme, die sich jenseits des aktiven Handelns abspielen würden. "Ich weiß nicht, was Nico getan hat und was nicht. Wir haben alle unsere Routinen. Einiges findet bewusst statt, anderes - und zwar vieles - unterbewusst", so Vettel.

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Zenmeister
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Re: Anders als Rosberg: Vettel hält nichts von Meditation

Beitrag von Zenmeister » Do Aug 09, 2018 9:20 pm

Wenn Meditation "über das eigene Leben nachdenken" wäre, würde meditieren nachdenken heißen.

Meditation ist erstmal die eigenen Illusionen loszuwerden. Dazu gibt es verschiedene Meditationen, der Beginner macht andere als der Fortgeschrittene. Grob gesagt gibt es 3 Meditationen: Die "introspection-meditation", ein Aufarbeiten der Vergangenheit, naturgemäß ein analytischer Prozess, der mit dem dialektischen Verstand gemacht wird.
Parallel dazu sollte der Beginner die "silence-meditation" machen, die, was den dialektischen "mind" anbetrifft, das genaue Gegenteil ist: Man versucht, sich von den dialektischen, dualitätsbasierten Gedanken und Gefühlen zu distanzieren (ich bin nicht die Gedanken und Gefühle). Man versucht, den mind in seinen Ruhezustand zu bekommen. Ent-Spannung. Keine relativen Betrachtungen.

Man nähert sich von zwei entgegengesetzten Punkten dem Ziel an. Nur eine von diesen beiden Meditationen zu machen führt nicht zum Ziel. Wer nur Silence-Meditations macht, wird das Gesetz von Verursachung und Änderung nicht auf adäquate Weise verstehen. Wer nur introspection-meditation macht, wird sich nicht vom dialektischen Bereich der Gedanken und Gefühle befreien können, wird im Dualen gefangen bleiben.

Der Fortgeschrittene hat einerseits die innere Distanz und andererseits das Verständnis erlangt und macht in einer dritten Meditation diese beiden Meditationen gleichzeitig, weil er die Übersicht hat und sich nicht mehr in einen Bereich verliert: Er denkt schneller, klarer, kennt mittlerweile die Strukturen, und er weiß auch "Stop" zu sagen, wenn das Ego sich dramatisch in Gefühle und Gedanken und Träume darüber verliert und die dialektische Denkmaschine sinnlos vor sich hin rattert und die eigene Aufmerksamkeit mitzureißen droht. Er "sitzt" am dritten Level, der sogenannten one-pointed, oder wie der Dalai Lama sagt, single-welded meditation. Erstmal introspection-meditations und silence-meditations lernen, und zusammenbringen. Dauert ein paar Jahre.

Was die Sportler hier machen, und auch viele Wirtschaftsbosse und Karrierekämpfer, ist eigentlich eine mißbräuchliche Zweckentfremdung gewisser Elemente der Meditation. Natürlich kann es einem nervösen Sportler helfen, mit irgendeiner silence-meditation-Übung aus seinen verkrampfenden Gedanken herauszukommen, genauso kann es einem verträumten Sportler ohne absoluten Erfolgsfokus helfen, gewisse Techniken der introspection-meditation anzuwenden, um diesen Willen zu entwickeln.

Nur hat Meditation nichts mit Rennen, Kämpfen, Wettbewerb und Konkurrenzverhalten zu tun. Die sind alle eher Patienten für die Meditation.

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