Prost glaubt Racing Point nicht: "Wissen, dass das nicht möglich ist"

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Redaktion
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Prost glaubt Racing Point nicht: "Wissen, dass das nicht möglich ist"

Beitrag von Redaktion » Sa Aug 01, 2020 10:28 am

Renault-Berater Alain Prost nimmt Racing Point die Argumentation im "Copygate"-Protest, man habe zwar gut, aber völlig legal von Mercedes abgekupfert, nicht ab

Der viermalige Formel-1-Weltmeister Alain Prost hält es für unmöglich, dass Racing Point den 2019er-Mercedes nur auf Basis legal erworbener Fotos nachgebaut hat. Das zu glauben, sei "naiv", sagt er im Interview mit 'auto motor und sport': "Wir wissen alle, dass das nicht möglich ist. Selbst Leute, die das jetzt behaupten. Es funktioniert einfach nicht."

Hinter vorgehaltener Hand munkeln viele Ingenieure im Fahrerlager, dass sie sich nicht vorstellen können, dass der Racing Point RP20 dem Mercedes F1 W10 EQ Power+ so detailgetreu nachempfunden wurde, ohne dass dabei Informationen von Mercedes an Racing Point weitergegeben wurden. Das könnten, heißt es, Daten gewesen sein, oder auch Zeichnungen und Skizzen.

Aber beweisen konnte das bisher niemand, und so ist Renault bisher das einzige Team, das nicht nur hinter vorgehaltener Hand Zweifel an der Regeltreue von Racing Point äußert, sondern ganz konkret dagegen vorgeht. Sowohl beim Grand Prix der Steiermark als auch beim Grand Prix von Ungarn hat Renault gegen die Bremsschächte am RP20 Protest eingelegt.

Prost, in seiner Rolle als Berater von Renault naturgemäß nicht ganz unbefangen, sagt klipp und klar: "Wenn du einen Mercedes so detailgetreu nachbaust, brauchst du Hilfe von außen. Du kannst auch nicht einfach so von einem Fahrzeugkonzept auf ein anderes umschwenken. Von einem Auto, das vorher hinten hoch stand, auf eines, das im Heck so tief fährt wie der Mercedes."

Dass es im Detail kleine Unterschiede zwischen dem Racing Point und dem Mercedes gibt, hält er für Tarnen und Täuschen: "Du kannst nicht an der einen Stelle zwei Millimeter abweichen und an der anderen drei, nur um den Eindruck zu erwecken, dass man das Teil selbst konstruiert hat. Die Aerodynamik ist so komplex, dass sie selbst bei diesen kleinen Fehlern nicht funktionieren würde."

"Gerade weil heute ein Detail vom anderen direkt abhängt, ist es meiner Meinung nach unmöglich, ein Auto ohne fremde Hilfe nachzubauen. Da reichen nicht nur Zeichnungen. Du musst auch verstehen, wie und warum das so funktioniert und so nicht. Dazu braucht es einen Informationsaustausch", unterstellt Prost.

Racing Point hat allerdings keine Angst, dass man den Protest verlieren könnte. Teamchef Otmar Szafnauer lässt sich auf Gedankenspiele, was passieren könnte, sollte Renaults Protest erfolgreich sein, gar nicht erst ein: "Ich hasse es, hypothetische Fragen zu beantworten. Es ist ja ganz klar: Das Urteil wird nicht gegen uns ausfallen. Wir haben keine Regeln gebrochen."

Prost hingegen beschäftigt sich mit dem Szenario, das Protestverfahren möglicherweise als Verlierer zu verlassen, schon. De facto würde das die Tür für Allianzen zwischen je einem großen Werksteam und mehreren Kundenteams öffnen. Ein Szenario, das Renault nicht möchte.

Erstens haben die Franzosen derzeit kein Kundenteam, mit dem sie Geld verdienen und den eigenen Entwicklungshorizont erweitern könnten. Und zweitens finden sie den Gedanken uncharmant, viel mehr Geld als kleine Teams auszugeben, um letztendlich doch von diesen geschlagen zu werden.

Für Prost kann es Kundenteams nur unter einer Bedingung geben: "Wenn die FIA das will, muss sie einen klaren Unterschied zwischen Konstrukteuren und Kundenteams machen. Dann dürfen die Kundenteams bei der Ausschüttung der Einnahmen aber auch nicht mehr gleichberechtigt behandelt werden."

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Cave
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Re: Prost glaubt Racing Point nicht: "Wissen, dass das nicht möglich ist"

Beitrag von Cave » Sa Aug 01, 2020 1:03 pm

Das stellt sich die frage welche informationen man vom lieferanten diverser teile erhalten kann. Darf zb mercedes powertrains die infos über luftansaugung und kühlung unter der haube hergeben?

gth12
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Re: Prost glaubt Racing Point nicht: "Wissen, dass das nicht möglich ist"

Beitrag von gth12 » Sa Aug 01, 2020 1:49 pm

Interessant finde ich im übrigen auch, dass (angeblich) viele der anderen Ingenieure darüber schimpfen und urteilen, dass der RP20 ja sooooo detailgetreu dem W10 nachempfunden ist.
Wenn sich fremde Ingenieure ein Urteil darüber bilden können, dass der RP20 so detailgetreu nachgebaut ist, wie soll es dann unmöglich sein den nur anhand von Fotos nachzubauen?
Ich mein - er anhand von Fotos beurteilen kann, dass das Auto bis in's kleinste Detail nachempfunden ist - der gibt damit doch zu, dass es möglich ist auch kleinste Details anhand von Fotos zu erkennen und nimmt sich damit doch selbst jeglichen Wind aus den Segeln. Wer sich selbst (weil Fotos ja angeblich nicht reichen) darüber kein Urteil bilden kann - der sollte auch bei solchen Anschuldigungen lieber den Mund halten.

karlchen1111
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Re: Prost glaubt Racing Point nicht: "Wissen, dass das nicht möglich ist"

Beitrag von karlchen1111 » Sa Aug 01, 2020 1:56 pm

Herr Prost, wenn Mercedes sagt das sie nicht betrügen dann ist das so. Da hat Er nicht dran zu zweifeln.

Marcha
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Re: Prost glaubt Racing Point nicht: "Wissen, dass das nicht möglich ist"

Beitrag von Marcha » Sa Aug 01, 2020 2:26 pm

wenn ich schon das halbe Auto bei Mercedes kaufe ist der Schritt den Rest bestmoeglich nachzubauen doch ei logischer ,wenn das Auto eh Klassenprimus ist...
Da RP inzwischen auch auf den Windkanal von Mercedes GP zurueckgreift ...
gibt es allein dort unfassbares Potezial Dinge abzugleichen.
Die wissen ganz genau wie dort gemessen wird ,wo welche Sensoren wie eingesetzt werden
und koennen die WK Ops notfalls braun fragen ob sie besser werden muessen und wo....
Wenn Daimler will kann man ja auch Personal mit entsprechendem Schluesselwissen an RP"verlieren"....
das ist doch letztlich nur die Frage ob Daimler das moechte oder der Kopiererei kritisch gegenuebersteht....
prost versucht hier politisch was zu erreichen ,nachdem Renault so schwach ist ,dass niemand mit denen zusammenspannen will um etwas aehnliches zu machen...weils keinen Sinn macht ....die notwendige Expertise fehlt da einfach .
Gilt meiner M.auch fuer Ferrari ,Haas hat das Peoblem dass Ferrari einfach nicht souveraen die Materie beherrscht sondern zu oft unter falschen Annahmen eben in die falsche Richtung prescht und obendrein viel zu viel interne politik betreibt.Da bleibt fuer Haas so ganz und gar nichts uebrig und hier raecht sich halt die Abhaengigkeit ,wenn man gar nicht kapiert was warum nicht funktioniert oder was warum s chnell ist.Haas hat ja auch laengere Zeit eher den "alternativen"
Ferrari als Konzept verfolgt ...was spaetestens letztes Jahr dann gar nicht mehr funktioniert hat .....

Nihilist
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Re: Prost glaubt Racing Point nicht: "Wissen, dass das nicht möglich ist"

Beitrag von Nihilist » Sa Aug 01, 2020 2:38 pm

Mercedes betrügt doch schon lange.

gth12
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Re: Prost glaubt Racing Point nicht: "Wissen, dass das nicht möglich ist"

Beitrag von gth12 » Sa Aug 01, 2020 5:03 pm

Nihilist hat geschrieben:
Sa Aug 01, 2020 2:38 pm
Mercedes betrügt doch schon lange.
Womit denn?

Pappschachtel
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Re: Prost glaubt Racing Point nicht: "Wissen, dass das nicht möglich ist"

Beitrag von Pappschachtel » Sa Aug 01, 2020 6:47 pm

Es geht doch auch gar nicht anders. Allein schon die Carbon-Matten, die MÜSSEN in ganz bestimmter Richtung und Reihenfolge verlegt werden damit das überhaupt irgendwas hält. Und beim Backen gibt es bestimmt auch noch bisschen was zu beachten und zu wissen. Wie soll man das durch angucken kopieren? Völlig unmöglich! Das Carbon das man sieht ist auch nur Optik und zum Schutz damit man das echte Zeug darunter eben nicht so genau beäugeln kann.
Aber die bei der Formel 1 sind ja eh nicht die Hellsten. Wie oft musste man sich schon anhören dass gewissen Dinge nicht verstanden werden, teils völlig banales Zeug :lol: Da hab ich mich so manches Mal gewundert. :jupi:

painkiller
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Re: Prost glaubt Racing Point nicht: "Wissen, dass das nicht möglich ist"

Beitrag von painkiller » Sa Aug 01, 2020 10:57 pm

Hier habe ich einen Beitrag aus einem anderen Motorsport-Forum kopiert (dem ich voll zustimme):

"Hiermit fordere ich die FIA auf den Motor und das Fahrzeug zu beschlagnahmen und es auf Regelkonformität zu prüfen.
Wenn die FIA den Ferrari Motor Ende letztes Jahr untersucht hat dann möchte ich das selbe Verfahren auch hier sehen - Argumentation von Mercedes 2019 "Das kann nicht sein das Ferrari auf den Geraden so schnell ist."
Argumentation jetzt: " Das kann nicht sein das ein regelkonformes Auto auf die gesamte Runde und Distanz so viel schneller ist wie die Konkurenz " daraus folgert bis zur Beweisführung müssen wir von einem nicht Regelkonformen Auto ausgehen, darum FIA Mercedes unbedingt wie Ferrari untersuchen.
Sollte dies in den nächsten Tagen nicht passieren müssen wir vom Schlechtesten ausgehen."

Snip
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Re: Prost glaubt Racing Point nicht: "Wissen, dass das nicht möglich ist"

Beitrag von Snip » So Aug 02, 2020 12:04 am

Ähm letztes Jahr haben mehrere Teams vermutet, dass Ferrari betrügt. Welches Team unterstellt Mercedes so ein Verhalten?

posaunix
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Re: Prost glaubt Racing Point nicht: "Wissen, dass das nicht möglich ist"

Beitrag von posaunix » So Aug 02, 2020 11:29 am

gth12 hat geschrieben:
Sa Aug 01, 2020 1:49 pm
Interessant finde ich im übrigen auch, dass (angeblich) viele der anderen Ingenieure darüber schimpfen und urteilen, dass der RP20 ja sooooo detailgetreu dem W10 nachempfunden ist.
Wenn sich fremde Ingenieure ein Urteil darüber bilden können, dass der RP20 so detailgetreu nachgebaut ist, wie soll es dann unmöglich sein den nur anhand von Fotos nachzubauen?
Ich mein - er anhand von Fotos beurteilen kann, dass das Auto bis in's kleinste Detail nachempfunden ist - der gibt damit doch zu, dass es möglich ist auch kleinste Details anhand von Fotos zu erkennen und nimmt sich damit doch selbst jeglichen Wind aus den Segeln. Wer sich selbst (weil Fotos ja angeblich nicht reichen) darüber kein Urteil bilden kann - der sollte auch bei solchen Anschuldigungen lieber den Mund halten.
Weißt Du, was ein "Rückschluss" ist?

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bnlflo
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Re: Prost glaubt Racing Point nicht: "Wissen, dass das nicht möglich ist"

Beitrag von bnlflo » So Aug 02, 2020 11:33 am

Racing Point sagt ja, dass die FIA durchaus die Brake Ducts zur Sprache gebracht und man die Infos darüber rausgerück habe.
“The FIA received all the data from our brake ducts in the visit, they did a comparison of the Racing Point brake ducts to the MGP [Mercedes] brake ducts on that day and they commented on it and it was discussed,” said Green.

“He [Tombazis] wasn’t at that factory visit, there were other of his colleagues, but it was discussed, it was shown, so we weren’t trying to try to hide the brake ducts, they’re all part of the submission that we gave to the FIA.

“They did comment on how similar they were to the Mercedes and we commented on why they were so similar: because we purchased the brake ducts in 2019.”
Quelle
I'm not saying I am Batman, I am just saying no one has ever seen me and Batman in the same room.

gth12
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Re: Prost glaubt Racing Point nicht: "Wissen, dass das nicht möglich ist"

Beitrag von gth12 » So Aug 02, 2020 2:33 pm

posaunix hat geschrieben:
So Aug 02, 2020 11:29 am
Weißt Du, was ein "Rückschluss" ist?
Führ deinen Punkt ruhig aus.

posaunix
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Re: Prost glaubt Racing Point nicht: "Wissen, dass das nicht möglich ist"

Beitrag von posaunix » Di Aug 04, 2020 9:17 am

Nun, die Leute, die die Einschätzungen von sich geben, denen Du unterstellst unschlüssige Behauptungen aufzustellen, kennen die Prozesse, den Aufwand, wissen die Möglichkeiten einzuschätzen. Sie können aus dem, was man von außen in Erfahrung bringen kann, viele Rückschlüsse ziehen.

CruiseControl
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Warum führt Renault den Protest anhand der Brake Ducts?

Beitrag von CruiseControl » Di Aug 04, 2020 10:07 am

Hallo,
kann sich hier jemand erklären, warum Renault den Protest gegen Racing Point ausgerechnet anhand der Brake Ducts führt? Klar haben diese eine wichtige aerodynamische Rolle, das verstehe ich. Aber sie gehören eben auch bis 2019 zu den Listed Parts, so dass ich mich eher fragen würde, warum nicht auch andere Teams hier versucht haben, die Mercedes-Teile einzukaufen, um sie zu analysieren.
Mir schiene es logischer, den Betrugsfall anhand eines normalen Konstrukteurs-spezifischen Teils zu führen (wie man diese Teile nennt, weiß ich leider nicht). Damit würde man beim Protest eine klarere Aussage erhalten. Listed Parts sind doch Grau-Bereich, hier ist die Aussage (zumindest nach meinem Verständnis) viel unklarer.

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