Quo vadis Ferrari - wie geht es mit Ferrari weiter?

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Maglion
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Quo vadis Ferrari - wie geht es mit Ferrari weiter?

Beitrag von Maglion » So Okt 07, 2018 7:44 pm

Ich habe mal einige meiner Beiträge zu Ferrari aus den letzten Tagen zusammengefasst und dieses neue Thema eröffnet.
Ferrari wird 2019 sicher eine Schlüsselrolle spielen, wenn es darum geht, ob die Saison 2019 aus sportlicher sicht interessant wird, was einen spannenden Wettkampf um die WM voraussetzt.

Ferrari hatte 2018 von Anfang an ein sehr starkes Paket und hat diesen Vorteil nicht optimal genutzt, aus den Interviews konnte man sehr deutlich heraushören, dass sie fest der Meinung waren, dass ihr Paket deutlich überlegen ist und sie Rückschläge mit Leichtigkeit später in der Saison wieder ausgleichen können. Dazu gehört auch, dass Maurizio Arrivabene lange nicht verstehen konnte, dass man ihn dafür kritisierte, dass es bei Ferrari keine klare Nr.1 und auch keine Teamorder gab/gibt, um die Chancen auf die WM zu maximieren. Auch wenn man diese Einstellung aus sportlicher Sicht gut finden kann, zählt am Ende dann doch das Ergebnis und wer die WM sportlich verliert, ist trotzdem der Verlierer. Wenn der größte Gegner, selbst in einer dominanten Phase ganz klar einen Fahrer auf allen Ebenen, bis hin zum gescheckten Sieg per Teamorder unterstützt, hat man nur mit gleichen Mittel eine Chance auf die WM.

Bei Ferrari läuft nichts wirklich rund und das bringt Unruhe und Ärger ins Team. Da addieren sich viele Kleinigkeiten zu einem großen Versagen auf ganzer Linie, das fängt mit schlechten (grundsätzlich langsamen) Boxenstopps an, geht über misslungene Strategien, uneffektiven Weiterentwicklungen, unnötigen Defekten, bis hin zu einer nicht zielführenden Teamführung in Bezug auf Nr. Status von Vettel oder sinnvollen Teamordern und die nötige Unterstützung von Raikkönen für Vettel – gekrönt wird das Ganze durch unnötige Fehler der Fahrer. Das alles sorgt bei Vettel für Frust, was sich auf der Strecke in Fehler und übermotivierten Manövern äußert.
Vettel weiß, dass sein Team nicht die Topleistung wie Mercedes liefert, er weiß, dass wenn Ferrari in einem Tief ist, es zu lange dauert, bis sie es überwinden, er weiß, dass er von seinem Teamchef nicht die volle Unterstützung in allen Bereichen bekommt und bei jedem Boxemstop muss er Angst haben, dass wieder was schief läuft - falscher Zeitpunkt / falsche Reifen / lange Standzeit . Dass sich das unweigerlich auf die Leistungsfähigkeit von Vettel auswirken muss, ist nachvollziehbar.
Wenn man sich die Körpersprach der Ferrari-Mitarbeiter anschaut, dann glaubt von denen schon lange niemand mehr an einen WM-Titel - man sieht da viel verzweifelte Ratlosigkeit.
Mich hat Ferrari Anfang der Saison mit ihrer Performance überrascht und ich dachte schon, dass ich meine Meinung über Ferrari ändern muss und sie tatsächlich die Kurve zu mehr Professionalität bekommen haben, um ernsthaft um die WM kämpfen zu können. Leider war diese Erfolgsphase auch wieder schnell vorbei und Ferrari zeigt in allen Bereichen den typisch italienischen Schlendrian und wenn man so manches Interview von Arrivabene gesehen hat, musste man sich schon fragen, ob er den Überblick noch hat bzw. ob er über das gleiche Team spricht.
Was ich problematisch finde, sind die schlechten Schwingungen, die bei Ferrari in der Luft liegen, die meiner Meinung nach zwischen Vettel und der Teamführung besonders schlecht sind. Vettels Stimmung hat sich von viel Optimismus und Kampfgeist, über Ratlosigkeit, bis fast schon zur Resignation entwickelt. Und bei der mangelnden Unterstützung vom Team, bekommt er jetzt auch noch Leclerc vor die Nase gesetzt, der ihm mächtig einheizen soll. Da kann man sich als Fahrer schon fragen, wieso Ferrari diesen Kurs fährt und wo das hinführen soll. Wenn Ferrari tatsächlich gegen Mercedes in der WM gewinnen möchte, dann geht das offensichtlich nur mit dem System Schumacher, das ja von Mercedes erfolgreich kopiert wird.
Das Problem ist doch, dass Leclerc 2019 nicht den Bottas machen kann, wenn er seine Karriere nicht ruinieren möchte und ich schätze Leclerc sehr stark ein und ich bin mir sicher, dass er Vettel herausfordern wird, was auch unweigerlich zur Konsequenz hat, dass sich Vettel und Leclerc gegenseitig die Punkte weg nehmen und Hamilton mit seinem Wingman Bottas, locker die nächste WM einfahren wird.
Ich bin mir auch sicher, dass wenn die WM 2018 so dramatisch verloren wird, wie es sich ankündigt, wird es über den Winter unter dem Dach bei Ferrari brennen und ich könnte mir vorstellen, dass es auch personell wieder einige Umbesetzungen geben wird, was es nahezu unmöglich macht, so wie Mercedes sich mit Ruhe, Professionalität und Konsequenz weiter zu entwickeln.

Die Frage ist, wie reagiert Louis Camilleri, der neue Ferrari-Präsident, auf die Probleme bei der Scuderia - für mich ist Louis Camilleri ein unbeschriebenes Blatt und das wirft natürlich viele Fragen auf. Ich frage mich, ob Arrivabene durch Louis Camilleri mehr Verantwortung bekommt oder ob er sich zur Verantwortung ziehen muss. Ich bin noch immer nicht überzeugt, dass Arrivabene der richtige Teamchef ist und ob es eine gute Idee ist, wenn man ihn von der kurzen Leine lässt, an die er unter Marchionne gekettet war.

Wie ich schon vermutet habe, gibt es innerhalb von Ferrari mächtig Stunk und einen Machtkampf:
Innerhalb des Rennstalls tobt schon länger ein Machtkampf. Arrivabene und sein Technik-Direktor Mattia Binotto (48) sind zerstritten. Der Schweizer Binotto war ein enger Vertrauter des verstorbenen Ferrari-Chefs Sergio Marchionne. Seit dessen Tod macht Arrivabene laut italienischer Medien verstärkt Stimmung gegen Binotto.
Da muss man sich nicht wundern, dass es nicht rund läuft, denn überall wo zwei sich um die Macht streiten, bilden sich auch zwei Lager und das belastet ein Team, egal wie sehr man versucht professionell zu bleiben.

Es gibt auch schon die Gerüchte, dass Arrivabene hin wirft, was umso wahrscheinlicher wird, desto mehr Boden Ferrari auf Mercedes verliert. Ich denke nicht, dass Louis Carey Camilleri einen schädlichen Machtkampf innerhalb der Scuderia zu lässt und er muss sich fragen, wer für den Erfolg der Scuderia wichtiger ist - der technische Direktor oder der der Teamchef?
Wenn eine dieser Positionen tatsächlich neu besetzt werden muss, hat man dasselbe Problem, wie schon seit Jahren, es gibt mal wieder eine Übergansphase, in der das Team wieder zu einer Einheit werden muss. Leider war auch Macchione jemand, der die Lösung aller Probleme im Austauschen des Personal sah, weshlab Ferrari in den letzten Jahren nie zur Ruhe gekommen ist und nie zu der Einheit werden konnte, die man benötigt um an der Spitze der F1 erfolgreich zu sein.
Man kann nur hoffen, dass Louis Carey Camilleri einen neuen und besseren Führungsstil bei Ferrari etablieren kann und dem Team auch endlich mal die Zeit lässt, um nach einer personellen Neuausrichtung zu einer funktionierenden Einheit zusammen zu wachsen, ohne mit blindem Aktionismus immer wieder kurzsichtig auf Probleme zu reagieren, wie es in den letzten Jahren der Fall war.
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danseys
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Re: Quo vadis Ferrari - wie geht es mit Ferrari weiter?

Beitrag von danseys » So Okt 07, 2018 8:12 pm

irgendwo hörte ich an diesem Wochenende den Satz als Antwort auf die Frage DES Unterschiedes zwischen Mercedes und FER:
"Ferrari is better used to lose" 8)

Mitsuha
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Re: Quo vadis Ferrari - wie geht es mit Ferrari weiter?

Beitrag von Mitsuha » So Okt 07, 2018 9:03 pm

Nächste Saison wird ein Selbstläufer für Hamilton und er wird dank Konkurrenzlosigkeit wohl den schnellsten Titel aller Zeit einfahren. Denn wer ist schon da?

- Ferrari? Mit sich selbst beschäftigt und zerfleischt sich selbst. Vettel dürfte mittlerweile klar geworden sein, dass er mit dem Haufen nie WM wird. Wenn jetzt noch ein Idiot daherkommt und ihn im Team alleinig verantwortlich machen will, wird er der F1 sofort den Rücken kehren
- Red Bull? Werden froh sein, wenn sie den Honda Motor zeitnah verstehen und ähnliche Resultate wie dieses Jahr einfahren
- sonst noch wer? Gibts nicht

Hamilton kann froh sein, dass Rosberg weg wollte (oder musste?). Mit Bottas kann er noch leichter Titel einfahren als Schumi mit Barrichello.

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TifosiF40
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Re: Quo vadis Ferrari - wie geht es mit Ferrari weiter?

Beitrag von TifosiF40 » So Okt 07, 2018 9:35 pm

Vettel dürfte mittlerweile klar geworden sein, dass er mit dem Haufen nie WM wird
Ferrari dürfte klargeworden sein, dass sie mit Basti niemals Weltmeister werden :roll: Wenn man die Leistung des Japan-Wochenendes als Maßstab nimmt, dann wird's nichts. Er kann es aber gern jedes Jahr auf's Neue wieder versuchen. So wie ALO jahrelang.
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Sonic84
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Re: Quo vadis Ferrari - wie geht es mit Ferrari weiter?

Beitrag von Sonic84 » So Okt 07, 2018 9:52 pm

Mitsuha hat geschrieben:
So Okt 07, 2018 9:03 pm
Nächste Saison wird ein Selbstläufer für Hamilton und er wird dank Konkurrenzlosigkeit wohl den schnellsten Titel aller Zeit einfahren. Denn wer ist schon da?

- Ferrari? Mit sich selbst beschäftigt und zerfleischt sich selbst. Vettel dürfte mittlerweile klar geworden sein, dass er mit dem Haufen nie WM wird. Wenn jetzt noch ein Idiot daherkommt und ihn im Team alleinig verantwortlich machen will, wird er der F1 sofort den Rücken kehren
- Red Bull? Werden froh sein, wenn sie den Honda Motor zeitnah verstehen und ähnliche Resultate wie dieses Jahr einfahren
- sonst noch wer? Gibts nicht

Hamilton kann froh sein, dass Rosberg weg wollte (oder musste?). Mit Bottas kann er noch leichter Titel einfahren als Schumi mit Barrichello.

Ich bin da nicht ganz deiner Meinung. Den schnellsten Titel aller Zeiten kann man in der heutigen Zeit aufgrund von der Punktevergabe und Haltbarkeit der Autos nicht mehr einfahren. Zum anderen hätte Rosberg nie wieder einen Titel eingefahren. Er selbst hat es durch die Blume gesagt und ist auch genau aus diesem Grund zurückgetreten.

vandamm
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Re: Quo vadis Ferrari - wie geht es mit Ferrari weiter?

Beitrag von vandamm » So Okt 07, 2018 10:46 pm

Quo Vadis Ferrari wird dem Ganzen nicht gerecht. Ich denke Quo Vadis F1 wäre der bessere Titel.

Ich frag mich wie es dort weitergehen soll? Weitere 5 Titel von HAM, die schön von Mercedes gescriptet werden?

Es gab mal glorreiche Zeiten in denen das überlegene Auto bis zum Ende schnell gefahren wurde und die Übermacht mit Stolz zelebriert wurde. Heute stellt sich ein Toto Wolf der Presse und verbreitet die Lüge, dass Red Bull eigentlich viel schneller war in Japan. Klar die AMGs sind so langsam gefahren, dass BOT vermutlich keine Temperatur in den Reifen hatte. HAM ist schön herumgecrused und dachte er holt sich noch die schnellste Runde. Der Mercedes ist so überlegen, dass Ferrari plötzlich schlecht aussieht. Die Fahren einfach den Partymodus 2.0. Auch Red Bull spielt keine Rolle. Es ist zu 100% vorgegeben. Ob VER Zweiter oder Dritter wird solange Ferrari auf Fünf und Sechs liegt ist doch scheißegal.

Früher hatte die FIA alles unternommen um eine Dominanz einzuschränken. Heute ist Todt doch froh, dass er der letzte wirkliche Ferrari Held ist. Und zum Thema das System Schumacher existierte nie. Es war Todt, Brawn und Schumacher. Einer der das Team beherrschte, einer die Technik und der andere war ein Gott im Auto. Barricello ist jeden Morgen seiner ersten Ferrari Jahr aufgewacht und hatte den festen Glauben er könnte Schumacher schlagen und wurde vernichtet.

Bei AMG genau das selbe System. Wolf der Herrscher, eine brutal gut funktionierende Technik Abteilung und HAM mit BOT. Gegen ROS hat es ja nicht geklappt. Der war trotz jeglichen internen Druck erfolgreich. Und da der technische Vorsprung - Team Brawn - nicht ewig von der FIA per Token geschützt werden konnte gab es für HAM einen Wingman. Wobei dieses unsägliche Glück HAM am Anfang der Saison geholfen hat. Ach ja Lauda ist meiner Ansicht ein Maketinggag, wie damals die lächerliche Testfahrt....

Ferrari naja nach Machiones Tod leider Luigis Garage pur. Hinter verschlossenen Türen schlagen die sich die Köpfe ein. Und das schlimmste ist Arrivabene. Da muss ein neutraler Denker wie Wolf hin. VET wurde jegliche Unterstützung genommen und sobald Interna heraus kommen wie VET ist nur Fahrer, Kündigungsdatum RAI usw muss man schon schmunzeln. Jeder der 1 und 1 zusammen zählen kann merkt doch, was nicht stimmt. Und selbst wenn nächstes Jahr ein starker Mann ruhenden Einfluss auf die Luigis bekommt what the hell LEC? Ein Rookie? Was soll da passieren außer dass in der Saison 2019 einmal ein gewisser Webberglanz entsteht? Ich bin der Meinung, dass wenn es eine starke Kraft gibt im Team VET Nr. 1 wird. Alles andere geht nicht. Wolf wird nicht plötzlich vom Geist der glorreichen F1 gegen Weihnachten heimgesucht und wird vom stahlharten Erfolgshund zum Racer. Das wird der niemehr. Wenn man sich mal Mercedes bei normalen Rennveranstaltungen wie VLN ansieht, dann weiß jeder, dass Realität völlig entfernt ist....

RIC hätte Ferrari geholfen. Der einzige Fahrer der neben BOT im Nr. 2 Status lachen kann. Ah 2014 werden Team LH und Bratwurst ja und auch Fligomi ;) sagen. Aber VET wollte nachdem er nicht das gepushe von VER bekommt weg und musste die passende Position erreichen in der WM. BTW sachlich tolle Glückssiege von RIC, der mir denoch absolut sympathisch ist. Aber LEC bitte....

VER bekommt auch eine neue Nr2 und ein Benimmt Seminar zum Hondaumgang. Gastdozent ist nicht Alfons der Geschichtenerzähler und Ehrensamurai...

Red Bull wird einen großen Schritt nach hinten gehen.

Also wer wenn nicht Ferrari oder ein weiterer starker Fahrer bei AMG wie Vettel? Sorry aber der fast total dominierende HAM sah bei McLaren nicht einen Deut besser wie Vettel bei Ferrari aus. Nur 4 Polen mehr als ROS von 2013 bis 2016 und die in den letzten Wochen 2016. Bombe der Typ...

Niemals auch nur in der Nähe eines Sennas oder Schumachers....


Arme F1...
Totto Wolf: "Ist Hamilton innen, diktiert er die Linie - Ist Hamilton außen, diktiert er die Linie..."

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seahawk
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Re: Quo vadis Ferrari - wie geht es mit Ferrari weiter?

Beitrag von seahawk » Mo Okt 08, 2018 8:21 am

Man muss hoffen, dass der Honda funktioniert.

Wahrscheinlich ist aber, dass Mercedes noch dominanter wird, weil Ferrari ins Chaos abgleitet und Red Bull mit dem Honda keinen Schritt machen kann. Naja, vielleicht schlägt Kimi ja nächstes Jahr Vettel regelmäßig. :D

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flingomin
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Re: Quo vadis Ferrari - wie geht es mit Ferrari weiter?

Beitrag von flingomin » Mo Okt 08, 2018 8:31 am

Wenn man das hier so liest:
https://www.motorsport-total.com/formel ... t-18100801

Bekommt man einen Eindruck davon, dass hinter den Kulissen Ferraris endgültig wieder das vollkommene Chaos ausgebrochen ist, und die Hütte lichterloh brennt.
Statt Lösungen werden Schuldige gesucht, anstatt zu überlegen wie man es beim nächsten Mal besser machen kann muss irgend ein Kopf rollen.
Das ist das Klima, das (wenn man das glauben mag was nach aussen dringt) schon immer bei Ferrari vorgeherrscht hat, lediglich die Französisch/Britisch/Südafrikanische Führungstrio verstand es, diese zweifellos vorhandene starke Energie in positive Ergebnisse umzuwandeln.
Das Ergebnis war eine über Jahre anhaltende Dominanz ab Ende der 90er Jahre.

Das was man jetzt wahrnimmt ist in etwa das, was in Alonsos letzten Ferrari Monaten los war.
Das große Köpferollen begann, die praktisch gesamte Führungsriege wurde hastig ausgetauscht, wer nicht direkt gefeuert wurde lief schleunigst davon.
Wer war damals dran Schuld? Na logisch, Alonso. Zumindest in den Augen der Internetexperten.
Danach wurde es tatsächlich für kurze Zeit besser, mit neuer Führung war so etwas wie Aufbruchstimmung zu spüren.
Man baute tolle Autos, und versank nach und nach trotzdem wieder im Sumpf des Chaos.

An wem liegts also jetzt? Analog dazu kann die Antwort natürlich nur "Sebastian Vettel" lauten.
Nee, ist natürlich völliger Käse.
Ich glaube es gibt niemanden der direkt dafür verantwortlich ist, ebensowenig wie es damals an Alonso oder an Dominicali lag.

Es ist der normale Zustand, der in einem italienischen Team in Italien mit italienischer Teamführung und italienischen Mitarbeitern vorherrscht. Seit den 70er Jahren (ich habe später jahrelang mit den Vorgängern der jetzigen Mannschaft zusammengearbeitet, Anekdoten gäbe es da zur Genüge ;) ).
Jetzt kann jemand Arrivabene in hohem Bogen feuern und gegen einen neuen "Mann des Vertrauens" austauschen, aber es wird nichts ändern.
Das Grundproblem wird solange bleiben, wie man Italiener in Italien italienische Rennwagen bauen und betreuen lässt.
Die allgemeine Erwartungshaltung eines JEDEN Mitarbeiters ist, dass Probleme auf politischer und nicht auf sachlicher Ebene gelöst werden.
Es ist unglaublich, wie einfach mann eine ganze Mannschaft für ein anstehendes Projekt motovieren, befeuern und bewegen kann. Aber es verkommt zu einem Sisyphusakt, den Laden am Laufen und die Mannschaft beisammen zu halten wenn die ersten Schwierigkeiten auftauchen.
"Himmelhochjauchzend - zu Tode betrübt".
Bei Ferrari eine Frage von Stunden.

Was man machen müsste - aber DAS sägt eben gehörlich am italienischen Nationalstolz - ist die erneute Installation einer pragmatisch denkenden Führungsmannschaft.
Das will aber eigentlich gar keiner (man kann sich als nicht-Italiener kaum vorstellen, wie sehr Ferrari als Nationalheiligtum angesehen wird).
Man bräuchte aber kein Eigengewächs das aus irgendeinem verstrickten Firmengeflecht irgendwie zur "Famiglia" gehört oder irgendwelche guten Beziehungen zum Chef hat, sondern jemand den man sich rein aufgrund seiner Expertise einkauft.
Ein Team vielleicht das die Bude aufräumt und gründlich ausfegt, und dem Lösungen wichtiger sind als Schuldige.
Einen Horner, einen Wolff, einen Brawn 2.0. Oder wenns schon ein Italiener sein muss, von mir aus einen zweiten Briatore.

Und ich bin mir in einem recht sicher: Irgendwann in den nächsten Jahren passiert das auch.
Ein entnervter Vettel tauscht sein Cockpit dann für seine letzten 2, 3 Jahre mit Hamilton und der fährt seine letzten beiden Titel dann genüsslich in rot ein.
Vielleicht liege ich falsch, aber ich glaubs eigentlich nicht.

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Maglion
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Re: Quo vadis Ferrari - wie geht es mit Ferrari weiter?

Beitrag von Maglion » Mo Okt 08, 2018 10:02 am

flingomin hat geschrieben:
Mo Okt 08, 2018 8:31 am
Es ist der normale Zustand, der in einem italienischen Team in Italien mit italienischer Teamführung und italienischen Mitarbeitern vorherrscht. Seit den 70er Jahren (ich habe später jahrelang mit den Vorgängern der jetzigen Mannschaft zusammengearbeitet, Anekdoten gäbe es da zur Genüge ;) ).
Jetzt kann jemand Arrivabene in hohem Bogen feuern und gegen einen neuen "Mann des Vertrauens" austauschen, aber es wird nichts ändern.
Das Grundproblem wird solange bleiben, wie man Italiener in Italien italienische Rennwagen bauen und betreuen lässt.
Die allgemeine Erwartungshaltung eines JEDEN Mitarbeiters ist, dass Probleme auf politischer und nicht auf sachlicher Ebene gelöst werden.

Was man machen müsste - aber DAS sägt eben gehörlich am italienischen Nationalstolz - ist die erneute Installation einer pragmatisch denkenden Führungsmannschaft.
Das will aber eigentlich gar keiner (man kann sich als nicht-Italiener kaum vorstellen, wie sehr Ferrari als Nationalheiligtum angesehen wird).
Man bräuchte aber kein Eigengewächs das aus irgendeinem verstrickten Firmengeflecht irgendwie zur "Famiglia" gehört oder irgendwelche guten Beziehungen zum Chef hat, sondern jemand den man sich rein aufgrund seiner Expertise einkauft.
Ein Team vielleicht das die Bude aufräumt und gründlich ausfegt, und dem Lösungen wichtiger sind als Schuldige.
Einen Horner, einen Wolff, einen Brawn 2.0. Oder wenns schon ein Italiener sein muss, von mir aus einen zweiten Briatore.
So sehe ich das auch. Man dachte in der Erfolgsphase mit Schumacher und den sehr international besetzen Führungspositionen, dass Ferrari italienischer werden müsste und hat angefangen den italienischen nachwuchs aufzubauen. Dieses Experiment ist gescheitert - sogar schon mehrfach, aber trotzdem gab es NOCH kein Umdenken.

Natürlich ist Ferrari in Italien sehr wichtig und wenn Ferrari mit möglichst vielen Italienern Erfolg hätte, wäre das sicher die Krönung und der Idealfall - aber ich denke nicht, dass der Nationalstolz so groß ist, dass man für ihn auf Erfolge verzichtet. Für Italien ist es viel wichtiger erfolgreich zu sein, als dass möglichst viele Italiener am Erfolg beteiligt sind. Das hat Italien ja schon beim Nationalsport Nr.1 erkannt und war im Fußball Vorreiter beim Importieren der besten Fußballer der Welt.
Nichts anderes wurde in der Ära Schumacher bei Ferrari gemacht - man holte die Besten und formte aus ihnen ein hoch funktionales Team und die Italiener liebten es, weil Ferrari endlich wieder eine Macht in der F1 wurde und den Platz eingenommen hat, der aus italienischer Sicht angemessen war. Der Versuch das Ganze noch zu toppen, indem man versuchte, diese Erfolge mit möglichst vielen Italienern in den Führungspositionen zu erreichen, hat maßgeblich zum Abstieg Ferraris beigetragen - erst wurde man von Renault gebügelt, dann kam ein Glückliches Zwischenhoch 2007 F/K-WM und 2008 K-WM (haben viele schon vergessen) als McLaren WM-Titel verschenkte, dann kam Brawn, RedBull und seitdem wird man von Mercedes gebügelt. Man hat ja an Brawn gesehen, wie man in wenigen Jahren aus einem erfolglosen Honda-Team ein Siegerteam macht. Aber auch hier mussten erst die verkrustete und uneffektiven Honda- Strukturen ersetzt werden. Auch bei RedBull, was am Anfang eher belächelt wurde, hat man sich ein gutes Team zusammengekauft, geformt und wurde erfolgreich, das Gleiche funktionierte dann bei Mercedes und was macht Ferrari? Sie halten an ihrem Italia-System immer weiter fest, obwohl sie damit seit immer wieder auf die Nase fallen. :jupi:

Das hat übrigens weniger damit zu tun, dass es bei Ferrari viele Italiener an den wichtigen Positionen hat, denn bei Mercedes würde es sicher auch nicht besser laufen, wenn man dort auf deutsche Führungskräfte setzen würde. Denn es gibt KEIN Land, das in allen Bereichen die besten Leute stellen kann - die F1 ist sehr international und wenn man die besten Leute haben möchte, muss man weltweit suchen - alles andere ist zum Scheitern verurteilt.
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Danuselli
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Re: Quo vadis Ferrari - wie geht es mit Ferrari weiter?

Beitrag von Danuselli » Mo Okt 08, 2018 12:48 pm

Maglion hat geschrieben:
Mo Okt 08, 2018 10:02 am
.......
Man hat ja an Brawn gesehen, wie man in wenigen Jahren aus einem erfolglosen Honda-Team ein Siegerteam macht. Aber auch hier mussten erst die verkrustete und uneffektiven Honda- Strukturen ersetzt werden. ....
Nur weils mir grad überhaupt nicht gefällt wie du da analysierst.

Brawn hat nach dem Rückzug am (!) 8.Dez.2008 per 3.März.2009 das gesamte Honda-Team übernommen, incl. Fahrer, Ersatzpilot,technical Advisor Wurz, Chassis (Honda RA109) ect. und er selbst kam erst 2008 zu Honda.

2010 kannste eigentlich knicken weil BrawnGP selbst ja kaum Ressourcen hatte das Auto daher eine Notlösung war und das erste Mercedes GP-Jahr somit wertlos in der Betrachtung ist. Wobei das (nach Punkten) noch das erfolgreichste der 3 Jahre nach BrawnGP war.

Bleiben 2011, 2012 und 2013 mit Brawn und da wurden mit der neuen "deutschen Gründlichkeit" und erst mit den Umbauten die ab Anfang 2013 durch Stuttgart gelenkt wurden wieder ein Siegteam daraus.
Das hat aber eben mit der Installation von Wolff und Lowe zu tun und nichts mit Brawn der schon Anfang 2013 entmachtet wurde, bis zu diesem Zeitpunkt (Anfang 2013) hatte man eben abgesehen von 2009 wo man mit "uneffektiven Honda- Strukturen" arbeiten musste und dem Folgejahr 2010 wo man aus der Honda/BrawnGP-Entwickung zehrte und 3 mal 3. wurde nur jedes Podestplätzchen einmal heim gebracht.

Also 6 Podestplätze in 2010,11,12 wo Brawn am Ruder war.

Ab 2014 also das jahr ohne Brawn, ein Jahr nach seiner Entmachtung, und alles was danach kam ist auf das Hybridkonzept zurück zuführen und nicht auf die arbeit von Brawn.

Deine analyse halte ich eben dahingehend für Falsch das er eben genau mit diesen "uneffektiven Honda- Strukturen" ein Sieg-Team formte, das in Windeseile und eigentlich noch als Honda und das er es danach unter deutscher Führung eigentlich garnicht mehr schaffte.

Beispiele für wirkliche Aufbauarbeit und die Früchte daraus wären seine Zeit bei Benetton oder Ferrari aber nicht der Weg von MercedesGP ;)

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Maglion
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Re: Quo vadis Ferrari - wie geht es mit Ferrari weiter?

Beitrag von Maglion » Mo Okt 08, 2018 1:44 pm

Danuselli hat geschrieben:
Mo Okt 08, 2018 12:48 pm
Nur weils mir grad überhaupt nicht gefällt wie du da analysierst.

Brawn hat nach dem Rückzug am (!) 8.Dez.2008 per 3.März.2009 das gesamte Honda-Team übernommen, incl. Fahrer, Ersatzpilot,technical Advisor Wurz, Chassis (Honda RA109) ect. und er selbst kam erst 2008 zu Honda.

Bleiben 2011, 2012 und 2013 mit Brawn und da wurden mit der neuen "deutschen Gründlichkeit" und erst mit den Umbauten die ab Anfang 2013 durch Stuttgart gelenkt wurden wieder ein Siegteam daraus.
Das hat aber eben mit der Installation von Wolff und Lowe zu tun und nichts mit Brawn der schon Anfang 2013 entmachtet wurde, bis zu diesem Zeitpunkt (Anfang 2013) hatte man eben abgesehen von 2009 wo man mit "uneffektiven Honda- Strukturen" arbeiten musste und dem Folgejahr 2010 wo man aus der Honda/BrawnGP-Entwickung zehrte und 3 mal 3. wurde nur jedes Podestplätzchen einmal heim gebracht.
Wenn Du schon eine Logik anwendest, dann bitte aus konsequent und nicht nur da wo es passt! ;)
Entweder sind die Leute relevant, unter deren leitung das Siegauto der Folgesaison entwicklet wurde oder diejenigen, die wenig mit diesem Auto zu tun hatten, aber damit dann die WM eingefahren haben. Bei Hond/Brawn GP war Brawn federführend bei der Vorbereitung des 2009er Erfolges, als auch bei der Umsetzung. Bei Mercede war die neue Führung 2014 lediglich für die Umsetzung verantwortlich, den weg dort hin hat wieder mal Brawn geebnet.

Brawn kam im Nov. 2007 zum Honda Team - da war das Auto für 2008 schon fertig designt und sein Einfluss auf dieses Auto war marginal. ABER das Auto, dass unter seiner Leitung 2008 für 2009 entwicklet wurde, fuhr 2009 sowohl die Fahrer,- als auch die Konstrzkteurs-WM ein - dazu hatte er bereits 2008 das Honda-Team ziemlich umgekrempelt und Honda beißt sich heute noch in den Hintern, dass sie Brawn nicht genügend Zeit gaben und überhastet aus der F1 ausgestiegen sind.

Dass Mercedes am Anfang solche Probleme hatte, lag doch daran, dass Brawn GP ein mini Budget hatte und Mercedes meinte, wenn sie ein WM-Team übernehmen, könnten sie mit kleinem Geld in der F1 groß absahnen. Erst als sie entschieden richtig Geld in die Hand zu nehmen und aus dem kleinen Brawn GP ein großes Werksteam zu machen, hat es funktioniert. Übrigens träumen viele Teams davon, es von 0 - 100 (WM) in 4 Jahren zu schaffen - Brawn war ungewöhnlich oft dabei, als solche Team-Auf-Umbaumaßnahmen nach wenigen Jahren zur WM führten - Benetton / Ferrari / Honda-Brawn und auch Mercedes. Wäre Wolff bei Williams geblieben, wären die sicher trotzdem nicht WM geworden und Lauda hat bei Jaguar auch nicht gerade als Chef geglänzt - also das sind beide keine Personalien die eine längere Erfolgsgeschichte in der F1 vorweisen können. ABER sowohl Wolff und Lauda sind gute Geschäftsmänner, die eine Nase für gute Geschäfte haben und als sich die Chance bei Mercedes bot, haben sie genau zur richtigen Zeit zugeriffen und haben mit Paddy Lowe und Hamilton die richten Schlüsselfiguren an Board geholt.

Bei Merceds war Brawn auch noch für die Entwicklung des 2014er Autos vernatwortlich und das war ja dann auch das Auto, das die erste WM für Mercedes geholt hat. Paddy Lowe hat am 2014er Auto nur einen geringen Anteil, da er erst Ende 2013 zu Mercedes kam - ihm oblag das zu nutzen, was ihm Brawn hinterlassen hat und das war ja gut genug, um damit WM zu werden. ;) Dass das Mercedes-Team danach am Ball blieb und die neue Teamführung einen guten Job gemacht hat und noch macht ist ja offensichtlich.

Um jetzt mal wieder die Kurve zu Ferrari zu bekommen, genau dieses systematische Umkrempeln eines Teams und das optimale Nutzen des vorhandene Budget, ist bei Ferrari schon sehr sehr lange her - über 20 Jahre. Nach Brawn/Todt bei Ferrari gab es zwar viele Personalwechsel und Umstrukturierungen, aber eben immer mit dem Kompromiss, dass möglichst viele Italiener an den Schlüsselpositionen sein müssen und es wurde sich nie die nötige Zeit genommen und oft voreilig gutes Personal ersetzt.
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Danuselli
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Re: Quo vadis Ferrari - wie geht es mit Ferrari weiter?

Beitrag von Danuselli » Mo Okt 08, 2018 3:37 pm

Wie gesagt es ging mir nur um deine Analyse der "uneffektiven Honda- Strukturen" die er los werden musste. Nein er hat es eben mit genau diesen Strukturen geschafft und das eben nicht als Aufbauarbeit.

Denn die Arbeit die im Honda-Team gemacht wurde um sich zu verbessern wurde von den Japanern gemacht, die Dienstantritte von Bigois, Martinet, Zander oder Owen sind alle spät 2007 oder Anfang 2008, so wie eben Brawns Dienstantritt selbst ;) - Das Team das den 2009er gebastelt hat

Und bei einem hast du leider auch vollkommen Unrecht, Mercedes ist seit 2010 wieder Werksteam, Lowe kam nicht erst Ende 2013, sondern arbeitete ab Juni 2013 (zufällig halt eben genau der Zeitpunkt wo es bei einem neuen Auto zur Sache geht) und war sofort Executive Director des Designteam für den neuen Wagen - https://www.formula1.com/en/latest/arti ... Oqski.html

Und auch die "neue Führung ab 2014" ist leider etwas Falsch, die "Neue Führung" in Stuttgart stellte bereits Ende 2012/Anfang 2013 und davor die Weichen, und die ganz klar gegen Brawn.
Statt dem Buddy-Trio Haug-MSC-Brawn, hieß es plötzlich Hamilton, dann Lauda, dann Wolff. Zuguter letzt Lowe der ja auch nicht erst im Juni 2013 unterschieben hat sondern wegen der Konkurezklausel garnicht früher arbeiten durfte. (vgl. oben mit dem Honda umbau)
Das man mit Brawn bricht war schon ganz deutlich erkennbar, insofern war 2013 nurmehr ein danke an Brawn, zu sagen hatte er aber effektiv garnichts mehr. Man musste halt keinen Vertrag brechen sondern ließ ihn auslaufen und hat keinen Rosenkrieg draus gemacht

Und nein der 2014 Mercedes war nicht wegen den tollen Vorarbeiten von Brawn (der wie beschrieben ab Ende 2012/Anfang 2013 eigentlich komplett entmachtet war) oder einem Profiteur Lowe (der den 2014er gebaut hat) so gut sondern einzig und allein wegen der neuen Hybridformel wo jeder noch so schlechte Wagen - sofern er eben ein AMG-Antrieb hatte - profitiert hat.

Wo du aber Vollkommen recht hast ist die Handlungsweise bei Ferrari,... 0 Geduld, keine neues System wirken lassen, viel zu schnell aus der Hüfte geschossen,... jetzt nach 10 Jahren ohne Titel wird das absolut nicht einfacher. Aber wer klug ist müsste jetzt sagen lieber noch 2/3 Jahre keinen und dann voll da sein als ihn nie mehr holen und "jede Woche" neue Leute brauchen.

vandamm
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Re: Quo vadis Ferrari - wie geht es mit Ferrari weiter?

Beitrag von vandamm » Di Okt 09, 2018 2:16 am

Es stellt sich ja die Frage, was wäre aus AMG geworden ohne die Motoränderungen? Vermutlich hätten wir eine ausgeglichenere und bessere F1.

Erster Ferrari Fehler die Überheblichkeit zu denken, dass die innerhalb kürzester Zeit mit dem Motor nachziehen können. Das haben die heute noch nicht geschafft. AMG wird jetzt in der letzten Hälfte in Sachen Ölverbrauch an die Grenze gegangen sein und schwupps ziehen die gleich mit der Ferrarileistung.

Renault und Honda werden solange es dieses Motorenreglement gibt nicht mal annähernd rankommen. Und der Regelhüter lacht sich tot. Ich bin der letzte Ferrarinapolion und keiner schafft es. Das AMG die F1 totsiegt scheint in Paris keine Sau zu interessieren. Es muss dringend was passieren. Ich denke sollte es bei AMG so wie in den letzten Jahren auch 2019 werden sich die Fernsehstationen und Streckenbetreiber brutal umschauen....
Totto Wolf: "Ist Hamilton innen, diktiert er die Linie - Ist Hamilton außen, diktiert er die Linie..."

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Maglion
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Re: Quo vadis Ferrari - wie geht es mit Ferrari weiter?

Beitrag von Maglion » Mo Okt 22, 2018 8:25 am

Ist das tatsächlich Ferraris Ernst, dass sie 6 Rennen (3 Monate) gebaurucht haben, um zu merken, dass die Spezifikation, die man in Hockenheim gefahren ist, die schnelle ist und sie danach Murks fabriziert haben? :eek: :jupi: :shake: :betrunken:

Hätten Profis nicht viel früher auf die Idee kommen können, einfach mal an einem Freitag eine alte Spezifikation gegen eine neue im Vergleich fahren zu lassen, um zu sehen, wo das Problem ist, um dann zur alten Spezifikation zurück zu kehren, wenn man das Problem nicht lösen kann?
Da werfen sie lieber eine möglich WM weg, weil sie zu stolz sind, um die eigene Arbeit der letzten Monate in Frage zu stellen?

Man muss sich auch fragen, wieso bringt Ferrari Updates, die nicht im Vergleich getestet sind und von denen man auch SICHER ist, dass sie tatsächlich eine Verbesserung sind? Ich meine, sie hatten das schnellste Auto und es gab ja wenig Druck, jetzt irgendwelche Updates durchzudrücken, die dann nicht funktionieren.

Wenn das jetzt wirklich die Lösung war, weshalb Ferrari jetzt wieder siegfähig ist, dann kann man nur hoffen, dass Arrivabene gefeuert wird, denn solche Entscheideungen hat immer der Teamchim zu verantworten und in diesem Fall, wäre das ein sehr krasser Fehler, der jede chanc eauf eine WM zerstört hat. :finger:
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flingomin
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Re: Quo vadis Ferrari - wie geht es mit Ferrari weiter?

Beitrag von flingomin » Mo Okt 22, 2018 8:34 am

Maglion hat geschrieben:
Mo Okt 22, 2018 8:25 am
Hätten Profis nicht viel früher auf die Idee kommen können, einfach mal an einem Freitag eine alte Spezifikation gegen eine neue im Vergleich fahren zu lassen, um zu sehen, wo das Problem ist, um dann zur alten Spezifikation zurück zu kehren, wenn man das Problem nicht lösen kann?
Da werfen sie lieber eine möglich WM weg, weil sie zu stolz sind, um die eigene Arbeit der letzten Monate in Frage zu stellen?
Willkommen in Italien!
Jetzt bist Du schon ganz ganz nahe dran.
Die Fragen die dort bei solchen Geschichten vorrangig gestellt werden sind nicht "Wie können wir das lösen?".
Es geht erst mal in die Richtung von "Wie konnte das passieren, wer ist daran schuld?"
Nachdem sich die Abteilungen dann ein paar Wochen lang gegenseitig dafür verantwortlich gemacht haben, wer denn nun die Verantwortung für den Irrweg zu tragen habe einigt man sich auf die Erkenntnis, doch am besten alles wieder auf das zu bauen was funktioniert hat und von vorne anzufangen.
Sowas von absolut typisch für die dortige Arbeitsweise, man könnte es als Schulungsbeispiel verwenden.

Die Frage auf der anderen Seite: Würde ein Team wie Ferrari überhaupt funktionieren, wenn nur kühle Analytiker am Ruder wären?
Vermutlich machts die Mischung, und die zu treffen gelang selten.

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Maglion
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Re: Quo vadis Ferrari - wie geht es mit Ferrari weiter?

Beitrag von Maglion » Mo Okt 22, 2018 8:57 am

.....ich denke Todt und Brawn waren sehr kühle und ruhige Analytiker.....und da lief es nicht soooo schlecht, oder? ;) :D

Ich behaupte mal, dass man sich den Erfolg in der F1 nur analytisch mit einer Portion Coolness erarbeiten und über eine längere Zeit halten kann.
Dort wo die Emotionen oft den Verstand ausschalten, kann man auch Erfolg haben, aber der ist dann nicht von Dauer und wie man bei Ferrari sieht, kann so eine Erfolgsphase in wenigen Wochen schon wieder zu Ende sein..... Bei Mercedes hält man seit JAHREN ein sehr hohes Level und die Schwankungen gefährden die WM nicht.

Hätte man bei Ferrari mehrere Monate die Entwickungsabteilungen geschlossen und die Mitarbeiter für mehrere Monate in den Urlaub geschickt, hätte man noch eine sehr realistische Chance auf die WM - so hat man die Mitarbeiter im Kreis rum gejagt und ausgelaugt, um dann festzustellen, dass alles um sonst war......bravo.

Ich glaube, dass hier der interne Machtkampf zu diesen unfassbaren Fehlentscheidungen geführt haben, weil die betreffenden Personen lieber ihre Position behaupten wollten, ohne Rücksicht auf Vernunft und Verstand.
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Re: Quo vadis Ferrari - wie geht es mit Ferrari weiter?

Beitrag von flingomin » Mo Okt 22, 2018 10:41 am

Maglion hat geschrieben:
Mo Okt 22, 2018 8:57 am
.....ich denke Todt und Brawn waren sehr kühle und ruhige Analytiker.....und da lief es nicht soooo schlecht, oder? ;) :D
Richtig!
und genau da (damals) hats eben die Mischung gemacht und eine nahezu perfekte Symbiose aus kühlen Rechnern, logischen Lenkern und emotionalen Köpfen erzeugt:

Todt lenkte, Brawn dachte und Schumacher machte (bis ganz Italien endlich wieder lachte).
Obendrüber Montezemolo, der die Fäden zog.
Es hat damals einfach alles zusammengepasst.

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Re: Quo vadis Ferrari - wie geht es mit Ferrari weiter?

Beitrag von apetor » Mo Okt 22, 2018 4:19 pm

Man darf auch nicht vergessen, dass es früher noch kein Testverbot & Budgetgrenze gab. Ferrari konnte sich da 24/7 auf der eigenen Hausstrecke mit einem äusserst talentierten & sehr fleissigen deutschen Rennfahrer austoben...

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Re: Quo vadis Ferrari - wie geht es mit Ferrari weiter?

Beitrag von Maglion » Mo Okt 22, 2018 6:19 pm

apetor hat geschrieben:
Mo Okt 22, 2018 4:19 pm
Man darf auch nicht vergessen, dass es früher noch kein Testverbot & Budgetgrenze gab. Ferrari konnte sich da 24/7 auf der eigenen Hausstrecke mit einem äusserst talentierten & sehr fleissigen deutschen Rennfahrer austoben...
Diese Möglichkeiten hatten alle Teams und haben sie auch genutzt und ich würde mal behaupten, dass die Auswirkungen damals schlimmer gewesen wären, wenn man stur Monate in die falsche Richtung entwickelt hätte. Damals waren die Fortschritte während der Saison enorm und schon wer einige Wochen stehen blieb, hatte dann schnell ein Problem.
Aktuelle sind die Fortschritte in der F1 währen der Saison relativ klein und das bedeutet auch, dass man nicht viel verliert, wenn man keine Fortschritte macht. Man sieht ja, dass Ferrari mit dem Hockenheim-Ferrari auch jetzt noch siegfähig ist. ;)

Das Problem bei Ferrari ist doch, dass es dort aktuell nirgends rund läuft und es schon ein Wunder ist, wenn mal EIN Rennwochenende ohne Murks und Fehler abläuft - SO kann man aber nicht Weltmeister werden.
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Re: Quo vadis Ferrari - wie geht es mit Ferrari weiter?

Beitrag von flingomin » Mi Okt 24, 2018 9:03 am

Es gab jüngst ein Statement von Ross Brawn, der - neben seiner Ansicht, Vettel laufe momentan komplett neben der Spur - auch und vor allem Marccionnes Tod für Ferraris Durcheinander verantwortlich macht.
ER sei der eigentliche Lenker des Rennstalls gewesen.
Arrivabene sei es gewohnt gewesen, hauptsächlich "geschäftsführend" Marcionnes Ideen und Anweisungen umzusetzen.
Dazu wurde er ausgesucht, dazu war er da.
Das wurde ihm jetzt genommen, er ist auf sich alleine gestellt, hat nun einen weiteren fachfremden und vor allem Ferrari . fremden ehemaligen Marlboro - Manager vor die Nase gesetzt bekommen und er zerreibt sich seit dem an internen Querelen.
Die Politik hat bei Ferrari endgültig die Oberhand über die Technik gewonnen.

Es gibt niemanden wie früher einen Joan Todt, der die Zügel selbst straff in der Hand hielt und sich einen feuchten Kehrricht um die Ferrari Politik scherte (denn dafür war ja L.d.M. als starker Kopf und Prellbock da).
Dazu (oder vielleicht gerade deswegen?) noch ein Vettel, der seit Saisonmitte seiner eigenen Form weit hinterher rennt, und der im Moment mental zerschlagen wirkt.
Zudem wird es eine neue Fahrerpaarung geben die sich als explosiv erweisen könnte, falls Vettel durch LeClerc weiter aus seiner Wohlfühlzone getrieben werden sollte.
Jetzt rede ich schon gar nicht mehr von 2018 sondern von 2019.
Wie soll man so einen Titel gewinnen?

Seit 30, 35 Jahren ist es (mit Ausnahme der Todt-Brawn-Byrne-Schumacher-Zeit) so, dass Ferrari "eigentlich" alles beisammen hat was es zum Gewinnen braucht. (Schnelles Auto, genug Budget, gute Köpfe, hervorragendes technisches Personal, gute Fahrer, Top-Infrastruktur) und dennoch keinen Blumentopf gewinnt, weil ihnen besser organisierte britisch/deutsch/französische Teams den Schneid abkaufen.

Auch bei der Orga müsste Ferrari vielleicht (genau wie bei ihrem Austin-Unterboden) mal zwei Schritte zurück gehen, um dann mit Anlauf einen Sprung nach vorne machen zu können.
Dazu müsste zunächst eingesehen werden wo das Problem liegt, aber das verbietet der südländische Stolz (gepaart mit einer deftigen Portion italienischer Sturheit).

Solange sich DAS nicht ändert, wird es relativ egal sein ob Ferrari ein Auto bauen kann, das ein paar Zehntel schneller ist als der Mercedes oder der RedBull-Honda.

WM werden sie mit diesem Sauhaufen nicht.


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Re: Quo vadis Ferrari - wie geht es mit Ferrari weiter?

Beitrag von Maglion » Mo Jan 07, 2019 1:26 pm

Jetzt ist das passiert, was absehbar war - Maurizio Arrivabene wurde gefeuert und wird durch Mattia Binotto Platz ersetzt.

Jetzt setzt man bei Ferrari wohl wieder auf F1-Kompetenz, anstatt auf einen markigen Vertriebsfachmann. Die Frage ist nur, ob ein Techniker auch ein guter Teamchef ist? ;)

Auf jeden fall hat man jetzt den internen Machtkampf beendet und Mattia Binotto bekommt seine Chance - ich bin gespannt, was er daraus macht. Auf jeden Fall hat er jetzt keine Ausreden mehr, wenn es Probleme gibt.

Ich bin mir nicht sicher, ob Mattia Binotto tatsächlich die beste Lösung ist - kutzfristige evtl., weil sie keine große Wahl hatten, aber auf lange Sicht habe bin ich mir nicht sicher. Ich bin gespannt, ob jetzt auch der Umgang mit Vettel un seiner Position im Team neu "geregelt" wird. Es haben ja nicht wenige F1-Experten kritisiert, dass sie bei Ferrari nicht voll auf Vettel gesetzt und sich so im WM Kampf entscheident geschwächt haben.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass sich unter Mattia Binotto das Klima innerhalb des Teams entscheidend verbessert wird, was sich auf die Leistungsfähigkeit auswirken sollte.
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Re: Quo vadis Ferrari - wie geht es mit Ferrari weiter?

Beitrag von lulesi » Mo Jan 07, 2019 8:57 pm

Dieser mürrische sprachfaule Geselle soll ein Vetriebsfachmann gewesen sein?
Wenn ich an das Chaos von Monza denke, wo er dann hinterher auch noch stolz erzählte "Ich habe Kimi gefeuert" wird mir heute noch schlecht. Gut dass der Dilletant an allen Fronten endlich weg ist.

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Re: Quo vadis Ferrari - wie geht es mit Ferrari weiter?

Beitrag von Mitsuha » Di Jan 08, 2019 9:33 am

Auch wenn Lauda manchmal ein Dummschwätzer ist, aber eins muss man ihm doch zugestehen: als Ehemaliger weiß er, wie ein Fahrer tickt, und hat auch noch genug Verständnis für die Technik, um nicht als gänzlich Ahnungsloser dazustehen.

Insofern halte ich nicht viel davon, dass da nun ein Techniker als Teamchef an der Spitze steht. Mag vielleicht nach Copycat aussehen, aber eine Doppelspitze wie bei Mercedes würde Ferrari enorm gut tun: auf der einen Seite der ehemalige Spitzenfahrer (da wäre Schumi ideal geeignet für gewesen; so wäre in meinen Augen ein Jenson Button ein guter Kandidat, da er mittlerweile enorm clever zu sein scheint und im Fahrerlager recht beliebt war), der sich ums Wohlbefinden der (oder des einen) Fahrer kümmert und eine Schnittstelle darstellt und auf der anderen Seite einen "harten" Hund, der den Laden schmeisst und dennoch etwas Ahnung vom Innenleben eines Wagen hat (sowohl Technik als als fahrerisch).

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Re: Quo vadis Ferrari - wie geht es mit Ferrari weiter?

Beitrag von turner1 » Di Jan 08, 2019 7:07 pm

Wenn Gerhard Berger die DTM schon "fertig" haben würde wäre das nicht übel gewesen ihn als 2. Spitze einzukaufen

Beste Grüße :) 8)
turner 1

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Re: Quo vadis Ferrari - wie geht es mit Ferrari weiter?

Beitrag von Maglion » Mi Jan 09, 2019 3:36 am

turner1 hat geschrieben:
Di Jan 08, 2019 7:07 pm
Wenn Gerhard Berger die DTM schon "fertig" haben würde wäre das nicht übel gewesen ihn als 2. Spitze einzukaufen

Beste Grüße :) 8)
:top:

Gerhard Berger könnte ich mir auch sehr gut bie Ferrari vorstellen. Er hat ja schon bei BMW und Toro Rosso bewiesen, dass er für ein F1 Team eine echte Bereicherung ist. Außerdem ist er ein sympathischer Typ, der durch seine Persönlichkeit schon eine Bereicherung für die F1 wäre. Er könnte auch leibend gerne den Marko bei RedBull ablösen - das würde das Team enorm aufwerten ! ;) :D
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